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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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»Warum reden Sie denn immer, daß Sie keine teure Hebamme haben wollen?« sagte sie gerade in dem Augenblicke, als Schatow hereinkam. »Das ist der reine Unsinn, ein ganz falscher Gedanke, der durch Ihren nicht normalen Zustand hervorgerufen ist. Wenn Sie nur eine einfache alte Frau aus dem gewöhnlichen Volke zur Hilfe haben, so haben Sie fünfzig Chancen dafür, daß die Sache einen schlechten Ausgang nimmt; und dabei haben Sie doch mehr Umstände und Ausgaben als bei einer teueren Hebamme. Und woher wissen Sie denn, daß ich eine teuere Hebamme bin? Sie können mich später bezahlen; ich werde Ihnen nicht zuviel abnehmen, und für den Erfolg garantiere ich; bei mir werden Sie nicht sterben; das ist bei mir noch nicht dagewesen. Und das Kind werde ich Ihnen gleich morgen in das Kinderasyl bringen, und später aufs Land zum Aufziehen, und damit ist dann die Sache erledigt. Und Sie selbst werden sich wieder erholen und sich an eine vernünftige Arbeit machen und in sehr kurzer Zeit Schatow für die Unterkunft und die Auslagen entschädigen, die überhaupt nicht so bedeutend sein werden ...«

»Das ist es gar nicht, was mir Sorge macht ... Ich habe kein Recht, ihn zu belästigen ...«

»Das ist eine rationelle, einer Bürgerin wohlanstehende Anschauungsweise; aber seien Sie überzeugt, daß Schatow so gut wie keine Ausgaben haben wird, wenn er sich nur ein klein wenig aus einem phantastischen Herrn in einen vernünftig denkenden Menschen verwandeln wollte. Es ist nur nötig, daß er keine Dummheiten begeht, nicht einen Heidenlärm macht und nicht atemlos durch die Stadt galoppiert. Wenn man ihn nicht an der Hand festhält, wird er bis zum Morgen womöglich alle hiesigen Ärzte in Bewegung setzen; alle Hunde hat er in meiner Straße schon in Aufregung gebracht. Ärzte sind gar nicht nötig; ich habe schon gesagt, daß ich für alles garantiere. Eine alte Frau kann meinetwegen noch zur Bedienung angenommen werden; das kostet kaum etwas. Übrigens kann er auch selbst zu dieser oder jener Dienstleistung herangezogen werden; er braucht ja doch nicht bloß Dummheiten zu machen. Er hat Hände und Füße; da kann er nach der Apotheke laufen, ohne daß Ihre Gefühle durch eine Wohltat verletzt werden. Und zum Teufel, wie kann da überhaupt von Wohltat die Rede sein? Hat er Sie nicht in diese Lage gebracht? Hat er Sie nicht mit jener Familie entzweit, wo Sie als Gouvernante in Stellung waren, mit der egoistischen Absicht, Sie zu heiraten? Das haben wir ja gehört ... Übrigens ist er doch auch selbst vorhin zu mir gerannt gekommen und hat ein Geschrei gemacht, daß man es durch die ganze Straße hörte. Ich dränge mich niemandem auf und bin einzig und allein Ihretwegen gekommen, aus Prinzip, weil wir Gesinnungsgenossen alle solidarisch miteinander verbunden sind; ich habe ihm das erklärt, noch ehe ich das Haus verließ. Wenn ich Ihrer Ansicht nach hier überflüssig bin, so leben Sie wohl; ich wünsche nur, daß kein Unglück daraus entsteht, das doch so leicht zu verhüten wäre.«

Sie stand sogar vom Stuhle auf.

Marja war so hilflos, litt so schwer und, um die Wahrheit zu sagen, fürchtete sich so sehr vor dem, was ihr bevorstand, daß sie nicht wagte, die Hebamme fortzuschicken. Aber diese Frau war ihr auf einmal verhaßt geworden: sie sprach ja von ganz fremdartigen Dingen, gar nicht von dem, was Marjas Seele erfüllte! Aber die Prophezeiung von einem möglichen Tode unter den Händen einer unerfahrenen Helferin besiegte den Widerwillen. Dafür wurde sie gegen Schatow von diesem Augenblicke an noch anspruchsvoller, noch schonungsloser. Es ging schließlich so weit, daß sie ihm nicht nur verbot, sie anzusehen, sondern sogar, mit dem Gesichte nach ihr hin dazustehen. Die Schmerzen wurden heftiger. Die Verwünschungen und Scheltworte wurden immer grimmiger.

»Ach was, wir wollen ihn hinausschicken,« entschied Arina Prochorowna kurz. »Er sieht ja ganz entstellt aus und erschreckt Sie nur; leichenblaß ist er geworden! Sagen Sie nur, Sie lächerlicher, wunderlicher Mensch, was ist Ihnen denn eigentlich? Ist das eine Komödie!«

Schatow antwortete nicht; er hatte sich dafür entschieden, keine Antworten zu geben.

»Ich habe ja auch sonst schon in solchen Fällen dumme Väter gesehen, die ebenfalls den Verstand verloren hatten. Aber die waren doch wenigstens ...«

»Hören Sie auf, oder gehen Sie weg und lassen Sie mich krepieren! Reden Sie kein Wort weiter! Ich will es nicht, ich will es nicht!« schrie Marja.

