Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Sie haben auch die beiden Dienstboten zum Schwur gezwungen«, sagte Jocasta. »Sie haben beide Männer mit einer Klinge geritzt, und das Rot der Blutstropfen hat im Kerzenschein kräftiger geleuchtet als das der Wachssiegel an den Truhen.«
»Hast du es auch geschworen?«, fragte Brianna, zwar leise, doch ihr Blick war gebannt auf die weißhaarige Gestalt im Sessel gerichtet.
»Nein, das habe ich nicht.« Jocastas immer noch fein geformte Lippen krümmten sich ein wenig, so als amüsierte sie sich über etwas. »Ich war Hectors Frau; ich war durch seinen Eid gebunden. Damals.«
Weil sie sich im Besitz solchen Reichtums unwohl fühlten, waren die Verschwörer noch vor der Morgendämmerung aus dem Wirtshaus aufgebrochen, nachdem sie die Truhen zur Tarnung in Decken und Lumpen gewickelt hatten.
»Ein paar Reisende kamen angeritten, als gerade die letzte Truhe heruntergetragen wurde. Es war ihre Ankunft, die dem Wirt das Leben gerettet hat, denn es war ein einsamer Ort, und er war der einzige Zeuge unserer Anwesenheit in dieser Nacht. Ich glaube nicht, dass Hector oder Dougal auf einen solchen Gedanken gekommen wären, aber der dritte Mann hatte vor, sich des Wirtes zu entledigen; ich habe es seinen Augen angesehen, seiner angespannten Körperhaltung, als er am unteren Ende der Treppe wartete, die Hand an seinem Dolch. Er hat gesehen, dass ich ihn beobachtete – er hat mir unter seiner Maske zugelächelt.«
»Und hat er die Maske niemals ausgezogen, dieser dritte Mann?«, fragte Jamie. Er zog seine roten Augenbrauen zusammen, als könnte er durch schiere Konzentration die Szene rekonstruieren, die sie vor ihrem inneren Auge sah, und den Fremden identifizieren.
Sie schüttelte den Kopf.
»Nein. Bei dem Gedanken an diese Nacht habe ich mich dann und wann gefragt, ob ich den Mann wohl wiedererkennen würde, wenn ich ihn sehen würde. Ich dachte, ja; er war ein dunkelhaariger, schlanker Mann, jedoch mit der Kraft einer Messerklinge. Wenn ich seine Augen noch einmal sehen könnte, wäre ich mir sicher. Aber jetzt …« Sie zuckte mit den Achseln. »Würde ich ihn nur an der Stimme erkennen? Ich kann es nicht sagen; es ist schon so lange her.«
»Aber er war doch kein Ire, dieser Mann?« Duncan sah immer noch blass und klamm aus, hatte sich aber auf einen Ellbogen gestützt und hörte gebannt zu.
Jocasta fuhr leicht zusammen, so als hätte sie seine Anwesenheit vergessen.
»Ah! Nein, a dhuine. Seiner Aussprache nach war er Schotte – ein Gentleman aus den Highlands.«
Duncan und Jamie wechselten einen Blick.
»Ein MacKenzie oder Cameron?«, fragte Duncan leise, und Jamie nickte.
»Oder vielleicht einer von den Grants?«
Ich verstand ihre halb ausformulierten Spekulationen. Es gab – hatte gegeben – ein unvorstellbar komplexes Gefüge von Bündnissen und Fehden zwischen den Highlandclans, und viele von ihnen hätten sich niemals an einem Unterfangen von solcher Wichtigkeit und Heimlichkeit beteiligt – beteiligen können.
Colum MacKenzie hatte eine enge Allianz mit den Camerons ausgehandelt; Jocasta selbst war ein Teil dieser Allianz gewesen, ihre Hochzeit mit einem Cameronhäuptling das Unterpfand. Wenn Dougal MacKenzie einer der Männer war, die die Entgegennahme des französischen Goldes organisiert hatten, und Hector Cameron ein weiterer, so war es höchst wahrscheinlich, dass der dritte Mann ebenfalls diesen Clans entstammte – oder einem anderen, der das Vertrauen der beiden hatte. MacKenzie, Cameron … oder Grant. Und da Jocasta den Mann nicht persönlich gekannt hatte, war es umso wahrscheinlicher, dass es ein Grant war, denn sie hatte mit Sicherheit die meisten höher gestellten Lehnsmänner der MacKenzies und der Camerons gekannt.
Doch jetzt war keine Zeit für solche Überlegungen; die Geschichte war noch nicht vorbei.
