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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Das Fenster war immer noch halb geöffnet; ein Windstoß blies plötzlich die Vorhänge ins Zimmer, und ich spürte, wie ich vor Kälte auf den Armen eine Gänsehaut bekam.

»Vielleicht doch«, sagte ich.

Kapitel 52

A Hard Day’s Night

Das Nebengebäude, in das man die Leiche gebracht hatte, stand ein gutes Stück vom Haus entfernt; es war ein kleiner Werkzeugschuppen am Rand des Gemüsegartens. Der abnehmende Mond stand tief am Himmel, warf aber noch so viel Licht, dass man den gepflasterten Weg sehen konnte, der durch den Gemüsegarten führte. Die Spalierobstbäume breiteten ihre Zweige schwarz wie Spinnweben vor den Mauern aus. Irgendjemand hatte hier gegraben; ich konnte die feuchte Kühle frisch gewendeter Erde riechen und erschauerte unwillkürlich bei dem Gedanken an Würmer und Schimmel.

Jamie spürte es und legte mir sacht die Hand auf den Rücken.

»Geht es, Sassenach?«, flüsterte er.

»Ja.« Ich ergriff seine freie Hand, um mir moralische Unterstützung zu holen. Sie würden Betty wohl kaum im Gemüsegarten begraben; es musste also aus ganz prosaischen Gründen gegraben worden sein, zum Beispiel, um ein Zwiebelbeet oder eine Furche für Früherbsen anzulegen. Ein beruhigender Gedanke, obwohl sich meine Haut kalt und dünn anfühlte und vor Anspannung prickelte.

Auch Jamie selbst war alles andere als gelassen, obwohl er äußerlich so gefasst war wie eh und je. Der Tod war ihm nicht fremd, und er fürchtete ihn kaum. Doch er war sowohl Katholik als auch Kelte, und er war fest von der Existenz einer anderen, unsichtbaren Welt überzeugt, die jenseits der Auflösung des Körpers lag. Er glaubte bedingungslos an die tannasgeach – an Geister – und verspürte keinerlei Verlangen, einem solchen zu begegnen. Dennoch, wenn ich nicht davon abzubringen war, würde er der anderen Welt um meinetwillen trotzen; er drückte mir fest die Hand und ließ sie nicht mehr los.

Ich erwiderte den Händedruck, denn ich war zutiefst dankbar, dass er da war. Abgesehen von der unangenehmen Frage, was Bettys Geist wohl von meinem Vorhaben halten mochte, wusste ich, dass ihn die Vorstellung einer bewussten Verstümmelung ihrer Leiche zutiefst verstörte, ganz gleich, wie sehr sein Verstand auch davon überzeugt sein mochte, dass ein seelenloser Körper nicht mehr als Lehm war.

»Es ist eine Sache, mit anzusehen, wie Männer auf dem Schlachtfeld zerfleischt werden«, hatte er etwas früher an diesem Abend zu mir gesagt, als wir noch über die Sache diskutierten. »So ist der Krieg nun einmal, und es ist ehrenhaft, so grausam es auch sein mag. Aber zum Messer zu greifen und kaltblütig eine arme Unschuldige wie diese Frau aufzuschlitzen …« Er sah mich an, und seine Augen verdunkelten sich beunruhigt. »Musst du es wirklich tun, Claire?«

»Ja, das muss ich«, hatte ich gesagt, ohne den Blick vom Inhalt der Tasche abzuwenden, die ich gerade packte. Eine große Rolle Baumwollwatte zum Aufsaugen von Flüssigkeiten, kleine Gläser für Organproben, meine größte Knochensäge, ein paar Skalpelle, eine gefährlich aussehende Schere mit schweren Klingen, ein scharfes Messer, das ich mir in der Küche ausgeborgt hatte … Wirklich eine gruselige Ansammlung. Ich wickelte die Schere in ein Handtuch, damit sie nicht scheppernd gegen die anderen Gegenstände stieß, und steckte sie in die Tasche, während ich mir sorgsam meine Worte zurechtlegte.

»Hör zu«, sagte ich schließlich und hob den Blick, um ihn anzusehen. »Irgendetwas stimmt hier nicht, da bin ich mir sicher. Und wenn Betty umgebracht worden ist, sind wir es ihr doch wohl schuldig, es herauszufinden. Wenn du ermordet würdest, würdest du dir nicht wünschen, dass irgendjemand alles tut, um es zu beweisen? Um … um dich zu rächen?«

Er stand einige Sekunden lang still und musterte mich mit nachdenklich zusammengekniffenen Augen. Dann entspannte sich sein Gesicht, und er nickte.

»Aye, das würde ich«, sagte er leise. Er ergriff die Knochensäge und begann, sie in ein Tuch zu wickeln.

Er hatte keine weiteren Einwände erhoben. Er hatte mich nicht weiter gefragt, ob ich mir sicher war. Er hatte nur entschlossen gesagt, dass er mitkommen würde, wenn ich es tat, und damit basta.