»Kein Wort zu reden ist unmöglich; das müssen Sie einsehen, wenn Sie nicht selbst den Verstand verloren haben; aber das scheint mir fast der Fall zu sein. Wenigstens muß ich doch über das Sachliche sprechen: sagen Sie, haben Sie etwas vorbereitet? Antworten Sie, Schatow; Ihrer Frau ist nicht danach zumute.«

»Sagen Sie, was denn eigentlich erforderlich ist!«

»Das heißt also, es ist nichts vorbereitet.«

Sie zählte alles unbedingt Nötige auf, und man muß ihr die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie sich auf das Allernotwendigste beschränkte, was selbst bei Bettlern nicht entbehrt werden kann. Einzelnes fand sich in Schatows Besitz. Marja zog einen Schlüssel heraus und reichte ihn ihm, damit er in ihrer Reisetasche nachsuche. Da ihm die Hände zitterten, so mühte er sich ungebührlich lange mit dem Öffnen des ihm unbekannten Schlosses ab. Marja geriet außer sich; aber als Arina Prochorowna hinzusprang, um ihm den Schlüssel wegzunehmen, erlaubte sie ihr unter keinen Umständen, einen Blick in die Reisetasche zu werfen, und bestand mit eigensinnigem Geschrei und Weinen darauf, nur Schatow solle die Tasche öffnen.

Nach einigen Sachen mußte bei Kirillow Nachfrage gehalten werden. Aber kaum wendete sich Schatow um, um hinzugehen, als sie ihn sogleich zornig zurückrief und sich erst dann beruhigte, als er schleunigst von der Treppe zurückkehrte und ihr erklärte, er gehe nur für einen Augenblick weg, um das Notwendigste zu holen, und werde sofort wiederkommen.

»Na, Ihnen etwas recht zu machen ist aber schwer, meine Dame,« bemerkte Arina Prochorowna lachend. »Bald soll er mit dem Gesichte nach der Wand zu stehen und sich nicht erlauben, Sie anzusehen, bald soll er sich nicht einmal auf einen Augenblick entfernen, sonst fangen Sie an zu weinen. Er muß ja dabei schließlich auf eigentümliche Gedanken kommen. Na, na, seien Sie nur nicht eigensinnig, und wischen Sie sich nicht die Augen; ich spaße ja nur.«

»Er soll überhaupt nichts denken.«

»Papperlapapp! Wenn er nicht in Sie verliebt wäre wie ein Bock, so wäre er nicht im Galopp durch die Straßen gelaufen und hätte nicht alle Hunde in der Stadt in Aufregung gebracht. Bei mir hat er ein Fenster zerschlagen.«

V.

Schatow traf Kirillow, wie er immer noch im Zimmer von einer Ecke nach der andern ging; er war aber dabei so zerstreut, daß er sogar die Ankunft von Schatows Frau vergessen hatte und diesen reden hörte, ohne ihn zu verstehen.

»Ach ja,« erinnerte er sich auf einmal, wie wenn er sich mit Anstrengung und nur für einen Augenblick aus dem Banne eines ihn völlig beherrschenden Gedankens losrisse; »ja ... eine Alte ... die Frau oder eine Alte? Warten Sie maclass="underline" sowohl die Frau als auch eine Alte, nicht wahr? Ich erinnere mich; ich bin hingegangen; eine Alte wird kommen, nur nicht sofort. Da, nehmen Sie das Kissen! Noch etwas? Ja ... Warten Sie mal, Schatow: haben Sie manchmal Augenblicke ewiger Harmonie?«

»Wissen Sie, Kirillow, das geht nicht länger, daß Sie in der Nacht nicht schlafen.«

Kirillow kam nun zu sich und redete jetzt sonderbarerweise weit zusammenhängender als sonst je; offenbar hatte er all diese Gedanken schon längst in bestimmte Form gebracht und vielleicht aufgeschrieben:

»Es gibt Sekunden (es sind ihrer auf einmal immer nur fünf oder sechs), in denen man plötzlich die Gegenwart der vollständig erreichten ewigen Harmonie fühlt. Das ist nichts Irdisches; ich sage nicht, daß es etwas Himmlisches wäre, wohl aber, daß der Mensch in irdischer Gestalt es nicht ertragen kann. Er muß sich physisch umgestalten oder sterben. Dieses Gefühl ist klar und unbestreitbar. Man empfindet gewissermaßen plötzlich die ganze Natur und sagt: ›Ja, das ist recht.‹ Als Gott die Welt schuf, da sagte er am Ende jedes Schöpfungstages: ›Ja, das ist recht, das ist gut.‹ Das ... das ist nicht Rührung, sondern einfach nur Freude. Man verzeiht nichts, weil es nichts zu verzeihen gibt. Man liebt eigentlich auch nicht; oh, diese Empfindung ist höher als die Liebe! Das Furchtbarste ist, daß diese Empfindung so schrecklich klar und eine solche Freude ist. Wenn sie noch fünf Sekunden länger dauerte, so würde die Seele es nicht aushalten und müßte vergehen. In diesen fünf Sekunden durchlebe ich ein Leben, und ich würde für sie mein ganzes Leben hingeben, weil sie das wert sind. Um zehn Sekunden zu ertragen, muß man sich physisch umgestalten. Ich glaube, der Mensch muß aufhören zu zeugen und zu gebären. Wozu Kinder, wozu eine weitere Entwickelung, wenn doch das Ziel erreicht ist? Im Evangelium heißt es, daß die Menschen in der Auferstehung nicht zeugen und gebären werden, sondern sein werden wie Engel Gottes. Das ist ein Fingerzeig. Ihre Frau kommt nieder?«

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