Die Verschwörer hatten sich dann getrennt, und jeder von ihnen war mit einem Drittel des französischen Goldes seiner Wege gezogen. Jocasta hatte keine Ahnung, was Dougal oder der Unbekannte mit ihren Truhen gemacht hatten; Hector Cameron hatte die beiden Truhen, die er mitgebracht hatte, in ein Loch im Schlafzimmerboden gesteckt, ein altes Versteck, das sein Vater für seine Wertgegenstände angelegt hatte.
Hector hatte vorgehabt, es dort zu lassen, bis der Prinz eine sichere Zuflucht erreicht hatte, um ihm das Gold dann zukommen zu lassen, so dass er es benutzen konnte, um seine Ziele voranzutreiben. Doch Charles Stuart war bereits auf der Flucht und sollte monatelang keine Ruhe finden. Noch bevor er seine endgültige Zuflucht erreichte, geschah die Katastrophe.
»Hector hat das Gold – und mich – daheim zurückgelassen und ist losgezogen, um sich dem Prinzen und seiner Armee anzuschließen. Am siebzehnten April kam er bei Sonnenuntergang auf den Hof geritten; sein Pferd war über und über mit Schaum bedeckt. Er ist abgestiegen und hat das arme Tier einem Stallknecht überlassen, während er selbst ins Haus stürmte und mich bat, so viele Wertsachen wie möglich einzupacken – die Sache der Stuarts sei verloren, hat er gesagt, und wir müssten fliehen oder mit den Stuarts sterben.«
Auch damals war Cameron schon reich gewesen, und er war so schlau gewesen, seine Kutsche und seine Pferde zu behalten, anstatt sie der Sache der Stuarts zur Verfügung zu stellen. Und so schlau, keine zwei Truhen Gold mit auf die Flucht zu nehmen.
»Er hat drei Goldbarren aus einer der Truhen genommen und sie mir gegeben. Ich habe sie unter dem Sitz der Kutsche versteckt; er und der Stallknecht haben die Truhen in den Wald gebracht – ich habe nicht gesehen, wo sie sie vergraben haben.«
Es war um die Mittagszeit des 18. April, als Hector Cameron mit seiner Frau, seinem Stallknecht, seiner Tochter Morna und drei französischen Goldbarren seine Kutsche bestiegen hatte und Hals über Kopf gen Süden nach Edinburgh aufgebrochen war.
»Seonag war mit dem Herrn von Garth verheiratet – er hatte sich schon früh offen auf die Seite der Stuarts gestellt; er ist in Culloden umgekommen, obwohl wir das natürlich damals noch nicht wussten. Clementina war schon Witwe und lebte bei ihrer Schwester in Rovo.«
Sie holte tief Luft und erschauerte leicht – es bereitete ihr Unbehagen, die Ereignisse, von denen sie berichtete, noch einmal zu durchleben, und doch konnte sie nicht widerstehen.
»Ich habe Hector angefleht, nach Rovo zu fahren. Es war nur ein Umweg von zehn Meilen – es hätte nur ein paar Stunden gedauert –, aber er wollte nicht anhalten. Es sei unmöglich, sagte er. Zu riskant, die Zeit zu opfern, die es dauerte, sie abzuholen. Clementina hatte zwei Kinder, Seonag eins. Zu viele Leute für die Kutsche, hat er gesagt; wir würden zu langsam werden. Dann eben nicht, um sie mitzunehmen, habe ich gesagt. Nur, um sie zu warnen – nur, um sie noch einmal zu sehen.«
Sie hielt inne.
»Ich wusste, wohin wir unterwegs waren – wir hatten darüber gesprochen, obwohl mir nicht klar gewesen war, dass er so gut vorbereitet war.«
Hector Cameron war Jakobit gewesen, aber auch ein guter Menschenkenner, der nicht bereit war, sein Leben für eine verlorene Sache wegzuwerfen. Da er sah, wie sich die Lage entwickelte, und eine Katastrophe befürchtete, hatte er einen ausgeklügelten Fluchtplan geschmiedet. Er hatte im Stillen ein paar Säcke mit Kleidung und dem Notwendigsten beiseite geschafft, so viel wie möglich von seinem Besitz in Geld verwandelt und insgeheim drei offene Überfahrten von Edinburgh in die Kolonien gebucht.
»Manchmal denke ich, ich kann ihm keine Vorwürfe machen«, sagte Jocasta. Sie saß kerzengerade da, und das Licht der Kerzen schimmerte in ihrem Haar. »Er ist davon ausgegangen, dass Seonag nicht ohne ihren Mann gehen würde und dass Clementina das Leben ihrer Kinder nicht auf See aufs Spiel setzen würde. Vielleicht hat er ja Recht gehabt. Und vielleicht hätte es nichts geändert, wenn wir sie gewarnt hätten. Aber ich habe gewusst, dass ich sie nicht wiedersehen würde …« Sie schluckte.