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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Jocasta legte den Kopf schief, lauschte und lächelte.

»Er hat eine schöne Stimme, dein junger Mann.«

Auch Brianna lauschte. Ganz schwach hörte sie irgendwo unten das vertraute Auf und Ab der Melodie von »My Love is in America«. Wenn ich singe, singe ich immer für dich. Ihre Brüste waren jetzt weich und enthielten keine Milch mehr, doch bei dieser Erinnerung kribbelten sie sacht.

»Du hast gute Ohren, Tante Jocasta«, sagte sie und schob den Gedanken lächelnd beiseite.

»Bist du zufrieden mit deiner Ehe?«, fragte Jocasta abrupt. »Hast du mit dem Jungen einen guten Fang gemacht?«

»Ja«, sagte Brianna ein wenig verblüfft. »Ja – ja, sehr.«

»Das ist gut.« Ihre Großtante stand still, den Kopf zur Seite geneigt, und lauschte immer noch. »Aye, das ist gut«, wiederholte sie leise.

Einem Impuls folgend, legte Brianna eine Hand auf das Handgelenk der älteren Frau.

»Und du, Tante Jocasta?«, fragte sie. »Bist du … zufrieden?«

»Glücklich« schien angesichts der Reihe von Ringen in der Schatulle nicht das richtige Wort zu sein. »Ein guter Fang« kam ihr auch nicht passend vor, denn sie musste daran denken, wie Duncan am Abend zuvor gedankenverloren in der Ecke des Salons gesessen hatte, schüchtern und wortlos, sobald ihn jemand anders als Jamie ansprach, und auch heute Morgen war er verschwitzt und nervös gewesen.

»Zufrieden?« Jocasta klang verwirrt. »Oh – mit der Hochzeit, meinst du?« Zu Briannas Erleichterung lachte ihre Tante, und die Linien ihres Gesichtes verzogen sich in aufrichtiger Belustigung.

»Oh, aye, aber sicher doch«, sagte sie. »Es ist schließlich das erste Mal seit fünfzig Jahren, dass ich mir einen anderen Namen zulege!«

Die alte Dame schnaubte belustigt auf. Dann wandte sie sich zum Fenster und presste die Handfläche gegen das Glas.

»Es ist ein schöner Tag draußen, Kleine«, sagte sie. »Warum nimmst du dir nicht deinen Umhang und genießt die frische Luft und die Gesellschaft?«

Sie hatte Recht; in einiger Entfernung glänzte der Fluss hinter einem Geflecht aus grünen Zweigen auf, und die Luft im Zimmer, die ihr gerade noch so gemütlich erschienen war, kam ihr plötzlich abgestanden und stickig vor.

»Ich glaube, das mache ich auch.« Brianna warf einen Blick auf die improvisierte Wiege. »Soll ich Phaedre rufen, damit sie auf das Baby Acht gibt?«

Jocasta drängte sie mit einer Geste ihrer Hand zu gehen.

»Och, fort mit dir. Ich kümmere mich um das Kind. Ich habe vorerst noch nicht vor, hinunterzugehen.«

»Danke, Tante Jocasta.« Sie küsste der alten Frau die Wange und wandte sich zum Gehen – dann warf sie einen Blick auf ihre Tante, trat noch einmal auf den Kamin zu und schob die Wiege unauffällig noch ein Stückchen weiter vom Feuer weg.

Die Luft draußen war frisch und roch nach jungem Gras und Barbecuerauch. Sie verlockte Brianna, über die gepflasterten Wege zu hüpfen, und das Blut summte in ihren Adern. Sie konnte die Melodieläufe der Musik und den Klang von Rogers Stimme im Haus hören. Eine rasche Runde an der frischen Luft, dann würde sie hineingehen; vielleicht war Roger ja dann reif für eine Pause, und dann könnten sie …

»Brianna!« Sie hörte ihren Namen, der von der anderen Seite der Mauer herüberzischte, die den Gemüsegarten umgab, und als sie sich aufgeschreckt umdrehte, sah sie, wie ihr Vater vorsichtig den Kopf um die Ecke steckte wie eine rote Schnecke. Er winkte sie mit einem Ruck seines Kinns zu sich und verschwand.

Sie sah sich schnell um und überzeugte sich, dass niemand sie beobachtete, dann huschte sie hastig um die Mauer herum in den Schutz eines Beetes mit Karottensprösslingen. Dort hockte ihr Vater über dem reglosen Körper eines schwarzen Dienstmädchens, das mit der Haube im Gesicht auf einem alten Dunghaufen ausgebreitet lag.

»Was in aller Welt–«, begann sie. Dann fing sie einen Hauch von Alkohol auf, der noch stärker war als die Gartengerüche nach Karottengrün und sonnengereiftem Pferdemist. »Oh.« Sie hockte sich neben ihren Vater, und ihre Röcke breiteten sich wie ein Ballon über den Backsteinpfad.

