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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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Und so war es wirklich: einzig und allein diese Tatsache rettete die »Schurken« vor Schatows Absicht, sie ans Messer zu liefern, und half ihnen gleichzeitig, sich von ihm zu befreien ... Erstens versetzte diese Tatsache Schatow in Aufregung, warf ihn aus dem Geleise und benahm ihm seine gewöhnliche Achtsamkeit und Vorsicht. Ein Gedanke an seine eigene Sicherung konnte jetzt am allerwenigsten in seinem von ganz anderen Dingen angefüllten Kopfe Platz finden. Vielmehr glaubte er ohne weiteres, daß sich Peter Werchowenski am folgenden Tage davonmachen werde: das stimmte so ganz zu seinen Mutmaßungen! Als er in das Zimmer zurückgekehrt war, setzte er sich wieder in eine Ecke, stützte die Ellbogen auf die Knie und verbarg das Gesicht in den Händen. Bittere Gedanken quälten ihn ...

Dann erhob er von neuem den Kopf, stand auf und ging auf den Fußspitzen hin, um sie zu betrachten.

»O Gott! Gewiß wird gleich morgen früh bei ihr ein hitziges Fieber zum Ausbruch kommen; vielleicht hat es schon jetzt angefangen! Sicherlich hat sie sich erkältet. Sie ist an dieses schreckliche Klima nicht gewöhnt, und dann die Fahrt im Waggon dritter Klasse, ringsum Sturm und Regen; und sie hat nur so einen leichten Burnus, gar keinen ordentlichen Mantel ... Und da sollte ich mich ihr versagen, mich, ohne ihr zu helfen, von ihr abwenden? Und ihre Reisetasche, ach, die ist so winzig, so leicht, so voller Falten, nur zehn Pfund schwer! Die Arme, wie erschöpft sie ist; wieviel muß sie ertragen haben! Sie ist stolz; daher klagt sie nicht. Aber sie ist reizbar, sehr reizbar! Das macht die Krankheit: auch ein Engel wird reizbar, wenn er krank ist. Wie trocken und gewiß auch heiß ist ihre Stirn; wie dunkel sie unter den Augen aussieht, und ... und wie schön ist doch dieses Oval des Gesichtes, und dieses üppige Haar; wie ...«

Schnell wandte er die Augen ab, schnell ging er von ihr weg, als erschräke er schon über den bloßen Gedanken, in ihr etwas anderes zu sehen als ein unglückliches, zermartertes Wesen, dem er helfen müsse.

»Wie dürfte ich da für mich Hoffnungen hegen! O wie niedrig, wie gemein ist der Mensch!«

Und er ging wieder in seinen Winkel, setzte sich hin, verbarg das Gesicht in den Händen und gab sich wieder seinen Träumereien und Erinnerungen hin ... und wieder flimmerten vor seinem geistigen Blicke Hoffnungen auf.

»Ach, sie ist müde; ach, sie ist müde!« dachte er in Erinnerung an ihre Ausrufe und an ihre schwache, versagende Stimme. »O Gott! Wie kann ich sie jetzt im Stich lassen, und sie hat nur achtzig Kopeken; sie hat mir ja ihr altes, winziges Portemonnaie hingehalten! Sie ist hergereist, um sich eine Stelle zu suchen, – nun, was versteht sie denn von Stellen, was versteht sie denn von Rußland? Sie ist ja wie ein eigensinniges Kind; alles sind bei ihr nur eigene, selbstgeschaffene Phantasiegebilde; und dann ärgert sie sich, die Arme, daß Rußland ihren ausländischen Träumereien nicht ähnelt! O die Unglückliche, o die Schuldlose! ... Aber es ist hier wirklich kalt ...«

Er erinnerte sich, daß sie über Kälte geklagt und er versprochen hatte, den Ofen zu heizen.

