Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Du hasst mich nicht?«, fragte er abrupt. Ich lachte vollkommen überrascht auf.
»Nein«, sagte ich. »Meinst du, das sollte ich?«
Sein Mund zuckte sacht, und er rieb sich mit den Fingerknöcheln darüber und fuhr sich kratzend über die Bartstoppeln.
»Nun ja, vielleicht«, murmelte er. »Aber ich bin froh, wenn du es nicht tust.«
Er nahm meine Hände behutsam in die seinen und rieb mit dem Daumen über das Knotenmuster meines Silberringes. Seine Hände waren kalt von der Kühle der Morgendämmerung.
»Wie kommst du nur auf den Gedanken, dass ich dich hassen könnte?«, fragte ich. »Etwa wegen der Ringe?« Natürlich hätte ich mich aufgeregt und wäre wütend auf ihn gewesen, wenn er einen davon verloren hätte. Da das aber nicht geschehen war … Und natürlich war er daran schuld gewesen, dass ich mich die ganze Nacht besorgt gefragt hatte, wo er war und was er tat, ganz zu schweigen davon, in mein Zimmer zu schleichen und meinen Füßen unanständige Avancen zu machen. Vielleicht hatte ich ja doch Grund, wütend auf ihn zu sein.
»Nun, erstens wegen der Ringe«, sagte er trocken. »Es ist schon lange nicht mehr vorgekommen, dass mein Stolz mit mir durchgegangen ist, aber ich konnte mich anscheinend nicht beherrschen, als dieser Wicht Philip Wylie sich angemaßt hat, deine Brüste anzugaffen und –«
»Hat er das?« Das war mir gar nicht aufgefallen.
»Das hat er«, sagte Jamie und machte ein finsteres Gesicht. Dann ließ er Wylie Wylie sein und kehrte zum Katalog seiner eigenen Sünden zurück.
»Und dich dann im Hemd aus dem Haus zu zerren und wie von Sinnen wie ein Tier über dich herzufallen –« Er berührte sanft meinen Hals, wo ich immer noch das Kribbeln der wunden Stelle spürte, an der er mich gebissen hatte.
»Oh. Nun, das hat mir, ehrlich gesagt, gefallen.«
»Ach ja?« Er riss in plötzlicher Verblüffung die Augen auf.
»Ja. Obwohl ich sehr befürchte, dass ich blaue Flecken am Hintern habe.«
»Oh.« Er sah zu Boden, anscheinend verlegen, obwohl sein Mundwinkel leicht zuckte. »Das tut mir leid. Als ich fertig war – beim Whist, meine ich –, habe ich an nichts anderes gedacht, als dich zu finden, Sassenach. Ich bin diese Treppe ein Dutzend Mal hinauf und wieder heruntergestiegen, zu deiner Tür und wieder zurück.«
»Oh, wirklich?« Es freute mich, das zu hören, da es die Chancen zu vergrößern schien, dass tatsächlich er mein mitternächtlicher Besucher gewesen war.
Er ergriff eine Strähne meines verwüsteten Haars und fuhr sanft mit den Fingern hindurch.
»Ich wusste, dass an Schlaf nicht zu denken war, und dachte, gut, dann gehe ich eben eine Weile draußen in der Nacht spazieren, und das habe ich auch getan – aber dann habe ich mich wieder vor deinem Zimmer wiedergefunden, ohne zu wissen, wie ich dort hingekommen war, und mein einziger Gedanke war, wie ich zu dir gelangen konnte – wie ich dich beschwören könnte, zu mir herauszukommen, nehme ich an.«
Nun, das erklärte dann auch meine Träume von wilden Hengsten, dachte ich. Die Stelle, wo er mich gebissen hatte, pulsierte schwach. Und wohin hatte er mich gebracht? In einen Stall. König von Irland, fürwahr.
Er drückte sacht meine Hände.
»Ich war mir einfach sicher, dass die Stärke meines Verlangens dich wecken musste. Und dann bist du tatsächlich gekommen …« Er hielt inne und sah mich an. Seine Augen waren sanft und dunkel geworden. »Himmel, Claire, du warst so schön da auf der Treppe mit deinem offenen Haar und dem Schatten deines Körpers im Gegenlicht …« Er schüttelte langsam den Kopf.
»Ich dachte, ich würde sterben, wenn ich dich nicht bekam«, sagte er leise. »Auf der Stelle.«
Ich streckte die Hand aus, um sein Gesicht zu streicheln, sein Bart ein Teppich aus weichen Borsten unter meiner Hand.
»Ich würde nicht wollen, dass du stirbst«, flüsterte ich und steckte ihm eine Haarlocke hinter das Ohr.
