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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Der Major winkte mit einem höflichen Geräusch ab.

»Nein, nein«, beharrte sie. Sie richtete sich auf und strich sich mit einer Hand das Haar aus dem Gesicht. »Ihr habt unseretwegen große Mühe auf Euch genommen, und wir dürfen Eure Güte nicht weiter ausnutzen. Ulysses – bring den Major nach unten in den Salon und sorge dafür, dass er sich angemessen erfrischen kann.«

Der Butler verbeugte sich unterwürfig – erst jetzt bemerkte ich, dass er ein Nachthemd über einer Kniehose trug, deren Schnallen nicht geschlossen waren, sich jedoch die Perücke aufgesetzt hatte – und schob den Major bestimmt zur Tür. MacDonald sah geradezu lächerlich überrascht und nicht wenig verärgert darüber aus, dass man ihn auf diese zivilisierte Weise abservierte, denn er hatte offensichtlich vorgehabt, zu bleiben und die Details zu hören. Doch es war ihm unmöglich, sich Jocasta zu widersetzen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren, also machte er gute Miene zum bösen Spiel und verabschiedete sich mit einer würdevollen Verbeugung.

Meine Panik ließ allmählich genauso verblüffend nach, wie sie gekommen war. Jamies Hände strahlten eine Wärme aus, die sich in meinem ganzen Körper auszubreiten schien, und das Atmen fiel mir nicht länger schwer. Ich konnte mich wieder auf meinen Patienten konzentrieren, der jetzt die Augen geöffnet hatte, wenn er es auch zu bedauern schien.

»Och, mo cheann!« Duncan sah blinzelnd in den Schein der Laterne, konzentrierte sich mit Schwierigkeiten auf mein Gesicht und hob dann den Blick zu Jamie, der hinter mir stand. »Mac Dubh – was ist passiert?«

Eine von Jamies Händen ließ von meiner Schulter ab und senkte sich, um Duncans Arm zu umklammern.

»Mach dir keine Sorgen, a charaid.« Er sah Jocasta viel sagend an. »Deine Frau hatte gerade vor, uns zu erzählen, was vorgefallen ist. Nicht wahr, Tante Jocasta?«

Er legte eine leichte, aber unmissverständliche Betonung auf die letzte Frage, und Jocasta, die sich nun in die Enge getrieben sah, spitzte die Lippen, doch dann setzte sie sich seufzend gerade hin und ergab sich der unangenehmen Notwendigkeit, sich uns anzuvertrauen.

»Hier ist niemand mehr, der nicht zur Familie gehört?«

Nachdem wir ihr dies versichert hatten, nickte sie und begann.

Sie hatte ihre Magd entlassen und war im Begriff gewesen, zu Bett zu gehen, als sich plötzlich die Tür zum Flur geöffnet hatte und – so glaubte sie – zwei Männer eingetreten waren.

»Ich bin mir sicher, dass es mehr als einer war – ich habe ihre Schritte und ihren Atem gehört«, sagte sie mit konzentriert gerunzelter Stirn. »Möglich, dass es drei waren, aber ich glaube es nicht. Es hat nur einer von ihnen gesprochen. Aber ich glaube, dass der andere jemand war, den ich kenne, denn er hat sich von mir ferngehalten, als hätte er Angst, ich könnte ihn irgendwie erkennen.«

Doch der Mann, der mit ihr gesprochen hatte, war ein Fremder gewesen; sie war sich sicher, dass sie seine Stimme noch nie zuvor gehört hatte.

»Er war Ire«, sagte sie, und Jamies Hand klammerte sich abrupt fester um meine Schulter. »Er konnte sich gewählt ausdrücken, aber ein Gentleman war er nicht.« Ihre Nasenlöcher blähten sich unbewusst vor Abscheu.

»Nein, das wohl kaum«, sagte Jamie leise. Brianna war beim Klang des Wortes »Ire« leicht zusammengefahren, wenn sie auch nur leicht die Stirn runzelte, während sie konzentriert zuhörte.

Der Ire war höflich, aber direkt in seinen Forderungen gewesen; er wollte das Gold.

»Gold?« Es war Duncan, der das sagte, doch allen anderen stand dieselbe Frage deutlich ins Gesicht geschrieben. »Was denn für Gold? Wir haben doch gar kein Geld im Haus außer ein paar Pfund Sterling und ein wenig Proklamationsgeld.«

Jocasta presste die Lippen fest zusammen. Doch es war nicht zu ändern, jetzt nicht mehr. Ein leises Knurren stieg in ihrer Kehle auf, ein unartikulierter Protest, weil sie sich gezwungen sah, das Geheimnis preiszugeben, das sie so lange gehütet hatte.

»Das Gold des Franzosen«, sagte sie abrupt.

