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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Bob sah auf die Uhr. Noch drei Stunden, dann war er wieder frei. Er mixte sich einen Drink; Dagny blieb bei Tomatensaft. Als Bob ihr das Glas brachte, zog sie ihn zu sich herab und küßte ihn.

Eine schöne Nacht, dachte Bob, als er Dagny lachend zum Bett trug. Ob Nebel oder nicht …

Bob wachte mühsam auf und kämpfte sich durch eine zähe Masse voran, die ihn festhalten wollte. Irgendwo klingelte etwas.

Er bildete sich zunächst ein, das schrille Klingeln gehöre zu einem Traum, dann begriff er, worum es sich handelte: das Telefon.

Er tastete nach dem Telefonhörer.

»Soll ich aufmachen, Doktor Archer?« fragte der Nachtassistent des 250-Zoll-Teleskops.

»Ich dachte, wir hätten wieder Nebel.«

»Der ist seit mehr als einer Stunde weg.«

»Gut, fangen Sie bitte mit der Einstellung an. Ich bin gleich drüben.«

Das war eine leichte Übertreibung. Bob hatte nicht damit gerechnet, sich in aller Eile anziehen zu müssen, und seine Kleidungsstücke waren im ganzen Zimmer verstreut. Außerdem mußte er leise sein, weil er Dagny nicht wecken wollte. Ihr Haar bedeckte fast ihr ganzes Gesicht, so daß Bob nur das Profil auf dem Kissen sah. Wie still sie dalag! Ihre langen dunklen Wimpern so unbeweglich wie die einer Puppe. Die Bettdecke hob und senkte sich nicht im geringsten, als ob Dagny überhaupt nicht atmete.

Er beschloß zu Fuß zu gehen, anstatt mit dem Auto zu fahren. Ihr alter Wagen war ohnehin viel zu laut. Und auf dem Fußweg zum Observatorium brauchte er bestimmt nicht viel länger.

Aber er hatte nicht mit der dünnen Höhenluft gerechnet. Bis er die Kuppel erreichte und die lange Treppe zum Kontrollpult hinter sich brachte, keuchte er und rang nach Atem. Er hing über dem Eisengeländer, von dem das Spiegelteleskop umgeben war, und kam sich wie ein Boxer vor, der groggy in den Seilen hängt.

Die Kuppel war offen, aber das Teleskop stand wie üblich senkrecht.

»Warum haben Sie’s nicht eingestellt?« fragte Bob, als er wieder sprechen konnte.

Der Nachtassistent klopfte seine Pfeife aus. »Ich hatte die Position nicht.«

»Ich habe sie hier auf den Schreibtisch gelegt!«

»Tut mir leid, ich habe sie nirgends gesehen.«

Dann folgten aufregende zehn Minuten, in denen sie den ganzen Schreibtisch, den Fußboden um den Schreibtisch herum, die Schubladen, das Beobachtungsbuch und dann auch noch die Dunkelkammer und das WC durchsuchten. Aber die wichtigen Informationen, ohne die man den winzigen Lichtpunkt weit außerhalb der Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Auges nicht anvisieren konnte, blieben verschwunden. Das ließ nur einen Schluß zu: Bei seinem hastigen Aufbruch hatte Bob die Einstellung und die Identifikationskarte im Hotelzimmer liegenlassen.

Was sollten sie tun?

Mindestens eine Stunde würde vergehen, wenn er die Unterlagen aus dem Hotel holen, das Spiegelteleskop einstellen und die Aufnahme beginnen wollte – vielleicht sogar länger, weil er das betreffende Sternfeld nicht kannte und sein Objekt unter Umständen nicht sofort würde identifizieren können. Im Juli wird es früh hell. Er konnte natürlich anrufen und Dagny bitten, ihm die Werte durchzugeben, aber die Position des Sternfeldes war praktisch wertlos, solange die dazugehörige Identifikationskarte fehlte. Das gesuchte Objekt konnte irgendeiner von einem Dutzend Sterne sein.

Bob suchte eben zum drittenmal seine Taschen durch, als er die Eisentür am Fuß der Treppe ins Schloß fallen hörte. Einen Augenblick lang herrschte Stille, dann kamen langsame Schritte die Treppe herauf. Er und der Nachtassistent wechselten einen fragenden Blick.

»Jemand von den beiden anderen Teleskopen?« fragte Bob.

Der Assistent schüttelte nachdrücklich den Kopf. »Bestimmt nicht. Die haben schon Schluß gemacht.«

»Es muß aber jemand von hier sein. Wer hätte sonst einen Schlüssel?«

»Keine Ahnung«, murmelte der Assistent. »Aber das wird sich gleich herausstellen.«

Er schaltete die Kuppelbeleuchtung aus, so daß nur noch die Instrumente schwachrötlich leuchteten. Bob hörte ihn die eiserne Wendeltreppe bis zum Absatz auf halber Höhe hinuntereilen. Dort waren halblaute Stimmen zu hören, dann entfernten sich Schritte treppab, während der Assistent zurückkehrte. Er gab Bob einen Umschlag.

