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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Ein Clanangehöriger aus dem Stamm der Zweiten trug eine Kette um den Hals, an der ein zweifelhaftes Schmuckstück baumelte. Der König betrachtete das verschrumpelte Ding genauer. Es handelte sich um ein abgeschnittenes Elbenohr, mit dessen Besitz der Abgeordnete sich brüsten wollte, aber als die Ankunft des Großkönigs verkündet wurde, versteckte er die Trophäe hastig unter seiner Rüstung. Noch war es zu früh, den Hass gegen die Schutzbefohlenen so deutlich zur Schau zu stellen.

Gundrabur erschien und strafte die Gerüchte um sein bevorstehendes Ableben Lügen. Gandogar empfand in seinem Innersten Enttäuschung, den Großkönig in einer solch guten Verfassung zu sehen. Während er so dachte, befiel ihn das schlechte Gewissen. Gleichzeitig wünschte er dem Greis wahrlich nicht den Tod, doch die Widerworte gegen seine Vergeltungspläne ließen ihn ungewohnte Dinge denken.

Als die anwesenden Zwerge sich auf das rechte Knie herabließen, erklang das Klirren und metallische Reiben der Rüstungen. Dann reckte die Versammlung dem Großkönig die Äxte entgegen. Diese Geste war ein Symbol für die unerschütterliche Treue, die sie ihm hielten, und besagte, dass er über ihre Kraft und ihr Leben verfügten solle.

Gundrabur antwortete, indem er den Schmiedehammer anhob und ihn vernehmbar auf den Boden prallen ließ. Sie durften sich erheben, und wieder rasselte es laut.

Balendilín trat vor und richtete seine braunen Augen voller Ernst auf Gandogar. »Bist du bereit, deinen Anspruch auf den Thron des Großkönigs zu verteidigen, König der Vierten vom Stamme Goїmdil aus dem Clan der Silberbärte?«, wiederholte er die zeremoniellen Worte, mit denen er den Zwerg bereits willkommen geheißen hatte.

Gandogar erhob sich. Er zog seine Waffe aus dem Gurt und legte sie auf den Steintisch. »Hart wie der Fels, aus dem Vraccas uns schuf, und vernichtend wie meine Axt werde ich gegen die Feinde unseres Volkes vorgehen«, antwortete er feierlich. Er war so ergriffen, dass ihm zunächst nicht auffiel, dass der Berater zu ihm gesprochen hatte und nicht der Großkönig. Erst als Balendilín ihn am Weiterreden hinderte, bemerkte er es.

»Du hast deine Bereitschaft erklärt, König Gandogar, und wir haben sie alle vernommen. Aber du wirst warten, bis der zweite Bewerber aus deinem Stamm erscheint. Ihr beiden werdet eine Einigung erzielen müssen«, erklärte der Einarmige. »Bis dahin ist die Nachfolgerschaft nicht entschieden.«

»Was?!«, entfuhr es dem König, und das Blut schoss ihm in den Kopf. Er wandte sich um und ließ den Blick über die Reihen seiner Gefolgschaft wandern, die nicht minder überrascht war wie er. »Wer von euch wagt es, mich zu verraten?«, grollte er. »Aus welchem Clan du sein magst, tritt vor!« Seine Hand wanderte an den Griff der Streitaxt.

»Du tust deinen Begleitern Unrecht«, hielt ihn Balendilín zurück. »Es ist keiner von ihnen.« Er entfaltete einen Brief und hielt ihn deutlich sichtbar in die Luft. »Ein junger Zwerg, der vor vielen Zyklen durch einen seltsamen Zufall von seinem Stamm getrennt wurde, hat sich an seine Ursprünge erinnert und sein Kommen angekündigt. Er lebt in Ionandar und bereitet sich derzeit auf die Reise vor.«

»Ionandar?«, wiederholte Gandogar ungläubig. »Im Zauberreich? Was, bei Vraccas, ist denn das für eine Missgeburt?« Er richtete sich auf. »Das kann nicht dein Ernst sein! Ein hergelaufener Zwerg schickt eine Botschaft, der du allein Glauben schenkst, und hält die Zeremonie auf? Wie ist der Name des Bewerbers?«

»Sein Name spielt keine Rolle. Er trägt einen Menschennamen, weil er von ihnen als Findelkind aufgezogen wurde«, erwiderte der Berater hart. »Aber die Gegenstände, die man damals bei ihm fand, weisen ihn als Angehörigen deines Stammes aus.«

»Das glaube ich nicht!«, rief Gandogar erbost. »Es ist eine List!«

»Dann sind die Zeilen über den Verrat der Elben an den Fünften ebenso eine List«, erwiderte Balendilín unnachgiebig, die Hand locker an die Gürtelschnalle gelegt.

