Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Anfangs hatte er geglaubt, das Verlassensein würde ihn umbringen, doch als ihm klargeworden war, dass sie das nicht tun würde, war ihm die Einsamkeit auf dem Berg ans Herz gewachsen. Er konnte die Sonne deutlich sehen, obwohl seine Augen geschlossen waren; ein großer, roter Ball, der von Flammen umrandet war. Sah Jocasta sie so hinter ihren blinden Augen?
Sie schwiegen lange Zeit, zufrieden damit, einfach nur zu lauschen. In der Fichte neben ihnen waren ein paar kleine Vögel zugange, die kopfüber von den Zweigen hingen, die Insekten jagten, die ihre Nahrung waren, und über ihre Funde plauderten.
»Roger –«, sagte sie plötzlich, und sein Herz wurde von einem Pfeil der Eifersucht getroffen, die umso schmerzhafter war, weil sie so unerwartet kam. War es ihm nicht einmal vergönnt, sie so kurz für sich allein zu haben? Er öffnete die Augen und gab sich alle Mühe, interessiert auszusehen.
»Ich habe einmal versucht, ihm vom Alleinsein zu erzählen. Dass ich dachte, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist.« Sie seufzte und hatte die schweren Augenbrauen zusammengezogen. »Ich glaube nicht, dass er mich verstanden hat.«
Er machte ein unverbindliches Geräusch.
»Ich habe mir gedacht …« Sie zögerte, blickte ihn an und sah dann wieder fort. »Ich habe mir gedacht, vielleicht ist es das – warum du und Mama …« Ihre Haut war so klar, dass er das Blut darunter aufblühen sehen konnte. Sie holte tief Luft und stützte sich mit den Händen auf den Felsen.
»Sie ist auch so. Es macht ihr nichts aus, allein zu sein.«
Er sah sie an und hätte furchtbar gern gewusst, warum sie das sagte. Wie hatte Claires Leben in den Jahren ihrer Trennung ausgesehen, dass Brianna das wissen konnte? Es war wirklich so; Claire kannte den Geschmack des Alleinseins. Es war kalt wie Quellwasser, und nicht jeder konnte es trinken; manchem brachte es keine Erfrischung, sondern tödliche Kälte. Doch sie hatte tagein, tagaus mit einem Ehemann zusammengelebt; wie konnte sie da so viel Einsamkeit trinken, dass sie darüber Bescheid wusste?
Vielleicht konnte Brianna es ihm sagen, doch er würde sie nicht fragen; der letzte Name, den er hier hören wollte, war Frank Randalls.
Stattdessen hustete er.
»Na ja, vielleicht ist es ja wahr«, stimmte er vorsichtig zu. »Ich kenne Frauen – und auch ein paar Männer –, die den Klang ihrer eigenen Gedanken nicht ertragen können, und vielleicht passen sie einfach nicht so gut zu denen, die es können.«
»Nein«, sagte sie nachdenklich. »Vielleicht nicht.«
Das leise Stechen der Eifersucht ließ nach. Also hatte sie ihre Zweifel über diesen Wakefield, oder? Sie hatte ihm und Claire alles erzählt über ihre Suche, die Todesanzeige, ihre Überfahrt aus Schottland, ihren Besuch auf Lallybroch – verfluchte Laoghaire! – und über Wakefield, den Mann, der ihr gefolgt war. Hier hatte sie nicht alles gesagt, dachte er, aber das war ihm auch recht; er wollte es nicht hören. Die Aussicht eines fernen Feuertodes beunruhigte ihn weniger als die drohende Unterbrechung seiner Idylle mit seiner verloren geglaubten Tochter.
Er zog die Knie hoch und saß still da. So gern er seine Ruhe wiedergefunden hätte, er konnte Randall nicht mehr aus seinen Gedanken verbannen.
Er hatte gewonnen. Claire gehörte ihm, genau wie dieses wunderbare Kind – diese junge Frau, verbesserte er sich, als er sie ansah. Doch Randall hatte sie zwanzig Jahre lang in seiner Obhut gehabt; es gab keinen Zweifel daran, dass er sie geprägt hatte. Aber wie?
»Sieh mal.« Briannas Hand drückte seinen Arm, als sie die Worte hinhauchte.
Er folgte ihrer Blickrichtung und sah sie; zwei Ricken, die kaum mehr als fünf Meter von ihnen entfernt gerade eben im Schatten der Bäume standen. Er bewegte sich nicht, sondern atmete still. Er konnte Brianna neben sich spüren, ebenfalls still und verzaubert.
Die Tiere sahen sie; die zarten Köpfe erhoben, die dunklen, feuchten Nüstern witternd gebläht. Doch einen Augenblick später trat die erste Ricke zaghaft vor, und ihre nervösen Schritte hinterließen Streifen im taufeuchten Gras. Die andere folgte ihr vorsichtig, und sie ästen an den Grasstreifen zwischen den Felsen entlang und hoben nur dann und wann die Köpfe, um seelenruhig einen Blick auf die fremden, aber harmlosen Geschöpfe auf dem Felsvorsprung zu werfen.
