Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Ein Lächeln des Triumphs zeigte sich auf dem dicken Gesicht Monsieur Rondeaus, das aufblühte wie eine Pfingstrose.
»Wenn Monsieur«, sagte er, »mir nicht die Ehre erweisen will, die Klinge mit mir zu kreuzen, wollen wir es auf später verschieben.«
René verneigte sich, und Surcouf hängte Maske und Florett dort auf, wo er sie geholt hatte.
In der Tat war zum Essen gerufen worden, denn nun sah man Madame Decaen die ersten Stufen des Perrons hinunterkommen.
Die Herren begaben sich zum Haus; der Sohn Monsieur Decaens eilte wie ein Schüler, der seine Mutter seit dem Morgen nicht mehr gesehen hat, zu Madame Decaen und warf ihr die Arme um den Hals.
Man begrüßte einander, wechselte einige Artigkeiten, und als alle darauf warteten, dass der Kavalier für Madame Decaen benannt werde, sagte der Generaclass="underline" »Monsieur René, reichen Sie Ihren Arm Madame Decaen.«
René verneigte sich, reichte Madame Deacen seinen Arm und führte sie in das Speisezimmer.
Wie üblich verlief der erste Gang unter dem ausschließlichen Geklirr von Gabeln und Löffeln auf den Tellern; dann lehnte Monsieur Rondeau sich zurück, seufzte tief und wohlig und sagte zu René: »Monsieur René, in der Pause des Theaterstücks gestern habe ich im Café de la Comédie ein Eis zu mir genommen, und da ich sah, dass Neugierige einen Mann umringten, habe ich zugehört, was dieser Mann zu erzählen hatte; offenbar war es ein Matrose, der aus Birma zurückkam. Er tischte so ungeheuerliche Lügenmärchen über seinen Kapitän auf, dass ich mir das Lachen nicht verbeißen konnte.«
»Und was hat er behauptet, Monsieur Rondeau?«, fragte René.
»Er hat behauptet, sein Kapitän hätte mit einem einzigen Hieb eines Entersäbels eine Boa zerteilt, die zwei Elefanten zu erdrücken drohte.«
»Und darüber mussten Sie lachen, Monsieur Rondeau?«
»Aber gewiss doch!«
»Ich kann Ihnen versichern, dass Sie es nicht zum Lachen gefunden hätten, wenn Sie dabei gewesen wären.«
»Halten Sie mich für einen Feigling, Monsieur René?«
»Das habe ich nicht behauptet, Monsieur, doch es gibt Dinge, deren Anblick die Tapfersten einschüchtert. Und derjenige, den Sie gestern hörten, der zwei Tigerjunge am Genick aus dem Dschungel mitgebracht hat und der wie ein Kind zu zittern begann, als er die abscheuliche Schlange erblickte – dieser Mann ist alles andere als ein Feigling, das kann ich Ihnen versichern.«
»Aber ein Scherzbold war er auf jeden Fall«, erwiderte Monsieur Rondeau, »denn er sagte, die Schlange wäre mindestens siebenundfünfzig Fuß lang gewesen.«
»Nicht er hat sie gemessen, ich war es«, erwiderte René gelassen.
»Also sind Sie sein Kapitän?«
»Ja, Monsieur, falls dieser Mann zufällig François heißt.«
»O ja, ja doch, so wurde er von den anderen genannt. Und die Schlange hat tatsächlich zwei Elefanten erdrosselt?«
»Dass sie sie erdrosselt hat, will ich nicht behaupten, aber ich weiß, dass die Knochen der Elefanten knackten, als würden sie von einem Jagdhund zerbissen, obwohl die Schlange in den letzten Zügen lag, denn ich hatte ihr bereits mit zwei Kugeln den Kopf zerschmettert.«
Madame Decaen warf ihrem Gast einen erstaunten Blick zu, und Alfred betrachtete ihn mit unverhohlener Neugier.
»Aber wenn Sie von meinem Freund René gehört haben«, sagte Surcouf, »dann haben Sie noch viel sagenhaftere Dinge zu hören bekommen. Am hiesigen Quai Chien-de-Plomb hat er sich vor den Augen aller einen Kampf mit einem Hai geliefert, der für den Hai ebenso schlecht ausging wie für die Boa.«
»Wie«, sagte Monsieur Rondeau, »Sie waren es, der den Hai entleibt hat, der den Matrosen verfolgte?«
»Ja, Monsieur, aber wie Sie wissen, ist so etwas nicht weiter schwierig; es erfordert nur ein wenig Geschick und ein scharfes Messer.«
»Der Mann hat noch eine andere Geschichte erzählt«, fuhr der wackere und ehrbare Monsieur Rondeau fort, der offenbar beschlossen hatte, sich zum Narren zu machen, koste es, was es wolle. »Er hat erzählt, sein Kapitän hätte auf einen Tiger angelegt, der zwanzig Fuß entfernt aus dem Dschungel kam, und bevor er schoss, hätte er gesagt: ›Auf Philipps rechtes Auge.‹ Ich weiß nicht mehr recht, ob es das rechte oder das linke Auge war, aber das macht nichts, denn der Matrose hatte den Sinn dieser Worte ebenso wenig verstanden wie ich.«
General Decaen brach in Gelächter aus.
