Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
- Автор: Волков Александр Мелентьевич
- Серия: smaragdenstadt #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten». Краткое содержание книги:
Charlie, der im Gras saß, war starr vor Staunen. Elli lachte so sehr über seine verdutzte Miene, daß ihr die Tränen in die Augen traten.
„Onkel Charlie, du bist ja ganz verstört!" rief sie, den Seemann am Ärmel zupfend. „Ich habe dir doch schon hundertmal gesagt, daß im Wunderland alle Tiere sprechen!"
„Was einem die Leute sagen, ist eins, und was man selbst erlebt, etwas ganz anderes", entgegnete der Seemann. „Also sind wir wirklich im Wunderland? Ich kann's einfach nicht fassen!"
Wie entgeistert blickte Charlie bald auf die Krähe, bald auf Totoschka.
„Das ist alles ganz einfach", ließ sich die Krähe hören. „Da gibt's nichts zu staunen. Man
sieht, daß Ihr aus einem Land kommt, wo keine Wunder geschehen."
„Na, wo du schon zu sprechen angefangen hast, Kaggi-Karr, so erklär uns doch, was die
geheimnisvolle Botschaft bedeutet, der wir diese beschwerliche Reise zu verdanken
haben."
„Ja, bitte, Kaggi-Karr", rief auch Elli.
„Meine Geschichte wird sehr lang sein", erwiderte die Krähe, „und ich möchte sie lieber auf morgen verschieben. Aber zu eurer Beruhigung will ich euch sagen, daß der Eiserne Holzfäller und der Scheuch am Leben und gesund waren, als ich nach Kansas aufbrach. Man hält sie einfach gefangen, in einem hohen Turm . . ."
„Einfach gefangen'." wiederholte Elli, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Sie tun dir wohl überhaupt nicht leid!"
Kaggi-Karr fühlte sich durch diese Worte gekränkt. Sie schwieg eine Weile und sprach dann bitter:
„So, so, sie tun mir also nicht leid! Aber natürlich! Ich hab sie ja gleichmütig ihrem Schicksal überlassen, ich bin mit ihrem Brief nicht Tag und Nacht geflogen, über Berg und Tal, habe mich nicht zahllosen Gefahren ausgesetzt . . ." Elli schämte sich ihrer Worte.
„Liebe, gute Kaggi-Karr, verzeih mir bitte. Wie konnte ich so etwas auch nur denken!" „Schon gut. Das nächste Mal überleg, was du sagst. Ich hab euch mitgeteilt, daß sie im Turm sitzen, doch das Wichtigste wißt ihr nicht. Der Feind, der sie gefangenhält, droht, sie umzubringen, wenn sie sich seinem Willen nicht fügen . . ." Elli sprang auf:
„Warum sitzen wir noch da! Auf, laßt uns den Freunden zu Hilfe eilen!" „Wieder bist du mir ins Wort gefallen!" sagte die Krähe. „Sie haben ein halbes Jahr Bedenkzeit. Davon sind nur etwas mehr als drei Monate vergangen. Also haben wir noch Zeit genug."
„Es versteht sich, wir dürfen nicht zaudern", machte Charlie Black dem Gespräch ein Ende. „Schon morgen brechen wir auf. Heute aber wollen wir ausschlafen. Und zum Abend müssen wir etwas Ordentliches zu essen auftreiben. Gibt es Fische in diesem Bach?"
„Natürlich, Onkel Charlie, sogar sehr gute", sagte die Krähe. „Ich für mein Teil esse gern rohen Fisch."
„Und ich gebratenen!" sagte Elli.
„Und ich gekochten!" ließ sich Totoschka hören.
Charlie begann eine Angel anzufertigen. Aus dem Futter seiner Schiffermütze holte er Schnur und Haken hervor, und mit dem Messer schnitt er eine lange Gerte von einem Baum. Den Schwimmer machte er aus Schilf. „Jetzt brauchen wir nur noch einen Köder", sagte er.
Zwischen den Bäumen schwirrten smaragdgrüne Käfer mit roten und goldenen Tupfen. Sie waren aber so flink, daß weder der Seemann nach Elli einen fangen konnten. Da kam ihnen Kaggi-Karr zu Hilfe. Sie hackte im Fluge mit ihrem starken Schnabel nach den Käfern, die, einer nach dem anderen, zur Erde fielen: dort einer, da noch einer, dort wieder einer, konnte sie gar nicht so schnell auflesen.
Nicht weit von der Stelle, wo die Wanderer ihr Lager aufgeschlagen hatten, ergoß sich der
Bach in einen großen Teich, der mit Wasserrosen bewachsen war.
