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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Jetzt stieß er gewöhnlich auf zwei oder drei Menschen. Gewöhnlich klammerten sich diese Leute an eine kleine Örtlichkeit, die sie bereits vor dem Unheil gekannt hatten. Wie schon früher bezeigte kein einziger das Verlangen, mit ihm wegzufahren; aber bisweilen forderten sie ihn auf, bei ihnen zu bleiben. Das Angebot barg nichts Verlockendes für ihn. Diese Menschen waren körperlich am Leben, aber mehr und mehr kam er zu der Überzeugung, daß sie in einer Art Abgestorbenheit allen Gefühls einherwandelten. Einmal sah er eine Frau, deren Verstand gelitten hatte. Ihre Kleidung wies darauf hin, daß sie einmal wohlhabend gewesen war; doch jetzt war sie kaum imstande, für sich selbst zu sorgen, und sie konnte schwerlich den Winter überleben. Mehrere Überlebende erzählten ihm von anderen, die Selbstmord begangen hatten.

Obwohl er sich manchmal daraufhin prüfte, war er sich nach wie vor keines großen seelischen Schadens bewußt, weder durch den Schock noch durch das Alleinsein. Er schrieb das der Aufrechterhaltung eines Interesses am Verlauf der Ereignisse zu und seinem persönlichen Temperament. Häufig dachte er über seine Begabung und Fähigkeiten für das neue Leben nach, die er damals notiert hatte.

Wenn er fuhr oder am Feuer saß, durchglitten manchmal erotische Vorstellungen seinen Geist. Er dachte an Ann auf der Riverside-Promenade, die in ihrer Blondheit verlockend und schmuck gewesen war. Doch sie bildete eine Ausnahme. Die meisten Frauen waren schlecht frisiert und sogar schmutzig; sie hatten flache Gesichter vor geistiger Teilnahmslosigkeit, wenn sie nicht gerade hysterisch lachten oder kicherten. An manche wäre heranzukommen gewesen; aber stets fühlte er, wie sein Verlangen sogleich hinschwand. Das, so meinte er, war wohl die besondere Form, die der Schock in ihm angenommen hatte. Aber es bestand keinerlei Notwendigkeit, etwas zu erzwingen; es würde schon wieder anders mit ihm werden.

Nirgends in den flammenden Ebenen von Nebraska war der Weizen gemäht worden. Nun stand er da, und seine Goldfarbe wandelte sich in Braun. Die Körner fielen bereits aus den Ähren. Nächstes Jahr würde er üppig wachsen, aber überall würden zugleich andere Grasarten aufsprießen, Gras, das besser wuchs, wenn der Boden unberührt blieb. Ish wußte, daß diese heimischen Gräser bald Soden bilden und den Weizen überwuchern würden.

Estes Park bot gute Rast nach den sonnenheißen Ebenen. Er blieb eine Woche lang dort. Es waren während des ganzen Sommers keine Forellen geangelt worden, und so war das Fischen eine wahre Freude.

Dann kam das Hochgebirge, dann wieder die Wüste und die Salbeibüsche, und er drückte den Fuß fest auf den Gashebel und durchbrauste die Kurven der Staatsstraße 40 dem Donner-Paß zu.

Auf der andern Seite des Passes nahm er plötzlich wahr, daß die ganze Gegend vor ihm rauchverhüllt war. »Welchen Monat haben wir eigentlich?« dachte er. »August? Wahrscheinlich eher Anfang September. Die beste Jahreszeit für Waldbrände.« Und es fiel ihm ein, daß jetzt niemand mehr da war, der gegen die durch Blitzschlag entstandenen Feuersbrünste ankämpfen konnte.

Bei Yuba Gap kam er plötzlich an das Feuer heran. Es brannte mit niedriger Flamme zu beiden Seiten der Straße, und er wagte es, hindurchzufahren. Die Straße war breit, und die Hitze war nicht allzu groß, bis er beim Durchfahren einer Kurve unvermittelt an einen Baumstamm kam, der umgefallen war und die Straße völlig versperrte; er flammte in seiner ganzen Länge und war glühend heiß. Da verspürte er wieder die alte Furcht, die ihn (das lag Jahre zurück, so meinte er) an jenem Morgen in der Wüste geschüttelt hatte — die äußerste Verlassenheit in der Gefahr nach einem Unfall.

Es blieb ihm nichts übrig, als auf der großen Straße zu wenden. Er fuhr zweimal zurück und vor, und in seiner panischen Hast würgte er den Motor ab. Er startete und raste auf dem gleichen Weg, den er gekommen war, aus den Flammen hinaus.