»General«, sagte René, »seien Sie so gütig, Monsieur Rondeau die Geschichte des Aster zu erzählen; erzählte ich sie, liefe ich Gefahr, für einen Aufschneider gehalten zu werden.«
»Mein lieber Monsieur Rondeau«, sagte der General, »Aster war ein sehr gewandter Bogenschütze der Stadt Amphipolis, der von Philipp schlecht behandelt wurde; er verließ seine Heimat und ließ sich in Methone nieder, das bald darauf von Philipp belagert wurde. Aster aber wollte sich an Philipp rächen, und da er wollte, dass Philipp davon erfuhr, schrieb er auf einen Pfeiclass="underline" ›Von Aster auf Philipps rechtes Auge.‹ In der Tat verlor Philipp nicht nur sein rechtes Auge, sondern dachte gar, er müsse an der Verletzung sterben. Und er ließ einen Pfeil in die Stadt schicken, auf dem stand: ›Wenn Methone fällt, wird Aster gehängt.‹ Der makedonische König nahm Methone ein und hielt sein Wort. Das ist die Geschichte, Monsieur Rondeau, und ich versichere Ihnen, dass sie zumindest historisch verbürgt ist.«
»Teufel auch, Teufel auch! Aber so eine Geschicklichkeit kann sich mit der Ihrigen messen, Monsieur René!«
»Ich sehe schon, Monsieur Rondeau«, sagte René, »dass Sie nicht lockerlassen und sich mit meiner Weigerung zu fechten nicht abfinden wollen. Nach dem Essen stehe ich zu Ihrer Verfügung, und wenn Sie sich mit meinen Bedingungen einverstanden erklären, will ich Ihnen mein Wort geben, dass Ihnen der Waffengang früher lästig fallen wird als mir.«
Von diesem Augenblick an unterhielt man sich wieder über andere Gegenstände; doch Madame Decaen und Alfred, die begierig darauf waren, Rondeau unterliegen zu sehen, beeilten sich, das Gespräch zu beenden, und schlugen vor, Café und Digestif in der Rüstkammer servieren zu lassen.
Man begab sich dorthin, und Monsieur Rondeau, dessen Bauch sich stärker zu runden begann, als seine Eitelkeit gutheißen konnte, trat voller Selbstvertrauen als einer der Ersten in den Raum.
»Was schlagen Sie vor, Monsieur René?«, fragte der General.
»Sagten Sie mir nicht, General, dass Madame Decaen die Schutzherrin der Armen sei?«, fragte René und verbeugte sich bei diesen Worten vor Madame Decaen. »Ich schlage deshalb vor, dass Monsieur Rondeau und ich jedes Mal, wenn einer von uns fünfmal getroffen wird, ohne zu parieren, tausend Francs bezahlen.«
»Oho!«, sagte Monsieur Rondeau und lachte unmäßig, »diese Wette kann ich halten.«
Monsieur Rondeau ergriff ein Florett, rieb die Klinge an seiner Schuhsohle, fuhr damit durch die Luft, bog sie, und da die Waffe ihm offenbar zusagte, ging er in Auslage.
René ergriff die erstbeste Waffe, salutierte und ging ebenfalls in Auslage. »Bitte sehr, Monsieur«, sagte er.
Monseur Rondeau führte schnell hintereinander drei Hiebe, die sein gutes Augenmerk und seine sichere Hand bewiesen, doch alle drei Hiebe parierte René mühelos.
»Nun bin ich an der Reihe«, sagte René.
Die Kombattanten gingen wieder in Auslage, und diesmal fielen die Hiebe wie drei Blitze.
»Eins, zwei, drei«, zählte René laut mit.
Jeder der Hiebe hatte Monsieur Rondeau touchiert.
René wendete sich zu den Zuschauern um, die einstimmig riefen: »Drei Treffer!«
»Nun wieder Sie, Monsieur«, sagte René, »doch ich sage Ihnen im Voraus, dass ich Paraden und Riposten nur mit geraden Stößen führen werde; ich sage es im Voraus, damit Sie mich nicht für raffinierter oder kundiger halten, als ich bin, und Sie sich nicht mit Ihren Paraden verkünsteln.«