In Schottland wäre er niemals auch nur bis auf eine Meile an einen Rothirsch herangekommen, der ihn gewittert hatte. Die Hirsche wussten genau, was ein Mensch war.
Er sah zu, wie die Tiere mit der Unschuld vollkommener Wildheit grasten, und spürte den Segen der Sonne auf seinem Kopf. Dies war neues Land, und er war es zufrieden, mit seiner Tochter hier allein zu sein.
»Was jagen wir denn, Pa?« Er war stehen geblieben und ließ seine zusammengekniffenen Augen über den Horizont schweifen, doch sie war sich einigermaßen sicher, dass er kein Tier beobachtete; sie konnte sprechen, ohne das Wild zu verscheuchen.
Im Lauf des Tages hatten sie eine ganze Anzahl von Tieren gesehen; die beiden Ricken in der Dämmerung, einen roten Fuchs, der wachsam auf einem Felsen saß, sich die zierlichen, schwarzen Pfoten leckte, bis sie ihm zu nah kamen, und dann verschwand wie eine ausgepustete Flamme. Eichhörnchen, die – zu Dutzenden – schwatzend durch die Wipfel turnten und hinter den Baumstämmen Verstecken spielten. Sogar eine Schar wilder Puter mit zwei Hähnen, die zur Erbauung ihres knabbernden Harems mit aufgeplusterter Brust und gespreizten Schwanzfedern umherstolzierten.
Keines davon war die auserwählte Beute gewesen, und sie war froh darüber. Sie hatte nichts dagegen, Tiere zu töten, um sie zu essen, doch es hätte ihr leidgetan, die Schönheit des Tages durch Blut verdorben zu sehen.
»Bienen«, sagte er.
»Bienen? Wie jagt man denn Bienen?«
Er hob sein Gewehr und lächelte sie an, während er kopfnickend auf einen leuchtend gelben Fleck wies.
»Indem man sich Blumen sucht.«
Es waren in der Tat Bienen in den Blumen; ganz in der Nähe, und sie konnte ihr Summen hören. Es gab verschiedene Sorten: riesige, schwarze Hummeln, eine kleinere Sorte mit schwarz-gelb gestreiftem Flaum, und die glatten, tödlichen Gestalten der Wespen mit ihren dolchförmigen Bäuchen.
»Wie man es anstellt«, sagte ihr Vater zu ihr, während er die Pflanzen langsam umkreiste, »ist, sie zu beobachten und festzustellen, in welche Richtung die Honigbienen fliegen. Und sich nicht stechen zu lassen.«
Sie verloren die kleinen Boten bei der Verfolgung ein Dutzend Mal aus den Augen, weil sie ihnen im gebrochenen Licht über einem Bach abhandenkamen oder in einem Gebüsch verschwanden, das zu dicht war, um ihnen zu folgen. Jedes Mal suchte Jamie kreuz und quer, bis er eine neue Stelle mit Blumen fand.
»Da sind welche!«, rief sie und zeigte auf einen leuchtend roten Blitz in einiger Entfernung.
Er blinzelte in die angegebene Richtung und lächelte kopfschüttelnd.
»Nein, keine roten«, sagte er. »Kolibris mögen die roten, aber die Bienen mögen Gelb und Weiß – Gelb ist am besten.« Er pflückte ein kleines, weißes Gänseblümchen aus dem Gras zu ihren Füßen und reichte es ihr – die Blütenblätter waren mit Pollen gestreift, die von den zierlichen Blütenständen in der runden, gelben Blütenmitte gefallen waren. Bei näherem Hinsehen sah sie einen winzigen Käfer von der Größe eines Stecknadelkopfes aus der Mitte krabbeln. Sein glänzender schwarzer Panzer war mit Gold bestäubt.
»Kolibris trinken aus den langkelchigen Blumen«, erklärte er. »Aber die Bienen kommen nicht ganz hinein. Sie haben lieber breite, flache Blumen wie diese hier, und solche, die in dichten Büscheln wachsen.
Da landen sie dann und schwelgen herum, bis sie über und über mit dem Gelb bedeckt sind.«
Sie suchten auf dem Berghang auf und ab, lachten, während sie den Bombenangriffen wütender Hummeln auswichen, und suchten nach verräterischen weißen oder gelben Stellen. Bienen mochten Berglorbeer, doch viele dieser Gebüsche waren zu hoch zum Darüberschauen, zu dicht, um sie zu durchdringen.
Es wurde später Nachmittag, bevor sie fanden, was sie suchten: einen Baumstumpf, die Überreste eines kräftigen Baumes, von dessen Ästen nur Stümpfe übrig geblieben waren und dessen Rinde dem darunterliegenden, verwitterten Silberholz gewichen war – und dessen Holz von einem breiten Riss durchzogen war, durch den sich die Bienen drängten, die in einem Schleier davorhingen.