Charlie setzte sich mit der Angel ans Ufer und hieß seine Nichte Reisig für ein Feuer
sammeln.
Es dauerte gar nicht lange, bis der Schwimmer erzitterte. Charlie hob die Angel, die Schnur straffte sich, und mit geübter Hand zog der Seemann einen großen, zappelnden Fisch heraus. Er sah wie ein Schlei aus, hatte aber azurblaue Schuppen. „Dieser Fisch heißt bei uns Krox", sagte Kaggi-Karr, die den Vorgang aufmerksam verfolgt hatte.
In einer halben Stunde hatte Charlie etwa ein Dutzend Kroxe gefangen. Vom Lagerfeuer, das Elli angezündet hatte, stieg bereits Rauch auf.
Die im eigenen Saft gebratenen Kroxe wurden mit großem Appetit verzehrt. Als Nachspeise gab es leckere Weintrauben und große Nüsse mit dünner Schale und zarten wohlschmeckenden Kernen.
Nach dem Essen streckten sich die Wanderer wohlig im weichen Gras aus. „Kaggi-Karr", sagte der Seemann, „erzähl uns doch, wie du zu den Weintrauben gekommen bist."
Die Krähe plusterte sich auf und begann mit wichtiger Miene:
„Ihr Menschen versteht manchmal die allereinfachsten Dinge nicht. Als Gingemas
Zauberstein euch festhielt, war ich euch, offen gestanden, sehr böse, weil ihr nicht darauf
kamt, mich aus dem Bauer herauszulassen. Nur Elli erriet, daß der Stein keine Macht über
mich hat, weil ich aus dem Wunderland bin ... "
Elli errötete, als sie dieses unverdiente Lob hörte.
„Das ist mir erst später eingefallen", entgegnete sie. „Ich gab dir die Freiheit, damit du unser Los nicht teilst."
„Das macht deinem guten Herzen nur Ehre. Als ich frei war und zu den Bergen flog, dachte ich nach, wie euch zu helfen wäre. Was konnte aber ich, eine Krähe, gegen die Hexenkunst der mächtigen Zauberin ausrichten? Da kam mir der Gedanke, Willina um Hilfe zu bitten. Willina ist mächtiger als Gingema, sagte ich mir, sie hat den Sturm gebannt und das Häuschen auf die böse Hexe fallen lassen. Willina wird wahrscheinlich auch die Zauberkraft des Steins brechen . . . Und ich flog in das Gelbe Land. Ganze sechs Tage dauerte die Reise. Einheimische Krähen wiesen mir den Weg zum Gelben Schloß Willinas. Als ich hinkam, geleiteten mich die Diener sogleich zu der guten Zauberin. Sie war ergriffen von meinem Bericht und fragte: ,Elli? Ist das nicht das Mädelchen, das im vorigen Jahr hier war und Goodwin auf die Schliche kam?'
,Ja', erwiderte ich. ,Und jetzt ist Elli wieder da, um ihre Freunde, den Scheuch und den Eisernen Holzfäller, zu befreien.'
,Wir müssen ihr helfen', sagte die Zauberin. ,Elli ist ein gutes und tapferes Mädchen!'
Willina holte aus den Falten ihres Gewandes ein winziges Büchlein hervor, blies darauf und . . ."
„. . . es verwandelte sich in ein riesiges Buch!" rief Elli.
„Richtig", sagte die Krähe. „Willina blätterte im Zauberbuch und murmelte:
,A . . . Ananas . . . Armee, Argus . . . B . . . Ballon, Bananen . . . Bastschuhe ... D ... Datteln
... Daumen ... Domino ..." Schließlich hatte sie's gefunden: ,Weintrauben!" rief sie, und
höre, Kaggi-Karr:
„Bambara, Tschufara, Skoriki, Moriki, Turabo, Furabo, Loriki, Joriki . . . Am Rande der Großen Wüste, im Tal der Ewigen Berge, wachsen herrliche Weintrauben. Nur diese können den Bann der Zaubersteine Gingemas brechen." Dann schrumpfte das Buch zusammen und verschwand im Gewand der Zauberin. ,Hatten deine Freunde noch viel Wasser, als du sie verließest?" fragte sie mich. ,Das Fäßchen war noch zu einem Viertel voll", erwiderte ich.
,Dann sind die Stunden deiner Freunde gezählt", sagte die Zauberin. ,Die Wüste wird sie
umbringen."
Mir stockte das Herz.
,Gibt es denn kein Mittel, sie zu retten?" fragte ich verzweifelt.
,Nur mit der Ruhe, ein Mittel wird sieh schon finden", sagte die Zauberin.
Sie stieg auf das Dach ihres Schlosses, verbarg mich unter ihr Gewand, rief eine