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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Der Junge steht doch nicht zu dicht am Feuer, oder? Es könnten Funken fliegen, aye?«

Brianna wand sich in das Korsett und hob ihre Brüste in die schalenförmigen, stützenden Auswölbungen, dann zog sie das Kleid darüber.

»Nein, er steht nicht zu nah am Feuer«, sagte sie geduldig. Sie hatte das Mieder vorn und an den Seiten mit leichten Fischbeinstäben ausgestattet. Sie drehte sich hin und her und bewunderte das Ergebnis in Jocastas langem Spiegel. Als sie im Spiegel das Stirnrunzeln ihrer Tante sah, verdrehte sie die Augen und zog die Schublade für den Fall des Falles ein Stückchen weiter vom Kamin fort.

»Danke, dass du einer alten Frau diesen Gefallen tust«, sagte Jocasta trocken, als sie das hölzerne Schaben hörte.

»Gern geschehen, Tante Jocasta«, erwiderte Brianna in einem Tonfall, der sowohl warm als auch entschuldigend klang. Sie legte ihrer Großtante eine Hand auf die Schulter, und Jocasta legte ihre lange Hand darüber und drückte sie sanft.

»Nicht, dass ich dich für eine unachtsame Mutter halte, aye?«, sagte Jocasta. »Aber wenn du erst einmal so alt bist wie ich, wirst du vielleicht auch vorsichtig. Ich habe schon erlebt, wie Kindern Schreckliches widerfahren ist, verstehst du?«, sagte sie ein wenig sanfter. »Und ich würde lieber selbst verbrennen als mit anzusehen, wie deinem Prachtkerlchen etwas zustößt.«

Sie trat hinter Brianna, und ihre Hand fuhr sacht über den Rücken ihrer Nichte und fand die Schnüre und Ösen ohne Schwierigkeiten.

»Du hast deine alte Figur wieder«, sagte die alte Frau anerkennend, während ihre Hand flüchtig über Briannas Taille fuhr. »Was ist das – Crewelgarn? Welche Farbe hat es?«

»Dunkles Indigoblau. Blühende Ranken in schwerer Baumwolle, die sich von der hellblauen Wolle abheben.« Sie ergriff Jocastas Hand und führte ihre Fingerspitzen behutsam über die Ranken, die die Nähte des Mieders überdeckten und sich vom tief ausgeschnittenen, rechteckigen Halsausschnitt bis zur V-förmigen Taille des Kleides zogen, die an der Vorderseite steil nach unten zulief, um die schlanke Figur zu betonen, die Jocasta gerade gelobt hatte.

Brianna zog den Bauch ein, als sich die Schnüre fester zuzogen, und blickte von ihrem Spiegelbild auf den kleinen Kopf ihres Sohnes, der so rund wie eine Melone und herzzerreißend perfekt war. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, was für ein Leben ihre Tante wohl gelebt hatte. Jocasta hatte Kinder gehabt, zumindest meinte Jamie das – doch sie sprach nie von ihnen, und es widerstrebte Brianna, sie danach zu fragen. Vielleicht hatte sie sie im Kleinkindalter verloren, wie es so oft geschah. Bei dieser Vorstellung wurde ihr das Herz schwer.

»Mach dir keine Sorgen«, sagte ihre Tante. Jocastas Spiegelbild legte jetzt wieder eine Miene entschlossener Fröhlichkeit an den Tag. »Dein Junge ist zu Großem geboren; ihm wird bestimmt kein Unheil geschehen.«

Sie wandte sich ab, und die grüne Seide ihres Morgenrockes strich raschelnd über ihre Unterröcke, während Brianna erneut verblüfft zur Kenntnis nahm, wie gut ihre Tante die Gefühle der Leute erraten konnte, obwohl sie ihre Gesichter nicht sehen konnte.

»Phaedre!«, rief Jocasta. »Phaedre! Bring mir mein Kästchen – das schwarze.«

Wie immer war Phaedre nicht weit fort, und ein kurzes Rascheln in den Schubladen des Kleiderschrankes brachte das schwarze Kästchen zum Vorschein. Jocasta setzte sich damit an ihren Sekretär.

Die schwarze Lederschatulle war alt und abgenutzt, ein schmales Kästchen, das mit verwittertem Leder bezogen war, schmucklos bis auf den Silberverschluss. Brianna wusste, dass Jocasta ihre besten Juwelen in einem viel prachtvolleren Kästchen aus samtgefüttertem Zedernholz aufbewahrte. Was mochte sich in diesem hier befinden?

