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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Ja, Mist«, sagte ich und schnüffelte weiter. »Und Rumpunsch –« Doch den hatte er nicht selbst getrunken, dachte ich; ich hatte nur Bier geschmeckt, als er mich küsste. »Und noch etwas Fürchterliches, wie abgestandener Schweiß und –«

»Gekochte Rüben«, sagte er und klang noch resignierter. »Aye, das Dienstmädchen, von dem ich dir erzählt habe, Sassenach. Sie heißt Betty.« Er steckte meine Hand in seine Ellenbeuge, verbeugte sich tief vor der Menge – die unverschämterweise geschlossen applaudierte – und machte mit mir kehrt, um mich zum Haus zu dirigieren.

»Es wäre schön, wenn du etwas Vernünftiges aus ihr herausbekommen könntest«, sagte er mit einem Blick auf die Sonne, die auf halber Höhe über den Baumwipfeln längs des Flusses am Himmel stand. »Aber es wird langsam spät; vielleicht gehst du besser erst nach oben und sprichst mit meiner Tante, wenn es um vier Uhr eine Hochzeit geben soll.«

Ich versuchte, mich zu beruhigen. Eine ganze Reihe unverarbeiteter Gefühle rumorten nach wie vor in meinem Inneren, doch es gab nun einmal Arbeit.

»Also gut«, sagte ich. »Ich werde Jocasta aufsuchen und dann einen Blick auf Betty werfen. Und was Philip Wylie angeht …«

»Was Philip Wylie angeht«, unterbrach er mich, »denk nicht mehr an ihn, Sassenach.« Ein gewisser Ausdruck innerer Zielsicherheit regte sich in seinen Augen. »Um ihn kümmere ich mich später.«

Kapitel 44

Schwierigkeiten im Ehebett

Ich trennte mich im Salon von Jamie, und während ich die Treppe hinaufging und den Flur zu Jocastas Zimmer durchschritt, nickte ich den Freunden und Bekannten, denen ich unterwegs begegnete, geistesabwesend zu. Ich war immer noch bestürzt, sehr verärgert – und zugleich widerstrebend belustigt. Seit ich sechzehn war, hatte ich nicht mehr so viel Zeit mit verwirrtem Nachdenken über einen Penis verbracht, und jetzt beschäftigten mich gleich drei dieser Organe.

Da ich feststellte, dass ich allein im Flur war, öffnete ich meinen Fächer und blinzelte nachdenklich in den winzigen, runden Spiegel, der in einem Gemälde mit einer ländlichen Idylle als See diente. Da er den Betrachter eher neugierig machen sollte als ihm beim Frisieren oder Schminken zu helfen, zeigte mir der Spiegel nicht mehr als ein paar Quadratzentimeter meines Gesichtes auf einmal – ein Auge nebst dazugehöriger, hochgezogener Augenbraue, das mich fragend betrachtete.

Ich musste zugeben, dass es immer noch ein hübsches Auge war. Natürlich war es von Fältchen umgeben – aber es war wohlgeformt, das Lid elegant, und die dunkle Färbung der langen, geschwungenen Wimpern wiederholte sich in der schwarzen Pupille und bildete einen auffälligen Kontrast zum goldgefleckten Bernsteinton der Iris.

Ich schob den Fächer beiseite, um einen Blick auf meinen Mund zu werfen. Volle Lippen, im Augenblick sehr viel voller als sonst, ganz zu schweigen von ihrer dunklen, feuchten Rotfärbung. Sie sahen aus, als hätte jemand sie ausgiebig geküsst. Noch dazu sahen sie so aus, als hätte es ihnen gefallen.

»Hm!«, sagte ich und ließ den Fächer zuschnappen.

Jetzt, da mein Blut nicht länger kochte, stellte ich fest, dass ich mich mit absoluter Klarheit an die jüngsten Ereignisse erinnern konnte. Und ungeachtet meines Alters oder der Absichten, die Philip Wylie gehegt haben mochte, hatte er mir unwiderruflich bewiesen, dass er mich körperlich attraktiv fand, Großmutter oder nicht.

Ich hielt es allerdings für sehr viel besser, dies Jamie gegenüber nicht zu erwähnen; Philip Wylie war ein ausgesprochen aufdringlicher, junger Mann, doch wenn ich es in Ruhe bedachte, kam ich zu dem Schluss, dass es mir doch lieber war, wenn er nicht auf dem Rasen vor dem Haus seine Eingeweide verlor.

