Die Dämonen
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:
»Da bringe ich Ihnen den Revolver wieder; nehmen Sie ihn zurück, und geben Sie mir fünfzehn Rubel dafür!«
»Was heißt das? Sind Sie betrunken? Das ist ja Raub; ich werde mich noch erkälten. Warten Sie, ich werde mir gleich ein Plaid umlegen.«
»Geben Sie schnell die fünfzehn Rubel her! Wenn Sie sie nicht geben, werde ich bis zum Morgen klopfen und schreien; ich werde Ihnen das ganze Fenster zerschlagen.«
»Und ich werde die Wache rufen; dann werden Sie ins Loch gesteckt werden.«
»Bin ich etwa stumm, was? Werde ich nicht auch die Wache rufen? Wer hat die Wache zu fürchten, Sie oder ich?«
»Wie können Sie nur eine so unwürdige Meinung hegen? ... Ich weiß, worauf Sie anspielen ... Halt, halt; um Gottes willen, klopfen Sie nicht! Ich bitte Sie, wer hat denn in der Nacht Geld? Nun, wozu brauchen Sie denn das Geld, wenn Sie nicht betrunken sind?«
»Meine Frau ist zu mir zurückgekehrt. Ich habe Ihnen zehn Rubel abgelassen, obwohl ich nicht ein einziges Mal daraus geschossen habe; nehmen Sie den Revolver hin, nehmen Sie ihn augenblicklich hin!«
Ljamschin streckte mechanisch die Hand durch die Luftklappe hinaus und nahm den Revolver in Empfang; eine kurze Zeit stand er still da; dann steckte er auf einmal schnell den Kopf durch die Luftklappe und sagte, ohne recht zu wissen, wie er dazu kam, indem ihm ein Schauer den Rücken entlang lief:
»Sie lügen; Ihre Frau ist gar nicht zu Ihnen gekommen ... Sie wollen sich ganz einfach irgendwohin davonmachen.«
»Sie Dummkopf! Wozu soll ich mich davonmachen? Ihr Peter Werchowenski, der mag davonlaufen, aber nicht ich. Ich bin soeben bei der Hebamme Wirginskaja gewesen, und sie hat sich sofort bereit erklärt, zu mir zu kommen. Erkundigen Sie sich danach! Meine Frau wird von Wehen gequält; ich brauche Geld; geben Sie mir Geld!«
Ein ganzes Feuerwerk von Gedanken blitzte in Ljamschins schlauem Kopfe auf. Alles nahm plötzlich eine andere Gestalt an; aber die Furcht ließ ihn immer noch nicht zur ruhigen Überlegung kommen.
»Aber was ist denn das ... Sie leben ja doch gar nicht mit Ihrer Frau zusammen?«
»Ich werde Ihnen für solche Fragen den Schädel einschlagen.«
»Ach, mein Gott, verzeihen Sie; ich verstehe; ich war nur so verblüfft ... Aber ich verstehe, ich verstehe. Aber ... aber ... wird denn Arina Prochorowna wirklich zu Ihnen kommen? Sagten Sie nicht soeben, daß sie zu Ihnen gekommen sei? Wissen Sie, das ist doch nicht wahr. Sehen Sie, sehen Sie, sehen Sie, wie Sie fortwährend die Unwahrheit sagen!«
»Sie sitzt wahrscheinlich jetzt schon bei meiner Frau; halten Sie mich nicht auf; ich kann nichts dafür, daß Sie so dumm sind.«
»Das ist nicht wahr; ich bin nicht dumm. Nehmen Sie es nicht übel; aber ich bin schlechterdings außerstande ...«
Ganz fassungslos machte er die Luftscheibe von neuem zu; aber Schatow erhob ein solches Gebrüll, daß er den Kopf sofort wieder heraussteckte.
»Aber das ist ja ein vollständiger Überfall! Was verlangen Sie denn von mir? Nun? Sagen Sie es in klaren Worten! Und ausgerechnet, ausgerechnet mitten in der Nacht!«
»Fünfzehn Rubel verlange ich, Sie Schafskopf!«
»Aber vielleicht habe ich gar keine Lust, den Revolver zurückzunehmen. Sie haben kein Recht, das zu verlangen. Sie haben einen Gegenstand gekauft, und damit ist das Geschäft erledigt, und Sie haben weiter kein Recht. Ich kann eine solche Summe bei Nacht absolut nicht bezahlen; wo soll ich eine solche Summe herbekommen?«
»Sie haben immer Geld; ich habe Ihnen zehn Rubel abgelassen; aber Sie sind der richtige Geldjude!«
»Kommen Sie übermorgen; hören Sie wohl? Übermorgen mittag Punkt zwölf, und dann will ich Ihnen alles geben, alles; ist's Ihnen so recht?«
Schatow schlug zum drittenmal wütend an das Fenster.
