Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
1 ... 190 191 192 193 194 195 196 197 198 ... 230
Перейти на страницу:

»Wer ist da?« rief er, geradezu starr vor Schreck.

»Wenn Sie Schatow sind,« wurde ihm von unten in scharfem, festem Tone geantwortet, »so geben Sie, bitte, einfach und ehrlich eine Erklärung darüber ab, ob Sie gewillt sind, mich hereinzulassen, oder nicht!«

Es war richtig; er erkannte diese Stimme!

»Marja! ... Bist du es?«

»Ja, ich bin es, Marja Schatowa, und ich versichere Ihnen, daß ich die Ungeduld des Droschkenkutschers keinen Augenblick länger beschwichtigen kann.«

»Sogleich ... ich will nur erst Licht ...« rief Schatow mit schwacher Stimme zurück. Dann suchte er hastig nach den Streichhölzern. Die waren, wie gewöhnlich in solchen Fällen, nicht zu finden. Er ließ in der Erregung den Leuchter mit der Kerze auf den Fußboden fallen, und als von unten wieder die ungeduldige Stimme erscholl, ließ er alles liegen und lief Hals über Kopf seine steile Treppe hinunter, um das Pförtchen zu öffnen.

»Tun Sie mir den Gefallen und halten Sie die Reisetasche, bis ich mich mit diesem Dummkopf auseinandergesetzt habe,« sagte unten Frau Marja Schatowa als Begrüßung zu ihm und schob ihm eine ziemlich leichte, billige Handtasche aus Segeltuch mit Messingbuckeln, Dresdner Fabrikat, in die Hand. Sie selbst fuhr gereizt auf den Kutscher los:

»Ich muß Ihnen sagen, daß Ihre Forderung übermäßig ist. Wenn Sie mich eine ganze Stunde lang unnötigerweise durch diese schmutzigen Straßen gekarrt haben, so sind Sie selbst daran schuld, da Sie offenbar nicht gewußt haben, wo diese dumme Straße und dieses verrückte Haus ist. Nehmen Sie Ihre dreißig Kopeken; Sie können sich darauf verlassen, daß Sie nicht mehr bekommen.«

»Ach, Madamchen, Sie haben ja doch selbst von der Wosnesenskaja-Straße gesprochen, und dies hier ist die Bogojawlenskaja-Straße. Die Wosnesenskaja-Gasse liegt ja an einem ganz anderen Ende. Wir haben den Wallach unnötig in Schweiß gebracht.«

»Wosnesenskaja, Bogojawlenskaja – alle diese dummen Benennungen mußten Ihnen besser bekannt sein als mir, da Sie ein hiesiger Einwohner sind; und außerdem haben Sie unrecht: ich habe Ihnen gleich von vornherein gesagt, daß ich nach dem Filippowschen Hause wollte, und Sie haben ausdrücklich versichert, daß Sie es kennten. Wenn Sie wollen, können Sie mich morgen beim Friedensrichter belangen; jetzt aber bitte ich Sie, mich in Ruhe zu lassen.«

»Da! Da sind noch fünf Kopeken,« sagte Schatow, indem er hastig ein Fünfkopekenstück aus der Tasche nahm und es dem Kutscher hinreichte.

»Ich bitte Sie, tun Sie mir den Gefallen und geben Sie ihm nichts!« rief Madame Schatowa hitzig; aber der Kutscher trieb schon »den Wallach« an, und Schatow ergriff sie bei der Hand und zog sie ins Tor hinein.

»Schnell, Marja, schnell ... das sind ja alles nur Kleinigkeiten, und – wie naß du geworden bist! Nur sachte, hier geht es nach oben, – schade, schade, daß ich kein Licht habe, – die Treppe ist steil; halte dich nur recht fest an meiner Hand! Nun, da ist auch mein Zimmerchen! Entschuldige, daß hier kein Licht ist ... Sofort!«

Er hob den Leuchter auf; aber die Streichhölzer ließen sich noch längere Zeit nicht finden. Frau Schatowa stand wartend mitten im Zimmer, rührte sich nicht und schwieg.

