Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Wylie lachte, jedoch leise.
»Es ist meiner«, sagte er. Er hob kurz die Hand an seine Weste, ein dunkler Schatten auf dem bleichen Satin.
Meine Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit, aber dennoch war das Licht im Stall sehr gedämpft. Die Schattengestalt einer Stallkatze glitt geschmeidig an uns vorbei und brachte mich ins Wanken, so dass ich mit meinem verletzten Fuß auftrat. Er konnte noch kein Gewicht aufnehmen, doch ich konnte ihn zumindest auf den Boden stellen.
»Könnt Ihr kurz allein stehen?«, fragte Wylie.
Ohne meine Antwort abzuwarten, löste er sich von mir und zündete eine Laterne an, die vor uns auf einem Hocker stand. Ich hörte ein paar Mal das leise Klirren von Feuerstein auf Stahl, dann fing der Docht Feuer, und eine sanfte Kugel aus gelbem Licht umfing uns wie ein Ballon. Dann ergriff er mit seiner freien Hand erneut meinen Arm und führte mich zum hinteren Ende des Stalles.
Sie waren ganz hinten in der Laufbox. Wylie hielt die Laterne hoch und wandte sich mir dabei lächelnd zu. Der Laternenschein fiel auf ein Pferdefell, das glänzende Wellen warf wie Wasser bei Nacht, und er spiegelte sich leuchtend in den großen, braunen Augen der Stute wider, die sich uns jetzt zuwandte.
»Oh«, sagte ich leise, »wie wunderschön.« Und dann, etwas lauter: »Oh!« Die Stute hatte sich leicht bewegt, und ihr Fohlen lugte hinter den Hinterbeinen seiner Mutter hervor. Es hatte lange Beine mit knotigen Gelenken, sein winziger Rumpf und die schrägen Schultern waren rundliche Spiegelbilder der muskulösen Perfektion seiner Mutter. Es hatte die gleichen großen, freundlichen Augen, die von langen, langen Wimpern umrahmt waren – doch statt des glatten Fells aus wogendem Schwarz war es mit einer dunklen, rötlichbraunen Wolle bedeckt, die an Kaninchenplüsch erinnerte, und sein Schweif war eine absurde, kleine Kleiderbürste.
Die Mutter der kleinen Stute hatte die gleiche, traumhaft wallende Mähne, die ich schon bei den Friesen auf dem Paddock gesehen hatte; das Baby hatte einen lustigen Borstenkamm aus etwa drei Zentimeter langen Haaren, die senkrecht abstanden wie eine Zahnbürste.
Das Fohlen blinzelte, durch das Licht irritiert, dann duckte es sich rasch hinter den schützenden Körper seiner Mutter. Im nächsten Augenblick kamen die zuckenden Nüstern einer kleinen Nase behutsam in Sicht. Ein großes Auge folgte, blinzelte – und die Nase verschwand, nur um beinahe augenblicklich wieder aufzutauchen, diesmal ein wenig weiter.
»Hey, du kleine Zirze!«, sagte ich entzückt.
Wylie lachte.
»Das ist sie wirklich«, sagte er mit von Besitzerstolz erfüllter Stimme. »Sind sie nicht prachtvoll?«
»Nun ja, doch«, sagte ich und überlegte. »Das sind sie. Ich weiß nur nicht, ob es das richtige Wort ist. ›Prachtvoll‹ hört sich mehr nach etwas an, was man über einen Hengst oder ein Schlachtross sagen würde. Diese Pferde sind … na ja, sie sind süß!«
Wylie prustete leise und belustigt auf.
»Süß?« sagte er. »Süß?«
»Na ja, Ihr wisst schon«, sagte ich lachend. »Bezaubernd. Sanft. Hinreißend.«
»All das«, sagte er und wandte sich mir zu. »Und wunder, wunderschön.« Sein Blick war nicht auf die Pferde, sondern vielmehr auf mich gerichtet, und sein Gesicht trug den Hauch eines Lächelns.
»Ja«, sagte ich mit einem schwachen, merkwürdigen Gefühl der Beklommenheit. »Ja, sie sind sehr schön.«
Er stand sehr dicht neben mir; ich trat einen Schritt zur Seite und wandte mich ab, als wollte ich erneut die Pferde betrachten. Das Fohlen saugte am geschwollenen Euter der Stute und wedelte geschäftig mit seinem mickrigen Schweif.
»Wie heißen sie denn?«, fragte ich.
Wylie trat lässig auf den Trennbalken der Abfohlbox zu, richtete es jedoch so ein, dass sein Arm an meinem Ärmel vorbeistrich, als er sich nach oben reckte, um die Laterne an einen Wandhaken zu hängen.
