18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
Bob wünschte sich, er könnte Dagnys Gesicht sehen, aber dazu war es schon zu dunkel.
»Thornton ist offensichtlich nicht allein gewesen«, fuhr Bob fort. »Auf dem Tisch standen zwei Gläser. An beiden wurden Fingerabdrücke gefunden. Die am ersten Glas stammten von Thornton. Am zweiten waren ebenfalls Abdrücke von Fingern festzustellen.«
»Diese Fingerabdrücke … sind sie identifiziert worden?« erkundigte sich Dagny.
Bob schüttelte den Kopf.
»Ich habe nicht Fingerabdrücke gesagt. Ich habe Abdrücke von Fingern gesagt. Keine typischen Schleifen, glatte Abdrücke, kein Muster.«
»Wahrscheinlich Handschuhe.«
»Die Polizei ist anderer Meinung. Anscheinend läßt sich das überprüfen. Im Augenblick weiß die Polizei noch nicht, was sie davon halten soll. Es kann fast alles sein: Unfall … Selbstmord … Mord.«
»Ich glaube, daß er Selbstmord begangen hat«, sagte Dagny. »Erinnerst du dich daran, daß ich dir erklärt habe, Thornton sei im Grunde seines Wesens unsicher?«
»Richtig, das hast du getan.«
Es folgte eine längere Pause.
»Vielleicht ist ihm dadurch einiges erspart geblieben«, meinte Bob schließlich. »Die Aufnahmen, die ich gemacht habe, waren … nun, recht merkwürdig. MacGuire und ich sind uns in diesem Punkt einig. Sie haben Thorntons Theorie mit ziemlicher Sicherheit widerlegt. Wahrscheinlich hat er irgend etwas in dieser Richtung vermutet. Jedenfalls hätte er die Goldmedaille der Königlichen Astronomischen Gesellschaft nicht mehr annehmen können, wenn er diese Aufnahmen gesehen hätte. Sie ändern unsere ganze bisherige Vorstellung vom Universum.«
Dagny sah zu den Sternen auf. »Für mich sehen sie noch immer gleich aus.«
Bob wischte die sichtbaren Sterne mit einer verächtlichen Handbewegung beiseite.
»Ach, die dort oben zählen doch gar nicht! Ich spreche von weiter entfernten Objekten. Von dem nicht mehr sichtbaren Universum.«
»Welches nicht mehr sichtbare Universum meinst du?« fragte Dagny. »Zeit und Raum – für mich existieren sie nicht …«
Sie lachte.
»Die Hexen früherer Zeiten!« fuhr sie fort. »Ihre Fähigkeiten waren sehr beschränkt, weißt du. Medea – sie war kaum imstande, das ägäische Meer zu überwinden. Aber Dagnys Macht erstreckt sich bis zum entferntesten Stern! Sie reicht bis zu den Grenzen des Alls!«
Bob blieb bis lange nach Mitternacht in der Bibliothek sitzen. Die Ereignisse der vergangenen 24 Stunden hatten ihn nervös gemacht. Er fand keine Ruhe.
Wieder griff er nach Dagnys Buch über Zauberei und blätterte darin herum.
Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß Hexen unweigerlich alt und häßlich sein müßten. Viele sind schöne junge Frauen; die meisten von ihnen sind verheiratet. Um das Haus heimlich verlassen zu können, verzaubern sie ihre Ehemänner und verhindern eine zufällige Entdeckung mit Hilfe eines Surrogats.
»Surrogat«, murmelte Bob vor sich hin. Da war das Wort wieder. Er schlug hinten bei den Worterklärungen nach.
Surrogat: Im gewöhnlichen Sprachgebrauch ein Ersatzmittel oder Behelf, aber auch ein Agent oder Stellvertreter, der für jemanden auftritt. In der Zauberei ein Phantombild, das zurückgelassen wird, um andere zu täuschen.
Die Times mit Thorntons Bild nach oben lag noch immer auf dem Schreibtisch. Aber es hatte sich etwas verändert. Wo waren die Schatten von Jeanettes Zeige- und Ringfinger, die über das Bild gefallen waren? Jeanettes Hände mit den glatten, samtweichen Fingern – ohne Muster –. Fort … fort? –
Bob spürte, wie Angst in ihm aufstieg, eine unbestimmte Angst, die sich bisher unter einer dünnen Schicht wissenschaftlicher Überzeugung und Gewißheit verborgen hatte.
Aber jetzt drang sie unaufhaltsam an die Oberfläche.
