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Eichmann-Syndikat. Tom Sydows fünfter Fall (German Edition)

Электронная книга - «Eichmann-Syndikat. Tom Sydows fünfter Fall (German Edition)». Краткое содержание книги:

Berlin 1962. Weshalb wurde Adolf Eichmann, Organisator der sogenannten Endlösung der Judenfrage bis ins Jahr 1960 nicht enttarnt? Haben Seilschaften es verhindert? Als eine Sekretärin beim BND ermordet wird, übernimmt Hauptkommissar Tom Sydow den Fall und stößt auf eine seit 1952 bekannte, nach Südamerika führende Spur, der nicht nachgegangen wurde. Sydow muss sich jedoch nicht nur mit der Aufklärung des Falles beschäftigen, sondern auch mit der Nazivergangenheit seiner eigenen Familie.
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Peters gehorchte. »Brrr – scheußlicher Geschmack.«

»Lange nicht so scheußlich wie das, was … Apropos – wie hieß die Dame doch gleich?«

»Nettelbeck, Luise Nettelbeck!«, antwortete Peters nach einem kurzen Blick in die Kladde, in der er die Notizen aufbewahrte, welche er sich während seines Gesprächs mit Krokowski gemacht hatte. »Mitte 40, gebürtige Berlinerin, ledig, zuletzt wohnhaft im ›Excelsior‹.«

»Ich frage mich, Herr …«

»Heribert. Und jetzt überlegen Sie sich genau, was Sie sagen.«

»Na schön – Heribert.« Eine leichte Röte im Gesicht, gegen die sie vergeblich ankämpfte, atmete Elise Miesbach tief durch und beugte sich über das Wenige, was vom Schädel des Mordopfers übrig geblieben war. »Ich frage mich, wer so etwas tut.«

»Da fragen Sie völlig richtig, Eli … Aua! Mist, jetzt weiß ich nicht mehr, was ich sagen wollte.«

»Kann es sein, dass es um den Tathergang ging?«

»Genau.« Rot wie eine Tomate und die leicht hervortretenden grauen Augen auf die Kladde geheftet, fingerte Peters an seinem opulent sprießenden Vollbart herum und ergänzte: »Nach allem, was wir bisher wissen, ist der Täter um die Vierzig, schlank und blond.«

»Präziser geht es wirklich nicht.«

»Nicht unser Bier, Frau Kollegin, sondern dasjenige der Kriminalpolizei.« Peters zuckte mit den Schultern. »Wie dem auch sei, die Distanz, aus der die Schüsse abgefeuert wurden, muss bei etwa 80 Metern gelegen haben. Vielleicht etwas mehr, mit Sicherheit jedoch nicht viel weniger.«

»Und was ist mit dem Motiv?«

»Ich geb’s auf!«, ließ Peters als Reaktion auf die kriminalistischen Ambitionen seiner Assistentin verlauten, die dabei war, Gehirnmasse in dafür vorgesehenen Behältnissen zu deponieren. »Womit hab ich das verdient!«

»Die Zahnschmerzen?«

»Nein, die weibliche Penetranz.« Peters wischte sich den Schweiß von der Stirn, schwor sich, am morgigen Freitag zu Hause zu bleiben und Sydow eine kollegiale Warnung zukommen zu lassen. »Nun ja, was das Motiv betrifft, tappt Krokowski im Dunkeln. Das Einzige, was wir wissen, ist, dass es sich bei dem Opfer mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Informantin gehandelt hat. Eigens angereist, um einen … Moment, wie hieß der gute Mann doch gleich …? Genau! Eigens angereist, um einen gewissen Theodor Morell, von Beruf Reporter, mit dem neuesten Tratsch und Klatsch zu versorgen. Gegen Bezahlung, sofern meine Kenntnisse über die menschliche Natur nicht trügen.«

»Aber … aber deswegen bringt man doch niemanden um.«

»Haben Sie vielleicht eine Ahnung, Elise! Zeitgenossen, die etwas zu vertuschen haben, gibt’s wie Sand am Meer. Wer weiß, auf welche Goldader der arme Teufel da gestoßen ist.«

»Tut mir leid, Ihre Diskussion unterbrechen zu müssen, Herr Professor, aber ich fürchte, die Angelegenheit ist dringend.«

»So, ist sie das?« Im Gegensatz zu seiner Assistentin, die mitten in der Bewegung erstarrte, die Pinzette, nach der sie gegriffen hatte, aus der Hand gleiten und den Blick zum Eingang des Sezierraumes wandern ließ, hatte sich Heribert Peters erstaunlich gut im Griff. Als Erstes atmete er tief durch, durchpflügte das ungebärdige und nur noch an den Schläfen vorhandene Haar und wandte sich seelenruhig um. Doch der Schein trog. Mit der Ruhe, welche er ausstrahlte, war es nicht weit her, und sein Blick ließ vermuten, dass es binnen Kurzem zu einem Vulkanausbruch kommen würde. »Wie wär’s, wenn Sie sich erst mal vorstellen?«

»Aber gern, Herr Professor Peters!«, näselte der Unbekannte, wobei er jedes einzelne Wort betonte, betrat den Raum, als handle es sich um sein Wohnzimmer und hielt dem Gerichtsmediziner einen Ausweis vor die Nase. »Zufrieden?«

»Nicht ganz.« Ohne einen Blick darauf zu verschwenden, schob der Gerichtsmediziner den Ausweis samt Hand beiseite, senkte den Blick und sah den Störenfried mit angewinkelten Armen an. »Schluss mit dem Geplänkel. Was wollen Sie?«