»Gott sei Dank! Endlich!« rief er freudig und machte das Zimmer hell.

Marja Schatowa musterte die Behausung mit einem schnellen Blicke.

»Es war mir gesagt worden, daß Sie eine garstige Wohnung hätten; aber so habe ich es mir doch nicht gedacht,« sagte sie geringschätzig und ging zum Bette. »Ach, was bin ich müde!« fuhr sie fort und setzte sich kraftlos auf das harte Bett. »Bitte, legen Sie die Reisetasche hin, und setzen Sie sich selbst auf einen Stuhl! Übrigens können Sie meinetwegen auch da so vor mir stehen bleiben. Ich bin nur für kurze Zeit zu Ihnen gekommen, nur bis ich Arbeit finde; denn ich weiß hier gar nicht Bescheid und habe kein Geld. Aber wenn ich Sie geniere, so bitte ich nochmals: tun Sie mir den Gefallen und sprechen Sie das sofort deutlich aus, wie das ja auch Ihre Pflicht ist, wenn Sie ein ehrenhafter Mensch sind. Ich kann immer noch morgen etwas verkaufen und in einem Gasthause bezahlen; wollen Sie mich nur selbst nach einem Gasthause hinführen ... Ach, aber ich bin so müde!«

Schatow zitterte am ganzen Leibe.

»Nicht doch, Marja; du brauchst nicht in ein Gasthaus zu gehen! Was redest du von einem Gasthause! Wozu, wozu?«

Er faltete mit flehender Gebärde die Hände.

»Nun, wenn ich nicht ins Gasthaus brauche, dann muß ich auseinandersetzen, wie die Dinge liegen. Sie werden sich erinnern, Schatow, daß ich mit Ihnen in Genf zwei Wochen und einige Tage lang als Ihre Ehefrau gelebt habe; es ist jetzt schon drei Jahre her, daß wir uns getrennt haben, übrigens ohne besonderen Streit. Aber glauben Sie nicht, daß ich zurückgekehrt bin, um irgendeine der früheren Dummheiten zu wiederholen! Ich bin zurückgekehrt, um Arbeit zu suchen, und wenn ich gerade nach dieser Stadt gekommen bin, so ist das geschehen, weil mir alles ganz gleichgültig ist. Ich bin nicht gekommen, um etwas zu bereuen; tun Sie mir den Gefallen und bilden Sie sich nicht eine solche Dummheit ein!«

»O Marja, das brauchst du nicht zu sagen, das brauchst du gar nicht zu sagen!« murmelte Schatow undeutlich.

»Nun, wenn es so steht, wenn Sie so weit fortgeschritten sind, daß Sie auch das begreifen können, dann möchte ich noch hinzufügen, daß, wenn ich mich jetzt direkt an Sie gewandt habe und in Ihre Wohnung gekommen bin, ich dies zum Teil deswegen getan habe, weil ich immer der Ansicht gewesen bin, daß Sie ganz und gar kein Schuft, sondern vielleicht weit besser sind als die andern ... diese Schurken!«

Ihre Augen begannen zu funkeln. Sie mußte wohl von solchen »Schurken« viel Schlimmes erlitten haben.

»Und seien Sie, bitte, überzeugt: ich habe mich soeben durchaus nicht über Sie lustig machen wollen, wenn ich Ihnen sagte, daß Sie ein guter Mensch sind. Ich habe gerade herausgesprochen, ohne schönklingende Phrasen, die ich überhaupt nicht leiden kann. Aber das ist alles dummes Zeug. Ich habe immer gehofft, daß Sie genug Verstand besitzen, um nicht lästigerweise an einem festzukleben ... Ach, genug davon, ich bin so müde!«

