Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Manchmal bewegen sie sich auch«, sagte Jamie nach einer kurzen Pause. Sein Tonfall war merkwürdig, und ich sah überrascht zu ihm auf. Er hatte den Blick fest auf Bettys Gesicht geheftet, doch sein Ausdruck war so abwesend, dass er mit Sicherheit etwas anderes sah.
»Wer bewegt sich?«
»Leichen.«
Mir lief eine Gänsehaut über die Unterarme. Er hatte Recht, aber ich fand, dass er diese Beobachtung gegenwärtig besser für sich behalten hätte.
»Ja«, sagte ich so beiläufig wie möglich und richtete den Blick wieder auf meine Arbeit. »Ein bekanntes, postmortales Phänomen. Normalerweise nur durch Gase verursacht.«
»Ich habe einmal gesehen, wie ein Toter sich hingesetzt hat«, sagte er, und sein Tonfall war genauso beiläufig wie der meine.
»Was, bei einer Totenwache? Er war gar nicht tot?«
»Nein, in einem Feuer. Und er war mausetot.«
Ich blickte scharf auf. Seine Stimme klang flach und sachlich, doch sein Gesicht trug einen nach innen gekehrten Ausdruck tiefster Gedankenverlorenheit; was auch immer er damals gesehen hatte, er sah es jetzt wieder.
»Nach der Schlacht von Culloden haben die Engländer die Toten aus den Highlands auf dem Feld verbrannt. Wir konnten die Feuer riechen, aber ich habe sie erst gesehen, als sie mich ins Freie geholt und auf den Wagen gelegt haben, um mich heimzuschicken.«
Er hatte unter einer Lage Heu versteckt gelegen und die Nase zum Atmen an eine Ritze zwischen den Brettern gepresst. Der Kutscher hatte das Feld weiträumig umfahren, um eventuellen Fragen der Truppen in der Nähe der Kate auszuweichen, und einmal hatte er ein paar Minuten angehalten, um abzuwarten, bis eine Gruppe Soldaten weitergezogen war.
»Vielleicht zehn Meter von uns entfernt brannte ein frischer Scheiterhaufen; sie hatten ihn kurz zuvor in Brand gesetzt, denn die Kleider begannen gerade erst zu verkohlen. Ich habe Graham Gillespie ganz in meiner Nähe auf dem Haufen liegen sehen, und er war mit Sicherheit tot, denn er hatte einen Pistolenschuss an der Schläfe.«
Der Wagen hatte eine Zeit lang gewartet, die ihm endlos erschienen war, wenn er auch vom Fieber und den Schmerzen zu benommen gewesen war, um es genau zu sagen. Doch während er auf den Scheiterhaufen starrte, hatte er gesehen, wie Gillespie sich plötzlich inmitten der Flammen hinsetzte und den Kopf wandte.
»Er hat mich direkt angesehen«, sagte er. »Wäre ich bei Verstand gewesen, hätte ich wohl fürchterlich losgebrüllt. Aber so fand ich es einfach nur … freundlich von Graham.« In seiner Stimme lag ein Hauch von beklommener Belustigung. »Ich dachte, er wollte mir sagen, dass es gar nicht so schlimm war, tot zu sein. Entweder das, oder er wollte mich vielleicht in der Hölle willkommen heißen.«
»Postmortale Muskelkontraktion«, sagte ich, ganz auf meine Grabungsarbeiten im Verdauungstrakt konzentriert. »Durch das Feuer ziehen sich die Muskeln zusammen, und die Gliedmaßen verdrehen sich oft zu sehr lebensähnlichen Positionen. Kannst du das Licht etwas näher halten?«
Ich hatte die Speiseröhre gelöst, schlitzte sie vorsichtig der Länge nach auf und klappte das wabbelige Gewebe auf. An ihrem unteren Ende lag eine Reizung vor, und sie enthielt Blut, doch ich fand keine Spur eines Gefäßrisses. Ich beugte mich tiefer, um in die Rachenhöhle zu blinzeln, doch es war zu dunkel, um dort viel zu erkennen. Für eine detailliertere Erkundung war ich nicht ausgerüstet, daher wandte ich meine Aufmerksamkeit stattdessen dem anderen Ende zu. Ich fuhr mit einer Hand unter den Magen und hob ihn hoch.
Ich spürte, wie der Argwohn, den ich die ganze Zeit verspürt hatte, sich verschärfte. Wenn hier wirklich etwas faul war, dann war dies die Stelle, wo ich am wahrscheinlichsten herausfinden würde, was es war. Das sagte mir die Logik genauso wie mein sechster Sinn.
Der Magen enthielt keine Speisereste; so, wie sich Betty übergeben hatte, überraschte mich das nicht. Doch als ich die feste Muskelwand durchschnitt, übertünchte plötzlich scharfer Ipecacuanageruch die Ausdünstungen des Körpers.