Was nun die Frage anging, ob ich mir sicher war – ich war es nicht. Ich hatte das dumpfe Gefühl, dass mit diesem Todesfall irgendetwas nicht stimmte, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung, was es war. Der kalte Mond versank jetzt am leeren Himmel, und der Wind streifte meine Wangen mit Eisfingern.

Möglich, dass Betty nur durch Zufall gestorben war, nicht durch böses Spiel. Ich konnte mich irren; vielleicht war ihr einfach nur ein Magengeschwür geplatzt, eine erweiterte Halsschlagader geborsten, oder es lag eine andere, körperliche Anomalität vor. Ungewöhnlich, aber natürlich. Riskierte ich die Obduktion im Grunde nur, um mir mein Vertrauen in meine diagnostischen Fähigkeiten bestätigen zu lassen?

Der Wind blähte meinen Umhang auf, und ich zog ihn mit einer Hand fester um mich, während ich mich gerade aufrichtete. Nein, sie war keines natürlichen Todes gestorben, das wusste ich. Ich hätte nicht sagen können, woher ich es wusste, doch zum Glück hatte mich Jamie nicht danach gefragt.

In meiner Erinnerung blitzte eine Rückblende auf; Joe Abernathy, ein joviales Lächeln der Herausforderung auf den Lippen, während er in einen Pappkarton voller Knochen griff und sagte: »Ich möchte nur wissen, ob du es auch bei Toten kannst, Lady Jane.«

Ich konnte es, hatte es getan. Er hatte mir einen Totenschädel gereicht, und die Erinnerung an Geillis Duncan durchfuhr mich wie flüssiges Eis.

»Du brauchst es nicht zu tun, Claire.« Jamies Hand schloss sich fester um die meine. »Ich werde dich deshalb nicht für feige halten.« Seine Stimme war sanft und ernst, im Wind kaum zu hören.

»Ich schon«, sagte ich und spürte, wie er nickte. Damit war die Angelegenheit also erledigt; er ließ meine Hand los und ging vor mir her, um das Tor zu öffnen.

Er blieb stehen, und meine an die Dunkelheit gewöhnten Augen erhaschten die klare, scharfe Linie seines Profils, als er den Kopf wandte, um zu lauschen. Die Blendlaterne in seiner Hand roch heiß und ölig, und ein schwaches Leuchten, das durch ihre durchbrochene Seitenwand entwischte, besprenkelte den Stoff seines Umhangs mit winzigen Flecken aus gedämpftem Licht.

Ich sah mich ebenfalls um und blickte zum Haus zurück. Trotz der späten Stunde brannten immer noch Kerzen im hinteren Salon, wo die Kartenspieler kein Ende fanden; als der Wind sich drehte, fing ich leises Stimmengemurmel auf, und plötzlich lachte jemand. Die oberen Stockwerke waren zum Großteil dunkel – bis auf ein Fenster, das ich als Jocastas erkannte.

»Deine Tante ist noch wach«, flüsterte ich Jamie zu. Er drehte sich um und blickte zum Haus.

»Nein, das ist Duncan«, sagte er leise. »Meine Tante braucht schließlich kein Licht.«

»Vielleicht liest er ihr im Bett etwas vor«, mutmaßte ich, um vom ernsten Anlass unseres nächtlichen Ausfluges abzulenken. Von Jamie kam ein leises, verächtliches Prusten, doch die bedrückende Atmosphäre lockerte sich ein wenig. Er entriegelte das Tor, drückte dagegen, und ein tiefschwarzes Rechteck tat sich auf. Ich kehrte den freundlichen Lichtern des Hauses den Rücken und trat hindurch. Ein wenig kam ich mir vor wie Persephone beim Betreten der Unterwelt.

Jamie ließ das Tor zuschwingen und reichte mir die Laterne.

»Was machst du denn da?«, flüsterte ich, als ich seine Kleider rascheln hörte. Jenseits des Tores war es so dunkel, dass ich ihn nur als verschwommenen, schwarzen Fleck sehen konnte, doch das schwache Geräusch, das jetzt folgte, verriet mir, was er tat.

»Ich pinkele auf die Torpfosten«, erwiderte er flüsternd. Dann trat er zurück, und es raschelte erneut, als er seine Hose wieder zuknöpfte. »Wenn es sein muss, tun wir es, aber ich möchte nicht, dass uns irgendetwas zum Haus zurückfolgt.«

Ich antwortete meinerseits verächtlich prustend, erhob jedoch keinen Einwand, als er darauf beharrte, sein Ritual an der Tür des Schuppens zu wiederholen. Einbildung oder nicht, die Nacht schien irgendwie bewohnt zu sein, als bewegten sich unsichtbare Dinge durch die Dunkelheit, murmelnd unter der Stimme des Windes.

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