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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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Aber jetzt hatte sich diese Bedeutung ganz von selbst und in völlig unerwarteter Weise ergeben. Die tolle Idee, mit der er bei Kirillow eingetreten war, nachdem ihm Peter Stepanowitsch auf dem Trottoir jenes Schimpfwort »Dummkopf« zu hören gegeben hatte, bestand darin, gleich am folgenden Tage frühmorgens alles im Stich zu lassen, dem Vaterlande den Rücken zu kehren und ins Ausland zu gehen! Wer es nicht glauben mag, daß solche phantastischen Dinge auch jetzt in unserer alltäglichen Wirklichkeit vorkommen, der möge sich nach dem Lebenslaufe aller jetzigen russischen Emigranten im Auslande erkundigen. Kein einziger ist aus verständigeren, realistischeren Gründen entflohen. Alle haben sie lediglich unter der unwiderstehlichen Herrschaft von Wahnvorstellungen gehandelt.

Als er nach Hause gekommen war, schloß er sich sofort ein, nahm eine Reisetasche und begann, sie hastig zu packen. Seine Hauptsorge bildete das Geld, nämlich die Frage, wieviel er davon retten könne, und wie er es machen müsse. Jawohl, retten; denn nach seiner Vorstellung durfte er auch nicht eine Stunde mehr zaudern und mußte sich bei Tagesanbruch bereits auf der Landstraße befinden. Er wußte auch nicht, wie er in die Eisenbahn steigen sollte; unklar nahm er sich vor, etwa auf der zweiten oder dritten größeren Station von der Stadt einzusteigen, den Weg bis dahin aber nötigenfalls zu Fuß zurückzulegen. So mühte er sich instinktiv und mechanisch, den Kopf voll von durcheinander wirbelnden Gedanken, mit seiner Reisetasche ab und – hielt plötzlich inne, ließ alles liegen und streckte sich tief aufstöhnend auf dem Sofa aus.

Er fühlte es deutlich und war sich darüber klar, daß er fliehen werde, nun ja, fliehen werde, aber daß es jetzt über seine Kraft gehe, die Frage zu entscheiden, ob er vor Erledigung der Schatowschen Angelegenheit fliehen müsse oder erst nachher; daß er jetzt nur ein materieller, vernunftloser Körper, eine träge Masse sei, daß ihn aber eine fremde, schreckliche Kraft in Bewegung setze, und daß er, trotzdem er einen Auslandspaß besitze und vor der Schatowschen Angelegenheit weggehen könne (weswegen hätte er sich denn auch sonst so beeilt?), dennoch nicht vorher, sondern erst nachher weggehen werde, und daß das nun einmal beschlossene Sache, unterschrieben und untersiegelt sei. In unerträglicher Unruhe, indem er alle Augenblicke zu seiner eigenen Verwunderung zitterte, stöhnte und vor Angst vergehen wollte, verbrachte er, in seinem zugeschlossenen Zimmer auf dem Sofa liegend, kläglich die Zeit bis elf Uhr vormittags, und da erfolgte plötzlich der erwartete äußere Anstoß, der seinem Entschlusse die Richtung gab. Sowie er um elf Uhr seine Tür aufgeschlossen hatte und zu den Seinigen gegangen war, erfuhr er von ihnen, daß der entlaufene Sträfling Fedka, der alle in Schrecken versetzt hatte, dieser Straßen- und Kirchenräuber, Mörder und Brandstifter, den unsere Polizei verfolgte, ohne ihn doch fassen zu können, daß der bei Tagesgrauen erschlagen aufgefunden sei, sechs Werst von der Stadt entfernt, da, wo von der großen Landstraße der Weg nach Sacharjino abzweigt, und daß schon die ganze Stadt davon spreche. Sogleich lief er Hals über Kopf aus dem Hause, um Näheres in Erfahrung zu bringen, und erfuhr erstens, daß Fedka mit zerschmettertem Schädel gefunden und nach allen Anzeichen beraubt worden sei, und zweitens, daß die Polizei schon starken Verdacht und sogar einige bestimmte Indizien habe, aus denen sich schließen lasse, daß sein Mörder der Schpigulinsche Arbeiter Fomka sei, eben der, mit welchem zusammen Fedka zweifellos den Mord und die Brandstiftung bei den Geschwistern Lebjadkin begangen habe; es sei wahrscheinlich zwischen ihnen unterwegs ein Streit entstanden, wohl wegen einer größeren Geldsumme, die Fedka bei Lebjadkin entwendet und dann verheimlicht habe ... Liputin lief auch nach Peter Stepanowitschs Wohnung und erfuhr an der Hintertreppe heimlich, Peter Stepanowitsch sei zwar in der Nacht erst gegen ein Uhr nach Hause gekommen, habe dann aber die ganze Nacht bis acht Uhr morgens sehr schön geschlafen. Selbstverständlich war an dem Tode des Räubers Fedka absolut nichts, was ungewöhnlich erscheinen konnte, da gerade solche Laufbahnen am häufigsten einen derartigen Ausgang nehmen; aber das Zusammentreffen der verhängnisvollen Worte, daß Fedka an diesem Abend zum letztenmal Branntwein getrunken habe, mit der unverzüglichen Erfüllung dieser Prophezeiung war doch so merkwürdig, daß Liputin auf einmal aufhörte zu schwanken. Der äußere Anstoß war gegeben; es war gleichsam auf ihn ein großer Stein herabgefallen, der ihn für immer zu Boden drückte. Als er nach Hause zurückgekehrt war, stieß er schweigend seine Reisetasche mit dem Fuße unter das Bett und erschien am Abend zur festgesetzten Stunde als erster von allen an dem für das Zusammentreffen mit Schatow verabredeten Orte, allerdings immer noch mit seinem Passe in der Tasche.

