Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jedenfalls hatte Hector sich geweigert anzuhalten, weil er fürchtete, verfolgt zu werden. Cumberlands Truppen hatten sich in Culloden gesammelt, doch überall auf den Straßen der Highlands waren englische Soldaten unterwegs, und die Nachricht von Charles Stuarts Niederlage breitete sich aus wie die Wellen am Rand eines Strudels, die sich immer schneller um einen gefährlichen Kern drehen.
Und so wurden die Camerons zwei Tage später in der Nähe von Ochtertyre entdeckt.
»Die Kutsche hat ein Rad verloren«, sagte Jocasta und seufzte. »Himmel, ich habe es immer noch klar vor Augen, wie es allein über die Straße kullerte. Die Achse war gebrochen, und uns blieb nichts anderes übrig, als dort am Straßenrand zu kampieren, während Hector und der Stallknecht sich bemühten, sie zu reparieren.«
Die Reparatur hatte fast einen ganzen Tag gedauert, und Hector war im Verlauf der Arbeit immer gereizter geworden. Seine Nervosität hatte auf die anderen abgefärbt.
»Ich wusste nicht, was er in Culloden mit angesehen hatte«, sagte Jocasta. »Er wusste genau, dass es mit ihm vorbei sein würde, wenn er den Engländern in die Hände fiel. Wenn sie ihn nicht auf der Stelle umbrachten, würde er als Verräter gehängt werden. Bei der Arbeit ist ihm der Schweiß ausgebrochen, mehr aus Angst als von der Hitze der Anstrengung. Aber dennoch …« Sie presste die Lippen fest zusammen, bevor sie fortfuhr.
»Es dämmerte schon fast – es war ja Frühling, und die Dämmerung kam früh –, als sie das Rad wieder anmontiert hatten und alle wieder eingestiegen sind. Die Kutsche hatte sich in einer kleinen Talmulde befunden, als das Rad abflog; der Stallknecht trieb die Pferde einen langen Abhang hinauf, und gerade, als wir den Kamm erreichten, sind zwei Männer mit Musketen aus dem Schatten vor uns auf die Straße getreten.«
Es war eine Kompanie englischer Soldaten, Cumberlands Männer. Sie kamen zu spät, um am Sieg von Culloden teilzuhaben, und waren ganz außer sich über die Siegesnachricht – aber auch frustriert, nicht an der Schlacht teilgehabt zu haben, weshalb sie geradezu darauf brannten, über jeden flüchtenden Highlander herzufallen.
Hector, der schon immer ein Schnelldenker gewesen war, war bei ihrem Anblick in die Ecke der Kutsche zurückgesunken, hatte den Kopf gesenkt und ein Schultertuch darüber gezogen, um sich als schlafende, alte Matrone auszugeben. Jocasta hatte die Instruktionen befolgt, die er ihr zuzischte, und sich aus dem Fenster gelehnt, um sich als respektable Dame auszugeben, die mit ihrer Mutter und Tochter unterwegs war.
Die Soldaten hatten ihre Rede gar nicht erst abgewartet. Einer hatte die Tür der Kutsche aufgerissen und sie ins Freie gezerrt. Morna war in Panik verfallen und ihr hinterhergesprungen. Sie hatte versucht, ihre Mutter von dem Soldaten wegzureißen. Ein anderer Mann hatte das Mädchen ergriffen und sie zurückgezerrt, so dass sie zwischen Jocasta und der Kutsche stand.
»Eine Minute noch, und sie hätten sich daran gemacht, ›Oma‹ auch noch herauszuholen – und dann hätten sie das Gold gefunden, und mit uns wäre es vorbei gewesen.«
Ein Pistolenschuss erschreckte sie alle so, dass sich eine Sekunde niemand regte. Hector hatte sich aus der offenen Kutschentür gelehnt und auf den Soldaten gefeuert, der Morna festhielt – doch es war dämmerig, und das Licht war schlecht; vielleicht hatten sich auch die Pferde bewegt, so dass die Kutsche wackelte. Der Schuss traf Morna in den Kopf.
»Ich bin zu ihr gerannt«, sagte Jocasta. Ihre Stimme war heiser, ihr Hals trocken und belegt. »Ich bin zu ihr gerannt, aber Hector ist aus der Kutsche gesprungen und hat mich gepackt. Die Soldaten haben dagestanden und uns schockiert angestarrt. Er hat mich zurück in die Kutsche gezerrt und dem Stallknecht zugerufen, er solle fahren, fahren!«
Sie leckte sich die Lippen und schluckte.