»Holz ist da; das kann ich holen; ich darf sie nur nicht wecken. Das wird schon gehen. Aber wie soll es mit dem Kalbfleisch werden? Wenn sie aufsteht, wird sie vielleicht essen mögen ... Nun, das wollen wir später sehen; Kirillow schläft die ganze Nacht nicht. Ich sollte sie mit etwas zudecken; sie schläft zwar fest; aber es ist ihr gewiß kalt, ach ja, kalt!«

Er trat noch einmal zu ihr, um sie anzusehen; ihr Kleid hatte sich ein wenig zurückgeschlagen, und das halbe rechte Bein bis zum Knie war entblößt. Er wandte sich plötzlich, beinah erschrocken, ab, zog seinen warmen Überzieher aus, so daß er selbst nur ein altes, dürftiges Röckchen anhatte, und bedeckte die entblößte Stelle, wobei er sich bemühte, sie nicht anzusehen.

Das Heizen mit Holz, das Gehen auf den Fußspitzen, das Betrachten der Schläferin, die Träumereien in der Ecke und dann wieder das Betrachten der Schläferin, das alles hatte viel Zeit in Anspruch genommen. Es waren darüber zwei bis drei Stunden vergangen. Gerade während dieser Zeit waren Werchowenski und Liputin bei Kirillow gewesen. Endlich schlief auch Schatow in seiner Ecke ein. Da fing sie an zu stöhnen; sie erwachte und rief ihn; er sprang auf wie ein Verbrecher.

»Marja! Ich war eingeschlafen ... Ach, was bin ich für ein Schuft, Marja!«

Sie richtete sich auf, sah sich erstaunt um, wie wenn sie nicht begriffe, wo sie sich befinde, und geriet auf einmal in zornige Entrüstung.

»Ich habe Ihr Bett in Besitz genommen und bin unvermerkt vor Müdigkeit eingeschlafen; warum haben Sie mich nicht geweckt? Wie durften Sie denken, daß ich Ihnen zur Last fallen wolle?«

»Wie hätte ich dich wecken dürfen, Marja?«

»Das durften Sie; das mußten Sie! Es ist hier kein anderes Bett für Sie vorhanden, und ich hatte das Ihrige in Besitz genommen. Sie durften mich nicht in eine falsche Lage bringen. Oder meinen Sie, daß ich hergekommen bin, um von Ihnen Wohltaten anzunehmen? Nehmen Sie sofort Ihr Bett in Besitz, und ich werde mich in einer Ecke auf Stühlen lagern ...«

»Marja, so viele Stühle sind nicht da, und es ist auch nichts da zum Darauflegen.«

»Nun, dann lege ich mich einfach auf den Fußboden. Sonst müßten Sie sich ja selbst zum Schlafen auf den Fußboden legen. Ich will mich auf den Fußboden legen, sofort, sofort!«

Sie stand auf und wollte einen Schritt tun; aber plötzlich schien ein sehr starker, krampfartiger Schmerz ihr alle Kraft und alle Entschlossenheit zu nehmen, und sie sank mit einem lauten Stöhnen wieder auf das Bett zurück. Schatow lief hinzu; aber Marja, das Gesicht in die Kissen verbergend, ergriff seine Hand und begann, sie aus aller Kraft in der ihrigen zu drücken und zu pressen. So verging ungefähr eine Minute.

»Marja, liebste Marja, wenn es nötig ist, hier ist ein Doktor Frenzel, mit dem ich bekannt bin, sehr bekannt ... Ich könnte zu ihm laufen.«

»Unsinn!«

»Wieso Unsinn? Sage doch, Marja: was tut dir weh? Sonst könnte ich auch heiße Umschläge ... etwa auf den Leib ... Das kann ich auch ohne Arzt ... Oder ein Senfpflaster ...«

»Was ist das?« fragte sie seltsamerweise, indem sie den Kopf in die Höhe hob und ihn ängstlich ansah.

»Was meinst du eigentlich, Marja?« fragte Schatow verständnislos. »Wonach fragst du? O Gott, ich habe ganz den Kopf verloren; verzeih, Marja, daß ich nichts verstehe.«

»Ach, hören Sie auf; es ist auch nicht Ihre Sache, das zu verstehen. Es würde auch sehr komisch sein ...« fuhr sie, bitter lächelnd, fort. »Reden Sie mit mir von irgend etwas! Gehen Sie im Zimmer umher, und reden Sie! Stehen Sie nicht neben mir, und sehen Sie mich nicht an; darum bitte ich Sie nun schon zum fünfzigstenmal!«

Schatow fing an, im Zimmer hin und her zu gehen, wobei er auf den Fußboden blickte und sich alle Mühe gab, sie nicht anzusehen.

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