Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Der junge Sir Charles Grenville aus der vornehmen Familie jenes Warwick, den man den Königsmacher nannte, Neffe Sir William Hamiltons, kam aus Neugier, erblickte Emma Lyon und entflammte angesichts ihrer überwältigenden Schönheit in Liebe. Der junge Lord machte Emma die verlockendsten Versprechungen, doch sie behauptete, dem Wunderdoktor Dank zu schulden, widerstand allen Verführungsversuchen und erklärte, sie sei nur bereit, ihren Liebhaber zu verlassen, um einem Ehemann zu folgen.
Sir Charles gab Emma sein Wort als Edelmann, sie zu heiraten, sobald er mündig wurde. Und Emma war einverstanden, sich von ihm entführen zu lassen.
Das Liebespaar lebte wie Mann und Frau, und auf Sir Charles’ Ehrenwort hin wurden drei Kinder geboren, die durch die Eheschließung legitimiert werden sollten.
Durch Veränderungen in dem Ministerium, zu dessen Mitarbeitern Grenville zählte, verlor er den Posten, dem er den Großteil seiner Einkünfte verdankte. Glücklicherweise geschah dies erst nach drei Jahren Zusammenlebens, als Emma dank der Unterweisung durch die besten Londoner Lehrer gewaltige Fortschritte im Musizieren und Zeichnen gemacht hatte; und nicht nur in der Muttersprache drückte sie sich nun gewandt aus, sondern sie sprach auch Französisch und Italienisch, konnte Verse rezitieren wie eine zweite Mrs. Siddons und beherrschte die Kunst der Pantomime und des Posierens.
Grenville war nicht bereit, seine Ausgaben zu verringern, obwohl er sein Einkommen eingebüßt hatte, sondern schrieb seinem Onkel und bat ihn um Geld. Den ersten Gesuchen gab der Onkel statt; doch dann erwiderte Sir William auf ein weiteres Ersuchen, er stehe im Begriff, nach London zu reisen, und wolle die Reise nutzen, um sich mit den Finanzen seines Neffen zu befassen.
Diese Ankündigung erschreckte die zwei jungen Leute nicht wenig; Sir Williams Ankunft wurde von ihnen im gleichen Maße herbeigesehnt wie gefürchtet. Und eines Tages wurde er bei ihnen vorstellig, ohne sich vorher angekündigt zu haben. Er hielt sich seit acht Tagen in London auf.
Diese acht Tage hatte Sir William darauf verwendet, Auskünfte über seinen Neffen einzuholen, und diejenigen, die er befragt hatte, hatten nicht gesäumt, ihm zu erklären, dass an den Missständen und der finanziellen Misere seines Neffen eine Straßendirne schuld sei, mit der er drei Kinder habe.
Emma zog sich in ihr Zimmer zurück und ließ ihren Geliebten mit seinem Onkel allein; dieser sagte ihm klipp und klar, dass er entweder auf der Stelle auf Emmy Lyon verzichten müsse oder von ihm enterbt werden würde.
Dann verabschiedete er sich und gab seinem Neffen drei Tage Bedenkzeit.
Die letzte Hoffnung des jungen Paares war Emma selbst; sie musste versuchen, Sir William dazu zu bewegen, seinem Neffen zu verzeihen, indem sie ihm vor Augen führte, wie verzeihlich seine Leidenschaft war.
Und statt die Kleidung anzulegen, die ihrer neuen gesellschaftlichen Stellung entsprach, kleidete Emma sich wie in ihrer Jugend in das Kleid aus grobem grauem Wollstoff und setzte einen Strohhut auf; alles Übrige würden ihre Tränen, ihr Lächeln, ihr Mienenspiel, ihre Zärtlichkeit und der Klang ihrer Stimme tun.
Emma wurde von Sir William vorgelassen und warf sich ihm zu Füßen; ob geschickt einstudiert oder durch Zufalclass="underline" Der Hut glitt ihr vom Kopf, und ihr schönes kastanienbraunes Haar fiel ihr auf die Schultern.
Im Kummer war sie noch bezaubernder als im Glück.
Der alte Archäologe, der bis dahin nur attischen Marmor und klassische griechische Statuen geliebt hatte, sah zum ersten Mal, dass Schönheit aus Fleisch und Blut die kalte und bleiche Schönheit der Göttinnen des Praxiteles und des Phidias übertreffen konnte. Die Liebe, für die er bei seinem Neffen kein Verständnis aufgebracht hatte, eroberte sein Herz und ergriff mit solcher Gewalt Besitz von ihm, dass er sich nicht einmal dagegen zu sträuben versuchte.
