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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Ich spürte eine leichte Luftbewegung zu meinen Füßen und begriff, dass Jamie im Dunkel unter dem Tisch hockte. Der Schein der Laterne war hell, aber begrenzt; ich stand bis zur Taille im Dunklen. Wylie hatte ihn nicht gesehen. Ich streckte einen Zeh aus und stieß ihn an, um ihm zu signalisieren, dass er bleiben sollte, wo er war.

Ich zwang mich, Philip Wylie zuzulächeln, obwohl mir das Herz wild hämmernd im Halse steckte. Ich schluckte krampfhaft und sagte die ersten Worte, die mir einfielen – zufälligerweise war es: »Guten Abend.«

Er leckte sich die Lippen. Im Augenblick trug er weder Schönheitspflästerchen noch Puder, doch er war so bleich wie das Musselinlaken.

»Mrs. … Fraser«, sagte er und schluckte ein zweites Mal. »Ich – äh – was macht Ihr hier?«

Eigentlich hatte ich gedacht, dass das einigermaßen offensichtlich war; wahrscheinlich bezog sich seine Frage ja auf die Gründe, warum ich es tat – und ich hatte nicht die Absicht, ihm diese näher zu erläutern.

»Das braucht Ihr nicht zu wissen«, sagte ich kühl und fand ein wenig zu meiner Fassung zurück. »Was macht Ihr hier, dass Ihr mitten in der Nacht in der Gegend herumschleicht?«

Das war offensichtlich eine gute Frage; seine Miene schlug von offenem Entsetzen in Argwohn um. Sein Kopf zuckte, als wollte er hinter sich blicken. Er hielt in der Bewegung inne, bevor er sie vollenden konnte, doch mein Blick folgte ihrer Richtung. Hinter ihm stand ein Mann in der Dunkelheit; ein hochgewachsener Mann, der jetzt vortrat. Sein Gesicht schimmerte bleich im Schein der Laterne, und seine sardonischen Augen waren grün wie Stachelbeeren. Stephen Bonnet.

»Himmel!«, sagte ich.

An diesem Punkt ereignete sich eine ganze Reihe von Dingen: Jamie kam unter dem Tisch hervorgeschossen wie eine angreifende Kobra; Philip Wylie sprang mit einem Schreckensruf von der Tür zurück, und die Laterne krachte von ihrem Nagel zu Boden. Es roch heftig nach verspritztem Öl und Brandy; es ertönte ein leises Wusch wie beim Anspringen eines Heizofens, und schon stand das zusammengeballte Leichentuch zu meinen Füßen in Flammen.

Jamie war fort; draußen in der Dunkelheit erschollen Rufe und die Geräusche von Schritten auf dem Pflaster. Ich stampfte auf den brennenden Stoff, um das Feuer auszutreten.

Dann überlegte ich es mir anders und warf mich stattdessen mit einem Satz gegen den Tisch, so dass er umstürzte und seine Last auf dem Boden landete. Mit einer Hand ergriff ich das flammende Leichentuch und zog es über die Leiche und den umgestürzten Tisch. Der Boden des Schuppens war dick mit Sägespänen bestreut, die an einigen Stellen bereits brannten. Ich versetzte der zersplitterten Laterne einen festen Tritt und schleuderte sie gegen die trockenen Wandbretter. Dabei verteilte sich das restliche Öl, das sich sofort entzündete.

Im Gemüsegarten erklangen laute, alarmierte Rufe; ich musste hier hinaus. Ich ergriff meine Tasche und flüchtete in die Nacht, meine Faust immer noch fest um das Indiz geballt. Es war meine einzige Gewissheit in all dem Chaos. Ich hatte zwar keine Ahnung, was hier vorging oder was als Nächstes geschehen mochte, aber wenigstens wusste ich mit Sicherheit, dass ich Recht hatte. Betty war tatsächlich ermordet worden.

Einige Sklaven, die durch den Tumult geweckt worden waren, liefen aufgeregt durch den Gemüsegarten. Sie bewegten sich planlos und verständigten sich laut rufend, doch da der sinkende Mond die einzige Lichtquelle war, fiel es mir nicht schwer, mich im Schatten zu halten und an ihnen vorbeizuschlüpfen.

Es war noch niemand aus dem Haus gekommen, doch es konnte nicht mehr lange dauern, bis die Rufe und die Flammen Aufmerksamkeit erregten. Ich kauerte im Schatten eines großen Himbeerstrauches, als das Tor aufflog und zwei weitere Sklaven vom Stall herbeigeeilt kamen. Sie waren halb bekleidet und kaum zu verstehen und riefen irgendetwas, das mit Pferden zu tun hatte. Kräftiger Brandgeruch hing in der Luft; zweifellos dachten sie, der Stall stünde in Flammen oder sei kurz davor.