Und sie sah ihn mit einem langen, gequälten, müden Blicke an. Schatow stand vor ihr, fünf Schritte von ihr entfernt, mitten im Zimmer und hörte mit schüchterner Miene, aber gewissermaßen neubelebt, mit einem bei ihm noch nie dagewesenen Leuchten auf dem Gesichte ihr zu. Dieser starke, rauhe Mensch, der immer etwas Widerhaariges hatte, war auf einmal ganz weich geworden und strahlte förmlich. In seiner Seele zitterte ein ungewohntes, ihm ganz unerwartetes Gefühl. Die drei Jahre der Trennung, die drei Jahre des Nichtbestandes seiner Ehe hatten aus seinem Herzen nichts zu verdrängen vermocht. Und vielleicht hatte er in diesen drei Jahren täglich an Marja gedacht, an das teure Wesen, das einstmals zu ihm gesagt hatte: »Ich liebe Sie.« Da ich Schatow gekannt habe, kann ich mit Sicherheit sagen, daß er es nie auch nur für denkbar gehalten hätte, daß eine Frau zu ihm sagen könnte: »Ich liebe Sie.« Er war keusch und schamhaft bis zur Wunderlichkeit, hielt sich für ein schreckliches Scheusal, haßte sein Gesicht und seinen Charakter und glaubte auf einer Stufe zu stehen mit jenen Mißgeburten, die auf die Jahrmärkte gebracht und für Geld gezeigt werden. Infolge dieser ganzen Anschauung schätzte er die Ehrlichkeit am allerhöchsten, hielt an seinen Überzeugungen mit einem wahren Fanatismus fest und war finster, stolz, jähzornig und wortkarg. Aber nun war dieses einzige Wesen, das ihn zwei Wochen lang geliebt hatte (das hatte er immer geglaubt!), dieses Wesen, das er hoch, hoch über sich stellte, obwohl er über die Verirrungen desselben durchaus nüchtern urteilte, dieses Wesen, dem er imstande war alles, alles vollständig zu verzeihen (das konnte überhaupt nicht die Frage sein; es lag sogar das Umgekehrte vor, so daß er selbst seiner Ansicht nach ihr gegenüber in allen Stücken im Unrecht war), diese Frau, diese Marja Schatowa, die war nun auf einmal wieder in seinem Hause und saß da wieder vor ihm ... es war beinah unfaßbar! Er war dermaßen überrascht, in diesem Ereignis lag für ihn so viel Furchtbares und gleichzeitig so viel Glück, daß er gar nicht zur Besinnung kommen konnte, es vielleicht nicht einmal wünschte, sondern sich davor fürchtete. Es war ihm wie ein Traum. Aber als sie ihn mit diesem gequälten Blicke anschaute, begriff er auf einmal, daß dieses so sehr geliebte Wesen litt, vielleicht unter einer schweren Kränkung. Das Herz zog sich ihm krampfhaft zusammen. Mit einem schmerzlichen Gefühle betrachtete er ihre Gesichtszüge: schon längst war von diesem müden Gesichte der Schimmer der ersten Jugend verschwunden. Hübsch war sie allerdings immer noch, und in seinen Augen immer noch wie früher eine Schönheit. (In Wirklichkeit war sie eine Frau von ungefähr fünfundzwanzig Jahren, ziemlich kräftig gebaut, von mehr als Mittelgröße und somit größer als Schatow, mit reichem, dunkelblondem Haar, blassem, ovalem Gesichte und großen, dunklen Augen, die jetzt in fieberhaftem Glanze funkelten). Aber an die Stelle der früheren leichtsinnigen, naiven, harmlosen Energie, die er so gut gekannt hatte, war bei ihr eine mürrische Gereiztheit, die Verdrossenheit der Enttäuschung, eine Art von Zynismus getreten, an den sie sich noch nicht gewöhnt hatte, und der ihr selbst peinlich war. Aber die Hauptsache war: sie war krank; das erkannte er klar. Trotz all seiner Furcht vor ihr trat er plötzlich an sie heran und ergriff sie an beiden Händen:

1 ... 190 191 192 193 194 195 196 197 198 ... 230
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)