Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
In jener Generation wird weder Vater noch Mutter sein, noch Weib, noch Kind, noch Freund. Doch es wird sein wie in den alten Sagen, als die Götter ein neues Volk aus Steinen oder Drachenzähnen erstehen ließen, und alle waren Fremde mit fremden Gesichtern, und kein Mensch kannte seines Gefährten Gesicht.
Am nächsten Morgen begann er, sich sein Leben einzurichten. Die Ernährung bereitete, wie er bereits wußte, nicht die mindesten Schwierigkeiten. Im nächstgelegenen Geschäftsbezirk fing er an, in die Ladenfenster zu schauen. Ratten und Mäuse hatten bereits mancherlei Wirrwarr angerichtet, und der Boden war bedeckt mit angenagten Kartons und verschütteten Nahrungsmitteln. Zu seiner Verwunderung sah er indessen durch ein Fenster die bunten Stapel von Früchten und Gemüsen so frisch und verlockend wie je daliegen. Ungläubig spähte er durch das staubbedeckte Glas. Dann aber merkte er, anfangs wütend und dann verblüfft, daß die leuchtenden Farben lediglich von Orangen, Äpfeln, Tomaten und Avocados aus Pappmache herrührten, deren sich das Geschäft früher als Schaufensterdekoration bedient hatte.
Nach einer Weile entdeckte er eine Lebensmittelhandlung, die nicht in Unordnung geraten war. Augenscheinlich hatte sie sich gegen Nagetiere gesichert. Vorsichtig stemmte er ein Fenster auf und stieg hinein.
Das Brot war ungenießbar, und selbst in einigen der sorgfältig verschlossenen Kekspackungen war das Ungeziefer am Werk. Aber die getrockneten Früchte und der Inhalt von Konservendosen und Gläsern waren nach wie vor gut. Als er ein paar Dosen Oliven wegnahm, hörte er einen Elektromotor anspringen. Neugierig öffnete er den Kühlschrank und entdeckte, daß die Butter noch tadellos war. Dann untersuchte er die Tiefkühlanlage und fand frisches Fleisch, gefrorenes Gemüse, Fruchteis und selbst grünen Salat. Als er mit seiner Beute fortging, schloß er sorgfältig das Fenster hinter sich, damit wenigstens dieser eine Laden von Ratten verschont blieb.
Als er wieder daheim war, dachte er nochmals über seine Lage nach und kam zu dem Ergebnis, daß fortan die Beschaffung von Nahrung und Kleidung für lange Zeit leicht sein würde — die Läden waren voll davon, und er hatte ja nur für sich zu sorgen! Das Wasser strömte noch mit vollem Druck aus den Hähnen. Gas gab es nicht mehr, und wenn es sich um ein Land mit bitterkalten Wintern gehandelt hätte, so hätte er sich einen Vorrat von Heizöl zulegen können. Sein Gasolin-Kocher reichte für die Bereitung der Mahlzeiten völlig aus; wenn der Kamin im Winter nicht genügen sollte, konnte er eine Batterie solcher Kocher aufbauen und sich auf diese Weise die Wärme verschaffen, deren er bedurfte. Nur zu bald begann er eine solche Selbstzufriedenheit zu empfinden, daß er fürchtete, er werde zu einem Eigenbrötler wie der alte Mann, dem er einmal begegnet war.
In jenen Tagen, da jeder Atemzug Tod bedeutete und die Zivilisation ihrem Ende entgegen wankte — in jenen Tagen sahen die Menschen, die die Wasserversorgungsanlagen betreuten, einander an und sagten: »Auch wenn wir erkranken und sterben, müssen die Menschen Wasser haben.« Und sie gedachten der Pläne, die sie in jenen Zeiten sorglich ausgearbeitet hatten, da die Menschen fürchteten, es möchten Bomben fallen. Sie setzten Schleusen und öffneten Kanäle, so daß das Wasser ungehindert von den großen Staubecken im Gebirge durch die langen Zuleitungen in die Tunnels und schließlich in die Reservoire fließen konnte, von wo aus es, wo immer ein Hahn aufgedreht wurde, ausströmen konnte. »Nun wird das Wasser weiterfließen«, sagten sie, »auch wenn wir dahin sind — bis die Röhren rosten, und dazu bedarf es eines Menschenalters!« Dann starben sie. Aber sie starben als Männer, die ihr Werk vollbracht haben und in allen Ehren ausruhen.
So waltete auch beim Ende der Segen des Wassers, und es verdurstete niemand. Und wenn auch nur wenige Wanderer die Straßen der Stadt durchschritten: das Wasser floß.
