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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Es tut mir so leid, Tante Jocasta.« Brianna sprach sehr leise. Sie senkte den Kopf, um die vom Alter verknöcherte Hand zu küssen, die sie in der ihren hielt. Jocasta drückte ihr kurz und dankbar die Hand, ließ sich aber nicht von ihrer Geschichte ablenken.

»Hector Cameron hat mir diesen Ring geschenkt«, sagte Jocasta und berührte den Ring. »Und er hat sie alle umgebracht. Meine Kinder, meine Töchter. Um des Franzosengoldes willen hat er sie umgebracht.«

Der Schreck verschlug mir den Atem, und mein Magen fühlte sich hohl an. Ich spürte, wie Jamie hinter mir erstarrte und sah, wie Duncan seine rot unterlaufenen Augen weit aufriss. Briannas Miene veränderte sich nicht. Sie schloss kurz die Augen, ließ Jocastas lange, knochige Hand jedoch nicht los.

»Was ist mit ihnen geschehen, Tante Jocasta?«, sagte sie leise. »Erzähl es mir.«

Jocasta schwieg einen Moment. Im ganzen Zimmer war es still; es war nichts zu hören außer dem Zischen brennenden Bienenwachses und dem schwachen, asthmatischen Keuchen ihres Atems. Als sie weitersprach, richtete sie ihre Worte zu meiner Überraschung nicht an Brianna. Stattdessen hob sie den Kopf und wandte sich erneut an Jamie.

»Dann weißt du also von dem Gold, a mhic mo pheathar?«, sagte sie. Wenn ihm diese Frage seltsam vorkam, ließ er es sich nicht anmerken, sondern er antwortete ganz ruhig.

»Ich habe davon gehört«, sagte er. Er trat um das Bett herum, um sich neben mich zu setzen und seiner Tante näher zu sein. »Es geistert seit Culloden als Gerücht durch die Highlands. Louis würde Gold schicken, hieß es, um seinem Vetter in seinem heiligen Kampf beizustehen. Und dann hieß es, das Gold sei gekommen, aber niemand hat es je zu Gesicht bekommen.«

»Ich habe es gesehen.« Jocastas breiter Mund, der dem ihres Neffen so sehr ähnelte, verzog sich plötzlich zu einer Grimasse und entspannte sich dann. »Ich habe es gesehen«, wiederholte sie.

»Dreißigtausend Pfund in Goldbarren. Ich war in der Nacht dabei, als es von dem französischen Schiff an Land gerudert wurde. Es waren sechs kleine Truhen, die so schwer waren, dass immer nur zwei auf einmal transportiert werden konnten, da sonst die kleinen Boote gesunken wären. In den Deckel jeder Truhe war eine Lilie geschnitzt, und sie waren mit Eisenbändern und Schlössern verschlossen, die Schlösser mit rotem Wachs versiegelt, und das Wachs trug den Abdruck von König Louis’ Siegelring. Die Lilie.«

Ein Seufzer durchfuhr uns alle bei diesen Worten, ein kollektiver Atemhauch der Ehrfurcht. Jocasta nickte langsam, die blinden Augen für die Bilder einer längst vergangenen Nacht geöffnet.

»Wo ist es an Land gebracht worden, Tante Jocasta?«, fragte Jamie leise.

Sie nickte erneut vor sich hin, den Blick fest auf die Szene gerichtet, die ihre Erinnerung ihr zeigte.

»Auf Innismaraich«, sagte sie. »Eine kleine Insel vor Coigach.«

Ich hatte die Luft angehalten. Jetzt atmete ich langsam aus und sah Jamie in die Augen. Innismaraich. Das bedeutete Insel des Meeresvolks, Seehundsinsel. Wir kannten diese Stelle.

»Drei Männer waren damit betraut«, sagte sie. »Hector war einer von ihnen, mein Bruder Dougal der zweite. Der dritte Mann war maskiert; sie alle waren maskiert, aber Hector und Dougal kannte ich natürlich. Den dritten kannte ich nicht, und keiner von ihnen hat seinen Namen ausgesprochen. Aber ich kannte seinen Bediensteten; er hieß Duncan Kerr.«

Jamie hatte sich leicht angespannt, als Dougals Name fiel; bei dem Namen Duncan Kerr erstarrte er.

»Es waren Dienstboten dabei?«, fragte er.

»Zwei«, sagte sie, und ein leises, bitteres Lächeln verzerrte ihren Mund. »Wie ich schon sagte, hatte der maskierte Mann Duncan Kerr dabei, und mein Bruder Dougal hatte einen Mann aus Leoch mitgebracht – ich kannte ihn vom Ansehen, wusste aber seinen Namen nicht. Hector hatte mich als Helferin mitgebracht; ich war eine kräftige Frau – wie du, a leannan, wie du«, sagte sie leise und drückte Briannas Hand. »Ich war stark, und Hector hat mir vertraut wie sonst niemandem. Ich habe ihm auch vertraut – damals.«

Die Geräusche im Freien waren verstummt, doch ein Luftzug, der durch die zerbrochene Scheibe kam, bewegte die Vorhänge, ruhelos wie ein Geist, der hört, dass man ihn beim Namen ruft.

