Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Ich bestätige, dass dieser Sarg ausnahmslos aus Holz und Eisen gefertigt ist, die von dem Schiff L’Orient stammen und in der Bucht von Abukir auf das von mir befehligte Schiff Seiner Majestät gebracht wurden.
BEN HALLOWELL
Den solchermaßen beglaubigten Sarg machte er Nelson zum Geschenk und legte folgendes Begleitschreiben bei:
An den ehrenwerten Sir Nelson, Ritter des Bath-Ordens
Mein werter Herr, in Begleitung dieses Schreibens übersende ich Ihnen einen Sarg, der aus dem Mast des französischen Schiffs L’Orient gefertigt ist, damit Sie, wenn Sie dereinst dieses Leben verlassen, vorerst in Ihren eigenen Trophäen ruhen können. Daß dieser Tag noch in weiter Ferne weilen möge, ist aufrichtiger Wunsch Ihres gehorsamen und ergebenen Dieners
BEN HALLOWELL
Verschweigen wir nicht, dass von allen Geschenken, die ihm gemacht wurden, dieses letzte Nelson am meisten berührt zu haben scheint; er nahm es mit merklicher Befriedigung entgegen und ließ es in seiner Kabine an der Wand aufstellen, unmittelbar hinter dem Sessel, auf dem er zu sitzen pflegte, wenn er speiste. Ein alter Diener, den dieses posthume Möbel mit Kummer erfüllte, konnte den Admiral dazu bewegen, es auf das Unterdeck bringen zu lassen.
Als Nelson die entsetzlich zugerichtete Vanguard gegen die Fulminant eintauschte, blieb der Sarg monatelang auf der Back stehen, bis man einen Platz für ihn fand. Als die Offiziere der Fulminant eines Tages das Geschenk Kapitän Hallowells bewunderten, rief Nelson ihnen aus seiner Kajüte zu: »Bewundern Sie nur nach Herzenslust, meine Herren, aber für Sie ist er nicht bestimmt.«
Und sobald sich die Gelegenheit ergab, ließ Nelson den Sarg nach England zu seinem Möbelbezieher schicken, den er bat, ihn umgehend mit Samt auszuschlagen, da angesichts des Gewerbes, das er ausübte, jederzeit die Notwendigkeit eintreten konnte, den Sarg zu gebrauchen, und er ihn unbedingt gebrauchsfertig zur Hand haben wollte.
Es erübrigt sich zu sagen, dass Nelson, als er sieben Jahre später bei Trafalgar fiel, in seinem Sarg beerdigt wurde.
Doch kehren wir zu unserer Erzählung zurück.
88
Emma Lyon
Als Strafe für den Sieger von Abukir und von Trafalgar hat Gottes Gerechtigkeit Sorge getragen, dass der Name Emma Lyon für alle Zeiten mit dem Namen Nelson verbunden bleiben wird.
Wir berichteten, dass Nelson ein Schnellboot mit der Nachricht von dem Sieg bei Abukir nach Neapel und London geschickt hatte.
Sobald Emma Nelsons Siegesmeldung erhalten hatte – denn an sie war sie gerichtet -, eilte sie zu Königin Caroline und hielt ihr den geöffneten Brief hin. Die Königin warf einen Blick auf das Schreiben und stieß einen Freudenruf oder eher ein Freudengebrüll aus.
Und ohne sich um den französischen Botschafter Garat zu scheren, der Ludwig XVI. sein Todesurteil vorgelesen hatte und den das Direktorium zweifellos als Warnung an die Adresse der neapolitanischen Monarchen als Botschafter zu ihnen geschickt hatte, befahl die Königin, die glaubte, von Frankreich nichts mehr zu befürchten zu haben, dass nachdrücklich, ostentativ und unbekümmert alle Vorbereitungen zu treffen seien, um Nelson wie einen Triumphator in Neapel zu empfangen.
Caroline, die nicht müde wurde zu verkünden, sie sei Nelson stärker verpflichtet als andere, da sie sich doppelt bedroht gesehen hatte – einerseits durch die Anwesenheit französischer Truppen in Rom, andererseits durch die Proklamation der Römischen Republik -, wollte nicht hinter den anderen Souveränen zurückstehen und ließ ihren Liebhaber, den Premierminister Acton, dem König die Ernennung Nelsons zum Herzog von Bronte (benannt nach einem der drei Kyklopen, die den Donner schmieden) zum Unterzeichnen vorlegen, verbunden mit einer Jahresrente von dreitausend Pfund Sterling, indes der König Nelson beim Überreichen der Ernennungsurkunde das Schwert verehrte, das Ludwig XIV. seinem Sohn Philipp V. geschenkt hatte, als er nach Spanien aufbrach, um dort König zu sein, und das dieser wiederum seinem Sohn Don Carlos geschenkt hatte, als er aufbrach, um Neapel zu erobern.
Neben seinem unermesslichen historischen Wert wurde dieses Schwert, das nach den Worten Karls III. nur in die Hände von Verteidigern oder Rettern des Königreichs beider Sizilien gelangen durfte, der Diamanten wegen, die es verzierten, auf einen materiellen Wert von fünftausend Pfund Sterling geschätzt, anders gesagt hundertfünfundzwanzigtausend Francs.
Die Königin hatte sich vorbehalten, Nelson ein Geschenk zu machen, dem in seinen Augen kein Titel und keine Gunst aller Könige der Welt gleichkommen konnten: Sie hatte sich vorbehalten, ihm Emma Lyon zu schenken, den Gegenstand seiner glühendsten Träume seit fünf Jahren.
Am Morgen des Tages, an dem Nelson in Neapel erwartet wurde, hatte die Königin Emma Hamilton die dunkelbraunen Haare aus der Stirn gestrichen, einen Kuss auf die engelsgleiche Stirn gedrückt, hinter der sich so viele Lügen verbargen, und hatte zu ihrer Freundin gesagt: »Liebste Emma, damit ich König bleiben kann und du Königin bleiben kannst, müssen wir diesen Mann für uns gewinnen, und damit wir ihn gewinnen, musst du dich ihm hingeben.«
Emma hatte den Blick gesenkt, ohne zu antworten, hatte die Hände der Königin ergriffen und mit leidenschaftlichen Küssen bedeckt.
Wir müssen erklären, wie es möglich war, dass Caroline Marie es wagen konnte, sich Lady Hamilton, der Gattin des englischen Botschafters, mit einem solchen Wunsch oder besser Befehl zu nähern.
Emma war die Tochter einer armen Bäuerin aus Wales. Zeitlebens wusste sie weder ihr Alter noch den Ort ihrer Geburt. Soweit sie sich überhaupt erinnern konnte, entsann sie sich ihrer selbst als eines dreioder vierjährigen Kleinkinds, das mit nackten Füßen mitten in Nacht und Nebel einen Pfad in den Bergen eines nördlichen Landes geht, sich mit seiner kleinen eisig kalten Hand an den Kleidern seiner Mutter festhält, einer armen Bäuerin, die das Kind trug, wenn es vor Müdigkeit nicht mehr gehen konnte oder wenn es Bäche zu überqueren galt, die den Weg kreuzten.
Sie entsann sich, dass sie unterwegs unter Hunger und Kälte gelitten hatte.
Und sie entsann sich, dass ihre Mutter, als sie durch ein Dorf kamen, vor der Tür eines Hauses wohlhabender Leute oder vor einer Bäckerei stehen geblieben war und mit flehender Stimme um etwas Geld gebettelt hatte, das ihr fast nie gegeben wurde, oder um etwas Brot, das man ihr fast immer gab.
Zuletzt erreichten die zwei Reisenden das Ziel ihrer Wanderung, die kleine Stadt Flint. Dort waren Emmas Mutter und ihr Vater John Lyon geboren. John Lyon hatte auf der Suche nach Arbeit die Grafschaft Flint verlassen und war nach Cheshire gegangen. Seine Arbeit war ihm nicht gut bekommen. John Lyon war jung und arm gestorben, und seine Witwe kehrte in ihren Heimatort zurück in der Ungewissheit, ob die Heimat sich ihr wohltätig oder herzlos erweisen würde.
Und wie in einem Traum sah Emma sich wieder an einem Berghang, an dem sie eine kleine Herde von vier, fünf Schafen hütete, die an einer Quelle tranken, in der Emma sich spiegelte, um zu sehen, wie ihr die Blumenkränze standen, mit denen sie sich schmückte.
Dann kam ein kleiner Geldbetrag in den bescheidenen Haushalt, den ein Graf Halifax gespendet hatte und der sowohl für den Unterhalt der Mutter als auch für die Erziehung der Tochter bestimmt war.