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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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In diesem Augenblick wäre die Flamme eines Lichts auf dem Schiffsdeck senkrecht in den Himmel aufgestiegen.

»Eine scheußliche Nacht, Kapitän Parker«, sagte der erste Leutnant, dem sein Rang erlaubte, den Kapitän anzusprechen.

»Ich habe schon erlebt, dass der Wind mit weitaus weniger Vorzeichen umgeschlagen ist«, sagte der Kapitän in beruhigendem Ton.

»Aber diesmal«, brummte der alte Seebär, dem seine vierzig Jahre auf See Vorrechte einräumten, denen nicht nur seine Kameraden, sondern auch die Offiziere sich beugten, »begleiten den Umschlag Vorzeichen, die sogar den ältesten Matrosen nachdenklich stimmen müssen.«

»Meine Herren, was können Sie noch wünschen?«, fragte der Kapitän. »Kein Lufthauch regt sich, und das Schiff ist bis auf das Vorbramsegel abgetakelt.«

»Gewiss!«, sagte der alte Matrose. »Und ich gehe noch weiter und behaupte, dass die Samson sich für einen braven Kauffahrer wacker hält. Kaum ein Schiff ihrer Größenordnung, das nicht die Flagge König Georges trägt, segelt so schnell wie sie oder gar schneller; aber dieses Wetter zu dieser Stunde muss einen alten Seemann nachdenklich stimmen. Sehen Sie dort drüben den grauen Lichtschein, der sich uns so geschwind nähert, und können Sie mir sagen, woher er kommt? Kommt er aus Amerika oder vom Nordpol? Der Mond ist es jedenfalls nicht.«

Der Kapitän trat an die Luke, wo er das Gelächter der jungen Offiziere und das Klingen ihrer Gläser hörte.

»Genug getrunken und gelacht!«, rief er barsch hinunter. »Alle Mann an Deck!«

Und unverzüglich eilten die so Angesprochenen an Deck. Sobald jeder mit eigenen Augen Himmel und Meer gesehen hatte, richtete sich alles Trachten der gesamten Mannschaft nur mehr darauf, für den Sturm gerüstet zu sein, der unaufhaltsam näher kam.

Niemand sprach ein Wort, doch jeder setzte alle Kraft und Umsicht ein, als wollten sie einander überbieten. Und kein Arm war überflüssig, für jeden gab es eine Aufgabe.

Der bleiche, unheimliche Nebel, der seit einer Viertelstunde im Südwesten aufstieg, senkte sich nun so schnell über das Schiff, als wäre er ein Rennpferd, das gewinnen wollte; die Luft hatte die Feuchtigkeit verloren, die Kennzeichen einer Brise aus Osten ist, und die Reffbänder flatterten zwischen den Masten als Vorzeichen des Sturms, der sich zusammenbraute.

Dann ertönte ein lautes und schreckliches Donnern über dem Ozean, dessen Oberfläche erstarrte und sich dann mit weiß schimmerndem Schaum bedeckte. Im nächsten Augenblick brach der Wind mit aller Gewalt über die schwerfällige, reglose Masse des Schiffskörpers herein.

In diesem Sturm war das Schiff in der Situation eines Infanterieregiments, das mitten auf einer Ebene den Ansturm einer Kavallerieschwadron erwartet.

Beim Herannahen des Sturmwinds hatte der Kommandant einige Segel setzen lassen, um den Wechsel der Windrichtung zu nutzen und Gegenwind zu bekommen. Doch das Schiff war ein Kauffahrer und kein Schnellsegler, und es gehorchte weder den ungeduldigen Wünschen des Kapitäns noch den Erfordernissen des Augenblicks. Langsam und schwerfällig verließ es seinen Kurs gen Osten, so dass es genau in die missliche Lage geriet, die ungeschützte Seite dem Anprall des Sturms darzubieten. Zum Glück für alle, die ihr Leben auf diesem ungeschützten Schiff aufs Spiel setzten, sollte es nicht die ganze Gewalt der Sturmbö auf einmal erleiden. Die wenigen Segel, die wieder gesetzt worden waren, zitterten an ihren massiven Rahen, blähten sich und erschlafften eine Minute lang abwechselnd, und dann fiel der Sturm mit ungezähmter Macht über sie her.

Der Himmel war so finster, dass man sich nur tastend bewegen konnte. Die Männer sahen einander als bleiche Gespenster im flüchtigen Schein der Blitze oder im Widerschein der schaumigen Brecher, die das Auge für einen Augenblick blendeten, bevor es neuer Finsternis ausgesetzt wurde, welche nach dem kurzen, grellen Licht umso schwärzer erscheinen musste. Alles Menschenmögliche, das man tun konnte, um die entfesselte Gewalt des Sturms in ihren Auswirkungen abzumildern, war getan worden. Nun wartete man ab und zählte die Minuten.