»Wir hatten drei Boote. Die Truhen waren klein, aber so schwer, dass man sie zu zweit tragen musste. Hector und ich haben zwei Truhen in unser Boot geholt und sind davongerudert. Ich konnte hören, wie das Plätschern der Ruder der anderen Boote leiser wurde, als sie sich entfernten, und dann in der Nacht verschwand.«

»Wann ist das gewesen, Tante Jocasta?«, fragte Jamie und sah sie gebannt an. »Wann ist das Gold aus Frankreich gekommen?«

»Zu spät«, flüsterte sie. »Viel zu spät. Zum Teufel mit Louis!«, rief sie mit plötzlicher Heftigkeit aus und fuhr kerzengerade auf. »Zum Teufel mit dem durchtriebenen Franzosen, und mögen seine Augen genauso verrotten wie die meinen! Wenn ich daran denke, was hätte geschehen können, wenn er seinem Blut treu geblieben wäre und sein Wort gehalten hätte!«

Jamie sah mich von der Seite an. Zu spät. Wäre das Gold eher gekommen – als Charles in Glenfinnan landete vielleicht, oder als er Edinburgh einnahm und dort einige, wenige Wochen als der heimgekehrte König Hof hielt –, was dann?

Der Geist eines reuigen Lächelns umspielte Jamies Lippen, und er sah erst Brianna an, dann wieder mich, und Frage und Antwort standen in seinen Augen. Was dann?

»Es war im März«, sagte Jocasta, die sich von ihrem Gefühlsausbruch erholt hatte. »Eine kalte Nacht, aber so klar wie Eis. Ich habe auf den Klippen gestanden und weit auf die See hinausgeblickt, und der Mondschein lag wie ein Pfad aus Gold auf dem Wasser. Das Schiff kam auf diesem Pfad angesegelt wie ein König auf dem Weg zu seiner Krönung, und ich habe es für ein Zeichen gehalten.« Sie wandte Jamie den Kopf zu, und ihr Mund verzog sich abrupt.

»Dann hatte ich das Gefühl, ihn lachen zu hören«, sagte sie. »Den Schwarzen Brian. Der mir meine Schwester geraubt hat. Es hätte ihm ähnlich gesehen. Aber er war nicht dort; es war wohl nur das Bellen der Seehunde.«

Ich beobachtete Jamie, als sie das sagte. Er bewegte sich nicht, doch wie von Zauberhand stellten sich die rötlichen Haare auf seinem Unterarm auf und glitzerten wie Drähte im Kerzenschein.

»Ich wusste gar nicht, dass du meinen Vater gekannt hast«, sagte er mit einem Hauch von Gereiztheit in der Stimme. »Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Es war im März, sagst du?«

Sie nickte.

»Zu spät«, wiederholte sie. »Es hätte zwei Monate eher kommen sollen, hat Hector gesagt. Es gab Verzögerungen …«

Es war zu spät gewesen. Im Januar, nach dem Sieg von Falkirk hätte eine solche Demonstration der Solidarität aus Frankreich die Entscheidung bedeuten können. Doch im März befand sich die Highlandarmee schon auf dem Marsch nach Norden, nachdem sie in Derby kehrt gemacht und ihre Invasion Englands abgebrochen hatte. Die letzte, verschwindende Chance auf einen Sieg war dahin, und Charles Stuarts Soldaten marschierten ihrer Vernichtung auf dem Moor von Culloden entgegen.

Als die Truhen heil an Land waren, hatten die neuen Wächter des Goldes beraten, was sie mit dem Schatz tun sollten. Die Armee war auf dem Marsch, und Stuart war dabei; Edinburgh war wieder in englischer Hand. Es gab keinen sicheren Ort, an den man das Gold bringen konnte, keine vertrauenswürdigen Hände, in die man es hätte legen können.

»Sie hatten kein Vertrauen zu O’Sullivan und den anderen Männern in der Umgebung des Prinzen«, erläuterte Jocasta. »Iren, Italiener … Dougal hat gesagt, er hätte sich nicht so angestrengt, um sich das Gold von Ausländern stehlen zu lassen.« Sie lächelte grimmig. »Damit war gemeint, dass er nicht riskieren wollte, sich die Anerkennung dafür entgehen zu lassen, dass er es beschafft hatte.«

Füreinander hatten die drei Hüter des Schatzes auch nicht mehr Vertrauen übrig gehabt als für die Berater des Prinzen. Sie hatten den Großteil der Nacht streitend in einem kahlen Zimmer über einer schäbigen Wirtschaft verbracht, während Jocasta und die beiden Dienstboten auf dem Fußboden neben den rot versiegelten Truhen schliefen. Schließlich hatte man das Gold aufgeteilt; jeder der Männer hatte zwei Truhen an sich genommen und bei seinem Blut geschworen, das Geheimnis zu bewahren und den Schatz in Treuhand für seinen rechtmäßigen Monarchen, König James, zu hüten.

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