Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Es war beinahe eine Erleichterung einzutreten, denn im Schuppen regte sich kein Lüftchen, wenn die Gerüche des Todes auch gemeinsam mit dem Mief von Rost, vergammeltem Stroh und verschimmeltem Holz eine drückende Mischung ergaben. Es ertönte ein leises, metallisches Schaben, als die Blende der Laterne beiseite glitt, und ein gleißender Lichtstrahl erhellte den engen Schuppen.
Sie hatten die tote Sklavin auf ein Brett gelegt, das auf zwei Tischböcken ruhte. Sie war bereits gewaschen und ordentlich aufgebahrt, eingehüllt in ein Leichentuch aus grobem Musselin. Neben ihr standen ein kleiner Brotlaib und ein Becher Brandy. Ein kleines, sorgfältig zusammengebundenes Kräutersträußchen lag genau über ihrem Herzen auf dem Leichentuch. Jamie bekreuzigte sich, als er es sah, und sah mich beinahe anklagend an.
»Grabbeigaben anzurühren, bringt Unglück.«
»Bestimmt bringt es nur Unglück, wenn man sie stiehlt«, beruhigte ich ihn mit gedämpfter Stimme, bekreuzigte mich aber ebenfalls, bevor ich die Gegenstände entfernte und sie in einer Ecke des Schuppens auf den Boden stellte. »Ich lege sie zurück, wenn ich fertig bin.«
»Mmpfm. Warte noch einen Augenblick, Sassenach. Fass sie noch nicht an.«
Er grub in den Tiefen seines Umhangs nach und brachte ein kleines Fläschchen zum Vorschein. Er entkorkte es, hielt zwei Finger an die Öffnung und ließ ein wenig Flüssigkeit herauslaufen, die er über der Leiche versprühte. Dabei murmelte er rasch ein gälisches Gebet, in dem ich die Bitte an St. Michael erkannte, uns vor Dämonen, Leichenschändern und Wesen zu beschützen, die des Nachts herumrumpeln. Sehr nützlich.
»Ist das etwa Weihwasser?«, fragte ich ungläubig.
»Aye, natürlich. Vater LeClerc hat es mir vor seiner Abreise gegeben.« Er machte ein Kreuzzeichen über der Leiche und legte kurz die Hand auf die verhüllte Rundung des Schädels, bevor er mir kopfnickend seine widerstrebende Zustimmung erteilte fortzufahren.
Ich zog ein Skalpell aus meiner Tasche und durchtrennte vorsichtig die Naht des Leichentuches. Ich hatte eine stabile Nadel und gewachsten Faden zum Zunähen der Körperhöhle dabei; mit etwas Glück konnte ich ja auch das Leichentuch wieder so flicken, dass niemandem auffiel, was ich getan hatte.
Ihr Gesicht war so gut wie nicht mehr zu erkennen; die runden Wangen waren erschlafft und eingesunken, und die sanfte Röte ihrer schwarzen Haut war zu einem aschenen Grau verblasst, Lippen und Ohren ein bleiernes Violett. Das machte es mir leichter; es war deutlich, dass dies wirklich nur eine Hülle war, nicht die Frau, die ich gekannt hatte. Diese Frau würde – falls sie noch in der Nähe war – keine Einwände haben, dachte ich.
Jamie machte erneut ein Kreuzzeichen und sagte leise etwas auf Gälisch, dann stand er reglos da und hielt die Laterne hoch, so dass ich bei ihrem Licht arbeiten konnte. Das Licht warf seinen Schatten an die Schuppenwand, gigantisch und unheimlich im Flackern der Flamme. Ich wandte den Blick ab und schaute auf meine Arbeit.
Auch die offiziellste, hygienischste, modernste Autopsie ist schlichtes Metzgerhandwerk; dies hier war nicht besser – und auch nur deshalb schlimmer, weil es mir an Licht und Spezialwerkzeugen fehlte.
»Du brauchst nicht zuzusehen, Jamie«, sagte ich und trat zurück, um mir mit dem Handgelenk über die Stirn zu wischen. Trotz der Kühle im Inneren des Schuppens hatte mich das anstrengende Sprengen des Brustbeins zum Schwitzen gebracht, und die überreifen Gerüche des geöffneten Körpers hingen schwer in der Luft. »An der Wand ist ein Nagel; du könntest die Laterne aufhängen, wenn du ein wenig nach draußen gehen möchtest.«
»Alles bestens, Sassenach. Was ist denn das?« Er beugte sich vor und zeigte mir vorsichtig mit dem Finger, was er meinte. Seine beunruhigte Miene war einem interessierten Ausdruck gewichen.
