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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Ich verlasse mich da auf dich«, sagte sie und wischte sich die Nasenspitze am Handrücken ab. Sie musterte die hingestreckte Dienstmagd. »Soll ich Mama suchen?«

Jamie hockte sich neben die Sklavin und betrachtete sie genau. Er hob ihre schlaffe Hand auf und betastete sie, lauschte auf ihre Atmung, dann schüttelte er den Kopf.

»Ich kann nicht sagen, ob sie betäubt ist oder nur betrunken – aber ich glaube nicht, dass sie im Sterben liegt.«

»Was sollen wir mit ihr machen? Wir können sie doch nicht so liegen lassen.«

Er blickte auf die Sklavin hinunter und runzelte die Stirn.

»Nein, natürlich nicht.« Er bückte sich und nahm die Frau – ganz sanft – in seine Arme. Einer ihrer abgetragenen Schuhe fiel zu Boden, und Brianna hob ihn vom Weg auf.

»Weißt du, wo sie schläft?«, fragte Jamie, während er seine bewusstlose Bürde vorsichtig um ein Gurkenspalier bugsierte.

»Sie ist eine Haussklavin; sie muss unter dem Dach schlafen.«

Er nickte und schüttelte den Kopf, um eine Haarsträhne loszuwerden, die ihm in den Mund geweht war.

»Also gut, dann gehen wir um die Stallungen herum und sehen zu, ob wir die Hintertreppe hinaufkommen, ohne dass man uns sieht. Geh vor, ja, und gib mir ein Zeichen, wenn die Luft rein ist.«

Sie versteckte den Schuh und den Becher unter ihrem Umhang, dann duckte sie sich und betrat rasch den schmalen Weg, der am Gemüsegarten vorbei zum Küchenhaus und zum Abort führte. Sie blickte auf und ab und täuschte dabei Beiläufigkeit vor. Es standen ein paar Leute am Paddock, doch das war ein ganzes Stück entfernt – und sie hatten ihr den Rücken zugewandt und beobachteten gebannt Mr. Wylies holländische Rappen.

Als sie sich umdrehte, um ihrem Vater ein Zeichen zu geben, fiel ihr Blick auf Mr. Wylie persönlich. Er führte gerade eine Dame in das Stallgebäude. Ein Aufglänzen goldener Seide – Moment, das war ja ihre Mutter! Claire drehte das blasse Gesicht kurz in ihre Richtung, konzentrierte sich aber ganz auf irgendetwas, das Wylie sagte, und sie bemerkte ihre Tochter nicht.

Brianna zögerte, denn sie hätte ihre Mutter gern gerufen, doch das war unmöglich, ohne unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen. Nun, zumindest wusste sie, wo Claire war. Sie konnte zurückkommen und ihre Mutter zu Hilfe holen, sobald sie Betty sicher untergebracht hatten.

Ein paar Mal waren sie dicht daran, entdeckt zu werden, doch schließlich gelang es ihnen, Betty in das langgezogene Speicherzimmer hinaufzubefördern, das sie mit den anderen weiblichen Hausbediensteten teilte. Jamie ließ sie keuchend auf eines der schmalen Betten fallen, dann wischte er sich die verschwitzte Stirn am Rockärmel ab, rümpfte seine lange Nase und begann, sorgsam die Dungkrümel von seinen Rockschößen abzustauben.

»Nun denn«, sagte er ein wenig mürrisch. »Hier ist sie sicher untergebracht, aye? Wenn du einer von den anderen Sklavinnen sagst, dass es ihr nicht gut geht, wird es wohl niemand von Bedeutung herausfinden.«

»Danke, Pa.« Sie beugte sich zu ihm hinüber und küsste ihm die Wange. »Das war wirklich lieb von dir.«

»Oh, aye«, sagte er resigniert. »Meine Knochen werden es mir danken.« Dennoch sah er nicht unzufrieden aus. »Hast du ihren Schuh noch?« Er zog dem Dienstmädchen den verbleibenden Schuh aus und stellte ihn ordentlich neben sein Gegenstück unter das Bett, dann zog er der Frau sanft die grobe Wolldecke über die Füße, die in schmutzig weißen Florgarnstrümpfen steckten.

Brianna überprüfte den Zustand des Dienstmädchens; so weit sie es beurteilen konnte, schien alles in Ordnung zu sein; die Frau schnarchte immer noch feucht, aber beruhigend regelmäßig vor sich hin. Als sie auf Zehenspitzen die Hintertreppe wieder hinunterstiegen, gab sie Jamie den Silberbecher.

»Hier. Wusstest du, dass es einer von Duncans Bechern ist?«

»Nein.« Er zog eine Augenbraue hoch und runzelte die Stirn. »Was meinst du damit, ›Duncans Becher‹?«

»Tante Jocasta hat Duncan zur Hochzeit einen Satz mit sechs Bechern machen lassen. Sie hat sie mir gestern gezeigt. Siehst du das?« Sie drehte den Becher in der Hand, um ihm das eingravierte Monogramm zu zeigen – ein »I« für »Innes« und ein kleiner Fisch mit wunderhübsch herausgearbeiteten Flossen schwamm um den Buchstaben herum.

