18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
Elias gedachte nun wieder nach Hause zu segeln, aber erst ging er nach dem Handelsplatz und versorgte sich und die Seinen mit Weihnachtsvorrat, darunter auch eine Branntweinkruke. Sehr froh und zufrieden über den Handel, nahmen er sowohl wie seine Frau an diesem Tage vielleicht einen Schluck über den Durst, und auch Bernt, der Sohn, durfte ein wenig davon kosten.
Dann segelten sie in dem neuen Boote nach Hause. Anderer Ballast als Elias selbst nebst Frau und Kindern und dem Weihnachtsvorrat befand sich nicht im Boote. Der Sohn Bernt saß vorn, die Frau, unterstützt von dem Zweitältesten Sohn, hielt die Segel, und Elias selbst saß am Ruder, während die beiden jüngeren zwölf und vierzehn Jahre alten Brüder sich beim Wasserschöpfen ablösen sollten.
Sie hatten acht Seemeilen zu segeln, und als sie auf die See hinauskamen, zeigte es sich, daß sie das Boot gleich dies erstemal würden auf die Probe stellen müssen. Nach und nach steigerte sich der Wind zu einem Sturm, und die Schaumkämme der schweren Wogen begannen sich aneinander zu brechen.
Jetzt sah Elias, was für ein Boot er hatte; es durchschnitt die Wellen wie ein Seevogel, ohne daß auch nur ein Tropfen ins Boot kam, und er meinte, daß er nicht ein ganzes Reff beizusetzen brauche, was auf einem gewöhnlichen Großboot bei solchem Wetter notwendig gewesen wäre.
Später am Tage bemerkte er nicht weit von sich auf der See ein anderes Großboot mit voller Besatzung und viermal gerefften Segeln. Es hatte denselben Kurs, und er fand es etwas seltsam, daß er es nicht früher gesehen. Es schien, als wolle es mit ihm um die Wette segeln, und als er das merkte, konnte er es nicht unterlassen, sein Segel wieder aufzusetzen.
Jetzt ging es mit rasender Schnelligkeit an Landzungen, Werdern und Schären vorüber, so daß es Elias schien, als sei er noch nie zuvor auf einer so prächtigen Segelfahrt gewesen, und nun zeigte es sich auch, daß das Boot wirklich das beste in Nordland war.
Das Meer ging indes immer höher, und sie hatten bereits mehrere ordentliche Sturzwellen bekommen. Sie brausten vorn am Halse, wo Bernt saß, herein und flossen in der Nähe des Hinterverdecks wieder in die See hinaus.
Als es dunkel geworden, war das andere Boot ganz in ihre Nähe gekommen, so daß sie sich einander etwas hätten zuwerfen können.
So ging die Fahrt Seite an Seite auf der immer gefährlicher werdenden See in die Nacht hinein. Es hätte nun eigentlich wieder gerefft werden müssen, aber Elias wollte sich bei dem Wettfahren nicht gern für besiegt erklären und gedachte damit so lange wie möglich zu warten – bis die anderen es taten, wo es vielleicht ebenso notwendig war. Immer öfter ging nun die Branntweinkruke herum, da sie jetzt sowohl der Kälte wie der Nässe zu widerstehen hatten.
Das »Meerleuchten«, das auf den schwarzen Wogen neben Elias’ Boot spielte, strahlte eigentümlich stark auf dem Schaumrande um das andere Boot, das gleichsam durch feurige Sturzwellen dahinsegelte. Bei dem hellen Phosphorschein vermochte er sogar die Taue am Boote zu unterscheiden. Er konnte auch deutlich die Leute an Bord sehen, mit ihren Südwestern auf dem Kopf; aber als ihre Luvseite zunächst lag, kehrten sie ihm alle den Rücken zu und wurden zudem fast gänzlich von dem hohen Rande des Bootes verdeckt.
Plötzlich schlug eine schreckliche Sturzwelle, deren weißen Kamm Elias schon von weitem durch die Dunkelheit erblickt hatte, ins Boot, wo Bernt saß. Sie hielt gleichsam das ganze Boot einen Augenblick auf; die Planken erbebten und zitterten unter ihrem Druck, und dann strömte sie hinten über die Leeseite wieder hinaus, als das Boot, welches eine Weile halb gekentert dalag, sich wieder erhob und von neuem dahinschoß. Während dies geschah, schien es Elias, als ob von dem andern Boot her schrecklich geschrien würde. Aber als es vorüber war, rief die Frau, die hinten am Segel saß, mit einer Stimme, die ihm ins Herz schnitt:« Herr mein Gott, Elias, die Welle hat Martha und Nils mit sich genommen!« Das waren ihre zwei jüngsten Kinder, das erstere neun, das andere sieben Jahre alt. Sie hatten neben Bernt gesessen. Elias antwortete nur: »Laß das Segel nicht los, sonst wirst du noch mehr verlieren!«
Es galt nun das viertemal zu reffen, und als das geschehen war, fand Elias, daß er sogar zum fünften Male reffen müßte, denn der Sturm ward immer ärger; aber um anderseits die immer schwereren Sturzwellen umsegeln zu können, durfte er das Segel nicht weiter einziehen, als durchaus notwendig war. Es kam jedoch so, daß sie das Segel mehr und mehr einziehen mußten. Die See peitschte ihnen ins Gesicht, und Bernt und der nächstälteste Bruder Anton, der bisher der Mutter am Segel geholfen, mußten sich schließlich an der Rah halten – ein Ausweg, zu dem man seine Zuflucht nimmt, wenn das Boot nicht einmal das fünfmal gereffte Segel mehr verträgt.
