Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Bitte«, sagte ich, trat zurück und bedeutete ihr mit einer Geste zu gehen. Sie ging auf Zehenspitzen an der Leiche vorbei, dann hastete sie zur Tür, und ihre schwieligen, nackten Füße tappten leise über die Dielen.
Doktor Fentiman tauchte allmählich aus seinem Schockzustand auf. Er löste sich von mir und bückte sich unter vagen Handbewegungen. Ich sah, dass sein Arztkoffer im Lauf von Bettys Todeskampf umgestürzt worden war; Flaschen und Instrumente lagen in einem Durcheinander aus Metall und Scherben auf dem Boden verstreut.
Doch bevor er seine Ausrüstung wieder an sich bringen konnte, gab es einen kurzen Aufruhr auf der Treppe, und Duncan betrat das Zimmer, gefolgt von Jamie. Ich stellte mit Interesse fest, dass Duncan immer noch seine Hochzeitskleider trug, wenn auch ohne Rock und Weste. War er überhaupt im Bett gewesen?, fragte ich mich.
Er nickte mir zu, richtete den Blick jedoch sofort auf Betty, die jetzt ausgestreckt auf dem Boden lag, das blutige Hemd um die kräftigen, gespreizten Oberschenkel gewickelt. Eine Brust lugte aus dem zerrissenen Stoff hervor, schwer und schlaff wie ein halb gefüllter Mehlsack. Duncan kniff mehrmals die Augen zu. Dann wischte er sich mit dem Handrücken über den Schnurrbart und holte deutlich sichtbar Atem. Er bückte sich, um eine Bettdecke aus den Überresten der Verwüstung zu zupfen und legte sie sanft über die Tote.
»Hilf mir mit ihr, Mac Dubh«, sagte er.
Jamie, der begriff, was er vorhatte, kniete sich hin und nahm die Tote in seine Arme. Duncan richtete sich auf und wandte sich den Sklavinnen in der Ecke zu.
»Macht euch keine Sorgen«, sagte er leise. »Ich sorge dafür, dass man sich um sie kümmert.« In seiner Stimme lag ein ungewöhnlicher Tonfall der Autorität, und ich begriff, dass er trotz seiner angeborenen Schüchternheit die Tatsache akzeptiert hatte, dass er jetzt hier der Herr war.
Die Männer entfernten sich mit ihrer Bürde, und ich hörte Doktor Fentiman tief aufseufzen. Es fühlte sich an, als seufzte der ganze Speicher mit ihm; Gestank und Trauer lagen immer noch dick in der Luft, doch der Schock des gewaltsamen Todes begann zu verfliegen.
»Lasst es liegen«, sagte ich zu Fentiman, als ich sah, dass er sich erneut anschickte, eine Flasche vom Boden aufzuheben. »Die Frauen kümmern sich schon darum.« Ohne auf seine Erwiderung zu warten, ergriff ich ihn fest am Ellbogen und schob ihn zur Tür hinaus und die Treppe hinunter.
Die Leute waren erwacht; ich hörte Geschirrklappern aus dem Speisezimmer und fing einen schwachen Würstchenduft auf. In seinem Zustand konnte ich ihn weder durch die öffentlichen Räume noch hinauf in die Schlafräume führen; mit Sicherheit teilte er sich ein Zimmer mit mehreren anderen Männern, von denen vermutlich einige noch im Bett waren. Mangels einer besseren Idee ging ich mit ihm ins Freie hinaus, nachdem ich einen von den Umhängen der Dienstmädchen von den Haken an der Tür genommen und um seine Schultern gelegt hatte.
Also war Betty Phaedres Mutter – oder sie war es gewesen. Ich hatte Betty kaum gekannt, doch ich kannte Phaedre, und der Schmerz um sie schnürte mir die Kehle zu. Es gab momentan nichts, was ich für sie tun konnte, doch vielleicht konnte ich ja dem Doktor helfen.
Schweigend vor Schock folgte er mir gehorsam, als ich ihn über einen Pfad am Rand des Rasens führte, der durch Hector Camerons weißes Marmormausoleum und die Ziereiben, die es flankierten, vor Blicken abgeschirmt war. Ich glaubte nicht, dass so früh am Morgen schon jemand auf der Steinbank am Fluss sein würde, die halb verborgen unter einer Trauerweide stand.
Sie war leer, obwohl zwei mit Rotwein befleckte Weingläser auf der Bank standen, zurückgelassene Überbleibsel von der Feier der letzten Nacht. Ein umgestürztes Tablett lag auf dem Boden, und die Ameisen machten sich bereits in Schwärmen über die verstreuten Essensreste her. Ich fragte mich, ob hier wohl jemand ein romantisches Rendezvous abgehalten hatte, was mich plötzlich wieder an mein eigenes, mitternächtliches Abenteuer erinnerte. Verdammt, ich wusste immer noch nicht mit Gewissheit, wer der Besitzer dieser Hände gewesen war!