»Sagt dir das etwas?«, fragte sie, als sie sah, wie sich seine Stirn interessiert in Falten legte.

»Vielleicht.« Er zog ein sauberes Cambrictaschentuch hervor und wickelte den Becher sorgfältig ein, bevor er ihn in seine Rocktasche steckte. »Ich werde es herausfinden. Kannst du unterdessen Roger Mac suchen?«

»Natürlich, warum?«

»Nun, wenn die gute Betty hier die Hälfte eines Bechers mit Rumpunsch getrunken hat und er sie so umgeworfen hat, würde ich gern denjenigen finden, der die erste Hälfte getrunken hat, und erfahren, ob er sich in einem ähnlichen Zustand befindet.« Er zog eine Augenbraue hoch und sah sie an. »Wenn jemand eine Droge in den Punsch geschüttet hat, dann war sie doch wahrscheinlich für jemand Bestimmten gedacht, aye? Vielleicht könntest du dich mit Roger Mac diskret nach weiteren Opfern im Gebüsch umsehen?«

Diese Möglichkeit war ihr in der Eile, Betty die Treppe hinaufzubefördern, gar nicht in den Sinn gekommen.

»Gut. Ich sollte nur erst nach Phaedre oder Ulysses suchen und einem von ihnen sagen, dass Betty krank ist.«

»Aye. Wenn du mit Phaedre sprichst, könntest du dich erkundigen, ob Betty außer dem Alkohol auch noch Opium nimmt? Obwohl ich das nicht für wahrscheinlich halte«, fügte er trocken hinzu.

»Ich auch nicht«, sagte sie im gleichen Tonfall. Doch sie verstand, was er meinte; vielleicht war der Punsch ja gar nicht manipuliert worden, sondern Betty hatte das Laudanum absichtlich zu sich genommen. Es war denkbar; sie wusste, dass Jocasta Laudanum in der Kräuterkammer hatte. Doch wenn sie es selbst genommen hatte, hatte sie es getan, um sich zu berauschen – oder hatte das Dienstmädchen womöglich Selbstmordabsichten gehabt?

Sie betrachtete stirnrunzelnd Jamies Rücken, als er jetzt am Fuß der Treppe stehen blieb und lauschte, bevor er in den Flur trat. Man konnte sich leicht vorstellen, dass das Elend der Sklaverei einen Menschen zum Selbstmord treiben konnte. Gleichzeitig musste sie jedoch ehrlich zugeben, dass Jocastas Haussklaven kein schlechtes Leben führten; besser als viele freie Individuen – schwarz wie weiß –, die sie in Wilmington und Cross Creek gesehen hatte.

Das Zimmer der Bediensteten war sauber, die Betten grob gezimmert, aber bequem. Die Haussklaven hatten anständige Kleider, sogar bis hin zu Schuhen und Strümpfen, und mehr als genug zu essen. Und was die emotionalen Komplikationen betraf, die einen Menschen dazu bringen konnten, an Selbstmord zu denken – nun, diese waren nicht allein auf Sklaven beschränkt.

Sehr viel wahrscheinlicher war, dass Betty nur eine Säuferin war, die jede auch nur vage alkoholische Substanz trank – darauf deutete jedenfalls der Geruch ihrer Kleider hin. Doch wenn das so war, warum sollte sie dann den riskanten Laudanumdiebstahl an einem Tag begangen haben, an dem durch die Hochzeitsgesellschaft sichergestellt war, dass es Getränke jeder Art in Hülle und Fülle geben würde?

Sie sah sich widerstrebend zu demselben Schluss gezwungen, den auch ihr Vater garantiert inzwischen gezogen hatte. Betty hatte das Laudanum – wenn es Laudanum war, erinnerte sie sich mahnend – unbeabsichtigt zu sich genommen. Und wenn das so war … aus wessen Becher hatte sie dann getrunken?

Jamie drehte sich um, gebot ihr mit geschürzten Lippen Schweigen und bedeutete ihr mit einer Geste, dass die Luft rein war. Sie folgte ihm rasch durch den Flur ins Freie und atmete erleichtert auf, als sie unbeobachtet den Weg erreichten.

»Was wolltest du überhaupt dort, Pa?«, fragte sie. Er machte ein verständnisloses Gesicht.

»Im Gemüsegarten«, erläuterte sie. »Wie hast du Betty gefunden?«

»Oh.« Er ergriff ihren Arm und führte sie vom Haus fort. Sie schlenderten lässig zum Paddock, unschuldige Gäste, die sich die Pferde ansehen wollten. »Ich hatte mich gerade drüben unter den Bäumen mit deiner Mutter unterhalten. Ich habe den Rückweg durch den Gemüsegarten genommen, und da lag sie rücklings auf dem Misthaufen.«

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