Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Am 16. Juni 1798 kam er zum zweiten Mal nach Neapel und fand sich zum zweiten Mal in Gegenwart Lady Hamiltons wieder.
Für Nelson war es ein kritischer Zeitpunkt: Er hatte den Auftrag, die französische Flotte im Hafen von Toulon zu blockieren und kein Schiff entrinnen zu lassen, und er hatte mit ansehen müssen, wie ihm diese Flotte entkommen war und Malta erobert hatte, bevor sie in Alexandria dreißigtausend Mann an Land gebracht hatte.
Doch das war noch nicht alles: Nelsons Geschwader war von einem Sturm gebeutelt worden, sein Schiff war in Seenot geraten, es hatte ihm an Wasser und an Lebensmitteln gemangelt, und es war völlig ausgeschlossen gewesen, die Franzosen weiter zu verfolgen; vielmehr hatte das Geschwader in Gibraltar Zuflucht suchen müssen, um die notwendigsten Ausbesserungsarbeiten durchzuführen und sich mit Proviant zu versorgen.
Nelson war so gut wie verloren: Einen Mann, der seit einem Monat im Mittelmeer – anders gesagt, in einem etwas größeren Teich – auf der Suche nach einer Flotte von dreizehn Kriegsschiffen und siebenundachtzig Transportschiffen war, der er sich nicht nur nicht an die Fersen heften konnte, sondern von der er bislang nicht die geringste Spur entdeckt hatte, konnte man mit Fug und Recht für einen Verräter halten; nun musste er den Hof der Könige beider Sizilien dazu bewegen, ihm zu erlauben, in den Häfen von Messina und Syrakus Proviant und in Kalabrien Holz an Bord zu nehmen, um die zerbrochenen Masten und Rahen zu ersetzen. Die Könige Neapels und beider Sizilien hatten jedoch einen Friedensvertrag mit Frankreich unterzeichnet, und dieser Vertrag erlegte ihnen strikteste Neutralität auf; Nelsons Bitte zu erfüllen hätte geheißen, gegen diese Neutralität zu verstoßen und den Vertrag zu brechen.
Ferdinand und Caroline verabscheuten die Franzosen jedoch so abgrundtief und hatten ihnen so unerbittlichen Hass geschworen, dass sie in ihrer Unbesonnenheit Nelson alles gewährten, was er verlangte; in dem Wissen, dass nur ein glanzvoller Sieg ihn retten konnte, verließ Nelson Neapel, verliebter denn je zuvor, verrückter denn je zuvor, besinnungsloser denn je zuvor und mit dem Schwur, zu siegen oder sein Leben zu verlieren.
Er siegte und hätte beinahe sein Leben verloren.
Kein Seegefecht seit der Erfindung des Pulvers und der Verwendung von Kanonen hatte die Meere zum Schauplatz einer ähnlich verheerenden Niederlage gemacht.
Von den dreizehn Kriegsschiffen der französischen Flotte waren nur zwei den Flammen und dem Feind entkommen.
Ein Schiff, die Orient, war explodiert; ein anderes Kriegsschiff und eine Fregatte waren gesunken, und neun Schiffe waren gekapert worden. Nelson hatte sich als wahrer Held erwiesen: Während des ganzen Gefechts hatte er den Tod gesucht, doch der Tod hatte ihn verschmäht; dennoch hatte er eine schwere Verletzung davongetragen: Eine Kanonenkugel, abgefeuert von der untergehenden Guillaume Tell, hatte eine Rahe der Vanguard zerschmettert, und die zerschmetterte Rahe hatte Nelson an der Stirn getroffen, als er den Kopf hob, um zu sehen, was der Grund für das schreckliche Krachen war, das er vernahm; das zersplitterte Holz hatte ihn gewissermaßen skalpiert und ihm die Stirnhaut über das gesunde Auge geschoben, worauf er unter dem Gewicht der Rahe wie ein zu Tode getroffener Stier in seinem Blut auf Deck gestürzt war.
Nelson wähnte sich tödlich getroffen und ließ den Schiffskaplan rufen, um die letzte Ölung zu empfangen und dem Kaplan die letzten Worte an seine Familie zu sagen; mit dem Priester kam jedoch der Arzt, der Nelsons Kopf untersuchte, befand, dass der Schädel unverletzt war, die Haut an ihre Stelle zurückbeförderte und ihn mit einer schwarzen Binde verband. Nelson ergriff das Sprachrohr, das seiner Hand entglitten war, und machte sich mit dem Ruf: »Feuer!« wieder an sein Vernichtungswerk.
Der Hass dieses Mannes auf Frankreich war von der Kraft eines Titanen beseelt.
Am 2. August um acht Uhr abends waren von der französischen Flotte nur noch zwei Schiffe übrig, die sich nach Malta flüchteten.