Als er sich in Sicherheit wußte fand er seine Ruhe wieder. Er fuhr bis zur Abzweigung der California 20 zurück und beschloß, einen weiteren Versuch zu wagen. Auch an den Rändern dieser Straße brannte es hier und dort; aber im allgemeinen war das Feuer schon erloschen. Er fuhr behutsam, bog umgefallenen Bäumen aus, die auf der Straße lagen, und kam tatsächlich durch. Indessen war er sehr betroffen, als er von dem Höhenzuge aus rückblickend überall Feuer sah. Er hatte Glück gehabt, daß er es geschafft hatte.

Es war seine Absicht gewesen, diese Nacht in den kühlen Bergen zu kampieren; aber nun wollte er es nicht riskieren, vom Feuer eingeschlossen zu werden, und so fuhr er weiter und wickelte seinen Schlafsack erst im Park einer kleinen Stadt am Fuße der Bergkette auseinander. Es brannte kein Licht. Er war enttäuscht, denn er hatte gehofft, daß in Kalifornien die Beleuchtung noch funktionierte. Sicherlich hatte der Waldbrand die Überlandleitungen zerstört, wenigstens in gewissen Bezirken.

Als er dalag und zu schlafen versuchte, heiß und unbequem, und den trockenen Rauch atmete, hatte er die Empfindung, daß er jetzt in der Falle sitze. Obwohl die Brände von selbst erlöschen würden, waren die Straßen durch die Sierra wohl durch zahlreiche umgestürzte Bäume immer wieder versperrt oder durch Erdrutsche und Unterspülungen von den jetzt kahlen Hängen.

Wie gewöhnlich war ihm am Morgen zuversichtlicher zumute. Wenn er schon in der Falle saß, so war Kalifornien eine höchst geräumige und angenehme Falle, und obgleich die Sierra wohl unpassierbar war, mochte doch die südliche Straße durch die Wüste noch für längere Zeit befahrbar bleiben. Er war zur Abfahrt bereit; aber Prinzeß in ihrem gewohnten Eigensinn gab plötzlich Laut und verschwand auf einer Fährte. Wütend wartete er auf sie, und als sie nicht wiederkam, änderte er seinen Plan und verbrachte den größten Teil des Tages geruhsam halbnackt im Schatten einiger Bäume. Am späten Nachmittag brach er auf.

In der Dämmerung gelangte er auf den Gebirgskamm und hielt Ausschau über die weithin sich dehnenden Städte an der Meeresbucht. Mit jäher Freude sah er, daß der größte Teil der Straßenbeleuchtung noch brannte.

Im Augenblick konnte er beinahe meinen, alles sei eine wilde Wucherung seiner Phantasie gewesen, und nun sei er in einen normal sich vollziehenden Stadtbetrieb zurückgekehrt.

Die lange, leer vor ihm liegende Landstraße strafte dergleichen Erwägungen Lügen. Er sah aufmerksam hin. Ein paar Bezirke, so stellte er fest, lagen dunkel da, weil während seines Fortseins der örtliche Kraftstrom ausgefallen war. Die Lichter der Goldenen-Tor-Brücke waren entweder erloschen, oder er konnte sie des Rauchs wegen nicht sehen, der über der Bucht hintrieb.

Er bog in die San-Lupo-Promenade ein. Soweit er es im Licht der Straßenbeleuchtung und seiner Scheinwerfer erkennen konnte, sah alles genauso aus, wie er es verlassen hatte. »Hier wird immer und ewig eine San-Lupo-Promenade sein!« dachte er, und dann fiel ihm ein, daß er wenigstens darin allen übrigen Überlebenden ähnlich sei, daß er sich eine besonders vertraute Stätte aussuchte. Obwohl er weggefahren war, kehrte er heim wie eine Taube in ihren Schlag.

Er machte die Haustür auf, schaltete das Licht ein und hielt Umschau. Nichts hatte sich verändert. Er hatte gewußt, daß es so sein würde, und dennoch hatte er sich stets in Hoffnungen gewiegt. Er empfand keinen wirklichen Kummer, nur Stumpfheit.

Prinzeß tat in der Küche einen Satz, rutschte über das Linoleum, glitt aus, fiepte komisch und kam wieder auf die Beine. Er war ihr dankbar, daß sie den Bann gebrochen hatte, und er ging ihr nach. Sie schnüffelte an einem Wandschrank herum; aber er konnte nicht entdecken, was sie so aufregte.

»Naja«, dachte er, als er wieder ins Wohnzimmer ging, »wenn kein Gefühl mehr in mir ist, so ist das vielleicht seltsam; aber es ist wenigstens niemand da, dem ich Gefühl vorspielen müßte.«

Der Zettel, den er auf dem Tisch hinterlassen hatte, lag noch dort unberührt, und sah merkwürdig frisch aus. Er nahm ihn, zerknüllte ihn, warf ihn in den Kamin und zündete ein Streichholz an. Einen Augenblick zögerte er. Dann hielt er das Streichholz an das Papier und wartete, bis die Flamme aufzüngelte. Auch das war vorüber!

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