Sie trat an die Seite ihrer Tante, und Jocasta klappte den Deckel auf. Im Inneren der Schatulle befand sich ein kurzes, fingerdickes, gedrechseltes Holzstück, auf dem drei Ringe arrangiert waren: ein schlichter Goldring mit einem Beryll, ein weiterer mit einem großen, glatt geschliffenen Smaragd, und der dritte war mit drei Diamanten besetzt. Diese waren von kleineren Steinen umringt, in denen sich das blasse Licht fing und in Regenbogen reflektierte, die über die Wände und Deckenbalken tanzten.

»Was für ein hübscher Ring«, rief Brianna unwillkürlich aus.

»Oh, der Diamantring? Ja, Hector Cameron war wirklich ein reicher Mann«, sagte Jocasta und berührte geistesabwesend den größten der Ringe. Ihre langen – ungeschmückten – Finger durchsuchten zielstrebig den kleinen Haufen von Schmuckstücken, der neben den Ringen in der Kiste lag, und kamen mit einem kleinen, unscheinbaren Gegenstand wieder zum Vorschein.

Sie reichte ihn Brianna, und diese stellte fest, dass es eine kleine Brosche aus durchbrochenem Zinn war, die stark angelaufen war und die Form eines Herzens hatte.

»Das ist ein Deasilzauber, a muirninn«, sagte Jocasta und nickte zufrieden mit dem Kopf. »Steck ihn dem Kleinen hinten an sein Kittelchen.«

»Ein Zauber?« Brianna warf einen Blick auf Jemmys zusammengerollten Körper. »Was denn für ein Zauber?«

»Gegen das Elfenvolk«, sagte Jocasta. »Hefte ihn dem Jungen an sein Kittelchen – aber unbedingt immer hinten –, und niemand aus dem Alten Volk wird ihn behelligen.«

Die Haare auf Briannas Unterarmen prickelten sacht, weil Jocasta diese Worte in so selbstverständlichem Ton sprach.

»Deine Mutter hätte es dir sagen sollen«, fuhr Jocasta mit einem Hauch von Tadel in der Stimme fort. »Aber ich weiß ja, dass sie eine Sassenach ist, und dein Vater denkt wahrscheinlich nicht an so etwas. So sind die Männer«, fügte sie mit einer Spur von Bitterkeit hinzu. »Es ist Frauensache, für die Kinder da zu sein, sie vor dem Unheil zu beschützen.«

Jocasta bückte sich und suchte in den Holzabfällen des Brennholzkorbes herum. Als sie sich wieder erhob, hatte sie einen langen Kiefernzweig in der Hand, dem noch die Rinde anhaftete.

»Nimm das«, befahl sie und hielt Brianna den Zweig hin. »Zünde das Ende am Kaminfeuer an und schreite dreimal um das Kind herum. Mit der Sonne!«

Verwundert ergriff Brianna das Stöckchen, hielt es ins Feuer, dann tat sie, was ihr aufgetragen war, wobei sie den brennenden Zweig in gebührendem Abstand von der improvisierten Wiege und von ihrem blauen Wollrock entfernt hielt. Jocasta klopfte rhythmisch mit dem Fuß auf den Boden und sang leise vor sich hin.

Sie sprach Gälisch, jedoch so langsam, dass Brianna die meisten Worte verstehen konnte.

Die Weisheit der Schlange sei dein,

Die Weisheit des Raben sei dein,

Weisheit des tapferen Adlers.

Die Stimme des Schwans sei dein,

Die Stimme des Honigs sei dein,

Stimme des Sohns der Sterne.

Der Schutz vor der Elfenfrau sei dein,

Der Schutz vor dem Elfenpfeil sei dein,

Der Schutz vor dem roten Hund sei dein.

Die Schätze der See seien dein,

Die Schätze des Landes seien dein,

Schätze des Himmlischen Vaters.

Ein jeder Tag sei glücklich für dich,

Kein Tag schlecht für dich,

Ein Leben voll Glück und Zufriedenheit.

Jocasta hielt inne, die Stirn leicht gerunzelt, als lauschte sie auf Widerspruch aus der Elfenwelt. Sichtlich zufrieden gestellt, gestikulierte sie in Richtung des Kamins.

»Wirf den Zweig ins Feuer. Dann ist das Kind vor den Flammen sicher.«

Brianna gehorchte und stellte zu ihrer Faszination fest, dass sie nichts von alldem auch nur annähernd lächerlich fand. Seltsam, aber höchst befriedigend zu glauben, dass sie auf diese Weise dazu beitrug, Unheil von Jemmy fernzuhalten – und mochte es auch Unheil durch Feenhand sein, obwohl sie persönlich nicht an Feen glaubte. Oder bis jetzt nicht geglaubt hatte.

Eine Melodie driftete von unten herauf; jemand spielte Geige, und sie hörte den Klang einer Stimme, tief und weich. Sie konnte keine Worte ausmachen, doch sie kannte das Lied.

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