Nachdem ich diese nagende Frage gemeinsam mit den Weingläsern beiseitegeschoben hatte, setzte ich mich hin und bedeutete Dr. Fentiman mit einer Geste, es mir gleichzutun. Es war kühl, doch um diese Uhrzeit stand die Bank voll in der Sonne, und die Hitze legte sich warm und tröstend auf meine Schultern. An der frischen Luft sah der Doktor besser aus; ein Hauch von Farbe war in seine Wangen zurückgekehrt, und seine Nase hatte ihren normalen, rosigen Ton wieder angenommen.
»Geht es Euch jetzt etwas besser?«
Er nickte und zog sich den Umhang fester um die schmalen Schultern.
»Ja, danke, Mrs. Fraser.«
»Das war ein ziemlicher Schock, nicht wahr?«, fragte ich in meinem mitfühlendsten Visitenton.
Er schloss die Augen und schüttelte kurz den Kopf.
»Schockiert … ja, völlig schockiert«, murmelte er. »Ich hätte niemals …« Er verstummte, und ich ließ ihn einen Augenblick schweigend dasitzen. Er würde darüber reden müssen, doch es war besser, wenn er das Tempo selbst bestimmte.
»Es war gut, dass Ihr so schnell gekommen seid«, sagte ich nach einer Weile. »Ich sehe, dass man Euch aus dem Bett gerufen hat. Hat sich ihr Zustand denn plötzlich verschlechtert?«
»Ja. Ich hätte schwören mögen, dass sie gestern Abend nach dem Aderlass auf dem Weg der Besserung war.« Er rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht und kam dann blinzelnd und mit blutunterlaufenen Augen wieder zum Vorschein. »Der Butler hat mich kurz vor Anbruch der Dämmerung geweckt, und als ich zu ihr kam, klagte sie wieder über Stiche im Bauch. Ich habe sie noch einmal zur Ader gelassen und ihr dann ein Klistier verabreicht, doch es hat keine Wirkung gezeigt.«
»Ein Klistier?«, murmelte ich. Klistiere waren Einläufe, ein beliebtes Heilmittel dieser Zeit. Manche waren absolut harmlos, andere geradezu ätzend.
»Nicotianatinktur«, erklärte er. »Meiner Erfahrung nach eine hervorragende Hilfe in den meisten Fällen von Dyspepsie.«
Ich antwortete mit einem unverbindlichen Geräusch. Nicotiana war Tabak; ich vermutete, dass man mit einer kräftigen, rektal verabreichten Lösung jeden Wurm auf der Stelle loswerden konnte, glaubte aber nicht, dass sie bei Verdauungsproblemen helfen würde. Andererseits würde sie aber auch nicht solche Blutungen hervorrufen.
»Eine außergewöhnlich starke Blutung«, sagte ich. Ich stützte die Ellbogen auf meine Knie und legte das Kinn auf meine Hände. »So etwas habe ich, glaube ich, noch nie gesehen.« Das stimmte absolut. Neugierig erwägte ich im Kopf diverse Möglichkeiten, doch keine Diagnose wollte passen.
»Nein.« Auf Doktor Fentimans blassen Wangen tauchten rote Flecken auf. »Ich – wenn ich gedacht hätte …«
Ich beugte mich zu ihm hinüber und legte ihm tröstend eine Hand auf den Arm.
»Ich bin mir sicher, dass Ihr alles Menschenmögliche getan habt«, sagte ich. »Sie hat doch nicht aus dem Mund geblutet, als Ihr sie gestern Abend behandelt habt, oder?«
Er schüttelte den Kopf und vergrub sich tiefer in seinem Umhang.
»Nein. Aber ich mache mir trotzdem Vorwürfe, wirklich.«
»So ist das nun einmal«, sagte ich reumütig. »Man hat immer das Gefühl, dass man noch irgendetwas hätte tun sollen.«
Er hörte den tiefen Ernst in meiner Stimme und wandte sich mir mit überraschter Miene zu. Seine Anspannung ließ ein wenig nach, und die rote Farbe auf seinen Wangen begann zu verblassen.
»Euer … Mitgefühl und Verständnis ist wirklich bemerkenswert, Mrs. Fraser.«
Ich lächelte ihm zu, ohne etwas zu sagen. Er mochte ja ein Quacksalber sein, er mochte ignorant, arrogant und unbeherrscht sein – doch er war sofort gekommen, als man ihn rief, und er hatte um seine Patientin gekämpft, so gut er konnte. Damit war er für mich ein Arzt und verdiente mein Mitgefühl.
Einen Augenblick später legte er seine Hand über die meine. Wir saßen schweigend da und sahen den Fluss vorüber ziehen, dunkelbraun und voller Winterschlamm. Die Steinbank unter mir war kalt, und der Morgenwind steckte seine eisigen Finger unter mein Hemd, doch ich war zu beschäftigt, um Notiz von solchen kleinen Unannehmlichkeiten zu nehmen. Ich konnte das trocknende Blut an seinen Kleidern riechen und sah erneut die Szene auf dem Speicher vor mir. Woran in aller Welt war die Frau gestorben?