»Es ist meine Schuld«, sagte er. »Zumindest teilweise. Ich habe einen halb vollen Becher Punsch unter den Weiden stehen gelassen.« Er wies kopfnickend auf den Pfad, wo einer von Jocastas Punschbechern auf der Seite lag. Ein Tropfen der klebrigen Flüssigkeit hing immer noch an seinem Rand. »Sie muss ihn gefunden haben.«

Brianna beugte sich über die Magd und roch am Saum ihrer zerknitterten Haube, die im Rhythmus ihres heftigen Schnarchens flatterte. Rumpunsch war der vorherrschende Geruch, doch außerdem nahm sie ein stark säuerliches Alearoma und das glatte Bouquet von Brandy wahr. Offensichtlich hatte die Sklavin emsig den Bodensatz aus den Bechern geschlürft, die sie zum Spülen einsammelte.

Sie hob vorsichtig den Rüschensaum der Haube an. Es war Betty, eines der älteren Dienstmädchen. Im Alkoholrausch waren ihre Lippen erschlafft, und ihr Mund hing offen.

»Aye, es war nicht ihr erster halber Becher«, sagte Jamie bei ihrem Anblick. »Sie muss sturzbetrunken gewesen sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sie es geschafft hat, sich in diesem Zustand so weit vom Haus zu entfernen.«

Brianna sah sich stirnrunzelnd um. Der ummauerte Gemüsegarten war zwar nicht weit vom Küchenhaus entfernt, aber gute dreihundert Meter vom Herrenhaus, von dem er durch eine Rhododendronhecke und eine Reihe von Blumenbeeten getrennt war.

»Nicht nur wie«, sagte Brianna und tippte sich verwundert mit dem Finger an die Lippe. »Warum?«

»Was?« Er hatte den Blick stirnrunzelnd auf die Magd gerichtet gehabt, doch angesichts von Briannas Tonfall blickte er auf. Sie erhob sich und sah die schnarchende Frau mit schief gelegtem Kopf an.

»Warum ist sie hierhergekommen? Es sieht doch so aus, als hätte sie schon den ganzen Tag getrunken – und sie kann nicht mit jedem Becher an diesen Fleck gelaufen sein; das wäre irgendjemandem aufgefallen. Und warum sollte sie sich diese Mühe auch machen, wenn es andere Möglichkeiten gab, unbemerkt zu bleiben. Wenn ich Reste trinken wollte, würde ich dazu einfach dort unter den Weiden bleiben.«

Ihr Vater warf ihr einen erschrockenen Blick zu, der sogleich einem Ausdruck trockener Belustigung wich.

»So, das würdest du also? Aye, gute Idee. Aber vielleicht war der Becher noch so voll, dass sie ihn in Ruhe genießen wollte.«

»Vielleicht. Aber es gibt doch Verstecke, die näher am Fluss liegen als dieses hier.« Sie streckte die Hand aus und hob den leeren Becher auf. »Was hattest du denn getrunken, Rumpunsch?«

»Nein, Brandy.«

»Dann war es nicht dein Becher, der ihr den Rest gegeben hat.« Sie hielt ihm den Becher hin und neigte ihn so, dass er den dunklen Bodensatz sehen konnte. Jocastas Rumpunsch wurde nicht nur aus den üblichen Zutaten – Rum, Zucker und Butter – hergestellt, sondern zusätzlich mit getrockneten Johannisbeeren, und das Ganze wurde mit einem heißen Schüreisen umgerührt. Das Ergebnis war nicht nur dunkelbraun gefärbt, sondern hinterließ auch schwere Sedimente in den Bechern – winzige Rußpartikel, Absonderungen des Schüreisens und verkohlte Überreste angebrannter Johannisbeeren.

Jamie nahm ihr den Becher ab und runzelte die Stirn. Er steckte die Nase hinein, holte tief Luft, dann hielt er einen Finger in die Flüssigkeit und steckte ihn in den Mund.

»Was ist denn?«, fragte Brianna, als sie sah, wie sich sein Gesicht veränderte.

»Punsch«, sagte er, fuhr sich aber mit der Zungenspitze über die Zähne, als wollte er sie säubern. »Mit Laudanum, glaube ich.«

»Laudanum? Bist du sicher?«

»Nein«, sagte er unverblümt. »Aber er enthält mehr als nur getrocknete Johannisbeeren, so wahr ich Fraser heiße.« Er hielt ihr den Becher entgegen, und sie ergriff ihn und roch kräftig daran. Außer dem süßen, verbrannten Rumpunschgeruch konnte sie nicht viel ausmachen. Vielleicht war da ein Hauch von etwas Schärferem, Öligem, Aromatischem … vielleicht aber auch nicht.

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