»So geben Sie jetzt zehn Rubel und morgen bei Tagesanbruch die andern fünf!«
»Nein, übermorgen mittag fünfzehn; aber morgen werde ich, bei Gott, noch kein Geld haben. Kommen Sie lieber nicht her; kommen Sie lieber nicht her!«
»Geben Sie zehn! O Sie Schuft!«
»Warum schimpfen Sie denn so? Warten Sie, ich muß erst Licht machen; sehen Sie, Sie haben eine Scheibe zerschlagen ... Wer schimpft denn so bei Nacht? Da!« Er reichte ihm eine Banknote durch das Fenster.
Schatow nahm sie; es war ein Fünfrubelschein.
»Bei Gott, mehr kann ich nicht, und wenn Sie mich totschlagen; ich kann nicht; übermorgen werde ich alles können; aber jetzt kann ich nichts.«
»Ich gehe nicht weg!« brüllte Schatow.
»Nun, da nehmen Sie, da ist noch etwas; sehen Sie, noch etwas; aber mehr gebe ich nicht. Na, wenn Sie auch aus vollem Halse schreien, ich gebe nicht mehr; mag geschehen, was will, ich gebe nicht mehr; ich gebe nicht mehr, und ich gebe nicht mehr!«
Er schien ganz außer sich, ganz verzweifelt zu sein; der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Die beiden Scheine, die er noch herausgereicht hatte, waren Rubelnoten. Im ganzen hatte Schatow sieben Rubel bekommen.
»Na, hol Sie der Teufel; morgen komme ich wieder. Ich schlage Sie zu Schanden, Ljamschin, wenn Sie die acht Rubel nicht in Bereitschaft haben.«
»Aber ich werde nicht zu Hause sein, Dummkopf!« dachte Ljamschin schnell im stillen.
»Halt, halt!« schrie er dem bereits davonlaufenden Schatow aufgeregt nach. »Halt, kehren Sie noch einmal um! Sagen Sie, bitte, haben Sie die Wahrheit gesagt, daß Ihre Frau zu Ihnen zurückgekehrt ist?«
»Dummkopf!« rief Schatow zurück, spuckte aus und lief, so schnell er konnte, nach Hause.
IV.
Ich bemerke, daß Arina Prochorowna von den Beschlüssen, die am vorhergehenden Tage in der Sitzung gefaßt waren, nichts wußte. Als Wirginski verstört und angegriffen nach Hause zurückgekehrt war, hatte er nicht gewagt, ihr die getroffene Entscheidung mitzuteilen, sich aber doch nicht enthalten können, ihr die Hälfte zu offenbaren, nämlich alles das, was ihnen Werchowenski über Schatows zweifellose Absicht einer Denunziation gesagt hatte; aber zugleich hatte er erklärt, daß er der Nachricht nicht völlig Glauben schenke. Arina Prochorowna hatte einen gewaltigen Schreck bekommen. Dies war der Grund, weshalb sie, als Schatow angelaufen kam, um sie zu holen, trotz ihrer Müdigkeit, da sie sich die ganze vorhergehende Nacht über mit einer Gebärenden abgeplagt hatte, sich dennoch unverzüglich entschloß hinzugehen. Sie war immer überzeugt gewesen, daß »ein so elendes Subjekt wie Schatow zu einer Gemeinheit gegen seine Mitbürger fähig sei«; aber infolge von Marja Ignatjewnas Ankunft erschien ihr die Sache doch in einem andern Lichte. Schatows Angst, der verzweifelte Ton seiner Bitten, sein Flehen um Hilfe bekundeten einen Umschwung in der Gesinnung des Verräters: ein Mensch, der entschlossen ist, sogar sich selbst preiszugeben, nur um andere zugrunde zu richten, der würde, meinte sie, eine andere Miene und einen andern Ton haben, als sie Schatow in Wirklichkeit hatte. Kurz gesagt, Arina Prochorowna nahm sich vor, alles selbst mit eigenen Augen anzusehen. Wirginski war mit ihrem Entschlusse sehr zufrieden; es war ihm, als sei ihm eine Zentnerlast vom Herzen gefallen! Es regte sich bei ihm sogar eine Hoffnung: Schatows Miene schien ihm zu Werchowenskis Vermutung absolut nicht zu stimmen.
Schatow hatte sich nicht geirrt; als er zurückkehrte, fand er Arina Prochorowna bereits bei Marja. Sowie sie gekommen war, hatte sie den unten an der Treppe stehenden Kirillow verächtlich fortgejagt; schnell hatte sie sich dann mit Marja bekannt gemacht, von der sie nicht als frühere Bekannte anerkannt wurde; sie fand sie »in sehr widerwärtiger Stimmung«, das heißt ärgerlich, aufgeregt und »in ganz kleinmütiger Verzweiflung«, und schlug in etwa fünf Minuten alle Entgegnungen derselben siegreich aus dem Felde.