»Sind das die Unterlagen, die Sie brauchen?«

Bob warf einen Blick in den Umschlag.

»Alles da!« rief er. »Aber wer …«

»Keine Ahnung. Eine blonde Dame hat ihn mir gegeben.«

Das muß Dagny gewesen sein. Sie war vermutlich aufgewacht, hatte den Umschlag auf der Kommode gesehen, Bobs Notlage erkannt und war mit dem Auto herübergekommen. Sie wußte, daß im Handschuhfach ein Schlüssel zur Kuppel lag.

Bob warf einen Blick auf die Standuhr. Fast 23 Uhr. Sie würden rasch arbeiten müssen.

»Gut, hier ist sie also«, erklärte er dem Assistenten und gab ihm die genaue Position.

»Stephans Quintett, was?« fragte der andere.

»Stephans Quintett? – Nein! Unser Objekt liegt viel weiter nördlich im Pegasus.«

»Die Koordinaten sehen aber wie die von Stephans Quintett aus«, stellte der Assistent fest. »Ich habe sie schon oft genug eingestellt.«

Bob runzelte die Stirn, während er die Zahlen auf dem Papierstreifen betrachtete. »Das ist doch Thorntons Schrift, oder?«

Der Assistent blätterte im Beobachtungsbuch.

»Das wird sich gleich herausstellen.«

Er zeigte auf eine von Thornton abgezeichnete Eintragung.

»Ja, das ist seine Schrift«, sagte er. »Die Zahlen sind typisch für ihn – die geschlossene Vier schreibt nur er. Alle anderen lassen sie oben offen.«

»Ich habe die Einstellung direkt von MacGuire bekommen«, erklärte ihm Bob, »und MacGuire hatte sie direkt von Thornton. Folglich bleibt uns nichts anderes übrig, als Stephans Quintett einzustellen.«

Danach kamen sie schnell voran. Wenige Minuten später verglich Bob die Sterne im Blickfeld des Spiegelteleskops mit denen auf seinem Negativabzug. Zum Glück war das Objekt leicht zu identifizieren. Er manövrierte das Abbild in den Spektrografen, suchte sich einen Leitstern und schaffte kurz vor Tagesanbruch noch zwei Aufnahmen.

»Fertig!« rief Bob dem Assistenten triumphierend zu. »Sie können zumachen und nach Hause gehen!«

Bob blieb in der Dunkelkammer, um die Platten zu entwickeln und zu trocknen. Auf diese Weise waren sie gegen Mittag trocken, so daß Dagny und er gleich nach dem Mittagessen zurückfahren konnten. Ein Blick auf die dunklen Streifen auf den Gläsern zeigte ihm, daß er Belichtung und Tiefenschärfe genau richtig eingestellt hatte.

Bob setzte Dagny zu Hause ab, zog sich um und fuhr ins Büro.

»Ich komme bestimmt erst spät nach Hause«, erklärte er ihr. »Ich will mir diese Aufnahmen genau ansehen.«

Es war gut, daß er Dagny gewarnt hatte, denn er kam erst zurück, als es schon dunkel wurde. Nach der Kühle auf Mt. Elsinore kam ihm das Tal wie ein Backofen vor. Bobs Hemd war völlig durchgeschwitzt. Dagny, die ein leichtes Kleid im Empirestil trug, wirkte kühl und heiter wie eine antike Göttin.

Sie saßen einige Minuten schweigend auf der Veranda. Bob trank einen Scotch mit Soda, Dagny blieb wie üblich bei Tomatensaft.

Bob sprach als erster.

»In den vergangenen drei Tagen ist eine Menge passiert«, sagte er.

»So?« fragte Dagny und streichelte Margaritas seidiges Fell.

»Hast du schon von Thornton gehört?«

Dagny schüttelte den Kopf.

»Thornton hat die Bedeckung nicht beobachten können.«

»Nein? War der Himmel über Hawaii auch bewölkt?«

»Thornton ist tot.«

Dagny streichelte Margaritas Fell.

»Tot? – Aber wie …«

Bob zögerte.

»Das steht noch nicht fest. Thornton scheint eine kleine Pause in der Bibliothek des Observatoriums gemacht zu haben. Seine Vorbereitungen waren jedenfalls abgeschlossen, und er hatte noch ein paar Stunden Zeit. Der Nachtassistent glaubt, Stimmen gehört zu haben – dann ist ein Schuß gefallen. Er ist sofort in die Bibliothek geeilt. Thornton war tot. Neben ihm lag ein Revolver.«

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