Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
- Автор: Волков Александр Мелентьевич
- Серия: smaragdenstadt #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten». Краткое содержание книги:
Manche Käuer waren so erbittert, daß sie die Todesstrafe für den Verräter forderten, andere sprachen sich für lebenslänglichen Kerker aus, wieder andere waren der Ansicht, man solle den ehemaligen Statthalter in ein Bergwerk verbannen, damit er dort Eisenerz grabe.
Charlie bat ums Wort.
„Ich bin anderer Ansicht", begann er ruhig, „wir sollten lieber Kabr Gwin in die Smaragdenstadt zu seinem Herrn Urfin ziehen lassen. Ich schlage vor, wir lassen ihn frei. Mag er allein auf dem Gelben Backsteinweg in die Smaragdenstadt gehen . . ." Kabr Gwin wurde kreideweiß. Entsetzt schrie er:
„Allein durch den Tigerwald? Nein, nein, nein! Lieber will ich im Erzbergwerk Tag und
Nacht arbeiten!"
Die Käuer aber riefen belustigt:
„Aber wir lassen dich doch frei!"
„Damit mich die Säbelzahntiger fressen? . . . Nein, ich will ins Bergwerk!" Die entwaffneten und gefesselten Holzköpfe wurden im Hof von Prem Kokus zu einem Stapel aufgeschichtet und sollten hier so lange bleiben, bis man eine Verwendung für sie finden würde.
Elli und ihre Gefährten aber zogen weiter. Wie vor einem Jahr klapperten die Schuhe des Mädchens auf den gelben Backsteinen der festgestampften Straße; es waren diesmal aber keine Silberschuhe, sondern gewöhnliche Stiefel aus Ziegenleder mit dicken Sohlen. An Ellis Seite schritt wie damals der riesige Löwe, und vor ihnen sprang Totoschka einher. Nur der Scheuch und der Eiserne Holzfäller fehlten. Ihre Stelle hatte der Seemann Charlie eingenommen, auf dessen Schulter die Krähe Kaggi-Karr saß. Ein paar junge kräftige Käuer trugen das Gepäck unserer Freunde.
Die Käuer begleiteten die Wanderer bis an die Landesgrenze. Als sie die letzten Farmen hinter sich hatten und zu beiden Seiten des Weges nur noch finsterer Wald stand, setzten die Käuer das Gepäck ab und verneigten sich tief.
„Lebe wohl, liebe Frau Fee des Tötenden Häuschens!" sagten sie. „Sei uns nicht böse, daß
wir nicht weiter mitgehen, aber uns graust vor dem unheimlichen Wald."
Dabei fingen sie bitterlich zu schluchzen an. Damit die Schellen sie dabei nicht störten,
hatten sie wieder die Hüte abgenommen und auf die Erde gelegt.
„Lebt wohl, teure Freunde", erwiderte ihnen Elli. „Und weint nicht mehr, denn ihr seid
jetzt freie Menschen, und ich hoffe, daß ihr's immer bleiben werdet!"
„Richtig, richtig! Wir hätten's fast vergessen!" riefen die Käuer und fingen zu lachen an. Es
war einfach unfaßbar, wie schnell die Stimmung bei diesen Menschlein wechselte.
Als die winzigen Gestalten hinter einer Biegung verschwanden und das liebliche Geläute
ihrer Schellen verhallt war, gingen die Wanderer weiter.
Bald gewahrten sie in einer Schneise neben der Straße eine Hütte.
„Das ist ja das Haus des Eisernen Holzfällers!" rief Elli freudig aus. „Dort hatten wir
übernachtet, ich und der Scheuch, und am nächsten Morgen trafen wir den Holzfäller. Der
Arme stand unbeweglich wie eine Statue unter einem Baum und stöhnte. Erinnerst du dich
noch, Totoschka?"
„Ja", erwiderte das Hündchen mürrisch. „Ich hab mir damals einen Zahn ausgebrochen, als ich ihn ins Bein beiß en wollte. Freilich hätte ich es nicht tun sollen, der Holzfäller war doch ein Prachtkerl. Aber damals wußte ich ja gar nicht, daß er aus Eisen war, und hielt es für meine Pflicht, Elli zu beschützen."
Es wurde Abend, und die Wanderer beschlossen, in der Hütte zu übernachten. Dem Seemann war die Hütte allerdings etwas zu klein, und so kam es, daß seine Beine aus der offenen Tür hinausragten. Am nächsten Abend sagte der Löwe:
„Bald werden wir in meinem heimatlichen Wald sein, wo ich Elli zum erstenmal erblickte. Dort werden wir auf prächtigem weichem Moos ausruhen, unter prächtigen hohen Bäumen neben einem prächtigen tiefen Teich, in dem prächtige Frösche leben, die die lautesten Stimmen im ganzen Wunderland haben."
