Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Championnet verfolgte ihn mit der Inbrunst, wie sie die republikanischen Generäle damals bewiesen. Fünf- bis sechstausend Lazzaroni versuchten das zu tun, was die fünfundsechzigtausend Soldaten des Königs von Neapel nicht vermocht hatten, boten den Franzosen die Stirn, verteidigten die Stadt drei Tage lang und ermöglichten zuletzt die Flucht der königlichen Familie und des englischen Botschafterehepaars aus Neapel.
Die Flucht führte nach Sizilien.
Eines Tages machte sich Kardinal Ruffo in königlichem Auftrag und als Alter Ego des Königs aus Messina auf, um Neapel zurückzuerobern. Währenddessen befand sich Napoleon in Ägypten, wo er durch die Vernichtung seiner Flotte bei Abukir festsaß; die Franzosen waren in Italien geschlagen worden und verloren ihren Ruf der Unbesiegbarkeit.
Ruffo eroberte Kalabrien zurück, danach Neapel und machte erst an der Grenze zu Rom halt.
Ferdinand kehrte nach Neapel zurück, doch ihm voraus ging eine Liste von hundert Personen, die er zum Tode verurteilt hatte, noch bevor sie vor Gericht erscheinen sollten.
Caracciolo hatte als Admiral seine Demission eingereicht und sich als neapolitanischer Bürger genötigt gesehen, seinen Dienst zu verrichten; das war der einzige Vorwurf, den man ihm machen konnte. Kein Gericht hätte gewagt, ihn zu verurteilen; Nelson aber nahm für einen Kuss seiner Emma und für ein Lächeln der Königin das Amt des Henkers auf sich.
Er ließ Caracciolo in seinem Versteck aufspüren, ließ ihn an Bord der Foudroyant bringen, und dort wurde gegen jedes Gesetz der Menschlichkeit ein neapolitanischer Admiral von einem englischen Admiral abgeurteilt und an der Fockrahe seines eigenen Schiffs aufgeknüpft.
Man könnte erwarten, dass Nelson nach seiner Rückkehr in London für die schändlichen Gefälligkeiten, die er dem Hof von Neapel erwiesen hatte, zumindest öffentlich getadelt worden wäre, aber nichts dergleichen geschah.
Als er mit Lady Hamilton nach England zurückkehrte, wurde dort im Gegenteil dem Sieger von Abukir und Neapel ein triumphaler Empfang bereitet: Alle Schiffe auf der Themse hissten seine Flagge, und die Regierung und die Londoner Gilden hießen ihn mit Grußadressen willkommen, als hätte er das Vaterland gerettet; das Volk heftete sich voller Begeisterung an seine Fersen und feierte ihn in der ganzen Stadt mit Ovationen und spontanen Triumphzügen.
In der Umgebung von London erwarb er ein Lusthaus mit Namen Merton House; dort versteckte er seine Liebe, seinen Ruhm und seine Gewissensbisse; Emma Lyon gebar ihm eine Tochter, die auf den Namen Horatia getauft wurde.
Der Krieg in der Ostsee rief ihn in den Dienst zurück; er befehligte die Flotte, die den Hafen von Kopenhagen unterwarf und die dänische Flotte in Brand steckte. Bei dieser Seeschlacht geschah es, dass er, als er die Ordres des Admirals signalisiert bekam, das Fernrohr vor das erblindete Auge hielt und sagte: »Ich sehe nichts«, obwohl man ihm beteuerte, der Admiral befehle, das Feuer einzustellen.
Diese Antwort, würdig eines Alarik oder eines Attila, die bei allen zivilisierten Völkern bestraft worden wäre, umkränzte seinen Namen in London mit Ruhm und im übrigen Europa mit Schrecken.
Er kehrte im Triumph nach England zurück und wurde vom König zum Ritter geschlagen.
Er war das einzige Gegengewicht, das Großbritannien gegen Napoleon aufbieten konnte. Dieser setzte jedoch seinen Zweikampf gegen England fort.
Seit achtzehn Monaten hatte Napoleon in allen französischen und holländischen Häfen alles angesammelt, was eine Landung in England befürchten ließ. Fünf- bis sechshundert Kanonenboote lagen zwischen Dünkirchen und Abbeville einsatzbereit im Hafen; sie konnten jederzeit die in Boulogne am Ufer kampierenden Truppen übersetzen und die Küste Großbritanniens mit einer Armee überschwemmen, die so unüberwindlich gewesen wäre wie das Heer Wilhelms des Eroberers.
England belächelte zwar die Nussschalen Monsieur Bonapartes, wie es seine Flotte zu nennen beliebte, doch die bedrohliche Truppenansammlung in seiner Sichtweite nahm es ernst. Seine Geschwader überwachten den Ärmelkanal und schnitten unseren Kanonenbooten den Weg nach London ab.
