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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Wenige Tage später berichtete er Lucas, dass dieser seines Rangs wegen auf einem Kriegsschiff nach London gebracht werden würde, während alle Übrigen auf zwei Fregatten verteilt werden sollten, die am selben Tag nach England aufbrechen würden wie das Linienschiff mit ihrem Kapitän.

Die Engländer wollten ein Geschwader aus zwei Fregatten, einer Korvette und einem dreimastigen Kauffahrer, den man für den Krieg aufgerüstet hatte, für die Rückkehr nach Europa zusammenstellen – »nach Europa« sagen wir, weil Gibraltar eher afrikanisch als europäisch ist.

Kapitän Lucas kam auf die Prince, die weder Verluste noch Schäden erlitten hatte, weil sie nicht an der Schlacht beteiligt gewesen war.

René wurde mit etwa fünfzig Gefährten auf den Dreimaster und Kauffahrer Samson gebracht. Beim Abschied hatte Lucas ihm all seine Zuneigung bezeigt, die René sich durch die Tapferkeit erworben hatte, mit der er am Tag der fatalen Schlacht gekämpft hatte.

René und Lucas nahmen Abschied voneinander wie zwei Freunde, nicht wie Vorgesetzer und Untergebener.

Die Prince, ein guter und schneller Segler, segelte die Küste entlang und umfuhr bald Kap Finistère.

Kapitän Parker, der Kommandant der Samson, der sich seines Schiffs weniger sicher war, fuhr aufs offene Meer hinaus in Befolgung der Regel, die besagt, bei Stürmen gebe es keinen gefährlicheren Aufenthalt als nahe der Küste.

Als das Meer sich ein wenig beruhigt hatte, die Sonne sich wieder blicken ließ und man die Position des Schiffs peilen konnte, stellte man fest, dass man sich dreißig bis fünfunddreißig Meilen im Westen Irlands befand; unverzüglich nahm man Kurs in östliche Richtung. Die älteren Seeleute wussten jedoch, dass die Windstille nicht anhalten würde, und Kapitän Parker, der noch nie ein Kriegsschiff befehligt hatte, wusste nicht recht, was er tun sollte.

Unterwegs hatte er gelernt, das nautische Wissen Renés zu schätzen, den man ihm ausdrücklich empfohlen hatte, und da es nichts daran auszusetzen gab, die wenigen Gefangenen an Deck frische Luft schöpfen zu lassen, trat er auf René zu, deutete auf eine Wolkenwand, die dunkel im Westen dräute, und sagte in schlechtem Französisch: »Heute werden wir wohl spät zu abend speisen, Leutnant, ich habe aber den Koch benachrichtigen lassen.« Wieder wies er auf die schwarzen Wolken, die sich zusehends zusammenballten, und fügte hinzu: »Und hier haben wir ein Schauspiel, das verdient, betrachtet zu werden.«

»Ja«, sagte René, »vorausgesetzt, dass sein Ergebnis uns nicht zu sehr zu schaffen macht.«

Das Schauspiel war in der Tat sehenswert, doch Renés Befürchtungen waren keineswegs übertrieben.

Dichte schwarze Wolken sammelten sich in südwestlicher Richtung und bildeten bald ein ununterbrochen wachsendes Gebirgsmassiv mit allen Aspekten himmlischer Alpen: Gipfel mit schroffen Berggraten und steilen Pfaden, über die man sie erklomm; der alle anderen überragende Berg dieser phantasmagorischen Anden, vergleichbar der Spitze eines Vulkans, über die der Wind mit unvorstellbarer Schnelligkeit dahinjagte, wirkte selbst wie eine letzte Rauchwolke, wie sie Kaminen entweichen, die kurz zuvor von der Feuerwehr gelöscht wurden. Es war ein Vergnügen, diese Wolken über das strahlende Blau des Himmels zu verfolgen, denn der Himmel war oberhalb des Horizonts von prachtvollem Azur, abgesehen von jener Stelle, wo er wie vom Rauch eines Vulkans umwölkt wirkte.

»Wie auch immer«, sagte der erste Leutnant überheblich, »wenn aus dieser schwarzen Hölle etwas zusammengebraut werden sollte, wird es nicht im Handumdrehen geschehen, und wir werden genug Zeit haben, in Ruhe zu speisen und unsere Mahlzeit zu verdauen.«

»Wenn ich um Verzeihung bitten darf«, warf ein alter Matrose ein, der vorbeikam, ohne dass er gewagt hätte, sich an seinen Vorgesetzten zu wenden, »wird der Wind aus Südwesten schneller sein als Ihre Zähne oder Ihr Magen, mögen sie noch so tüchtig sein.«