Vom Schlingern und Schwanken des Schiffs immer wieder gegen Masten und Verschanzung geschleudert, von abgerissenen Tauen gepeitscht, die wie unsichtbare, aber schneidende Geißeln durch die Luft sausten, erschöpft vor Anstrengung und Angst und wenig Trost in einer Hoffnung auf Rettung findend, die aberwitzig erscheinen musste, wenn man sah, dass jeden Moment neue Gefahren drohten, kauerten die Matrosen der Samson an der Luvseite des Schiffs und ließen geduckt die riesigen Wellen über sich ergehen, die vom Heck oder von der Seite hereinbrachen und das Deck kurzzeitig in eine Wasserwüste verwandelten. Kein Wort fiel, und jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt: trübsinniges Schweigen, vereinzelte Flüche, vereinzelte Wehlaute, vereinzelte Verwünschungen oder Anklagen an die Adresse des Himmels.

Das Meer spielte mit dem Schiff wie ein Riese mit einem Federball, versetzte ihm Schläge von vorne, von hinten, von seitwärts, gegen Hüften, Kopf und Flanken, von allen Seiten gleichzeitig, trug es auf den Gipfel der rollenden Berge oder stürzte es in Schluchten, aus denen ein Auftauchen unmöglich erschien.

Einer der Schläge gegen Backbord traf das Schiffsheck so kraftvoll, dass er es nach rechts drehte, wobei das Focksegel, das es nach links geführt hatte, zerstört wurde. Der Wind bemächtigte sich seiner und zerriss das fest gewebte Segeltuch wie dünnen Musselinstoff.

Kein Fetzen von dem zerlöcherten, zerrissenen, zerfetzten und weggerissenen Segel war am Mast verblieben; die Ruderpinne zerbrach, und das nach Steuerbord gebeugte Schiff wurde von solchen Wassermassen überschwemmt, dass es sich nicht aufrichten konnte.

»Was tun?«, fragte der Kommandant René.

»Anluven! Sofort anluven!«, erwiderte René.

»Anluven, auf der Stelle!«, rief Kommandant Parker so laut, dass seine Stimme durch das Sturmgetöse hindurch vernehmbar war.

Der alte Seemann, der mit seinen Ratschlägen nicht gegeizt hatte, stürzte nun mit einer neuen Ruderpinne zum Steuerruder und nahm den Posten des Untersteuermanns ein. Er befolgte den Befehl des Kapitäns schnell und zuverlässig, doch vergebens hielt er den Blick auf den Klüver gerichtet, um zu sehen, ob das Schiff das Manöver ausführte. Zweimal neigten die Masten sich dem Horizont entgegen und hoben sich anmutig in die Luft, doch beide Male wurde das Schiff von Masse und Druck des Wassers überwältigt und blieb zur Seite geneigt liegen.

»Was tun?«, fragte der Kommandant René wieder.

»Kappen!«, sagte René.

»Aufgepasst!«, rief Parker, und er befahl dem zweiten Leutnant: »Holen Sie eine Axt.«

Blitzschnell gehorchte der Leutnant und kletterte den Fockmast hinauf, um eigenhändig den Befehl des Kommandanten auszuführen; dann hob er den Arm und fragte mit fester und ruhiger Stimme: »Soll ich kappen?«

»Warten Sie! Alter Nick«, rief der Kapitän dem Steuermann zu, »gehorcht das Schiff dem Steuerruder?«

»Nein, mein Kapitän.«

»Dann kappen Sie!«, sagte Parker ruhig und bestimmt.

Ein einziger Schlag genügte; unter der Last des immensen Gewichts, das auf ihm ruhte, hatte der Mast kaum den Axthieb erhalten, als sein Holz knirschend barst, er sich wie ein entwurzelter Baum unter lautem Krachen von seiner Takelage befreite und die kurze Strecke bis ins Meer überwand.

»Fragen Sie, ob das Schiff sich aufrichtet«, soufflierte René dem Kapitän.

»Richtet es sich auf?«, rief Parker dem Mann am Steuer zu.

»Mein Kommandant, es hat sich leicht bewegt, aber der neuerliche Windstoß hat es wieder hingelegt.«

Der zweite Leutnant stand bereits am Fuß des Großmasts; ihm war die Bedeutung seiner Aufgabe bewusst.

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