Napoleon wollte den Angriff auf dem Seeweg erst wagen, sobald er eine Flotte von sechzig bis achtzig Kriegsschiffen vereinigt hatte, die im Ärmelkanal die Schlacht gegen England aufnehmen konnte. Wenig kümmerte ihn der Ausgang des Gefechts, Sieg oder Niederlage, solange er die englische Flotte einen Tag lang ablenken und ungehindert hundertfünfzigtausend oder zweihunderttausend Soldaten an Land absetzen konnte. Doch die französischen Schiffe waren durch die britische Seeblockade in den Häfen von Escaut und Brest, in Toulon und in Cadiz festgesetzt; um sich zu einer Flotte zusammenzufinden, die es mit der englischen Flotte aufnehmen konnte oder ihr gar überlegen war, hätten sie einer schier unvorstellbaren Mischung aus Zauberkraft, Schläue und Kühnheit bedurft. Doch keiner unserer Admiräle in Frankreich, Holland oder Spanien war der herausragende Geist, der befähigt gewesen wäre, mit dem Mut der Verzweiflung jene heroischen Manöver zu vollbringen, die aller Wahrscheinlichkeit spotten[7].
Furchtsamen Geistes, wenn auch tapferen Herzens, verloren sie angesichts der Verantwortung, der sich zu stellen von ihnen verlangt wurde, jeden Mut. Sie begriffen nicht, was der Befehl bedeutete, der lautete: »Lassen Sie sich schlagen, wenn Sie den Gegner nicht schlagen können, aber kämpfen Sie!« Sie begriffen nicht, dass es um jeden Preis zu verhindern galt, dass die englische Flotte London Entsatz brachte, und dass es Napoleons gegen England gerichteten Invasionsplänen diente, wenn die englischen Schiffe fünfhundert Meilen vom Ärmelkanal entfernt aufgehalten wurden.
Der Krieg zu Lande erfordert nichts als Tapferkeit; der Seekrieg erfordert Heldenmut und Umsicht.
Ein besiegtes, dezimiertes, in die Flucht geschlagenes Heer sammelt sich, ordnet sich, bildet sich neu, aber ein gestrandetes oder verbranntes Geschwader reißt seine Besatzung mit in das Verderben und hinterlässt nur brennendes Treibgut an der Meeresoberfläche.
Das wussten die Engländer so gut wie Napoleon. Ohne die geringste Aussicht darauf, seine verstreuten Geschwader zusammenzuziehen, träumte er davon, aus den Häfen von Toulon und Brest zwei Geschwader mit vierzig- bis fünfzigtausend Kombattanten an Bord auslaufen zu lassen und sie auf zwei Wegen in den Indischen Ozean zu führen. Diese beiden Flotten würden unweigerlich die Engländer als Verfolger auf den Plan rufen, und während die englischen Geschwader damit beschäftigt wären, ihre indischen Seewege zu schützen, gäbe ihm dies möglicherweise genug Zeit, seine Landungstruppen über den Ärmelkanal zu bringen und zu tun, was Cäsar und Wilhelm der Eroberer vor ihm getan hatten.
Doch das schiere Ausmaß dieses Vorhabens hatte seine Geduld bald ermüdet; er war auf ein anderes Vorhaben zurückgekommen, das sich einfacher und erfolgversprechender ausnahm. Es bestand darin, den Hauptteil der englischen Geschwader aus dem Ärmelkanal wegzulocken; auf Napoleons Befehl war Admiral Villeneuve, dem er das Oberkommando über die vereinten französischen und spanischen Seestreitkräfte übertragen wollte, mit dreizehn Kriegsschiffen und einigen Fregatten aus dem Hafen von Toulon ausgelaufen.
In Cadiz hatte er sich mit den spanischen Geschwadern unter Admiral Gravina vereinigt, und von dort hatte er den Atlantik überquert und sich vor den Antillen dem Geschwader Admiral Missiessys angeschlossen, das sechzig Kriegsschiffe stark war; Admiral Ganteaume, der die Flotte von Brest kommandierte, hatte Befehl, den ersten Sturm zu nutzen, der den englischen Admiral Cornwallis daran hindern würde, vor Brest zu kreuzen, und sich bei Martinique Villeneuve, Gravina und Missiessy anzuschließen. Diese Flotte sollte den Engländern ihre Besitzungen auf den Antillen streitig machen, sollte dann alle Segel setzen und Kurs auf Frankreich nehmen, verfolgt von den englischen Geschwadern, und sich mit diesen in europäischen Gewässern ein Seegefecht liefern, nach dessen Verlauf sie in den Ärmelkanal segeln sollten, siegreich oder geschlagen, um sich an der Invasion Englands zu beteiligen.
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Sehr schöne Wendung Lamartines.