Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Und dabei waren es nur kleine, eilfertige Ameisen, die die kalifornischen Hausfrauen geärgert und geplagt hatten. Auf Grund einiger Nachforschungen bekam er heraus, daß die Ameisenplage sich tatsächlich auf die Stadt beschränkte. Irgendwie waren diese Ameisen gleich Hunden, Katzen und Ratten zu Haustieren geworden, die vom Tun und Lassen des Menschen abhängig waren. Das gab ihm eine gewisse Hoffnung. Wenn er nur auf die eigene Behaglichkeit bedacht gewesen wäre, hätte er die Stadt verlassen; aber selbst unter Inkaufnahme einiger Unbequemlichkeit wollte er auch weiterhin beobachten, was geschah.
Dann merkte er eines Morgens plötzlich, daß da keine Ameisen mehr waren. Sorgfältig hielt er Umschau; doch er konnte keinen ihrer Kundschafter mehr erblicken. Er warf ein paar Brocken Eßbares auf den Fußboden, ging dann weg und beschäftigte sich ein paar Minuten lang mit etwas anderem. Als er zu seinem Experimentierplatz zurückkehrte, lag, was er hingeworfen hatte, da, ohne daß eine einzige Ameise darauf gesessen hätte. Neugierig und überzeugt davon, daß sich etwas ereignet habe, ging er nach draußen.
Er wendete einen Erdklumpen um, aber es kamen keine Ameisen aus ihren Löchern. Sorgsam spürte er ihnen nach. Hier und dort sah er ein paar einzelne ziellos umherrennen; aber es waren so wenige, daß er sie hätte zählen können. Er spürte weiter. Er konnte keine toten Ameisen entdecken. Sie waren einfach verschwunden.
Eines Abends saß er und las, und nach einer Weile begann er Hunger zu verspüren. Er ging in die Küche und sah im Kühlschrank nach, ob noch etwas Käse da sei. Zufällig schaute er auf die elektrische Uhr, und er war überrascht, daß es erst sieben Uhr neununddreißig war. Er hatte gemeint, es sei später. Auf dem Wege zum Wohnzimmer aß er ein Stückchen Käse und sah dabei auf seine Armbanduhr. Die Zeiger standen auf zehn nach neun, und er wußte, daß er noch während der letzten vierundzwanzig Stunden seine Uhr nach der Küchenuhr gestellt hatte.
»Nun ist die alte Uhr kaputt«, dachte er. »Kein Wunder!«
Er setzte sich und fing wieder an zu lesen. Ein heftiger Nordwind, der schweren Brandgeruch mit sich führte, wehte so stark, daß dann und wann die Fenster klapperten. Er hatte sich inzwischen an den Brandgeruch gewöhnt und dachte nicht weiter darüber nach. Manchmal war durch den Rauch der brennenden Wälder sogar die Fernsicht getrübt. Nach einer Weile zwinkerte er mit den Augen und blickte angestrengt auf die Seite, deren Buchstaben seltsam undeutlich geworden zu sein schienen. »Wahrscheinlich tränen mir die Augen vom Rauch«, dachte er. »Ich kann gar nicht richtig sehen.« Doch als er sich tiefer beugte, schien nicht nur die Buchseite vor ihm zu verschwimmen, sondern der ganze Raum war dunkler geworden. Ish stutzte und sah nach der elektrischen Birne in der Stehlampe neben ihm.
Hastig, mit wild pochendem Herzen sprang er von seinem Stuhl auf, trat in die Haustür und blickte über die weiten Flächen der unter ihm liegenden Stadt. Die Straßenbeleuchtung brannte noch. Die gelben Perlenketten auf der großen Brücke leuchteten noch, und auf den Turmspitzen flammten die roten Lichter. Er sah genauer hin. Die Lichter schienen ein bißchen weniger hell zu sein, als sie eigentlich sein sollten; aber er konnte annehmen, der wehende Rauch verdunkle sie. Er ging wieder hinein, setzte sich und versuchte zu lesen und zu vergessen — zu vergessen, was er befürchtete.
Aber immer wieder mußte er zwinkern! Als er nach der neben ihm stehenden Lampe sah, war er betroffen. Und dann plötzlich fiel ihm die Küchenuhr ein!
»Es mußte ja einmal kommen!« dachte er.
Seine Armbanduhr zeigte jetzt zehn Uhr zweiundfünfzig. Er ging in die Küche und sah, daß die Uhr auf zehn Uhr vierzehn stand. Böser Ahnungen voll, rechnete er. Das Ergebnis war übel. Wenn er sich recht erinnerte, hatte die Uhr in drei Viertelstunden sechs Minuten verloren.