Die Schulden seines Neffen, Emmas niedrige Herkunft, ihr skandalöses Zusammenleben, Emmas sattsam bekannte Laufbahn, die Käuflichkeit ihrer Zärtlichkeiten – alles, sogar die Kinder, die Frucht ihrer Liebe, war Sir William hinzunehmen bereit unter der einzigen Bedingung, dass Emma ihm den völligen Verzicht auf jegliche Würde mit ihrem Besitz vergalt.
Emma hatte weit mehr bewirkt, als sie zu hoffen gewagt hätte; doch diesmal beharrte sie auf ihren eigenen Bedingungen: Ein Eheversprechen hatte sie mit dem Neffen vereinigt, und sie erklärte, dass sie Sir William nur als dessen anerkannte Ehefrau nach Neapel begleiten wolle.
Sir William war mit allem einverstanden.
In Neapel tat Emmas Schönheit ihre gewohnte Wirkung; sie erstaunte nicht nur, sie verblüffte.
Sir William, der gelehrte Altertumsforscher und Mineraloge, Botschafter Großbritanniens, Milchbruder und Freund Georges III., versammelte in seinem Haus die vornehmste Gesellschaft der Hauptstadt des Königreichs beider Sizilien in wissenschaftlicher, politischer und künstlerischer Hinsicht. Emma mit ihrem künstlerischen Temperament lernte innerhalb weniger Tage, was sie über Politik und Wissenschaften wissen musste, und schon bald besaßen Emmas Ansichten für die Habitués in Sir Williams Salon nachgerade Gesetzeskraft.
Das war noch nicht der Gipfel ihres Triumphs. Kaum war sie bei Hofe eingeführt worden, erklärte Königin Caroline Marie sie zu ihrer Busenfreundin und machte sie zu ihrer engsten Gefährtin. Nicht genug damit, dass sich die Tochter Maria Theresias in aller Öffentlichkeit mit einer Prostituierten vom Haymarket abgab, sich in deren Gesellschaft und in der gleichen Toilette wie diese in der Kutsche auf der Via Toledo und der Via Chiaia zeigte, nein, nach den Abendgesellschaften, in deren Verlauf die wollüstigsten und zügellosesten Posen der antiken Kunst nachgeahmt worden waren, ließ sie Sir William ausrichten, sie könne sich von ihrer Freundin nicht trennen und werde sie ihm erst am nächsten Morgen zurückschicken, was ihn mit nicht geringem Stolz erfüllte.
Mitten unter diesen Ereignissen, die am Hof von Neapel so gewaltigen Widerhall fanden, sah man Nelson erscheinen, sich auszeichnen und den alt gewordenen Majestäten neue Zuversicht verleihen. Diese Könige, die mit der Hand ihre wackelnde Krone festzuhalten versuchten, hatten nach seinem Sieg bei Abukir neue Hoffnung zu schöpfen begonnen. Caroline Marie, eine Frau, die es nach Reichtum, Macht und Einfluss gelüstete, war nicht gesonnen, sich die Krone wegnehmen zu lassen. Es kann daher wenig erstaunen, dass sie den Zauber, den ihre Freundin ausübte, für ihre Zwecke einsetzen wollte, und am Morgen desselben Tages, an dem sie diese mit Nelson, dem neuen Stützpfeiler des Despotismus, zusammenführte, zu ihr sagte: »Dieser Mann muss uns gehören, und damit er uns gehört, musst du du ihm gehören.«
Sollte es Lady Hamilton denn schwerfallen, ihrer Freundin Caroline Marie mit Horatius Nelson einen Dienst zu erweisen, wie ihn Emma Lyon ihrer Freundin Fanny Strong mit Admiral Payne erwiesen hatte?
Im Übrigen musste es den Sohn des armen Dorfpfarrers von Burnham-Thorpe, den Mann, der seine Größe dem eigenen Mut und seinen Ruf seinem Genius verdankte, einen glanzvollen Lohn für seine Verstümmelungen und für seine Verwundungen dünken, dass dieser König, diese Königin, dieser Hofstaat sich vor ihm verneigten und ihm zum Lohn für seine Siege das herrliche Geschöpf übereigneten, das er so leidenschaftlich liebte.
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In welchem Kapitel Napoleon erkennen muss, dass die Menschen manchmal schwerer zu lenken sind, als es das Glück ist
Wir wissen, welches Ergebnis die Feierlichkeiten hatten, die zu Ehren Nelsons veranstaltet wurden.
Außer sich vor Zorn angesichts solcher Dreistigkeit, verlangte der französische Botschafter seine Papiere und reiste ab. Ferdinand IV. wollte Frankreich nicht die Genugtuung verschaffen, als Erster zum Angriff zu schreiten; er machte sich mit einer stattlichen Armee von fünfundsechzigtausend Mann auf den Weg, traf auf Championnet mit zwölftausend Soldaten und wurde bei diesem ersten Gefecht so vernichtend geschlagen, dass er die Flucht ergriff und erst in Neapel haltmachte.