»›Sie ist tot‹, hat er zu mir gesagt. Wieder und wieder. ›Sie ist tot, du kannst ihr nicht helfen‹, hat er gesagt und mich festgehalten, damit ich mich nicht vor Verzweiflung aus der Kutsche warf.«
Langsam zog sie ihre Hand von Brianna fort; sie hatte Unterstützung gebraucht, um ihre Geschichte zu beginnen, doch beenden konnte sie sie allein. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und drückten sich fest gegen das weiße Leinen ihres Hemdes, als wollte sie die Blutung des entweihten Mutterleibes stillen.
»Inzwischen war es dunkel geworden«, sagte sie und ihre Stimme klang abwesend und fern. »Im Norden konnte ich das Glühen von Feuern am Himmel sehen.«
Cumberlands Truppen verteilten sich, brandschatzend und plündernd. Sie erreichten auch Rovo, wo sich Clementina und Seonag mit ihren Familien aufhielten, und steckten das Gutshaus in Flammen. Jocasta erfuhr nie, ob sie bei dem Brand ums Leben gekommen waren oder später in der Kälte des Highlandfrühlings verhungert und erfroren waren.
»Also hat Hector seine Haut gerettet – und die meine, was auch immer mir das damals bedeutet hat«, sagte sie, immer noch abwesend. »Und natürlich hat er das Gold gerettet.« Ihre Finger suchten erneut nach dem Ring und drehten ihn langsam auf dem Holzstab, so dass die Steine im Schein der Lampe glitzerten.
»In der Tat«, murmelte Jamie. Sein Blick war fest auf das blinde Gesicht gerichtet und beobachtete sie gebannt. Es kam mir plötzlich unfair vor, dass er sie so beobachtete, geradezu kritisch, während sie seinen Blick weder erwidern konnte, noch überhaupt wusste, wie er sie ansah. Ich berührte ihn, und er wandte das Gesicht zur Seite und sah mich an. Dann ergriff er meine Hand und drückte sie fest.
Jocasta legte die Ringe beiseite und erhob sich, ruhelos jetzt, da der größte Teil ihrer Geschichte erzählt war. Sie trat an die Fensterbank, kniete sich dort hin und schob die Vorhänge zur Seite. Es war schwer zu glauben, dass sie blind war, wenn man sah, wie zielsicher sie sich bewegte – und doch war dies ihr Zimmer, ihr Raum, und jeder Gegenstand darin war gewissenhaft so positioniert, dass sie sich zurechtfinden konnte. Sie presste ihre Hände gegen das Glas und die Nacht dahinter, und rings um ihre Finger flammte ein weißer Nebel aus Kondenswasser auf wie kaltes Feuer.
»Hector hat dies hier mit dem Gold gekauft, das wir mitgebracht haben«, sagte sie. »Das Land, die Mühle, die Sklaven. Um fair zu sein –« Ihr Tonfall ließ ahnen, dass sie nichts dergleichen vorhatte. »Ihren jetzigen Wert verdankt die Plantage zum Großteil seiner Arbeit. Aber es war das Gold, mit dem der Grundstein gelegt wurde.«
»Und sein Eid?«, fragte Jamie leise.
»Was soll damit sein?«, sagte sie und lachte kurz auf. »Hector hat stets praktisch gedacht. Die Stuarts waren am Ende; wozu hätten sie das Gold brauchen sollen, in Italien?«
»Praktisch gedacht«, wiederholte ich und überraschte mich damit selbst; ich hatte nicht vorgehabt, etwas zu sagen, aber ich hatte den Eindruck gehabt, dass etwas Seltsames an der Art war, wie sie das sagte.
Offensichtlich stimmte das auch. Sie wandte sich zu uns um und drehte sich meiner Stimme zu. Sie lächelte, doch mir lief bei diesem Anblick ein kalter Schauer über den Rücken.
»Aye, er hat praktisch gedacht«, sagte sie und nickte. »Meine Töchter waren tot; er sah keinen Grund, eine Träne an sie zu verschwenden. Er hat nie mehr von ihnen gesprochen und hat auch nicht geduldet, dass ich es tat. Er war einmal ein Mann von Bedeutung gewesen und würde es wieder sein – das wäre hier nicht leicht gewesen, wenn jemand seine Geschichte gekannt hätte.« Sie atmete aus, ein heftiges Geräusch unterdrückter Wut. »Ich möchte behaupten, dass es niemanden in diesem Land gibt, der überhaupt weiß, dass ich einmal Mutter war.«
»Du bist immer noch Mutter«, sagte Brianna leise. »So viel weiß ich genau. Mütter hören niemals auf, Mütter zu sein – ganz gleich, was geschieht.« Sie warf einen Blick in meine Richtung, und ihre blauen Augen begegneten den meinen, dunkel und wissend. Ich spürte das Brennen der Tränen unter dem Lächeln, mit dem ich ihren Blick erwiderte. Ja, so viel wusste sie, und ich wusste es auch.