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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Das ist doch seltsam, oder?«, fragte sie. »Hat sie sich mit Absicht in den Garten gelegt, oder war es nur Zufall, dass du sie dort gefunden hast?«

Er schüttelte den Kopf.

»Ich weiß es nicht«, sagte er. »Aber ich habe vor, mich mit Betty zu unterhalten, sobald sie wieder nüchtern ist. Weißt du, wo deine Mutter ist?«

»Ja, sie ist bei Philip Wylie. Ich glaube, sie waren zum Stall unterwegs.« Die Nasenlöcher ihres Vaters blähten sich leicht, als er Wylies Namen hörte, und sie unterdrückte ein Lächeln.

»Ich finde sie schon«, sagte er. »Geh du unterdessen zu Phaedre und sprich mit ihr – und Brianna –«

Sie hatte sich schon zum Gehen gewandt; jetzt blickte sie überrascht zurück.

»Vielleicht solltest du Phaedre bitten, dass sie niemandem davon erzählt, es sei denn, jemand fragt sie, wo Betty ist. Und wenn das geschieht, soll sie es dir sagen – oder mir.« Er richtete sich abrupt auf und räusperte sich. »Dann such jetzt deinen Mann, Kleine – und Brianna? Seht zu, dass niemand merkt, was ihr tut, aye?«

Er zog eine Augenbraue hoch, und sie antwortete mit einem Kopfnicken. Dann machte er kehrt, und die Finger seiner rechten Hand klopften sanft gegen seinen Rock, als sei er tief in Gedanken versunken.

Der kühle Wind fuhr ihr unter den Rock und blies ihre Unterröcke auf, so dass sie heftig erschauerte. Sie verstand seine Andeutung ganz genau.

Wenn es weder ein Selbstmordversuch noch ein Unfall war – dann war es möglicherweise versuchter Mord. Doch an wem?

Kapitel 43

Bezirzt

Jamie hatte mich nach unserem kleinen Zwischenspiel zur Ermutigung ausgiebig geküsst und sich dann krachend durch das Unterholz davongemacht, um Ninian Bell Hamilton ausfindig zu machen und in Erfahrung zu bringen, was die Regulatoren in dem Feldlager im Schilde führten, das Hunter erwähnt hatte. Ich folgte ihm ins Freie, nachdem ich anstandshalber etwas gewartet hatte, blieb aber am Rand des Hains stehen, um mich zu vergewissern, dass ich schicklich aussah, bevor ich mich wieder unter die Leute begab.

Mir war schwindelig vor Wohlgefühl, und das Blut war mir in die Wangen gestiegen, doch ich hoffte, dass mich das allein nicht entlarven würde. Auch würde die Tatsache, dass ich aus dem Wäldchen kam, niemandem einen Grund zur Anklage geben; Frauen wie Männer traten oft in den Schutz der Bäume, die den Rasen umstanden, um einfach dort ihre Blase zu entleeren, anstatt die überfüllten, stinkenden Aborte aufzusuchen. Doch wenn ich errötet und schwer atmend mit Blättern im Haar und Harzflecken auf dem Rock aus dem Wald trat, würde dies für Gesprächsstoff hinter den Fächern sorgen.

Ich hatte ein paar Kletten und einen leeren Zikadenpanzer an meinem Rock hängen, einen gruseligen Auswuchs, den ich mit einem Schauder der Abneigung entfernte. An meiner Schulter klebten Hartriegelblätter; ich strich sie beiseite und tastete sorgfältig über mein Haar, aus dem ich weitere Blätter herauspickte, die wie duftende Papierschnipsel zu Boden segelten.

Erst als ich aus dem Schutz der Bäume heraustrat, kam mir die Idee, die Rückseite meines Rockes nach Flecken oder Rindenstückchen abzusuchen, und ich reckte gerade den Hals, um hinter mich zu blicken, als ich frontal mit Philip Wylie zusammenstieß.

»Mrs. Fraser!« Er packte mich an den Schultern, um zu verhindern, dass ich hintenüber fiel. »Ist Euch nicht gut, meine Liebe?«

»Doch, natürlich.« Meine Wangen brannten jetzt mit gutem Grund, und ich trat einen Schritt zurück und schüttelte mich, um mich zu sammeln. Warum prallte ich nur ständig auf Wylie? Lief die kleine Nervensäge mir etwa nach? »Ich bitte um Entschuldigung.«

»Unsinn, Unsinn«, sagte er jovial. »Es war ganz und gar meine Schuld. Sehr ungeschickt von mir. Darf ich Euch etwas holen, damit Ihr wieder zu Euch kommen könnt, meine Liebe? Ein Glas Cidre? Wein? Rumpunsch? Gewürzmilch? Apfelschnaps? Oder – nein, Brandy. Ja, erlaubt mir, Euch einen Brandy zu bringen, damit Ihr Euch von dem Schreck erholen könnt!«

»Nein, nichts, danke!« Ich musste unwillkürlich über sein absurdes Verhalten lachen, und er grinste zurück und kam sich offenbar höchst geistreich vor.