»Aber, aber, Herr Stabsarzt!«, spottete sein in etwa gleichaltriges Gegenüber, bei dessen Anblick man sich an einen Buchhalter oder den Schalterbeamten einer Sparkasse erinnert fühlte. »Wir wollen uns doch wie zivilisierte Menschen verhalten, oder?«

»Tja, wenn das so ist –«, erwiderte Peters, entledigte sich seines blutverschmierten Gummihandschuhs und ließ ihn mit ostentativer Gelassenheit in den Abfalleimer fallen, »wenn das so ist, kann ich mich ja auf was gefasst machen.« Und fügte mit aufgesetzter Jovialität hinzu: »Falls Sie das, was Sie hier veranstalten, als zivilisiert bezeichnen.«

»Eins zu null für Sie, Herr Medizinalrat.«

»Sagen Sie, was Sie zu sagen haben, Herr …«

»Posininsky. Landeskriminalamt

»Wie gesagt: Sagen Sie, worum es geht, damit wir wieder an die Arbeit gehen können.«

»Ich fürchte, das wird nicht möglich sein.«

»Wie bitte?«

Der Angesprochene, zu allem Überfluss mit Hut, rosa Krawatte und Hornbrille ausstaffiert, reagierte mit einem breiten Lächeln, begutachtete die sorgsam gestutzten Fingernägel und schien so sehr in diese Tätigkeit vertieft, dass er von Peters und dessen Assistentin keine Notiz mehr nahm.

Dies sollte sich jedoch ändern. »Ich sagte, das wird nicht möglich sein!«, knurrte er, bemüht, nach außen hin Ruhe zu bewahren. »Machen Sie Feierabend, Herr Professor, und überlassen Sie die Dame uns.«

»Uns?«

»Sie haben richtig gehört, Herr Professor – der Einfachheit halber habe ich mir erlaubt, ein paar Kollegen mitzubringen. Ein paar Kollegen und das hier.« Posininsky, der Peters höchstens bis zum Kinn reichte und penetrant nach Kölnisch Wasser roch, trat so nahe an seinen Kontrahenten heran, dass es diesem ein Leichtes gewesen wäre, ihn am Kragen zu packen und im Anschluss daran an die frische Luft zu setzen. »Unterzeichnet vom Herrn Generalstaatsanwalt, um Zweifel an der Rechtmäßigkeit meines Vorgehens zu zerstreuen.«

Peters, der nichts mehr hasste als hochgestochenes Gerede, kam jetzt erst richtig in Fahrt. Leute vom Schlag dieser halben Portion hatte er gefressen und er konnte es nicht ausstehen, wenn ihm jemand ins Handwerk pfuschte. »Und Sie meinen, dieser Wisch reicht aus, um mich zu beeindrucken!«, knurrte er nach beendeter Lektüre des Schriftstücks, in dem es hieß, dass der Überbringer des Schreibens zum Abtransport des Leichnams und sämtlicher den Fall betreffenden Beweisstücke und Unterlagen berechtigt war. »Tut mir leid, Herr … wie war doch gleich Ihr Name?«

Posininsky, dessen Geltungsdrang die geringe Körpergröße bei Weitem übertraf, ließ sich nicht in die Irre führen. »Nicht wert, dass man sich ihn einprägt!«, wehrte er mit wegwerfender Gebärde ab, vom Duft, der über dem Seziertisch hing, nicht im Geringsten berührt. »Zu viel der Ehre, Herr Professor.«

»Wozu auch, zumal Sie höchstwahrscheinlich nicht so heißen.«

»Ich will Ihnen mal etwas sagen, Fräulein«, giftete der Beamte, aufgrund seiner Vergangenheit mit einer neuen Identität versehen, umrundete den Seziertisch und trat bis auf Armlänge an Elise Miesbach heran. »Falls Sie denken, ich lasse mich veräppeln, kennen Sie mich schlecht. Zu Ihrer Information, junge Dame: Ich bin schon mit ganz anderen Kalibern fertig geworden als Sie eines sind.«

»Die gute alte Zeit, ich verstehe.«

»Wenn ich Sie wäre, Fräulein, würde ich den Mund nicht so voll nehmen!«, zischte der LKA-Mann, entblößte die makellos weiß schimmernden Zähne und ließ es sich nicht nehmen, den Blick über den Körper seiner Kontrahentin wandern zu lassen. »Täusche ich mich, oder tragen Sie sich mit dem Gedanken, Karriere zu machen? Ja? In diesem Fall würde ich Ihnen raten, sich nicht allzu weit aus dem Fenster zu lehnen. Sie wissen doch, je höher man steigt, desto tiefer der Fall. Und was Sie angeht, Herr Professor, tun Sie mir den Gefallen und räumen das Feld. Was den Abtransport und die weitere Verwendung des Leichnams betrifft, sind ab jetzt meine Mitarbeiter draußen auf dem Flur zuständig. Und natürlich meine Wenigkeit. Darüber hinaus, Herr Peters, darf ich Sie nochmals auf das Schreiben des Herrn Generalstaatsanwaltes hinweisen. Auf das Kleingedruckte sozusagen. Mit anderen Worten: Sowohl Sie, Fräulein, als auch Sie, Herr Professor, unterliegen der Schweigepflicht, sowohl im medizinischen als auch dienstrechtlichen Sinn.«

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