»Die Stute heißt Tessa«, sagte er. »Den Hengst – Lucas – habt Ihr ja schon gesehen. Und was das Fohlen angeht …« Er ergriff meine Hand und hob sie lächelnd. »Ich habe mir gedacht, vielleicht nenne ich es La Belle Claire.«
Zuerst regte ich mich nicht, denn vor lauter Unglauben traf mich fast der Schlag. Nicht über den Namensvorschlag, sondern über den Ausdruck, der ganz deutlich in Philip Wylies Gesicht zu erkennen war.
»Was?«, sagte ich ausdruckslos. Ich irrte mich bestimmt, dachte ich. Ich versuchte, ihm meine Hand zu entreißen, doch ich hatte eine Sekunde zu lange gezögert, und seine Finger schlossen sich fest um die meinen. Er hatte doch wohl nicht vor …
Doch genauso war es.
»Bezaubernd«, sagte er leise und kam näher. »Sanft. Hinreißend. Und … wunderschön.« Er küsste mich.
Ich war so schockiert, dass ich mich im ersten Moment nicht regte. Sein Mund war sanft, der Kuss kurz und unschuldig. Das spielte jedoch kaum eine Rolle; was zählte, war die Tatsache, dass er es getan hatte.
»Mr. Wylie!«, sagte ich. Ich trat einen hastigen Schritt zurück, doch dann war mir die Boxenwand im Weg.
»Mrs. Fraser«, sagte er leise und trat seinerseits einen Schritt vor. »Meine Liebe.«
»Ich bin nicht Eure –«, begann ich, und er küsste mich erneut. Ohne die geringste Spur von Unschuld. Nach wie vor schockiert, aber nicht länger vom Schlag getroffen, versetzte ich ihm einen heftigen Schubs. Er schwankte, und seine Umklammerung meiner Hand löste sich, doch dann fand er das Gleichgewicht wieder, packte mich am Arm und fuhr mit der anderen Hand in meinen Rücken.
»Zirze«, flüsterte er und senkte sein Gesicht auf das meine. Ich trat nach ihm. Dummerweise benutzte ich dazu meinen verletzten Fuß, so dass der Tritt nicht besonders viel Kraft hatte und er ihn ignorierte.
Ich begann, mich ernsthaft zu wehren, als jetzt das Gefühl verblüfften Unglaubens dem Bewusstsein wich, dass der junge Mann mir die Hand fest in den Rücken gelegt hatte. Gleichzeitig war mir jedoch auch bewusst, dass sich eine ganze Reihe von Menschen in der Nähe des Stalles aufhielten; das Letzte, was ich wollte, war Aufmerksamkeit zu erregen.
»Aufhören!«, zischte ich. »Hört auf der Stelle auf damit!«
»Ihr raubt mir den Verstand«, keuchte er und drückte mich an seine Brust, während er versuchte, mir seine Zunge ins Ohr zu schieben.
Ich hatte allerdings den Eindruck, dass er nicht bei Verstand war, doch lehnte ich es kategorisch ab, auch nur die geringste Verantwortung für diesen Zustand zu übernehmen. Ich wich so weit zurück, wie ich konnte – nicht besonders weit, da ich den Balken im Rücken hatte –, und versuchte mit aller Gewalt, eine Hand zwischen uns zu schieben. Inzwischen hatte mein Schreck völlig nachgelassen, und ich begann überraschend klar zu denken. Ich konnte ihm nicht das Knie in den Schritt rammen, denn er hatte ein Bein zwischen die meinen geschoben und dabei meinen Rock festgeklemmt. Wenn es mir jedoch gelang, ihm die Hand um den Hals zu legen und seine Halsschlagadern fest zwischen die Finger zu bekommen, würde er wie ein Stein zu Boden stürzen.
Ich bekam zwar seinen Hals zwischen die Finger, aber seine verflixte Halsbinde war mir im Weg; meine Finger zerrten daran herum, und er fuhr mit dem Kopf zur Seite und griff nach meiner Hand.
»Bitte«, sagte er. »Ich möchte –«
»Es interessiert mich nicht, was Ihr möchtet!«, sagte ich. »Lasst mich sofort los, Ihr – Ihr –« Ich suchte hektisch nach einer passenden Beleidigung. »Grünschnabel!«
Zu meiner großen Überraschung hielt er inne. Sein Gesicht konnte nicht blass werden, da es schon mit Reismehl gepudert war – ich konnte den widerlich süßen Geschmack auf meinem Mund spüren –, doch er presste die Lippen zusammen, und seine Miene war … arg verletzt.
»Denkt Ihr das wirklich von mir?«, fragte er mit leiser Stimme.
»Ja, genau das denke ich!«, sagte ich. »Was soll ich denn sonst denken? Habt Ihr den Verstand verloren, Euch so – so abscheulich zu benehmen? Was ist nur los mit Euch?«