Dann lächelten wir einander an, doch jedes eventuelle weitere Wort wurde durch ein lautes Wiehern eines der Pferde unterbrochen, gefolgt von Stampfgeräuschen. Wir verhinderten, dass sie ihr Frühstück bekamen.
Ich ließ meine Hand sinken, und Jamie bückte sich, um seinen Rock aufzuheben, der halb vergraben im Stroh lag. Er verlor zwar nicht das Gleichgewicht, als er sich niederbeugte, doch ich sah, wie er zusammenzuckte, als ihm das Blut in den Kopf schoss.
»Hast du letzte Nacht sehr viel getrunken?«, fragte ich angesichts dieser Symptome.
»Aye, literweise«, sagte er reumütig. »Merkt man das?«
Auch ein sehr viel weniger erfahrener Mensch als ich hätte es aus einer Entfernung von etwa einer halben Meile gemerkt; von den offensichtlicheren Anzeichen eines frischen Rausches ganz abgesehen, roch er wie eine ganze Destillerie.
»Deinem Geschick beim Kartenspiel hat es ja offenbar nicht geschadet«, sagte ich taktvoll. »Oder war Philip Wylie genauso mitgenommen?«
Er machte ein überraschtes und etwas beleidigtes Gesicht.
»Du glaubst doch nicht, dass ich mich während des Spiels betrunken habe, oder? Wo es um deine Ringe ging? Nein, das war hinterher – MacDonald hat eine Flasche Champagner und eine Flasche Whisky geholt und darauf bestanden, dass wir unseren Gewinn anständig feiern.«
»MacDonald? Donald MacDonald? Er hat mit dir gespielt?«
»Aye, er und ich waren Partner gegen Wylie und Stanhope.« Er schüttelte den Rock aus, und es regnete Strohhalme. »Ich kann nicht sagen, was er für ein Soldat ist, aber für Whist hat der Mann wirklich ein Händchen.«
Bei der Erwähnung des Wortes »Händchen« fiel es mir wieder ein. Er war an meine Zimmertür gekommen, sagte er; von Eintreten hatte er nichts gesagt. Hatte er es getan, zu berauscht von Alkohol und Verlangen, als dass er sich daran erinnern konnte? Hatte ich mir die ganze Sache nur eingebildet, benommen von meinen Träumen vierhufiger Lust? Mit Sicherheit nicht, dachte ich, schüttelte jedoch das Gefühl vager Unruhe ab, das diese Erinnerung auslöste, und griff stattdessen ein anderes Wort aus seiner Bemerkung auf.
»Gewinn, sagst du?« In der Aufregung des Augenblicks war mir nur wichtig erschienen, dass er meine Ringe behalten hatte, doch etwas verspätet kam mir jetzt die Einsicht, dass sie ja nur sein Einsatz gewesen waren. »Was hast du Philip Wylie abgenommen?«, fragte ich lachend. »Die Porzellanknöpfe von seinem Rock? Oder seine silbernen Schuhspangen?«
Sein Gesicht trug einen merkwürdigen Ausdruck, als er mich ansah.
»Aber nein«, sagte er. »Ich habe ihm sein Pferd abgenommen.«
Er schwang seinen Rock um meine Schultern, legte mir einen Arm um die Taille und führte mich durch den Mittelgang des Stallgebäudes an den Boxen und Ständern vorbei.
Joshua war leise durch die andere Tür hereingekommen. Er stand als Silhouette im Gegenlicht der offenen Flügeltür und gabelte gerade Heu in den letzten Ständer. Als wir ihn erreichten, sah er uns an und nickte grüßend, hielt sein Gesicht jedoch bei unserem zerzausten, barfüßigen, mit Stroh gespickten Anblick sorgsam von jedem Ausdruck frei. Selbst in einem Haushalt mit einer blinden Herrin wussten die Sklaven, was man besser nicht sah.
Geht mich nichts an, sagte sein gesenkter Blick deutlich. Er sah fast so müde aus, wie ich mich fühlte, die Augen verquollen und blutunterlaufen.
»Wie geht es ihm?«, fragte Jamie und wies mit dem Kinn auf die Box. Bei dieser Frage wurde Josh etwas lebendiger und senkte seine Heugabel.
»Oh, ihm geht’s prächtig«, sagte er voller Genugtuung. »Ein Prachtkerl, Mr. Wylies Lucas.«
»Das ist er in der Tat«, pflichtete Jamie ihm bei. »Nur, dass er jetzt mir gehört.«
»Dass er was?« Josh glotzte ihn mit offenem Mund an.
»Er gehört mir.« Jamie trat an den Trennbalken und streckte die Hand aus, um dem kräftigen Hengst, der gerade geschäftig das Heu aus seiner Krippe fraß, die Ohren zu kraulen.
»Seas«, murmelte er dem Pferd zu. »Ciamar a tha thu, a ghille mhoir?«