Wie er wußte, wurde die Uhr durch elektrische Impulse betrieben, von denen für gewöhnlich sechzig in der Minute erfolgten. Jetzt mußten sie weniger häufig sein. Ish hätte versuchen können, sich das auszurechnen, aber er sah nicht ein, wozu das dienen sollte, und fühlte sich plötzlich sehr niedergeschlagen. Jedenfalls vollzog sich der Niedergang, wenn die Stromversorgung aussetzte, sehr viel schneller.
Als er wieder im Wohnzimmer war, konnte er nicht daran zweifeln, daß das Licht noch schwächer geworden war. Tiefe Schatten schienen hinter den Stühlen und aus den Zimmerecken hervorgekrochen zu sein.
»Das Licht verlischt! Das Licht der Welt!« dachte er, und ihm war zumute wie einem Kind, das allein im Dunkel geht.
Prinzeß lag gemütlich auf dem Fußboden. Das Hinschwinden des Lichts konnte ihr nicht das mindeste bedeuten; doch sie spürte seine Nervosität und stand auf, ruhelos schnobernd und auch ein bißchen fiepend.
Er trat wieder vor die Haustür. Minute für Minute wurden die langen Ketten der Straßenbeleuchtung matter und matter. Der starke Wind, so dachte er, mußte dabei mitgeholfen haben, indem er hier ein Gestänge umgeblasen, dort eine Verbindung gelockert hatte. Das Feuer, das über die bewaldeten Höhen leckte und nicht vom Menschen eingedämmt wurde, hatte Überlandlinien und vielleicht gar Kraftwerke verbrannt.
Er ging wieder hinein und stellte eine zweite Stehlampe neben seinen Sessel. So konnte er bequem lesen. Prinzeß lag wieder da und schlief. Es war inzwischen spät geworden, aber er spürte keinerlei Verlangen nach Schlaf. Ihm war, als sitze er am Sterbebett seines liebsten und ältesten Freundes. Er gedachte der mächtigen Worte: »Es werde Licht! Und es ward Licht.« Was jetzt geschah, dünkte ihn das andere Ende der Geschichte.
Nach einer Weile schaute er abermals nach der Küchenuhr; er sah, daß sie mit symmetrisch hochstehenden Zeigern auf elf Uhr fünf stehengeblieben war.
Seine Armbanduhr sagte ihm, daß es jetzt weit nach Mitternacht sei. Die Beleuchtung mochte noch ein paar Stunden andauern oder vielleicht gar noch tagelang dämmerig weiterbrennen. Dennoch verlangte es ihn nicht, zu Bett zu gehen.
Die Stromversorgung war so vortrefflich durchkonstruiert, daß sie selbst bei der Katastrophe noch weiterlief. Die Menschen brachen krank zusammen, aber die Generatoren sandten ihre fein abgestimmtem Impulse auch weiterhin durch die Drähte. Als dann der kurze Todeskampf der Menschheit vorüber war, brannte das Licht dennoch weiter.
So ging es Wochen hindurch. Wenn ein Draht riß und eine ganze Stadt von der Stromversorgung abgeschnitten wurde, so stellte sich das System anders ein, noch ehe der gerissene Draht den Boden berührt hatte. Wenn ein Kraftwerk ausfiel, so glichen die übrigen, über viele Hunderte von Kilometern verteilten Kraftwerke des Systems den Ausfall aus und erzeugten desto mehr Strom, um den Bedürfnissen zu genügen.
Doch jedes System hat, wie eine Kette oder eine Landstraße, seine schwächste Stelle. (Das ist die verhängnisvolle Schwäche aller Systeme.) Das Wasser floß weiter; die großen Generatoren in ihren Öllagern konnten jahrelang weiterlaufen. Aber die Schwäche lag in den Kontrolleinrichtungen der Generatoren. Niemand hatte Einspruch erhoben, als auch sie sämtlich automatisch eingerichtet wurden. Früher waren sie alle zehn Tage auf ihren Ölbedarf hin untersucht worden; einmal monatlich war es vielleicht nötig, das Öl zu ergänzen. Nach zwei Monaten ohne Kontrolle wuchs langsam der Ölbedarf, und im Verlauf der Wochen begann eine Kontrolleinrichtung nach der andern ihre Tätigkeit einzustellen. Wenn eine aussetzte, schaltete sich die große Wasserdüse automatisch ab, und das Wasser floß durch, ohne die Turbine zu treiben. Dann stellte der Generator seine Drehungen ein und sandte keinen Strom mehr aus. Als ein Generator nach dem andern sich aus dem System ausschaltete, wurden die Ansprüche an die wenigen noch in Tätigkeit befindlichen größer und größer, und es ging immer schneller mit dem System zu Ende.
Als er erwachte, stellte er fest, daß das Licht noch schwächer geworden war. Die Drahtfäden in den elektrischen Birnen waren jetzt nur noch orangerot.