Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Ich hätte darauf gewettet, dass es zwanzig wären«, murmelte Nelson, doch dann entsann er sich der Windverhältnisse und der Vorboten des Sturms, die er auf dem Meer beobachtet hatte, und er rief: »Lassen Sie Anker werfen, Hardy! Lassen Sie ankern!«
»Ich nehme an«, sagte der Flaggkapitan, »dass Admiral Collingwood das Kommando über die Flotte übernehmen wird.«
»Nicht solange ich lebe«, sagte der Sterbende und stützte sich auf den Ellbogen. »Hardy, ich befehle Ihnen, Anker zu werfen, ich verlange es.«
»Ich werde es befehlen, Mylord.«
»Tun Sie es, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist, so schnell wie möglich«, und dann flüsterte er, als schämte er sich dieser Schwäche: »Hardy, Sie werden meinen Leichnam nicht ins Meer werfen lassen, nicht wahr?«
»O nein, gewiss nicht, das dürfen Sie mir glauben, Mylord«, erwiderte Hardy schluchzend.
»Kümmern Sie sich um die arme Lady Hamilton«, sagte Nelson mit schwacher Stimme, »meine geliebte Lady Hamilton. Küssen Sie mich, Hardy!«
Der Kapitän küsste ihn weinend auf die Wange.
»Ich sterbe zufrieden«, sagte Nelson, »England ist gerettet.«
Kapitän Hardy verharrte einen Augenblick lang neben dem berühmten Verwundeten in schweigender Kontemplation; dann kniete er nieder und küsste ihn auf die Stirn.
»Wer küsst mich da?«, fragte Nelson, dessen Blick bereits vom Schatten des Todes umflort war.
Der Kapitän antwortete: »Ich bin es, Hardy!«
»Gott behüte Sie, mein Freund!«, sagte der Sterbende.
Hardy ging an Deck zurück.
Nelson sah den Schiffskaplan an seiner Seite und sagte zu ihm: »Ach, Doktor, ich war nie ein verstockter Sünder«, und nach einer Pause sprach er weiter: »Doktor, ich bitte Sie inständig, erinnern Sie sich, dass ich meinem Vaterland und meinem König die Sorge für Lady Hamilton und meine Tochter Horatia als Vermächtnis hinterlasse. Vergessen Sie Horatia nie.«
Sein Durst wurde immer stärker. Er rief: »Trinken... trinken... Fächer... fächern Sie mir... reiben Sie mich.«
Die letzten Worte richtete er an den Schiffskaplan Mr. Scott, der ihm etwas Erleichterung verschafft hatte, indem er ihm mit der Hand die Brust rieb, doch seine Stimme versagte immer wieder, als seine Schmerzen stärker wurden, und zuletzt musste er alle Kraft zusammennehmen, um ein letztes Mal zu sagen: »Dem Herrn sei Dank, ich habe meine Pflicht getan.«
Nelson hatte seine letzten Worte gesprochen.
Der Wundarzt kam zurück, denn Nelsons Butler hatte ihn aufgesucht und ihm gesagt, dass sein Herr im Begriff stehe, den Geist auszuhauchen. Mister Beatty ergriff die Hand des Sterbenden: sie war kalt; er fühlte seinen Puls: er war nicht zu spüren; zuletzt berührte er seine Stirn, und Nelson öffnete sein gesundes Auge und schloss es wieder.
Nelson hatte den letzten Atemzug getan; es war vier Uhr und zwanzig Minuten nachmittags; er hatte seine Verwundung drei Stunden und zweiunddreißig Minuten überlebt.
Es mag verwundern, mit welcher Genauigkeit ich den Tod Nelsons dokumentiere, doch es erschien mir nur recht und billig, einen der größten Feldherrn der Geschichte, wenn nicht als Historiker, so doch wenigstens als Romancier bis zum Grab zu begleiten. Die Einzelheiten habe ich in keinem Buch gefunden. Ich habe mir das Protokoll seines Todes verschafft, das der Wundarzt der Victory, Mister Beatty, und der Schiffskaplan Scott unterzeichnet haben.
94
Der Sturm
Vielleicht war Nelsons Tod der Schlusspunkt der Schlacht von Trafalgar, doch wir fänden es allzu ungerecht, die Namen so vieler Tapferer unerwähnt zu lassen, die alles für ihr Vaterland gaben, indem sie starben wie er.
