Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Das Streichen der Flagge der Intrépide war der letzte Seufzer in der Schlacht von Trafalgar.
Der Kampf war beendet, und die Schlacht war zweifelsfrei verloren. Einzelne Namen hatten ungeahnten, wenn auch posthumen Ruhm erworben und dem persönlichen Triumph inmitten der allgemeinen Niederlage neuen Glanz verschafft. Villeneuve hatte bis zuletzt nichts unversucht gelassen, um den Tod zu finden; Konteradmiral Magon hatte den Tod gefunden; Lucas hatte an der Spitze seiner Mannschaft, von der nur sechsunddreißig Männer überlebten, wie ein Löwe gekämpft, und aus einem seiner Mastkörbe hatte die Hand eines unbekannten Scharfschützen die Kugel abgeschossen, die Nelson getötet hatte. Die Achille hatte die Taten der Vengeur wiederholt; Infernet und Cosmao hatten Mut und Kühnheit ohnegleichen bewiesen.
Frankreich und Spanien hatten siebzehn Schiffe an die Engländer verloren, ein Schiff war explodiert, und sechs- bis siebentausend Tote und Verwundete waren zu beklagen.
Die Engländer konnten sich eines uneingeschränkten Sieges rühmen, doch dieser Sieg war blutig, grausam und teuer erkauft: Nelson war tot und die englische Marine war im wahrsten Sinne des Wortes enthauptet.
Nelsons Tod wog schwerer als der Verlust einer ganzen Armee.
Die Sieger hatten siebzehn Schiffe im Schlepptau, allesamt fast vollständig entmastet und leck, und hatten einen Admiral zum Gefangenen gemacht.
Wir hingegen hatten den Ruhm einer Niederlage, unerreicht in der Geschichte durch Mut und Hingabe der Unterlegenen.
Nacht und stürmisches Wetter vollendeten den Sieg der Engländer. Das Rippenwerk sechs zu Wracks geschossener Schiffe bezeugte den Mut ihrer Besatzungen. In der Dünung, die bei Sonnenuntergang mit dem Wind auffrischte, konnten sie sich kaum über Wasser halten.
Statt die Flotte ankern zu lassen, wie Nelson es so inständig verlangt hatte, verwendete Collingwood, der das Kommando über diesen Trümmerhaufen übernommen hatte, den Rest des Tages darauf, die siebzehn im Gefecht eroberten Schiffe zu bemannen, bis der Sturm und die Dunkelheit ihn überraschten, während er in den Trümmern der Gegner Nachlese hielt.
Wasser, Wind, Blitzschlag, Klippen – alle Geißeln des Himmels und des Meeres erfüllten die zwei Tage, die auf die Schlacht folgten, mit mehr Schrecknissen, als der Tag des Gefechts geboten hatte. Das aufgewühlte Meer nahm sechzig Stunden lang die drei Flotten zum Spielball, ohne zwischen Siegerin und Besiegten zu unterscheiden.
Ein Teil der von Nelsons Flotte eroberten Schiffe wurde durch die Gewalt des Meeres von den Verbindungstauen losgerissen und entfloh oder ließ sich von den Wellen an die Klippen des Kaps von Trafalgar treiben.
Die Bucentaure wurde an den Felsen der Küste zerschmettert. Die Indomptable beleuchtete mit den Feuern an ihrem Deck ihren Kurs zur spanischen Küste und sank mit Mann und Maus vor Rota. Ein einziger Schrei war zu hören, der Schrei der ganzen Mannschaft, die vom Ozean verschlungen wurde.
Als Collingwood sah, dass der Wind ihm eine Beute nach der anderen entriss, ließ er die Santissima Trinidad in Brand setzen und verbrannte mit ihr zusammen drei spanische Dreidecker, die San Augustin, die Argonauta und die Santa Ana.
Das Meer schien sich kurzzeitig zu beruhigen, der Wind schien sich für einen Augenblick zu legen, so dass man den größten Scheiterhaufen brennen sehen konnte, der jemals auf dem Meer geschwommen war.
Die Besiegten befanden sich nach der Schlacht in einer weniger gefährlichen Lage als die Sieger. Admiral Gravina mit seinen elf Schiffen hatte in Cadiz einen nahen und sicheren Hafen, die Engländer hingegen waren schon zu weit auf See, um einen Hafen anzusteuern oder zu ankern und mussten nach den Mühen des errungenen Sieges dem Meer die Stirn bieten.
