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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Der Friedhof liegt an einer Kirche, und dieser Platz scheint schon immer ein Lieblingsort unseliger Geister gewesen zu sein. Die Kirche steht auf einem Hügel, von Akazien und hohen Ulmen umgeben, und dazwischen schimmern ihre weißgetünchten Mauern hervor. Ein Abhang führt von hier zu einer Wasserfläche, die von großen Bäumen umstanden ist, und zwischen ihnen hindurch kann man die blauen Hügel des Hudson sehen. Wenn man den mit hohem Gras bewachsenen Kirchhof betrachtet, so sollte man glauben, daß wenigstens hier die Toten ruhig schlummern. Auf der anderen Seite der Kirche aber zieht sich ein großes waldiges Tal hin, durch das zwischen Felsen und umgestürzten Baumstämmen ein Bach tost. Über eine tiefe schwarze Stelle führt eine Holzbrücke. Der Weg zu ihr hin und die Brücke selbst sind von überhängenden Weiden dicht beschattet. Dies war der Lieblingsaufenthalt des kopflosen Reiters, und der Ort, wo man ihn am häufigsten treffen konnte. Die Geschichte vom alten Bouwer, einem Mann, der selbst hartnäckig die Existenz von Geistern bestritt, wurde erzählt: wie er dem Reiter begegnete, als dieser von einem Streifzug ins schläfrige Tal zurückkehrte, wie er gezwungen wurde, sich hinter ihm aufzusetzen, wie sie über Stock und Stein, über Hügel und durch Morast galoppiert seien, bis sie an die Brücke kamen, wo sich der Reiter plötzlich in ein Gerippe verwandelte, den alten Bouwer in den Bach warf und unter Donnerschlag über die Baumwipfel davonritt.

Hier aber mischte sich Brom Bones ein. Er meinte, der galoppierende Hesse sei ein durchtriebener Gauner, und behauptete, der mitternächtliche Reiter habe ihn überrascht, als er aus dem benachbarten Dorf Sing-Sing zurückkehrte, er habe ihm vorgeschlagen, mit ihm um die Wette zu reiten. Ein Glas Punsch für den, der gewinnen wird! Er, Brom, habe dann gewonnen und auf »Gefahrenteufel« das Geisterpferd weit hinter sich gelassen, als sie aber an die Kirchenbrücke gekommen seien, wäre der Reiter ohne Kopf davongeritten und in einer Feuerflamme verschwunden.

All diese Geschichten, vorgetragen in einem murmelnden, gedämpften Tonfall, dazu im Dunkeln, das nur vom Aufglimmen einer Pfeife ein wenig erhellt wurde, prägten sich bei Ichabod tief ein, und auch er selbst steuerte nun zu der Unterhaltung noch einige unheimliche Begebenheiten bei.

Die Gesellschaft brach nun langsam auf. Einer nach dem anderen fuhr mit seinem Wagen ab. Die jungen Mädchen stiegen zu den Burschen aufs Pferd und ließen sich von ihnen heimbringen. Nur Ichabod zögerte noch, denn er wollte mit Katharina ein Gespräch unter vier Augen führen. Dazu kam es auch, aber wie diese Unterhaltung vonstatten ging, davon weiß der Verfasser dieses Berichts nichts zu sagen, denn er war nicht dabei. Sicher ist, daß Ichabod traurig und niedergeschlagen den Schauplatz des Festes verließ. Wahrscheinlich war ihm klargeworden, daß das Mädchen ihn den ganzen Abend nur begünstigt hatte, um ihren anderen Verehrer aufzustacheln.

Die Geisterstunde hatte begonnen, als sich Ichabod auf seinem Klepper auf den Heimweg machte. Die Stunde war so trüb wie sein Sinn. Weit unten lag die neblige Wasserfläche des Tappan Zee, ab und zu sah er den Mast eines Bootes, das am Ufer über Nacht festgemacht hatte. Auch das Bellen eines Kettenhundes klang von Zeit zu Zeit durch die nächtliche Stille. Kein Anzeichen von Leben zeigte sich in der unmittelbaren Nähe seines Weges, es sei denn man wollte das schwermütige Zirpen der Grillen oder das Quaken eines Frosches aus einem nahen Morast dafür nehmen.

Alle Geistergeschichten kamen Ichabod bei seinem Ritt wieder in den Sinn, und er bekam Angst. Die Nacht wurde dunkler und dunkler. Die Sterne schienen immer tiefer zu fallen. Nie hatte er sich so verlassen und unglücklich gefühlt. Und nun näherte er sich einer Gegend, in der gleich mehrere Gespenstergeschichten sich zugetragen hatten. An dem großen Tulpenbaum, der allgemein Major Andres Baum genannt wurde, glaubte er etwas Weißes zu erkennen, das in der Mitte des Stammes hing. Als er genauer hinschaute, sah er, daß es ein Fleck war, an dem der Blitz die Rinde versengt hatte. Doch nun vernahm er ein Stöhnen. Seine Zähne klapperten, aber das Geräusch rührte nur von zwei Ästen her, die sich aneinander rieben.