Wir verließen einen verzweifelten Villeneuve auf dem zerstörten Deck der Bucentaure, ohne ein einziges seetüchtiges Boot, das ihn zu einem seiner unversehrt gebliebenen Schiffe hätte bringen können – unversehrt, weil sie sich dem Feuer entzogen hatten. Hätte er eines dieser zehn Schiffe erreichen können, die sich keinem Gegner hatten stellen müssen, nachdem sie einige Salven mit Nelsons Schiffen gewechselt hatten, und hätte er sich mit dieser machtvollen Verstärkung wieder in den Kampf werfen können, dann wäre die Schlacht zweifellos weniger eklatant verloren gewesen, als es nun der Fall war.
Doch da er an die Bucentaure gefesselt war wie ein Lebender an einen Leichnam, allen Schlägen ausgesetzt, ohne einen einzigen Schlag führen zu können, sah er sich gezwungen, die Fahne zu streichen.
Daraufhin kam eine englische Schaluppe, um ihn abzuholen, und brachte ihn an Bord der Mars.
Konteradmiral Dumanoir hatte Villeneuves Signale wiederholt. Die zehn Schiffe, an die sie sich richteten, waren die Héros, deren Kapitän Poulain schon bei Beginn der Kampfhandlungen gefallen war, die San Augustin, die San Francisco de Asis, die Mont-Blanc, die Duguay-Trouin, die Formidable, die Rayo, die Intrépide, die Scipion und die Neptune.
Doch nur vier von ihnen gehorchten den Signalen ihres Kommandanten, indem sie ihre Boote als Schlepphilfen benutzten, um zu wenden. Dies waren die Mont-Blanc, die Duguay-Trouin, die Formidable und die Scipion; allerdings hatte der Konteradmiral ihnen Signal gegeben, gegen den Wind zu wenden, was ihnen ermöglicht hätte, aufzuholen und sich in das Getümmel zu stürzen, sobald es ihnen opportun erschienen wäre.
Konteradmiral Dumanoir befehligte die Formidable, und er machte sich daran, zusammen mit den anderen drei Schiffen die Schlachtlinie von Norden nach Süden entlangzufahren; dann hätte er jederzeit das Feuer gegen die Engländer eröffnen können, doch es war spät, drei Uhr nachmittags; fast überall war die Niederlage unübersehbar – die Bucentaure hatte sich ergeben, die Santissima Trinidad war manövrierunfähig, die Redoutable zum Wrack geschossen; von allen Seiten jagten die Engländer den Schiffen nach, die leewärts gefallen waren, und unterdessen fanden sich die vier Schiffe unter Dumanoirs Kommando lebhaftem Feuer ausgesetzt, das ihre Kampfkraft nicht unerheblich beeinträchtigte. Sie ließen sich von diesem Beschuss abschrecken und entfernten sich von dem Gefecht, ohne sich einzumischen.
Die Abteilung der französischen Schlachtlinie, die mit Collingwoods Kolonne zusammengetroffen war, kämpfte mit beispiellosem Mut.
Die spanischen Schiffe Santa Ana und Principe de Asturias verdienten allein einen Ehrenplatz in der Geschichte.
Nach zweistündigem Kampf hatte die Santa Ana, das erste Schiff der Nachhut, alle drei Masten eingebüßt und hatte die Royal Sovereign fast ebenso übel zugerichtet wie diese sie selbst. Sie hatte ihre Fahne gestrichen, doch erst als Admiral Alava schwer verwundet worden war.
Die Fougueux, die der Santa Ana am nächsten war, hatte keine Mühen gescheut, sie zu unterstützen und die Royal Sovereign daran zu hindern, die Schlachtlinie zu durchbrechen, doch die Monarca, die ihr hätte folgen sollen, hatte sie im Stich gelassen. Von zwei gegnerischen Schiffen in die Zange genommen, hatte die Fougueux beide kampfunfähig gemacht, und im Nahkampf mit der Temeraire hatte sie drei Enterversuche abgewehrt und von siebenhundert Mann vierhundert verloren.
Ihr Kommandant Kapitän Beaudoin war gefallen; Leutnant Bazin hatte seine Stelle eingenommen; doch die Engländer hatten einen vierten Angriff unternommen und diesmal die Schanz erobert; verwundet und blutüberströmt, von nur mehr wenigen Getreuen umringt und zur Back zurückgedrängt, hatte Bazin sich gezwungen gesehen, die Fahne zu streichen.