Im Sturm um das nackte Überleben kämpfend, auf Schiffen, die entmastet und kaum manövrierfähig waren, mussten sie es aufgeben, Prisen zu schleppen, die noch entmasteter und seeuntüchtiger waren als die eigenen Schiffe.
Sie ließen einige der Prisen zurück, die sie genommen hatten, und der Sieg des Meeres über die Trümmer der Engländer und die eigenen Trümmer entlockte den Besiegten Jubelrufe.
Die Engländer, in deren Schlepptau sich die Bucentaure befand, übergaben sie der übrig gebliebenen französischen Besatzung, als sie sich mitsamt ihren Gefangenen von Collingwood im Stich gelassen sahen, und die Franzosen dankten dem Sturm, der sie vor der wenig erbaulichen Zukunft auf einem Gefangenenschiff gerettet hatte, errichteten Behelfsmasten auf ihrem entmasteten Schiff, behängten sie mit Segelfetzen und nahmen Kurs auf Cadiz, vom Sturmwind unterstützt.
Die Algésiras, die den Leichnam des tapferen Konteradmirals Magon mit sich führte wie die Victory die sterblichen Überreste Nelsons, wollte ebenfalls den Sturm nutzen, um sich zu befreien. Trotz aller Spuren des Kampfes, in dem sie sich so heldenhaft geschlagen hatte, hielt sie sich besser über Wasser als die anderen Prisen, weil sie ein neues Schiff war, doch sie besaß keinen einzigen Mast mehr; das Schiff, das sie schleppte, konnte kaum manövrieren und kappte zuletzt die Taue, die es zum Gefangenen seiner Beute machten. Die englischen Soldaten an Bord der Algésiras, die auf die Beute aufpassen sollten, hielten sich für verloren und feuerten eine Kanone ab, um Hilfe herbeizurufen, doch die englische Flotte war mit ihren eigenen Sorgen zu beschäftigt, um ihnen zu antworten. Daraufhin wandten sie sich an einen französischen Offizier, den zweiten Kommandanten des Schiffs, auf dem sie sich befanden.
Dieser französische Offizier war Monsieur de la Bretonnière; sie baten ihn, mit seiner Mannschaft das Schiff zu retten und ihnen allen, Engländern wie Franzosen, das Leben zu retten.
Schon bei ihren ersten Worten erkannte de la Bretonnière, welchen Nutzen er aus der Situation ziehen konnte. Er verlangte, sich mit seinen Landsleuten zu besprechen, die unten im Schiff gefangen waren. Es wurde ihm gestattet.
Er sucht die Offiziere auf und unterhält sich mit ihnen unter vier Augen. Er berichtet ihnen, was soeben geschah. Mit der schnellen Auffassungsgabe, die der große Vorzug aller Franzosen ist, begreifen sie sofort, worum es geht. Auf der Algésiras befinden sich dreißig bis vierzig bewaffnete Engländer und zweihundertsiebzig entwaffnete Franzosen, die zu allem bereit sind, um den Engländern das Schiff zu entreißen. Die Offiziere gehen zu den einfachen Gefangenen, schildern ihnen das Vorhaben, werden mit Begeisterung gehört. Monsieur de la Bretonnière soll die Engländer auffordern, sich zu ergeben; wenn sie sich weigern, sollen sich die Franzosen auf ein Zeichen hin auf sie stürzen, und wenn die Engländer kämpfen, werden sie zwar viele ihrer Gegner töten, aber die Überzahl wird den Sieg davontragen.
Kapitän de la Bretonnière kehrt zu den Engländern zurück und überbringt ihnen die Antwort seiner Gefährten.
Dass die Algésiras inmitten so großer Gefahren sich selbst überlassen wurde, hebt alle Verpflichtungen auf. Die Franzosen lassen ausrichten, dass sie sich als frei betrachteten und dass es ihren Wächtern im Übrigen unbenommen sei zu kämpfen, sollten sie dies wünschen; die französische Besatzung ist unbewaffnet und wartet doch nur auf ein Zeichen, um sich in den Kampf zu stürzen.
In ihrer Ungeduld fallen zwei französische Matrosen englische Wachen an, werden mit dem Bajonett abgewehrt, und der eine ist tot, der andere schwer verwundet. Daraufhin bricht ein unvorstellbarer Tumult aus, doch Monsieur de la Bretonnière gelingt es, ihn einzudämmen und den englischen Offizieren Zeit zum Nachdenken zu geben. Sie überlegen kurz und ergeben sich dann den Franzosen unter der Bedingung, dass man sie freilassen wird, sobald das Schiff in Frankreich ankommt.