Ein Schnellsegler brachte dem Hof in Sizilien und der englischen Admiralität die Nachricht von Nelsons Sieg und von der Vernichtung unserer Flotte.
Ganz Europa brach in Jubel aus, der bis nach Asien tönte – so verhasst waren die Franzosen, so großer Abscheu wurde der Französischen Revolution entgegengebracht.
Insbesondere am Hof von Neapel gab man sich einem wahren Freudentaumel hin, nachdem man vor Angst schier von Sinnen gewesen war.
Wie man sich denken kann, war Lady Hamilton die Empfängerin des Briefs, in dem Nelson seinen Sieg verkündete, einen Sieg, der dreißigtausend Franzosen, darunter Bonaparte, in Ägypten festsetzte.
Bonaparte, der Mann von Toulon, der Mann des 13. Vendémiaire, der Mann von Montenotte, von Dego, von Arcole und Rivoli, der Bezwinger Beaulieus, Wurmsers, Alvinczys und Erzherzog Karls, der Schlachtengewinner, der in kaum zwei Jahren mehr als hundertfünfzigtausend Gefangene gemacht hatte, hundertsiebzig Fahnen erobert, fünfhundertfünfzig großkalibrige Kanonen, sechshundert Feldgeschütze und fünf Pontoniereinheiten erbeutet hatte, dieser Mann voller Ehrgeiz, der Europa mit einem Maulwurfshügel verglichen und behauptet hatte, große Reiche und große Revolutionen habe es nur im Orient gegeben, der abenteuerlustige Hauptmann, der als Neunundzwanzigjähriger bereits berühmter war als Hannibal oder Scipio und Ägypten erobern wollte, um nicht hinter Alexander oder Cäsar zurückzustehen – dieser Mann sieht sich ausgesondert, weggeschoben, von der Liste der Kombattanten gestrichen; in dem großen Kriegsspiel ist er mit einem Mal auf einen vom Glück begünstigteren oder geschickteren Gegenspieler gestoßen. Auf dem gewaltigen Schachbrett des Nils mit Obelisken als Bauern, Sphinxen als Springern, Pyramiden als Türmen, wo die Narren Kambyses heißen, die Könige Sesostris und die Königinnen Kleopatra, wurde er schach und schachmatt gesetzt!
Man kann den Schrecken, den die vereinten Namen Frankreichs und Bonapartes den europäischen Herrschern in die Glieder jagten, auf kuriose Weise an den Geschenken ermessen, die Nelson von diesen Herrschern erhielt, von Herrschern, die vor Freude außer sich gerieten, als sie Frankreich erniedrigt sahen und Bonaparte verloren wähnten.
Ihre Auflistung ist ein Leichtes, denn wir entnehmen sie einer von Nelson eigenhändig verfassten Notiz.
Von George III. erhielt er die Pairswürde verliehen und eine Goldmedaille.
Vom Unterhaus erhielt er für sich und seine direkten Erben den Titel eines Barons Nelson of the Nile and of Burnham Thorpe, verbunden mit einer Rente von zweitausend Pfund Sterling ab dem 1. August 1798, dem Tag der Schlacht in der Bucht von Abukir.
Vom Oberhaus erhielt er die gleiche Rente zu den gleichen Bedingungen.
Vom irischen Parlament erhielt er eine Pension von tausend Pfund Sterling.
Von der Ostindien-Kompanie erhielt er eine einmalige Prämie von zehntausend Pfund Sterling.
Vom türkischen Sultan erhielt er eine diamantenbesetzte Spange mit einer seltenen Feder, auf einen Wert von zweitausend Pfund Sterling veranschlagt, sowie eine kostbare Pelzmantille im Wert von tausend Pfund Sterling.
Von der Mutter des Sultans erhielt er eine diamantengeschmückte Dose, auf einen Wert von zwölfhundert Pfund Sterling geschätzt.
Vom König von Sardinien erhielt er eine diamantenbesetzte Tabaksdose, auf ebenfalls zwölfhundert Pfund Sterling veranschlagt.
Von der Insel Zante erhielt er einen Degen mit goldenem Griff und einen Spazierstock mit goldenem Knauf.
Von der Stadt Palermo erhielt er eine Tabaksdose und eine goldene Kette auf silbernem Tablett.
Und von seinem Freund Benjamin Hallowell, Kapitän auf der Swiftsure, erhielt er ein ausgemacht englisches Geschenk, ein Glanzstück unserer Liste, das wir keinesfalls mit Schweigen übergehen wollen. Wir erinnern uns, dass die Orient in die Luft gesprengt worden war; Hallowell hatte den Großmast bergen und an Bord seines Schiffs bringen lassen; aus diesem Mast und seinen Beschlägen ließ er den Schiffsschreiner und den Schiffsschlosser einen Sarg zimmern und beschlagen, mit einer Plakette versehen, die folgendes Echtheitszertifikat enthielt: