Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Monsieur Rondeau verbiss sich ein Lächeln und sagte: »Ich bin bereit, Monsieur.«
In der Tat führte er zwei Hiebe, die René wie vorausgesagt mit zwei geraden Stößen als Riposten erwiderte.
Die zweite Riposte war unbestreitbar erfolgt, denn das Florett war an der Brust des Bankiers zerbrochen.
»Madame«, sagte René, der sich vor Madame Decaen verneigte, »Monsieur schuldet Ihnen tausend Francs für die Armen.«
»Ich bestehe auf meiner Revanche«, sagte Monsieur Rondeau.
»Mit Vergnügen«, erwiderte René. »Gehen wir in Auslage.«
»O nein, nicht mit dem Florett! Mit dem Florett sind Sie mir haushoch überlegen; versuchen wir es mit Pistolen.«
Alfred holte sogleich Pistolen herbei.
»Wir schießen mit jeder Pistole nur einmal, nicht wahr?«, sagte René zu Monsieur Rondeau. »Nicht dass man in Port-Louis denkt, die Insel würde belagert.«
»Einverstanden«, sagte Monsieur Rondeau. »Worauf wollen wir zielen?«
»Warten Sie«, sagte René, »das ist ganz einfach.«
Und ohne sich die Mühe zu machen zu zielen, ergriff er eine der Pistolen, feuerte und schoss die Kugel in den Stamm einer etwa fünfundzwanzig Schritt entfernten Palme.
»Sehen Sie das Einschussloch?«, fragte er Monsieur Rondeau.
»O ja, ganz deutlich«, erwiderte dieser und griff zu einer Pistole.
»Die Kugel, die dem Loch am nächsten kommt, hat gewonnen«, sagte René.
»Einverstanden«, sagte Monsieur Rondeau.
Er zielte so sorgfältig, dass man merkte, wie ernst er seine Revanche nahm, und seine Kugel traf den Baumstamm einen Fingerbreit neben der ersten Kugel.
»Ha!«, sagte der Schütze und wiegte sich in den Hüften, »gar nicht so übel für den Schuss eines Bankiers.«
René ergriff ebenfalls eine Pistole, zielte und schoss.
»Sehen Sie nach, meine Herren, und entscheiden Sie, wer am besten getroffen hat.«
General Decaen, Surcouf, Alfred und selbstverständlich Monsieur Rondeau liefen voller Neugier zu dem Baum, der als Zielscheibe gedient hatte.
»Ha, meiner Treu!«, rief Monsieur Rondeau. »Entweder sehe ich nicht richtig, oder Sie haben nicht einmal den Baum getroffen!«
»Sie sehen nicht richtig, Monsieur«, antwortete René.
»Wie das? Ich sehe nicht richtig?«, fragte Monsieur Rondeau.
»Ja, denn Sie suchen an der falschen Stelle. Sehen Sie im ersten Einschussloch nach.«
»Und dann?«, fragte Monsieur Rondeau.
»Da finden Sie eine Kugel.«
»So ist es.«
»Holen Sie sie heraus.«
»Hier ist sie.«
»Jetzt fassen Sie noch einmal hinein.«
»Wieso soll ich noch einmal hineinfassen?«
»Tun Sie es einfach.«
Monsieur Rondeau suchte und erstarrte vor Verblüffung.
»Sind Sie auf eine zweite Kugel gestoßen?«, fragte René.
»So ist es, Monsieur!«
»Richtig! Ich habe die zweite Kugel auf die erste gefeuert, denn näher als in dasselbe Loch konnte ich sie nicht schießen.«
Schweigen trat ein; sogar Surcouf musste diese schier unglaubliche Gewandtheit bestaunen.
»Wünschen Sie eine dritte Revanche mit dem Gewehr, Monsieur Rondeau?«, fragte René.
»Ha, meiner Treu, nein!«, erwiderte dieser.
»Dabei wollte ich Ihnen etwas ganz Einfaches vorschlagen.«
»Und was wäre das?«
»Eine der Fledermäuse, die über uns fliegen, mit dem Gewehr zu erlegen.«
»Sie schießen mit dem Gewehr auf Fledermäuse?«, fragte Monsieur Rondeau.
»Warum nicht?«, erwiderte René. »Ich schieße ja auch mit der Pistole auf sie.«
Und mit diesen Worten nahm er die vierte, noch nicht abgeschossene Pistole und holte eine Fledermaus aus der Luft, deren Pech sie in die Nähe der Rüstkammer geführt hatte.
Auch an diesem Abend kam René nicht dazu, dem Gouverneur der Île de France zu sagen, um welchen Gefallen er ihn bitten wollte.