Die Geschichte vom schläfrigen Tal von Washington Irving
Washington Irving (1783-1859) gilt als Vater der amerikanischen Literatur und als Begründer der amerikanischen Short-Story. Sein »Skizzenbuch« (1819/20) machte den in Nordamerika schon bekannten Schriftsteller auch in Europa berühmt. In der folgenden Geschichte daraus gestaltet er in seiner humoristisch-hintergründigen Manier eine alte amerikanische Volkssage.
Im Inneren einer der geräumigen Buchten, die sich am östlichen Ufer des Hudson gebildet haben, an jener Stelle, da sich der Fluß verbreitert, liegt ein kleiner ländlicher Hafen, der Greensburgh, aber auch Tarry Town genannt wird. Diesen Namen erhielt der Ort in früheren Zeiten, weil es die Männer an Markttagen nicht lassen konnten, sich ständig in den Schenken herumzutreiben. Nicht weit von diesem Dorf entfernt liegt ein kleines Tal zwischen hohen Bergen, das einer der stillsten Orte der ganzen Welt zu sein scheint. Ein kleiner Bach fließt hindurch, und das Wasser gibt ein einschläferndes Glucksen von sich. Ab und zu hört man den Ruf einer Wachtel oder das Picken eines Spechts, und dies sind beinahe die einzigen Laute, die diese eintönige Stille unterbrechen.
Die Ruhe des Ortes und der seltsame Charakter seiner Bewohner, die von holländischen Einwanderern abstammen, haben dieser abgelegenen Gegend den Namen »das schläfrige Tal« eingetragen. Ein schläfriges, träumerisches Wesen scheint auf dem ganzen Land zu liegen.
Einige Leute behaupten, der Ort sei von einem deutschen Doktor in den frühen Tagen der Kolonien behext worden, andere meinen, ein indianischer Häuptling habe dort Geisterbeschwörungen abgehalten. Jedenfalls ist es auch heute noch immer nicht recht geheuer in diesem Tal, und die Menschen, die dort wohnen, scheinen beständig im Traum umherzugehen. Sie glauben an Wunder und Erscheinungen, hören Musik und Geisterstimmen in der Luft, und der ganze Landstrich ist voller zwielichtigem Aberglauben, und man sagt, die Nachtmahr mit ihren neun Kindern zeige sich dort besonders gern.
Der wichtigste Geist aber, der hier umgeht, und dem gewissermaßen alle anderen Spukwesen Untertan sind, ist ein Reiter ohne Kopf. Man hält ihn für das Gespenst eines hessischen Kavalleristen, dem eine Kanonenkugel in irgendeiner Schlacht des Revolutionskrieges den Schädel zertrümmert hat. Man sieht ihn von Zeit zu Zeit, wie er rasch wie der Wind durch die Dunkelheit davonreitet. Er läßt sich nicht nur im Tal sehen, sondern taucht auch auf der nahegelegenen Landstraße auf und erscheint auch bei einer bestimmten Kirche, auf deren Friedhof nach glaubhaften Angaben der Leichnam des Reiters beerdigt wurde. Und es geht die Rede, das Gespenst reite des Nachts zum Schlachtfeld, um dort seinen Kopf zu suchen. Die Bewohner aber nennen es »den kopflosen Reiter aus dem schläfrigen Tal«.
In dieser spukhaften Gegend wohnte nun vor Zeiten ein Mann mit Namen Ichabod Crane, der es sich zur Aufgabe gesetzt hatte, die Kinder jenes Landstrichs zu unterrichten. Dieser Schullehrer war groß und sehr dürr, hatte lange Arme und Beine, und seine Hände ragten unförmig weit aus den Ärmeln seiner Jacke hervor. Seine Füße hätten als Schaufeln dienen können, und seine ganze Gestalt sah schlotternd und wie aus den Fugen geraten aus. Wenn man ihn an einem windigen Tag vom Abhang eines Berges herabsteigen sah und seine Kleider um ihn wehten und flatterten, hätte man ihn für das Gespenst der Hungersnot halten können, das auf die Erde steigt, oder für eine aus dem Kornfeld entlaufene Vogelscheuche.
Als Lehrer war er nachsichtig und milde, und da es den Bewohnern dieser Gegend schwerfiel, sich überhaupt einen Schulmeister zu leisten, machte er sich bei den Pächtern nebenher noch bei der Feldarbeit nützlich, half beim Heumachen, flickte Zäune, ritt die Pferde zur Tränke, trieb das Vieh von der Weide heim und spaltete Holz für den Winter. Auch stellte man ihn gelegentlich als Kindermädchen an, was ihm viel von der gebieterischen Würde nahm, die sonst solchen Personen anhaftet. Zudem war er auch der Gesangslehrer in diesem Landstrich, und seine Stimme war am Sonntag im Kirchenchor aus einer Anzahl schöner Stimmen deutlich herauszuhören.