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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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»Nichts weiter ist geschehen, als dass der Gouverneur ein Mann von ausgesuchten Umgangsformen ist und weiß, welche Freude er mir damit macht, dass er dich einlädt.«

85

Die Armenkollekte

Mit militärischer Pünktlichkeit fanden sich Surcouf und René um halb vier in der Residenz des Gouverneurs ein.

René hätte lieber wenigstens eine Viertelstunde länger gewartet, doch Surcouf hatte ihm erklärt, dass der Gouverneur selbst um halb vier zu speisen pflege und auf Gäste, die nicht rechtzeitig erschienen, nicht gut zu sprechen sei.

René war der Ansicht, dass unter den gegebenen Umständen den Gästen eine gewisse Freizügigkeit eingeräumt sei, doch Surcouf war so unerbittlich, dass sie an die Tür der Gouverneursresidenz klopften, als Surcoufs Uhr halb vier anzeigte.

Die beiden Gäste wurden in den Salon geführt, wo niemand sie erwartete.

Madame Decaen beendete ihre Toilette, der General beendete seine Korrespondenz, und Monsieur Alfred Decaen war mit seinem Diener ausgeritten und noch nicht zurückgekehrt.

»Siehst du, mein lieber Surcouf«, sagte René und ergriff seinen Freund am Ellbogen, »ich war doch nicht der Hinterwäldler, für den du mich halten wolltest, und wir hätten sehr wohl noch eine Viertelstunde Zeit gehabt, bevor man uns der Unhöflichkeit gegenüber unseren Gastgebern bezichtigt hätte.«

Eine Tür wurde geöffnet, und der General trat ein. »Verzeihen Sie, meine Herren«, sagte er, »aber als vorbildlicher Mann des Schreibtischs hat Rondeau mich gebeten, bis um vier Uhr zu warten, denn zu dieser Stunde schließt er sein Büro, und in den zehn Jahren, die er seine Arbeit bei uns ausübt, war er immer der Letzte, der es verließ. Sie können nach eigenem Belieben hier auf ihn warten oder sich im Garten ergehen. Da kommt mein Sohn, der gerade vom Pferd steigt und sich umkleiden muss, bevor er sich zu Tisch begeben kann.«

Der General öffnete ein Fenster und rief: »Presto, presto! Wir erwarten dich auf der Terrasse am Meeresufer.«

Sie gingen in den Garten, wo man durch überdachte Alleen die Terrasse erreichte.

Es war ein bezaubernder Ort, der einen Blick von der Bête-à-Mille-Pieds bis zur Bucht von Grande-Rivière bot. An beiden Enden der Terrasse waren Zelte aufgebaut, das eine als Rüstkammer, mit Masken und Floretten verziert, das andere als Schützenzelt mit Schießscheiben, Puppen, Zielscheiben und allem, was man benötigt, um die kunstvollsten Schießkünste zu beweisen.

Der General und seine Gäste betraten wie zufällig die Rüstkammer.

»Hier sehen Sie sich in Ihrem Element, Monsieur René«, sagte der General, »denn Surcouf beteuerte, dass Sie nicht nur ein erstrangiger Fechter seien, sondern ein allen anderen überlegener Fechter.«

René verzog den Mund. »General«, sagte er, »mein Kommandant Surcouf bringt mir eine väterliche Zuneigung entgegen; hörten Sie auf ihn, wäre ich der hervorragendste Reiter, der kundigste Fechter und der beeindruckendste Pistolenschütze seit den Zeiten des Chevalier de Saint-Georges. Ich wagte nicht einmal zu bezweifeln, dass er alles versucht hätte, mich mit dem berühmten Mulatten zusammenzubringen, um mich über ihn triumphieren zu sehen. Leider sind die Augen eines Freundes ein verzerrendes Vergrößerungsglas, was die guten Eigenschaften betrifft, während die Untugenden bis zur Unkenntlichkeit verkleinert werden. Ich ziele wie jedermann, vielleicht etwas besser als die meisten derer, die erschossen werden, aber weiter reicht meine Überlegenheit nicht. Und was das Fechten betrifft, dürften meine Fähigkeiten einigermaßen eingerostet sein, da ich kein Florett mehr in Händen hielt, seit ich zur See fahre.«

»Weil du keinen Gegner gefunden hast, der deiner würdig gewesen wäre!«, widersprach Surcouf. »Geh mit gutem Beispiel voran!«

»Wie, Sie wollen nicht, Monsieur Surcouf?«, sagte der General. »Sie gelten doch als guter Fechter.«

»In Saint-Malo, mein General, in Saint-Malo! Und selbst dort habe ich meinen Ruf eingebüßt, als Monsieur das Florett ergriff.«