Mein Herz schlug so fest gegen die Innenseite meines Brustkorbes, dass ich es spüren konnte wie eine Faust. Das schlaffe Herz, das ich gerade noch in der Hand gehalten hatte, stand mir plötzlich unangenehm vor Augen, und ich dachte daran, wie meines wohl jetzt aussehen musste – ein dunkelroter Knoten aus glattem Muskelgewebe, der in seiner Höhle zwischen den Lungen blind vor sich hinhämmerte.

Meine Lungen funktionierten nicht annähernd so gut wie mein Herz; ich atmete kurz und heftig in keuchenden Zügen, die ich zu unterdrücken versuchte, weil ich Angst hatte, entdeckt zu werden. Was, wenn sie Bettys entweihten Körper aus dem Schuppen zerrten? Sie würden zwar nicht wissen, wer für die Verstümmelung verantwortlich war, doch ihre Entdeckung würde für einen schrecklichen Aufruhr sorgen und zu wilden Gerüchten und allgemeiner Hysterie führen.

Über der rückwärtigen Mauer des Gemüsegartens leuchtete es jetzt rotglühend; das Dach des Schuppens begann zu brennen, und das Leuchten des Feuers zeigte sich in gleißenden, dünnen Linien, als die Kiefernholzschindeln zu qualmen begannen und sich einrollten.

Der Schweiß kitzelte mich hinter den Ohren, doch das Atmen fiel mir ein wenig leichter, als ich die Sklaven zu einer eingeschüchterten Silhouette zusammengedrängt am hinteren Tor stehen sah. Natürlich – da der Schuppen schon so gründlich Feuer gefangen hatte, würden sie nicht versuchen, ihn zu löschen. Das nächste Wasser befand sich in den Pferdetrögen; bis sie die Eimer geholt hatten, würde der Schuppen schon fast in Schutt und Asche liegen. Es befand sich ja nichts Brennbares in seiner Nähe. Am besten ließ man ihn brennen.

Über dem Schuppen erhob sich der Rauch in wirbelnden Wolken hoch in die Luft. Wenn man wusste, was sich im Inneren befand, war es nur zu leicht, sich spektrale Schatten in den durchsichtigen Wogen vorzustellen. Dann durchbrach das Feuer das Dach, und züngelnde Flammen ließen den Rauch von unten aufglühen – ein ebenso gespenstischer wie wunderschöner Anblick.

Hinter mir brach jemand in schrilles Gejammer aus, und ich fuhr zurück und stieß mir den Ellbogen an der Mauer. Phaedre war durch das Tor gekommen, gefolgt von Gussie und einer anderen Sklavin. Sie rannte durch den Garten und schrie: »Mama!« In ihrem weißen Hemd fing sich das Licht der Flammen, die jetzt Funken sprühend durch die Löcher im Dach des Schuppens brachen.

Die Männer am Tor fingen sie ab; die Frauen eilten ihr nach und streckten aufgeregt rufend die Arme nach ihr aus. Ich hatte plötzlich einen Blutgeschmack im Mund und merkte, dass ich mir auf die Unterlippe gebissen hatte. Ich schloss krampfhaft die Augen und versuchte, nicht auf Phaedres panische Schreie und den abwechselnden, tröstenden Singsang ihrer Begleiterinnen zu hören.

Mich überkam ein fürchterliches Schuldgefühl. Ihre Stimme war Briannas Stimme so ähnlich, und ich konnte mir nur zu deutlich vorstellen, was Brianna wohl empfunden hätte, wenn es mein Körper gewesen wäre, der in dem Schuppen verbrannte. Doch Phaedre hätte noch Schlimmeres empfunden, wenn ich das Feuer nicht entfesselt hätte. Meine Hände zitterten vor Kälte und Anspannung, doch ich tastete nach meiner Tasche, die zu meinen Füßen auf den Boden gefallen war.

Meine Hände fühlten sich steif und unangenehm an, weil trocknendes Blut und Lymphe an ihnen klebte. Ich durfte auf keinen Fall zulassen, dass man mich so sah. Ich wühlte mit der freien Hand in dem Sack herum und ertastete schließlich ein Glas mit Deckel, in dem ich normalerweise Blutegel aufbewahrte, sowie die kleine Flasche mit dem Gemisch aus Wasser und Alkohol zum Waschen.

Ich konnte nichts sehen, aber ich spürte, wie das Blut wie Schuppen abplatzte, als ich meine verkrampften Finger öffnete und den Inhalt meiner Hand vorsichtig in das Glas schabte. Meine Finger zitterten so sehr, dass ich den Korken der Flasche nicht zu packen bekam; schließlich zog ich ihn mit den Zähnen heraus und goss mir den Alkohol über die offene Handfläche, um den Rest der körnigen Substanz in das Glas zu spülen.

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