„Merkwürdig", sagte Totoschka spöttisch, „wie hast du's nur über dich gebracht, einen so prächtigen Ort zu verlassen und in einen fremden Wald zu ziehen?" „Was sollte ich denn tun, wo mich doch die Staatsgeschäfte riefen?" seufzte der Löwe und griff sich mit der Tatze nachdenklich an den Hals, wo die goldene Kette hing. „Man hat mich doch zum König erwählt..."
Zwei Tage später kamen sie zu dem Wald, in dem die Säbelzahntiger hausten. Dumpfes Gebrüll schlug an ihr Ohr, das sich wie ferner Donner anhörte. Kalte Schauer liefen ihnen über die Rücken.
Charlie Black befahl, haltzumachen.
„Wir müssen Vorkehrungen treffen", sagte er.
„Was willst du tun, Onkel Charlie?" wollte Elli wissen.
„Du hast wohl wieder vergessen, daß wir ein Zaubertuch mitführen", erwiderte der Seemann.
„Ich versteh nicht, was es uns helfen kann!" „Oh, das Tuch kann alles!"
Der Seemann nahm das Tuch aus dem Sack, blies es ein wenig auf und breitete es am
Straßenrand aus. Dann nahm er aus einer der vielen Taschen seines Rucksacks ein
Fläschchen Farbe und einen Pinsel und begann das Tuch zu bemalen.
Er malte einen gräßlichen Tierkopf mit riesiger Mähne, ungeheuren Augen und einem
schrecklichen Rachen, aus dem riesige scharfe Zähne ragten.
Als die Farbe trocken war, wandte Charlie das Tuch um und malte das gleiche auf die
Rückseite. Seine Phantasie steigerte sich, und er setzte dem Ungetüm noch ein Paar riesige
Hörner auf.
Dann fällte er zwei junge Bäumchen, hieb ihnen die Zweige ab und band das Tuch wie ein Transparent an.
Er spitzte die beiden Bäumchen unten zu und stieß sie am Wegrand in die weiche Erde. Jetzt sah das gemalte Ungeheuer wie lebendig aus. Das Tuch war nicht straff gespannt, und wenn der Wind wehte, konnte man meinen, das Tier rolle die Augen und blecke die Zähne. Das Ungeheuer war so schrecklich anzusehen, daß selbst der Löwe Angst bekam. Totoschka kroch winselnd unter den Bauch seines großen Freundes, und Kaggi-Karr kniff vor Schreck die Augen zu.
„Bei allen Hexen und Zauberern! Ihr sollt noch was anderes zu sehen bekommen", rief der Seemann schmunzelnd.
Als die Nacht hereinbrach, begann der gemalte Kopf zu leuchten, und mit zunehmender Dunkelheit wurde er immer unheimlicher. Es war, als ob die Augen Funken sprühten und der Rachen Flammen spie, Blitze umzuckten die Mähne und die Hörner des Ungeheuers. „Onkel Charlie, was ist das?" fragte Elli entsetzt.
„Keine Angst, Kindchen, das ist alles sehr einfach. Die Farbe enthält Phosphor, der im Dunkeln leuchtet."
Elli beruhigte sich. Doch der Löwe, Totoschka und Kaggi-Karr hatten nichts begriffen, und das Tier schien ihnen nach wie vor ungeheuerlich.
„Ich glaube, das Bildchen wird uns die Säbelzahntiger vom Leib halten", sagte Charlie. „Und jetzt laßt uns weitergehen."
Er entnahm seinem Rucksack zwei Hörner aus biegsamer Baumrinde und reichte eines Elli mit den Worten:
„Blase aus Leibeskräften, sobald wir in den Tigerwald kommen!" Charlie Black ging voran, Elli hinter ihm. Sie hielten die Stangen in der Rechten, so daß der eine Kopf auf dem Tuch nach rechts, der andere nach links blickte. Die Hörner, in die Charlie und Elli bliesen, machten einen schrecklichen Lärm. Es war, wie wenn ein Schakal bellte, eine Hyäne lachte, ein Nashorn röhrte und andere wilde Tiere heulten. Zu diesen furchterregenden Lauten gesellte sich das Brüllen des Löwen, das Krächzen der Krähe und das Winseln des Hündchens.