In diesem Augenblick kam Monsieur Decaens Sohn herein. »Komm her, Alfred«, sagte sein Vater, »und lass dir von Monsieur Surcouf eine Lektion erteilen. Du bildest dir ein, mit dem Degen umgehen zu können, und Monsieur Surcouf ist dafür bekannt. Nun, ich hoffe, dass er dir nun coram publico zeigen wird, was für ein Laffe du bist.«

Der junge Mann lächelte; mit der Zuversicht der Jugend holte er zwei Florette und zwei Masken, reichte ein Florett und eine Maske Surcouf und sagte: »Mein Herr, wenn Sie meinem Vater und vor allem mir den Gefallen erweisen wollten, um den er Sie bittet, wäre ich Ihnen unendlich verbunden.«

Surcouf sah sich beim Wort genommen und hatte keine andere Wahl, als die Herausforderung anzunehmen; er legte Hut und Rock ab, setzte die Maske auf, verneigte sich vor dem General und sagte: »Zu Befehl, mein General und Monsieur Alfred.«

»Meine Herren«, sagte der General und lachte, »Sie dürfen darauf rechnen, ein Duell zu erleben wie das zwischen Dares und Entellus. Oh, Monsieur Rondeau«, sagte er, »Sie kommen im rechten Augenblick! Meine Herren, ich darf Sie mit Monsieur Rondeau bekannt machen, der sich ebenfalls des Rufs eines unserer besten Schützen erfreut, denn hierzulande ist jedermann waffenkundig, sogar ein Bankier. Lieber Monsieur Rondeau, ich darf Ihnen Monsieur Surcouf vorstellen, den Sie seit Langem kennen, und Monsieur René, den Sie noch nicht kennen, der aber, wie mir scheint, geschäftliche Beziehungen mit Ihnen unterhält...«

»Oh«, sagte Monsieur Rondeau, »handelt es sich um Monsieur René de...«

»René ohne Titel«, fiel ihm René ins Wort, »was ihn nicht daran hindert, sich als zu Ihren Diensten zu erklären, wenn Sie gestatten.«

»Ich bitte Sie, Monsieur«, sagte Monsieur Rondeau, der die Daumen in die Armausschnitte seiner Weste steckte und den Bauch vorstreckte, »ich stehe zu Ihren Diensten, jedenfalls bis zum Betrag von dreihunderttausend Francs und sogar darüber hinaus.«

René verneigte sich. »Wir halten die anderen Herren auf«, sagte er. »Meine Herren, kreuzen Sie die Klingen.«

Surcouf und Monsieur Alfred Decaen gingen in Auslage, der eine so reglos wie eine Statue – es erübrigt sich zu sagen, dass dies Surcouf war -, der andere mit der Zuversicht und der Anmut der Jugend.

Trotz des unterschiedlichen Fechtstils – einerseits ernsthaft, streng, ein wenig starr, mit den einfachsten Paraden, andererseits mit immer neuen Ausfällen und Finten, mit Bein- und Handbewegungen und unnötigen Ausweichbewegungen, die Klinge abwechselnd im Terz und im Quart führend – war keiner der Kontrahenten dem anderen erkennbar überlegen.

Nach zehnminütigem Gefecht hatte der junge Mann Surcouf einmal getroffen, und Surcouf hatte ihn zweimal getroffen.

Alfred verneigte sich vor Surcouf, gab sich geschlagen und reichte das Florett dem Bankier.

Wie Monsieur Decaen gesagt hatte, war zu jener Zeit auf der Île de France jedermann waffenkundig, sogar ein Bankier. Monsieur Rondeau entledigte sich seines Überrocks, holte seine Brieftasche hervor, die er in die Hosentasche beförderte, und ging in Auslage.

Das Gefecht zwischen ihm und Surcouf war von größter Ausgewogenheit: Beide trafen den Gegner zweimal, und Surcouf nahm zuletzt die Maske ab und reichte sein Florett René.

»Mein lieber Surcouf«, sagte dieser, »du weißt, wie ungern ich vor Zuschauern fechte, besonders vor so sachkundigen Zuschauern wie diesen. Erlasse es mir, nach dir zu fechten, und erlaube mir, mich auf den Ruf zurückzuziehen, den ich dir verdanke und den ich nur demolieren würde, indem ich ihn aufrechtzuerhalten versuchte.«

»Meine Herren«, sagte Surcouf, »obwohl ich mit René so gut befreundet bin, habe ich ihn nur einmal fechten sehen, und damals gab er die gleichen Gründe an, es nicht zu tun, wie heute. Seien wir ihm also so gefällig, wie er es uns nicht sein will, und geben wir seiner Bescheidenheit nach. Zudem«, fügte er hinzu, »scheint mir, als hörte ich, dass man uns zu Tisch ruft.«

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