»Ich bin der Ansicht dieses alten Matrosen«, sagte René, »und ich glaube nicht, dass der Sturm das Entgegenkommen besitzen wird, uns in Ruhe zu Abend speisen zu lassen; wenn ich einen Rat geben darf, dann ist es der, sich gegen den Sturm zu wappnen, der über das Schiff hereinbrechen wird wie Blitz und Hagel.«

»Aber Kapitän«, sagte ein Midshipman, der auf der Verschanzung saß, den Halsschild geschlossen und den Blick auf die schwarze Masse gerichtet, die alle so sehr beschäftigte, »es herrscht Windstille, und fast keine Wellen berühren unser Schiff; warum solche Hast?«

»Mister Blackwood, wäre Ihr Onkel an Ihrer Stelle, würde er so etwas nicht fragen; lassen Sie die Vorbramsegel reffen und umgehend streichen.«

Blackwood ordnete das Manöver an, und der alte Seemann, der sich offenbar in der Rolle des Unglückspropheten gefiel, kommentierte dies mit den Worten: »Sehr gut! Aber noch lange nicht genug.«

Der Kapitän bedachte ihn mit einem Lächeln und fuhr fort: »Sobald die Vorbramsegel gestrichen sind, lassen Sie Mars- und Toppsegel dreimal reffen und das Großsegel einholen.«

Der Befehl wurde mit der Pünktlichkeit befolgt, die das Hauptverdienst des Marinedrills ist. Am Horizont sah man Wind aufkommen, und unter seinen Schwingen kräuselte sich die Wasseroberfläche; die dunkle Stelle im Südwesten breitete sich am Himmel aus wie ein riesiger Tintenfleck; die leichte Brise war heftig und bedrohlich geworden.

»Und was würdest du jetzt tun, Alter?«, fragte der Kapitän den Ratgeber.

»Mit aller Hochachtung«, sagte der alte Matrose, »ich würde das Segelwerk noch mehr verringern und fast keine Segel gesetzt lassen.«

»Focksegel und Klüver einholen!«, rief der Kapitän.

Der Befehl wurde ausgeführt.

Die Wellen schwollen gewaltig, der Donner dröhnte.

»Zu Tisch, meine Herren, zu Tisch!«, rief ein Midshipman, der in der Luke erschien, seine Serviette in der Hand.

Er hielt sie hoch und ließ sie in der Luft wehen. »Oho!«, sagte er. »Da ist aber ein ordentlicher Wind aufgekommen; unten haben wir das nicht gemerkt.«

»Ja, aber hier oben ist es nicht zu übersehen«, erwiderte der Kapitän, »und Sie werden es unten bald genug merken.«

»Wie steht es an Deck?«, fragten die anderen Offiziere den Midshipman bei seiner Rückkehr von der Erkundung an Deck.

»Ich habe schon schöneres Wetter erlebt, als im Augenblick herrscht«, antwortete dieser.

»Kommt der Kapitän nicht zum Speisen herunter?«, fragte ein anderer.

»Nein. Er bleibt an Deck mit dem jungen Gefangenen, den uns Kapitän Lucas eigens empfohlen hat und von dem es heißt, er habe Nelson erschossen.«

»Sollten wir in Gefahr geraten«, sagte der zweite Leutnant, »gelobe ich, ihn zum Dank für diese Heldentat an den Meeresgrund zu expedieren und ihn notfalls zu begleiten.«

»Mein Lieber, Sie urteilen ungerecht«, sagte einer seiner Gefährten. »Wenn er der Schütze ist, der Nelson getötet hat, dann hat er seine Pflicht als Franzose getan. Würden Sie es verdienen, ins Meer geworfen zu werden, wenn Sie Lucas erschossen hätten? Ich weiß wohl, dass alle Lucasse der Welt keinen Nelson aufwiegen können, aber Kommandant Lucas ist dennoch ein tapferer Kapitän. Haben Sie gesehen, dass seine Uniform dreimal auf der Verschanzung der Victory aufgetaucht ist? Haben Sie gesehen, wie mitten in Rauch und Feuer seine Enteraxt wie ein Regenbogen aufblitzte? Sollten Sie ihm begegnen, bei Regen oder Sonnenschein, grüßen Sie ihn ehrerbietig und machen Sie ihm Platz; das jedenfalls täte ich.«

Während in der Offiziersmesse diese Debatte stattfand, war an Deck bleierne Stille eingetreten. Der Wind hatte sich plötzlich gelegt, und in Ermangelung seiner Unterstützung rollte das Schiff nun schwerfällig durch die Wogen; das Wasser schlug trostlos gegen den Schiffsrumpf, und wenn das Schiff mühsam aus einem Wellental auftauchte, floss das Wasser vom Oberdeck in das Meer zurück und bildete dabei eine Vielzahl funkelnder kleiner Wasserfälle.

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