Das benachbarte Boot, das eine Weile nicht sichtbar gewesen, tauchte plötzlich neben Elias’ Boot wieder auf, mit ganz derselben Takelage wie dieses; aber die Mannschaft dort an Bord wollte ihm jetzt nicht recht gefallen. Die beiden, welche die Rah hielten und deren bleiche Gesichter er unter den Südwestern erblickte, schienen ihm bei der seltsamen Beleuchtung der Schaumwoge mehr Gespenstern als Menschen zu gleichen; auch sprachen sie kein einziges Wort.
Eine Strecke entfernt erblickte er jetzt wieder auf dem Wasser den hohen Kamm einer Sturzwelle, welche sich durch die Finsternis näherte, und er bereitete sich beizeiten darauf vor, sie zu empfangen. Das Boot wurde mit dem Steven direkt auf die Welle gelegt und das Segel so groß wie möglich geführt, um Schnelligkeit genug zu gewinnen, daß er die Welle durchschneiden und wieder aus ihr heraussegeln könnte. Herein brauste die Sturzwelle, tosend wie ein Wasserfall; wieder lagen sie einen Augenblick halb gekentert; aber als die Gefahr vorüber war, saß die Frau nicht mehr am Segel, und auch Anton stand nicht mehr da und hielt die Rah – sie waren beide über Bord gegangen.
Auch diesmal schien es Elias, als hörte er denselben unheimlichen Ruf in der Luft. Aber dazwischen hörte er deutlich seine Frau angstvoll seinen Namen rufen. Als er begriff, daß sie über Bord gespült war, sagte er nur: »In Jesu Namen!« und schwieg dann. Es war ihm so zumute, daß er ihr am liebsten gefolgt wäre, aber er fühlte zugleich, daß es nun galt, den Rest der Last zu bergen, die er noch an Bord hatte, nämlich Bernt und seine zwei anderen Söhne, der eine zwölf, der andere vierzehn Jahre alt, die nun im Hintersteven hinter ihm Platz erhalten hatten.
Bernt mußte allein auf die Rah achten; er und der Vater mußten sich so gut helfen, wie es gehen wollte. Das Steuerruder wagte Elias nicht loszulassen, und er hielt es mit eiserner Hand fest – sie war jedoch längst vor Anstrengung gefühllos geworden.
Eine Weile darauf tauchte das andere Boot wieder auf; es war, wie das erstemal, eine Zeitlang nicht zu sehen gewesen. Nun sah Elias auch mehr von dem großen Mann, der auf demselben Platz wie er selbst im Hintersteven saß. Aus seinem Rücken unterhalb des Südwesters stand, als er sich umwandte, ganz richtig eine lange Eisenpike, die Elias wiederzuerkennen glaubte. Dadurch ward ihm zweierlei klar: Erstens, daß es niemand anders war als das Seegespenst selbst, das sein Halbboot dicht neben ihm lenkte und ihn ins Verderben geführt, und zweitens, daß es so bestimmt war, daß er in dieser Nacht seine letzte Fahrt machte. Denn der, welcher das Seegespenst auf dem Meere erblickt, ist verloren. Er sagte nichts zu seinen Söhnen, um ihnen nicht den Mut zu rauben; aber in der Stille empfahl er Gott seine Seele. Seit einigen Stunden hatte er den Kurs ändern müssen, um dem Sturm auszuweichen; zugleich entstand nun ein Schneegestöber, und so sah er ein, daß er auf die Landung warten müßte, bis der Tag graute. Die Fahrt ging indes wie bisher. Von Zeit zu Zeit klagten die Knaben im Hintersteven, daß sie frören, aber dagegen war ja bei der Nässe nichts zu machen, und Elias war zudem mit ganz anderen Gedanken beschäftigt. Es hatte ihn ein so heißes Verlangen ergriffen, sich zu rächen, und er würde es auch getan haben, wenn er nicht das Leben seiner drei übrigen Kinder zu verantworten gehabt hätte. Dann würde er durch eine plötzliche Wendung versucht haben, das verfluchte Boot in den Grund zu segeln, das noch immer wie zum Hohn sich neben ihm hielt und dessen böse Absicht er nur allzu klar durchschaute. Konnte die Flunderpike früher das Gespenst treffen, so ließ sich auch wohl jetzt mit einem Messer oder einem eisernen Fischhaken dasselbe erreichen, und er fühlte, er würde gern sein Leben hingegeben haben, um den ordentlich zu treffen, der ihm so unbarmherzig das Liebste auf Erden genommen und wohl noch mehr haben wollte.