86
Aufbruch
Am Tag darauf fand René sich um elf Uhr vormittags zum dritten Mal im Regierungspalast ein.
Diesmal wurde er nicht als Gast willkommen geheißen, sondern als Freund. Renés offenes, ungekünsteltes und großzügiges Wesen hatte den Gouverneur der Insel für ihn eingenommen, und nun kam ihm Monsieur Decaen mit ausgebreiteten Armen entgegen und befahl den Türstehern, niemanden vorzulassen.
»Diesmal wird man uns nicht stören, lieber Monsieur René; ich habe nicht vergessen, dass ich Ihnen einen Gefallen schuldig bin, der meine Dankesschuld mindern wird. Was wünschen Sie von mir?«
»Ich sagte es Ihnen bereits, General, ich wünsche mir eine Gelegenheit, ums Leben zu kommen.«
»Mein lieber Monsieur René«, sagte der General schulterzuckend, »kommen Sie wieder auf diesen Scherz zurück?«
»Ich scherze nicht im Geringsten«, sagte René, »sondern ich bin des Lebens so überdrüssig, wie man es nur sein kann; wäre ich verrückt oder verdrießlich genug, würde ich mir eine Kugel in den Kopf schießen, aber das wäre der lächerliche Tod eines Umnachteten, der niemandem etwas nützen würde. Stürbe ich dagegen für Frankreich, wäre mein Tod nützlich und ruhmvoll, und ich wäre ein Held. Machen Sie mich zum Helden, mein General, es wird nicht weiter schwierig sein.«
»Was brauchen Sie dafür?«
»Zuallererst brauche ich die letzten Neuigkeiten aus Frankreich. Ich habe von einer Koalition gegen Frankreich gehört. In Kalkutta war dies das Tagesgespräch. Wissen Sie, wie es in dieser Sache steht, und können Sie mir mehr darüber mitteilen?«
»Ich dachte, wir wären immer noch in Boulogne und damit beschäftigt, Flachboote zu bauen und durch den Nebel des Ärmelkanals London zu observieren.«
»Aber dass es Krieg geben wird, glauben Sie, General, oder?«
»Mehr als das, ich bin fest davon überzeugt.«
»Sehr gut! Und nicht ich preise mich Ihnen an, General, sondern mein Lob wird von Freunden gesungen, fast dürfte ich sagen, sogar von Feinden. Können Sie sich vorstellen, dass jemand wie ich, der weder Gott noch Teufel fürchtet, der vier Sprachen spricht, der bereit ist, auf Anweisung Wasser oder Feuer zu durchqueren, unserem Land von Nutzen sein kann?«
»Ob ich mir das vorstellen kann? Zum Henker, davon bin ich felsenfest überzeugt! Und wenn das meine Hilfe dabei sein soll, dass Sie sich um Ihr Leben bringen, dann verfügen Sie über mich.«
»Bliebe ich mit meiner Slup mit zwölf Kanonen hier, wäre ich von keinerlei Nutzen; ich stürbe unbekannt und unnütz, wie ich vorhin sagte. Fände ich aber Gelegenheit, die Fähigkeiten, die Gott mir gegeben hat, einzusetzen, dann könnte ich mir einen Namen machen, es zu etwas bringen und das Ziel erreichen, das Gegenstand all meines Bestrebens ist.«
»Nun gut, und wie kann ich Ihnen dabei helfen?«, fragte der Gouverneur.
»Sie können Folgendes tun: Sie können schriftlich festhalten, dass das Gute, das Sie über mich gehört haben, der Ruf der Tapferkeit, den ich mir in Indien erworben habe, Sie veranlassen, mich nach Frankreich zu schicken und mich zu empfehlen...«
»Dem Minister?«, unterbrach ihn der General.
»O nein! Auf gar keinen Fall, nein, im Gegenteiclass="underline" dem Kapitän des erstbesten Kriegsschiffs, dem ich begegnen werde. Mit einer solchen Empfehlung von Ihnen wird jeder Kapitän mich freudig als Offizier an Bord nehmen. Auf diesen Rang habe ich ein Recht, denn unter Surcouf habe ich als erster Offizier kommandiert, und ich habe als Kapitän einer Kriegsslup die Fahrt nach Indien unternommen. Ich weiß wohl, dass mein Schiff nicht allzu groß ist, doch wenn mir mit einer Slup gelungen ist, was man mit einer Brigg bewerkstelligt, dann beweist das, dass ich mit einer Brigg leisten kann, was man mit einer Korvette vermag, und mit einer Korvette, was man mit einem Linienschiff vermag.«