»Die Luftröhre und die Bronchien«, erwiderte ich und fuhr mit dem Skalpell über die wohlgeformten Knorpelringe, »und ein Stück der einen Lunge. Wenn es dir nichts ausmacht, könntest du dann bitte das Licht etwas näher nach hier halten?«
Da ich keine Spreizer hatte, konnte ich den Brustkorb nicht weit genug aufstemmen, um eine vollständige Lunge bloßzulegen, aber ich glaubte, dass ich genug sehen konnte, um eine Reihe von Möglichkeiten auszuschließen. Die Oberflächen beider Lungen waren schwarz und körnig; Betty war Mitte vierzig gewesen und hatte ihr ganzes Leben in der Nähe offener Holzfeuer verbracht.
»Jede Verschmutzung, die man einatmet und nicht wieder aushustet – Tabakrauch, Ruß, Smog, was auch immer –, wird allmählich zwischen dem Lungengewebe und dem Rippenfell hinausgeschoben«, erklärte ich ihm und hob mit der Skalpellspitze ein Stück der dünnen, halb durchsichtigen Rippenfellmembran an. »Aber der Körper kann den Schmutz nicht ganz abstoßen, also bleibt er einfach dort. Die Lunge eines Kindes wäre sauber und rosa.«
»Sehen meine Lungen auch so aus?« Jamie hustete automatisch auf, unterdrückte den Reflex dann aber. »Und was ist Smog?«
»Die Luft in Städten wie Edinburgh, wo sich der Rauch mit dem Nebel vermischt, der vom Wasser aufsteigt«, sagte ich geistesabwesend und räusperte mich leise, als ich die Rippen zurückzog, um in die dunkle Brusthöhle zu spähen. »Deine Lungen sehen wahrscheinlich nicht so schlimm aus, weil du viel Zeit im Freien oder in ungeheizten Räumen verbracht hast. Saubere Lungen gehören zu den Vorteilen eines Lebens ohne Feuer.«
»Das ist gut zu wissen, wenn man sowieso keine Wahl hat«, sagte er trocken. »Ich nehme an, die meisten Leute würden es lieber warm haben und husten, wenn sie es sich aussuchen könnten.«
Ich lächelte, ohne aufzublicken, während ich den oberen Lappen der rechten Lunge durchtrennte.
»Das würden sie, und sie tun es ja auch.« Kein Anzeichen einer Blutung in beiden Lungen; kein Blut in der Luftröhre, nichts, was auf eine Lungenembolie hingedeutet hätte. Keine Blutansammlungen in Brust oder Bauchhöhle, obwohl hier etwas durchsickerte. Nach dem Tod gerinnt das Blut, doch dann verflüssigt es sich allmählich wieder.
»Kannst du mir bitte noch etwas Watte reichen?« Ein paar kleine Blutflecken auf dem Leichentuch würden angesichts der spektakulären Natur von Bettys Tod sicher niemanden beunruhigen, doch ich musste vermeiden, dass es so viel wurde, dass jemand Verdacht schöpfte und nachsah.
Ich beugte mich vor, um ihm die Baumwolle aus der Hand zu nehmen und legte dabei der Leiche unbeabsichtigt die Hand auf die Seite. Der Körper gab ein leises Stöhnen von sich, und Jamie sprang mit einem erschrockenen Ausruf zurück. Das Licht schlingerte wild.
Auch ich war zusammengefahren, erholte mich jedoch schnell.
»Schon gut«, sagte ich, obwohl mein Herz rasend schlug und der Schweiß in meinem Gesicht plötzlich kalt geworden war. »Es ist nur eingeschlossenes Gas. Leichen machen oft seltsame Geräusche.«
»Aye.« Jamie schluckte und nickte, während er die Laterne zur Ruhe brachte. »Aye, das habe ich schon oft erlebt. Aber es überrascht einen doch ein wenig, nicht wahr?« Er lächelte mich schief an, obwohl ein heller Schweißfilm auf seiner Stirn glänzte.
»Das kann man wohl sagen.« Mir wurde klar, dass er es ja selbst schon mit einer ganzen Reihe von Leichen zu tun gehabt hatte, die grundsätzlich nicht einbalsamiert waren, und dass ihm die Phänomene des Todes wohl auch nicht minder vertraut waren als mir. Vorsichtig legte ich die Hand noch einmal auf dieselbe Stelle, doch es gab keine weiteren Geräusche, und ich nahm meine Untersuchung wieder auf.
Ein weiterer Unterschied zwischen dieser improvisierten Autopsie und der modernen Form bestand im Fehlen von Handschuhen. Meine Hände waren blutig bis zum Gelenk, und die Organe und Membranen fühlten sich schwach, aber unangenehm schleimig an; trotz der Kälte im Inneren des Schuppens hatte der unausweichliche Prozess des Verfalls bereits begonnen. Ich schob meine Hand unter das Herz und hob es ans Licht, um es nach deutlichen Verfärbungen der Oberfläche oder sichtlichen Rissen der großen Blutgefäße abzusuchen.