»Was?« Auf meinen Ausruf hin beugte Jamie sich vor und sah die Leiche stirnrunzelnd an.
»Ipecacuana. Dieser Quacksalber hat ihr direkt vor ihrem Tod Ipecacuana verabreicht. Riechst du es?«
Er zog ein angewidertes Gesicht, schnüffelte jedoch vorsichtig und nickte.
»Hast du das denn nicht sowieso gewusst? Auf dem Speicherfußboden lag eine leere Flasche, auf deren Etikett es stand.«
»Nein.« Ich hatte nicht auf die verstreuten Bestandteile von Fentimans Ausrüstung geachtet, da ich zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt gewesen war, den Doktor aus dem Zimmer zu bringen.
»Ist es denn nicht das Richtige, wenn man einen Patienten mit Bauchgrimmen hat? Du hast doch der kleinen Beckie MacLeod selbst Ipecacuana gegeben, als sie dein blaues Mittel getrunken hat.«
»Da hast du Recht.« Die fünfjährige Beckie hatte eine halbe Flasche der Arsenlösung getrunken, die ich als Rattengift hergestellt hatte. Sie hatte sich von der hellblauen Farbe anlocken lassen, und der Geschmack hatte sie nicht im Mindesten abgeschreckt. Nun ja, den Ratten schmeckte es ja auch. »Aber ich habe es sofort getan. Es ist sinnlos, es Stunden später zu verabreichen, wenn das Gift oder Reizmittel den Magen schon wieder verlassen hat.«
Doch konnte Fentiman dies bei seinen medizinischen Kenntnissen gewusst haben? Vielleicht hatte er Betty das Ipecacuana ja einfach nur verabreicht, weil ihm nichts anderes einfiel. Ich runzelte die Stirn und schlug die schwere Magenwand zurück. Ja, dies war die Quelle der Blutungen; die Innenseite der Wand sah roh und dunkelrot wie Hackfleisch aus. Der Magen enthielt eine kleine Menge Flüssigkeit; klare Lymphe, die sich allmählich von dem geronnenen Blut absetzte, das noch im Körper verblieben war.
»Also glaubst du, dass sie vielleicht durch das Ipecacuana umgekommen ist?«
»Im ersten Moment ja … aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher«, murmelte ich und betastete vorsichtig den Magen. Wenn Fentiman Betty eine große Dosis Ipecacuana verabreicht hatte, dachte ich, so hatte möglicherweise das daraus resultierende, heftige Erbrechen einen internen Gefäßriss und den Blutsturz verursacht – doch ich fand nichts, was darauf hingewiesen hätte. Ich benutzte das Skalpell, um den Magen weiter aufzuschneiden, und zog seine Ränder zurück.
»Kannst du mir eins von den kleinen, leeren Gläsern geben? Und die Flasche zum Waschen, bitte?«
Jamie hängte die Laterne an den Nagel und kniete sich gehorsam hin, um in der Tasche herumzukramen, während ich weiter in Bettys Magen herumtastete. In den Falten der Magenschleimhaut hatte sich ein körniges Material gesammelt, das einen hellen Brei bildete. Ich schabte zögernd daran herum und stellte fest, dass es sich leicht lösen ließ und als dicke, körnige Paste zwischen meinen Fingerspitzen kleben blieb. Ich war mir nicht sicher, was es war, doch in meinem Hinterkopf regte sich ein unangenehmer Verdacht. Ich nahm mir vor, den Magen zu spülen und den Bodensatz aufzufangen und mit zurück ins Haus zu nehmen, wo ich ihn am Morgen bei richtigem Licht betrachten konnte. Wenn es das war, was ich dachte …
Die Tür des Schuppens schwang ohne jede Vorwarnung auf. Ein heftiger, kalter Luftzug ließ die Laterne hoch und hell aufflammen – hell genug, um mir Philip Wylies Gesicht zu zeigen, das bleich und schockiert im Türrahmen auftauchte.
Er starrte mich mit offenem Mund an, dann schloss er ihn und schluckte. Sein Blick wanderte langsam über die Szene und kehrte dann voller Entsetzen zu meinem Gesicht zurück.
Ich war ebenfalls schockiert. Das Herz war mir in den Hals gehüpft, und meine Hände waren erstarrt, aber mein Hirn arbeitete rasend.
Was würde passieren, wenn er einen Aufruhr verursachte? Es würde ein schrecklicher Skandal werden, ganz gleich, ob es mir gelang zu erklären, was ich getan hatte, oder nicht. Wenn nicht – eine eisige Welle der Furcht überkam mich. Ich war schon einmal dicht daran gewesen, wegen Hexerei verbrannt zu werden, und das war schon einmal zu viel.