Anfangs hatte Ish gefürchtet, er würde unter Langeweile zu leiden haben; aber bald merkte er, daß es so viel zu tun gab, wie er sich nur immer wünschen konnte. Das Verlangen nach Tätigkeit, das sich in seiner Reise gen Osten ausgedrückt hatte, war jetzt schwächer geworden. Er schlief viel. Auch überraschte er sich dabei, daß er lange Zeit dasaß, seiner selbst zwar bewußt, aber einigermaßen teilnahmslos. Dergleichen Anfälle des Versagens flößten ihm Angst ein, und so versuchte er immerfort, sich zu irgendeiner Tätigkeit zu zwingen.
Obwohl es ihm nicht schwerfiel, für sein äußeres Dasein zu sorgen, kostete es ihn glücklicherweise eine beträchtliche Menge seiner Zeit.
Er mußte sich sein Essen kochen, und bald merkte er, daß, wenn er sein Geschirr nicht auf der Stelle aufwusch, ein Strom von Ameisen kam und alles doppelt schwierig machte. Aus dem gleichen Grunde war er gezwungen, die Abfälle zu sammeln und sie vom Hause wegzutragen. Er mußte Prinzeß füttern; seit sie angefangen hatte zu stinken, badete er sie sogar, trotz ihrer lauten Einwände.
Um sich aus seiner Stumpfheit aufzurütteln, ging er eines Tages zur öffentlichen Bibliothek, verschaffte sich mit dem Hammer Einlaß und fand nach einigem Stöbern (zu seinem heimlichen Schmunzeln) »Robinson Crusoe« und den »Schweizerischen Robinson«, die er mit nach Hause nahm.
Indessen gewann er den Büchern kein allzu großes Interesse ab. Crusoes religiöse Voreingenommenheit erschien ihm langweilig und ziemlich dumm. Und was die Robinsonfamilie betraf, so meinte er (was er auch schon als Junge gemeint hatte), daß das zurückgebliebene Schiff für die Familie eine Art unerschöpflicher Vorratskammer bedeutete, der sie alles entnehmen konnte, dessen sie bedurfte.
Zwar war das Radio verstummt; aber er besaß ja das Grammophon seiner Eltern und die Schallplattensammlung. Nach einiger Zeit entdeckte er in einer Musikalienhandlung ein besseres Grammophon. Es war schwer; aber auf dem Kofferträger seines Autos brachte er es dennoch nach Haus und stellte es im Wohnzimmer auf. Ebenso nahm er alle Schallplatten mit, die er haben wollte. Um ein übriges zu tun, verschaffte er sich ein schönes Akkordeon. Mit Hilfe eines Lehrbuches brachte er es fertig, damit ein paar seelentröstende Geräusche hervorzubringen, obwohl Prinzeß sich bisweilen durch lautes Geheul widersetzte. Auch versah er sich mit Zeichenmaterial; aber er kam nie gut damit zurecht.
Sein Hauptinteresse galt nach wie vor der sorgfältigen Beobachtung alles dessen, was auf der Welt geschah, nachdem der Mensch aufgehört hatte, sie zu betreuen. Er fuhr durch alle Bezirke der Stadt und in die Umgebung. Dann wieder hängte er sich seinen Feldstecher um und unternahm ausgedehnte Wanderungen durch das Hügelland; Prinzeß trottete bald hinter ihm her, bald stob sie in wilder Verfolgung des unsichtbaren Kaninchens davon.
Einmal forschte er nach dem alten Mann, der dabei gewesen war, sich mit großen Vorräten an allen erdenklichen Dingen zu umgeben. Nach einiger Mühe fand er das Haus wieder: in den aufgestapelten Vorräten hatten die Ratten sich eingenistet. Aber der alte Mann war nicht in dem Hause, und es fanden sich keinerlei Anzeichen, wohin er gegangen und ob er überhaupt noch am Leben sei. Abgesehen von diesem einen Falle bemühte Ish sich nicht, Menschen aufzustöbern.
Nach und nach änderte sich das Aussehen der Straßen ein wenig. Die Sommerdürre herrschte noch ungebrochen; der Wind hatte Staub, Laub und Reisig hergeweht und hier und dort zu kleinen Haufen aufgeschichtet. In den meisten Teilen der Stadt erblickte er überhaupt keine Tiere, weder Hunde noch Katzen noch Ratten. In gewissen Bezirken jedoch, zumal in der Nähe des Wassers, sah er Scharen von Hunden, und zwar sämtlich von einer bestimmten Art. Sie waren klein und behend, Terriers oder terrierähnliche Bastarde. Indem er sie beobachtete, erkannte er, daß sich in ihnen ein neuer Lebensrhythmus anbahnte. Sie räuberten in den Vorräten, die sie in den Läden fanden, was sie vielleicht von den Ratten gelernt hatten. Wenn die Ratten einen Kekskarton aufgenagt hatten, kamen die Hunde und fraßen den Inhalt. Überdies nährten die Hunde sich, wie es schien, weidlich von den Ratten. Dem entsprach ihr häufiges Vorkommen in den Bezirken, wo es auch vor der Katastrophe schon von Ratten gewimmelt hatte. Auch hatten die Hunde wohl die Katzen vertrieben oder getötet.