Ungefähr zweihundert Meter hinter dem Baum kreuzte ein kleiner Bach den Weg und floß in ein sumpfiges, dicht bewachsenes Tal, das man »Wileys Moor« nannte. Auch hier sollte es Gespenster geben.

Sein Herz begann zu klopfen. Er nahm allen Mut zusammen, gab dem Pferd ein halbes Dutzend Fußtritte und versuchte rasch über die Brücke zu kommen. Aber statt vorwärts zu laufen, machte das widerspenstige Vieh eine Bewegung nach der Seite und rannte gegen das Geländer. Diese Verzögerung ließ Ichabods Angst wachsen; er riß die Zügel nach der anderen Seite und stieß das Tier mit dem Fuß; alles war vergebens; der Gaul ging zwar vorwärts, aber er geriet nun am Ufer auf der anderen Seite des Weges in ein Brombeer- und Holundergesträuch.

Eben in diesem Augenblick hörten Ichabods feine Ohren im Morast an der Brücke Schritte. Im dunklen Schatten des Wäldchens dort erblickte er etwas Riesiges, Unförmiges, das schwarz aufragte. Es bewegte sich nicht, sondern schien im Dunkeln hinzukauern wie ein riesiges Ungeheuer, das einem Reisenden an die Kehle fahren will. Die Haare sträubten sich dem erschreckten Schulmeister. Er faßte sein letztes Quentlein Mut zusammen und fragte stotternd: »Wer bist du?« Er erhielt keine Antwort und wiederholte die Frage mit zitternder Stimme. Noch immer kam keine Antwort. Und wieder drosch er auf sein Pferd ein, schloß die Augen und begann eine Psalmenmelodie zu summen. In diesem Moment setzte sich der dunkle Gegenstand in Bewegung und stand plötzlich mitten auf dem Weg. Obwohl es sehr dunkel war, konnte man nun die Gestalt des Unbekannten einigermaßen erkennen. Er schien ein Reiter von gewaltiger Größe auf einem schwarzen Roß von riesigem Wuchs. Er machte keine Anstalten, ihn zu belästigen oder sich zu nähern, sondern blieb in einiger Entfernung auf der Wegseite stehen. Ichabod, der der Erzählung Brom Bones vom kopflosen Reiter gedachte, trieb jetzt sein Pferd an, in der Hoffnung, die Erscheinung hinter sich zu lassen. Aber auch der Fremde trabte an, und wie immer Ichabod ritt, schnell oder langsam, der Fremde blieb bei ihm. Der Schulmeister war von Entsetzen gelähmt, als er bemerkte, daß der Kopf des Fremden, der auf der Schulter hätte sitzen sollen, auf dem Sattelknopf lag. Sein Entsetzen steigerte sich zur Verzweiflung, er ließ einen Hagel von Schlägen auf sein armes Pferd niedergehen, das auch tatsächlich nun sehr rasch lief – aber das Gespenst sprengte so schnell dahin wie er. So jagte er durch dick und dünn davon. Steine flogen auf, Funken stoben. Ichabods dünnes Gewand flatterte.

Sie kamen nun in das schläfrige Tal, und da bemerkte Ichabod, daß sich sein Sattel, oder vielmehr der Sattel seines Nachbarn Hans van Ripper, den ihm jener mit dem Pferd geborgt hatte, zu lockern begann. Er versuchte das Ding festzuhalten, aber es war unmöglich, denn das reitende Gespenst war ihm immer noch dicht auf den Fersen, und er hatte alle Mühe, seinen Klepper anzuspornen. So fiel der Sattel zur Erde.

Eine Lichtung im Wald erweckte bei Ichabod neue Hoffnung. Die Kirchenbrücke konnte nun nicht mehr fern sein. Er sah tatsächlich nun auch die Mauern der Kirche zwischen den Bäumen und erinnerte sich daran, daß Brom Bones geisterhafter Rivale an dieser Stelle verschwunden war. Wenn ich nur diese Brücke erreiche, dachte Ichabod, dann bin ich in Sicherheit. Aber gerade jetzt hörte er das schwarze Pferd hinter sich schnauben, er glaubte schon, dessen heißen Atem zu spüren. Noch ein Fußtritt in die Rippen seines Kleppers, und dieser sprang auf die dröhnenden Bretter der Brücke und erreichte das andere Ufer.

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