»Nun, wenn Ihr Euch denn schon ganz erholt habt, verehrte Dame, müsst Ihr mit mir kommen. Ich bestehe darauf.«

Er hatte meine Hand in seine Ellenbeuge gesteckt und zog mich all meinen Protesten zum Trotz zielsicher in Richtung des Stalles davon.

»Es wird nicht mehr als einen Augenblick in Anspruch nehmen«, versicherte er mir. »Ich freue mich schon den ganzen Tag darauf, Euch meine Überraschung zu zeigen. Ihr werdet ganz verzaubert sein, darauf gebe ich Euch mein Wort!«

Ich ergab mich kraftlos; es würde wohl weniger anstrengend sein, mitzugehen und mir die verdammten Pferde noch einmal anzusehen, als mit ihm zu streiten – und mir blieb in jedem Fall noch reichlich Zeit, mich vor der Trauung mit Jocasta zu unterhalten. Diesmal gingen wir jedoch am Paddock vorbei, wo Lucas und seine Gefährten sich geduldig von zwei Herren inspizieren ließen, die mutig auf den Zaun geklettert waren, um sie genauer zu betrachten.

»Das ist wirklich ein erstaunlich friedfertiger Hengst«, sagte ich beifällig und verglich Lucas’ freundliches Betragen im Geiste mit Gideons Raubrittermanier. Jamie war immer noch nicht dazu gekommen, das Pferd zu kastrieren, und so hatte es auf dem Weg nach River Run so gut wie alle Beteiligten gebissen, ganz gleich ob Pferd oder Mensch.

»Ein Charaktermerkmal dieser Rasse«, erwiderte Wylie, während er die Tür des großen Stalles aufschob. »Sie sind ausgesprochen liebenswerte Pferde, obwohl ihre sanfte Veranlagung ihrer Intelligenz keinen Abbruch tut, das versichere ich Euch. Hier entlang, Mrs. Fraser.«

Verglichen mit dem strahlend hellen Tag draußen, herrschte im Inneren des Stalles tiefe Dunkelheit; es war so dunkel, dass ich über einen unebenen Pflasterstein im Fußboden stolperte, und Mr. Wylie ergriff meinen Arm, als ich mit einem erschrockenen Aufschrei vornüberstolperte.

»Alles in Ordnung, Mrs. Fraser?«, fragte er und richtete mich wieder auf.

»Ja«, sagte ich, ein wenig außer Atem. In Wirklichkeit hatte ich mir allerdings heftig den Zeh gestoßen und war außerdem mit dem Knöchel umgeknickt – meine neuen, mit Saffianleder besohlten Schuhe waren zwar sehr hübsch, aber ich hatte sie noch nicht richtig eingelaufen. »Ich würde nur gern einen Moment stehen bleiben – bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben.«

Er leistete meiner Bitte Folge, ohne jedoch meinen Arm loszulassen. Stattdessen zog er meine Hand durch seine Ellenbeuge und hakte sie dort unter, um mir mehr Halt zu geben.

»Stützt Euch auf mich«, sagte er schlicht.

Das tat ich, und wir standen ein paar Sekunden schweigend da. Ich hielt meinen verletzten Fuß hochgezogen wie ein Reiher, während ich darauf wartete, dass das Pochen in meinen Zehen aufhörte. Mr. Wylie schien der Sinn ausnahmsweise nicht nach Bonmots und anderen Scherzen zu stehen – vielleicht lag es an der friedvollen Atmosphäre.

Ställe haben stets etwas Friedvolles an sich, da Pferde und ihre Pfleger meistens liebenswürdige Geschöpfe sind. Dieser Stall jedoch strahlte etwas ganz Besonderes aus, er war still und gleichzeitig von Energie erfüllt. Ich konnte leises Rascheln und Stampfen hören und die zufriedenen Geräusche eines Pferdes, das in unserer unmittelbaren Nähe Heu kaute.

So dicht neben Philip Wylie nahm ich sein Parfum wahr, doch selbst der teure Hauch von Bergamotte und Moschus kam nicht gegen die Stallgerüche an. Es roch nach frischem Stroh und Hafer, nach Ziegeln und Holz, doch unter all dem lag auch ein schwacher Geruch nach etwas Elementarerem – Dung, Blut und Milch; die Grundelemente der Mutterschaft.

»Man kommt sich hier innen vor wie im Mutterleib, nicht wahr?«, sagte ich leise. »So warm und dunkel. Ich kann beinahe den Herzschlag spüren.«

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