Fünftes Kapitel.

Die Reisende.

I.

Die Katastrophe mit Lisa und der Tod Marja Timofejewnas machten auf Schatow einen tief schmerzlichen Eindruck. Ich habe bereits erwähnt, daß ich an jenem Vormittage nur flüchtig mit ihm sprach: es kam mir dabei vor, als hätte er nicht ganz seinen Verstand. Unter anderm teilte er mir mit, er sei am vorhergehenden Abend um neun Uhr (also drei Stunden vor der Feuersbrunst) bei Marja Timofejewna gewesen. Er ging am Vormittag hin, um sich die Leichen anzusehen, machte aber, soviel ich weiß, an jenem Vormittag nirgends Aussagen über das, was er wußte. Gegen Ende des Tages erhob sich indessen in seiner Seele ein wahrer Sturm, und ... und (ich glaube, ich kann das mit aller Bestimmtheit sagen) zur Zeit der Abenddämmerung gab es einen Augenblick, wo er aufstehen, hingehen und alles klarlegen wollte. Was er mit »alles« meinte, das wußte nur er selbst. Natürlich hätte er nichts erreicht, sondern nur sich selbst ans Messer geliefert. Er besaß keinerlei Beweise, um in die soeben ausgeführte Freveltat Licht hineinzubringen, und hatte selbst darüber nur unklare Vermutungen, die nur für ihn einer völligen Überzeugung gleichkamen. Aber er war bereit, sich selbst zugrunde zu richten, wenn er nur »die Schurken zermalmen« konnte; das waren seine eigenen Worte. Peter Stepanowitsch hatte diesen Drang bei ihm zum Teil richtig vorausgesehen und wußte selbst, daß er viel riskierte, wenn er die Ausführung seines neuen schrecklichen Planes auf den folgenden Tag verschob. Seinerseits bewies er dabei seiner Gewohnheit nach ein starkes Selbstvertrauen und eine herzliche Verachtung all dieser »geringwertigen Kerle« und insonderheit Schatows. Er verachtete Schatow schon lange wegen seines »weinerlichen, idiotenhaften Wesens«, wie er sich schon im Auslande über ihn ausgedrückt hatte, und hoffte fest, daß es ihm gelingen werde, mit diesem so wenig schlauen Menschen zurechtzukommen, das heißt ihn diesen ganzen Tag über nicht aus den Augen zu lassen und ihm bei der ersten Gefahr den Weg abzuschneiden. Und doch war das, was »die Schurken« noch für eine kurze Zeit rettete, nur ein ganz unerwarteter und von ihnen ganz und gar nicht vorhergesehener Umstand.

Zwischen sieben und acht Uhr abends (also gerade zu derselben Zeit, als die »Unsrigen« sich bei Erkel versammelt hatten, auf Peter Stepanowitsch warteten, unwillig wurden und in Erregung gerieten) lag Schatow mit Kopfschmerzen und leichtem Fieberfrost im Dunkeln ohne Licht ausgestreckt auf seinem Bette; er quälte sich mit Zweifeln, ärgerte sich, entschloß sich, konnte sich aber doch nicht endgültig entschließen und fühlte fluchend im voraus, daß das alles doch zu nichts führen werde. Allmählich benahm ihm ein leichter Schlaf das Bewußtsein; ein bedrückender Traum ängstigte ihn; es träumte ihm, er sei mit Stricken an sein Bett geschnürt, am ganzen Leibe festgebunden, so daß er sich nicht rühren könne; und dabei erschöllen im ganzen Hause furchtbare Schläge gegen den Zaun, gegen das Tor, gegen seine Haustür und gegen das Seitengebäude bei Kirillow, so daß das ganze Haus zittere, und eine ihm wohlbekannte Stimme, die aber schmerzliche Erinnerungen bei ihm erwecke, riefe ihn kläglich von ferne. Er kam auf einmal zur Besinnung und richtete sich auf dem Bette in die Höhe. Zu seinem Erstaunen dauerten die Schläge gegen das Tor fort; sie waren zwar bei weitem nicht so stark, wie es ihm im Traume vorgekommen war, folgten aber mit großer Hartnäckigkeit schnell aufeinander; und die sonderbare, ihm so schmerzliche Stimme, die allerdings überhaupt nicht kläglich, sondern im Gegenteil ungeduldig und gereizt klang, ließ sich immer noch unten am Tore vernehmen und mit ihr abwechselnd eine andere, ruhigere und gewöhnlichere Stimme. Er sprang auf, öffnete die Luftscheibe im Fenster und steckte den Kopf hinaus.

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