»Was?«, sagte Duncan verwirrt. Er rieb sich vorsichtig mit der Hand über die Schwellung hinter seinem Ohr, als wäre er überzeugt, sein Hörvermögen sei beeinträchtigt.

»Das Franzosengold«, wiederholte Jocasta ziemlich gereizt. »Das kurz vor Culloden geschickt worden ist.«

»Vor –«, begann Brianna mit großen Augen, aber Jamie unterbrach sie.

»Louis’ Gold«, sagte er leise. »Ist es das, was du meinst, Tante Jocasta? Das Gold der Stuarts?«

Jocasta lachte kurz und völlig humorlos auf.

»Das war es einmal.«

Sie hielt inne und lauschte. Doch die Stimmen hatten sich von der Tür entfernt, wenn auch immer noch Geräusche im Flur zu hören waren. Sie wandte sich an Brianna und wies mit einer Handbewegung zur Tür.

»Geh nachsehen, ob niemand seine Löffel am Schlüsselloch hat, Kleine. Ich habe nicht fünfundzwanzig Jahre lang den Mund gehalten, damit es jetzt der ganze Distrikt erfährt.«

Brianna öffnete kurz die Tür, spähte hinaus, dann schloss sie sie wieder und berichtete, dass niemand in der Nähe war.

»Gut. Komm her, Kleine. Setz dich zu mir. Oder nein – hol mir erst die Schatulle, die ich dir gestern gezeigt habe.«

Brianna verschwand mit mehr als verwirrter Miene im Ankleidezimmer und kehrte mit einem schmalen Kästchen aus abgenutztem Leder zurück. Sie legte es Jocasta auf den Schoß und setzte sich neben ihrer Tante auf einen Stuhl, wobei sie mich leicht besorgt ansah.

Ich war wieder ganz ich selbst, obwohl mir ein Nachhall jener seltsamen Furcht immer noch in den Knochen saß. Doch ich nickte Brianna beruhigend zu und beugte mich über Duncan, um ihm einen Schluck Brandy zu geben, der mit Wasser verdünnt war. Ich wusste jetzt, was es war, diese uralte Verstörung. Es war dieser Satzfetzen, den ich mitgehört hatte, zufällig dieselben Worte, die einst ein kleines Mädchen gehört hatte, als Fremde sie im Nebenzimmer geflüstert hatten – Fremde, die gekommen waren, um zu sagen, dass ihre Mutter nicht zurückkommen würde, dass sie gestorben war. Ein Unfall, ein Zusammenstoß, ein Brand. Bis auf die Knochen verbrannt, hatte die Stimme beeindruckt gesagt. Bis auf die Knochen verbrannt, und die Verzweiflung einer Tochter, die für immer allein zurückblieb. Meine Hand zitterte, und die schlierige Flüssigkeit rann Duncan über das Kinn.

Aber das ist lange her, und es war in einem anderen Land, dachte ich und stählte mich gegen die Flutwelle der Erinnerung. Und außerdem

Jocasta leerte ihren Becher, stellte ihn mit einem leisen Pochen hin und öffnete die Schatulle auf ihrem Schoß. In ihrem Inneren glimmerten Gold und Diamanten auf, und sie hob einen schmalen Holzstab heraus, auf dem drei Ringe steckten.

»Ich hatte einmal drei Töchter«, sagte sie. »Drei Mädchen. Clementina, Seonag und Morna.« Sie berührte einen der Ringe, einen breiten Reif, der mit drei großen Diamanten besetzt war.

»Der war für meine Mädchen; Hector hat ihn mir geschenkt, als Morna geboren wurde – das heißt ›geliebt‹, wusstest du das?« Ihre freie Hand löste sich von der Schatulle und tastete sich suchend vor. Sie berührte Briannas Wange, und Brianna ergriff die Hand und nahm sie zwischen ihre eigenen.

»Ich hatte ein lebendes Kind aus jeder Ehe.« Jocastas lange Finger tasteten sich vorsichtig weiter und berührten nacheinander jeden einzelnen Ring. »Clementina war John Camerons Tochter. Als ich ihn geheiratet habe, war ich selbst kaum mehr als ein Kind; ich habe sie mit sechzehn bekommen. Seonag war die Tochter des Schwarzen Hugh – sie war dunkelhaarig wie ihr Vater, aber sie hatte die Augen meines Bruders Colum.« Sie richtete ihre eigenen, blinden Augen kurz auf Jamie, dann senkte sie den Kopf und berührte noch einmal den Ring mit den drei Diamanten.

»Und dann Morna, mein letztes Kind. Sie war erst sechzehn, als sie starb.«

Das Gesicht der alten Frau war finster, doch ihr Mund wurde weicher, als er die Namen der verlorenen Mädchen aussprach.

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