»Genug!« Gundrabur stemmte sich aus seinem Herrschaftssitz empor. »Du wagst es, meinen Freund einen Lügner zu nennen, König Gandogar?« Die Worte dröhnten durch die hohe Halle, und der Zorn des Alters verlieh dem Ausbruch Kraft und Würde. Das Aufbegehren des Vierten wirkte dagegen wie das Gezänk eines Waschweibs. »Du wirst die Entscheidung so hinnehmen, wie sie von mir getroffen wurde. Sobald der Zwerg in der Festung eingetroffen ist, werden die Clans deines Stammes darüber entscheiden, wer von euch beiden der bessere Nachfolger sein wird.«

Gandogars ausgestreckter Arm deutete auf sein Gefolge. »Wozu warten? Fragt die Clans jetzt! Ihre Meinung wird sich niemals ändern! Wieso sollten sie einen Unbekannten...«

Der Großkönig hob die vom Alter gekrümmte Hand. »Nein.« Seine Finger wiesen auf die Stelen mit den Runen. »Wir befolgen die Gesetze unserer Vorfahren. So steht es geschrieben, so wird es erfüllt.«

Das darauf folgende Schweigen in dem gigantischen Raum besaß unterschiedliche Qualitäten. In der überwiegenden Mehrzahl bestand es aus der Überraschung, der Rest war ohnmächtige Wut, weil ihnen nichts anderes übrig blieb, als auf den dreisten Bewerber zu warten.

Gandogar sackte auf seinen Stuhl und zog die Axt zu sich heran; die Schneide hinterließ einen tiefen weißen Kratzer in dem polierten Steintisch und zerstörte die Makellosigkeit, an der die Steinmetzen so lange gearbeitet hatten.

»Ich beuge mich«, stieß er kühl hervor; mehr wagte er nicht zu sagen, aus Sorge, die Verzweiflung würde aus ihm sprechen und ihn zu Torheiten hinreißen. Entmutigt schaute er hinter sich. Bislipur bewahrte die äußerliche Fassung ausgezeichnet, aber diesen Gesichtsausdruck kannte er zu gut. Sein Verstand befasste sich bereits mit den neuen Umständen und suchte nach einer raschen Lösung. Er wusste, dass er auf seinen einfallsreichen Freund vertrauen konnte.

»Von Ionandar bis hierher sind es viele Reisewochen. Was sollen wir so lange tun?«, verlangte Gandogar zu wissen, während er die funkelnden Diamantsplitter an seiner Rüstung betrachtete. »Und woher wissen wir, dass er uns findet, der Möchtegern Großkönig?«

»Oder ob er lebend ankommt«, fügte Bislipur hinzu.

»Wir werden uns beraten«, antwortete Balendilín. »Es sind einige Dinge zu besprechen, die für die Stämme und Clans bald von wichtiger Bedeutung sein werden.« Dann lächelte er. »Es ist schön zu hören, dass ihr euch Sorgen um ihn macht, aber wir haben ihm eine Eskorte geschickt, die ihn heil zu uns bringen wird.«

»So? Dann schicken wir ihm auch eine«, beharrte Bislipur mit aufgesetzter Freundlichkeit. »Schließlich gehört er zu unserem Stamm. Sag uns, wohin unsere Krieger gehen müssen.«

»Das Angebot ehrt dich, doch es ist nicht nötig. Er wird der Gast des Großkönigs sein, also sendet Gundrabur unsere Leute«, lehnte Balendilín diplomatisch ab. »Nach diesem turbulenten Auftakt schlage ich vor, dass wir uns bei dunklem Starkbier eine Erholung gönnen. Es wird die erhitzten Gemüter kühlen.« Er nahm seine Axt und schlug mit der flachen Seite zweimal gegen den Tisch. Der klingende Ton flog durch die Halle und drang bis durch die Türen.

Schon wurden Fässer mit gebrautem Gerstensaft hereingetragen. Kurz darauf füllten sich die Humpen und Trinkhörner der Gesandten, und man trank auf das Wohl des regierenden und des kommenden Großkönigs. Nur wenige zweifelten daran, dass dessen Name Gandogar sein würde.

Bislipur klopfte seinem Schützling auf die Schulter. »Du musst nur ein wenig warten. Wir ehren die Vorfahren und erfüllen alle Bedingungen deiner Wahl, denn nur so lässt sich vermeiden, dass es jemals Zweifel an der Rechtmäßigkeit deines Amtes geben wird.« Er stieß mit dem König an und nahm einen langen Zug. Das Bier schmeckte malzig, schwer und ein wenig süßlich. »So können nur Zwerge brauen«, lachte er und wischte sich den Schaum aus dem Bart.

Als die Gesandten nach und nach übermütiger und ausgelassener wurden, setzte sich Bislipur ab und verschwand aus der Halle. Er drückte sich in einen kaum benutzten Nebengang und rief Swerd zu sich, um ihm mit einer ganz besonderen Aufgabe zu betrauen.

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