Mit zunehmender Reife änderte man allerdings auch die Perspektive. Allen persönlichen Implikationen jener aufgebrachten, männlichen Glieder zum Trotz, war es das schlaffe Exemplar, dem ich meine Aufmerksamkeit zuerst widmen musste, und ich verdrängte entschlossen jeden Gedanken an die beschämende Szene im Stall. Zumindest im übertragenen Sinne hätte ich Duncan Innes’ Geschlechtsteile furchtbar gern in die Finger bekommen.

Von einer direkten Kastration abgesehen, gab es nicht besonders viele Möglichkeiten, durch ein Verletzungstrauma physisch impotent zu werden. Angesichts der primitiven Vorgehensweise, die sich heutzutage Chirurgie nannte, war es möglich, dass der Arzt, der die ursprüngliche Verletzung behandelt hatte – falls sie behandelt worden war – tatsächlich einfach beide Hoden entfernt hatte. Doch wenn das der Fall war – hätte Duncan es dann nicht gesagt?

Nun, vielleicht nicht. Duncan war ein ausgesprochen schüchterner und bescheidener Mann, und selbst ein Mensch von extrovertierterem Charakter hätte möglicherweise Hemmungen gehabt, jemand anderem ein solches Unglück einzugestehen, selbst wenn es ein enger Freund war. Doch war es möglich, eine solche Verletzung in der Enge eines Gefängnisses geheim zu halten? Ich trommelte mit den Fingern auf den Intarsien des Tisches vor Jocastas Tür herum und überlegte.

Es war zweifellos möglich, dass ein Mann mehrere Jahre lang nicht badete; ich war schon diversen Herren begegnet, auf die dies ganz offensichtlich zutraf. Andererseits waren die Gefangenen von Ardsmuir gezwungen gewesen, im Freien zu arbeiten, wo sie Torf stachen oder im Steinbruch beschäftigt waren; sie mussten regelmäßig Zugang zu offenem Wasser gehabt haben und hatten sich vermutlich zumindest regelmäßig gewaschen, wenn auch nur, um den Juckreiz des Ungeziefers unter Kontrolle zu halten. Das konnte man jedoch wahrscheinlich, ohne sich ganz auszuziehen.

Ich vermutete, dass Duncan noch mehr oder minder intakt war. Es war sehr viel wahrscheinlicher, dachte ich, dass seine Impotenz psychologischen Ursprungs war; jeder Mann, dessen Hoden halb zerquetscht wurden, bekam zwangsweise einen Schrecken, und es war gut möglich, dass ein verfrühtes Experiment Duncan zu der Überzeugung gebracht hatte, dass sich bei ihm nichts mehr rührte.

Ich ließ mir Zeit mit dem Anklopfen, jedoch nicht lange. Ich hatte schließlich Erfahrung darin, den Leuten schlechte Nachrichten zu überbringen, und wenn mich diese Erfahrung eines gelehrt hatte, so war es, dass lange Vorbereitungen oder besorgte Überlegungen, was man sagen sollte, zwecklos waren. Wortgewandtheit war in einer solchen Situation kaum hilfreich, und Offenheit schloss Mitgefühl ja nicht aus. Ich klopfte laut und kurz an die Tür und trat auf Jocastas Aufforderung hin ein.

Vater LeClerc war bei ihr. Er saß an einem kleinen Tisch in der Ecke und machte sich gerade fleißig über ein großes Sortiment an Essbarem her. Zwei Flaschen Wein – eine davon leer – standen ebenfalls auf dem Tisch, und bei meinem Eintreten blickte der Priester mit einem fettig strahlenden Lächeln auf, das so aussah, als umliefe es sein ganzes Gesicht und als sei es hinter seinen Ohren verknotet.

»Tally-ho, Madame!«, sagte er fröhlich und schwang grüßend ein Truthahnbein in meine Richtung. »Tally-ho, Tally-ho!«

»Bon jour« klang im Kontrast dazu geradezu verklemmt, weshalb ich mich mit einem Knicks und einem kurzen »Na dann, cheerio!« als Antwort begnügte.

Es gab eindeutig keine Möglichkeit, den Priester loszuwerden, und ich konnte mit Jocasta nirgendwo anders hin, da Phaedre im Ankleidezimmer mit zwei Kleiderbürsten ein großes Theater veranstaltete. Doch angesichts von Vater LeClercs eingeschränkten Englischkenntnissen ging ich davon aus, dass es nicht unbedingt nötig war, unter vier Augen zu sein.

Daher berührte ich Jocasta am Ellbogen und murmelte ihr diskret zu, dass wir uns vielleicht in die Fensternische setzen sollten, da ich etwas Wichtiges mit ihr zu besprechen hätte. Sie machte ein überraschtes Gesicht, nickte aber, und nachdem sie sich entschuldigend vor Vater LeClerc verneigt hatte – der es nicht bemerkte, da er mit einem hartnäckigen Hautstück beschäftigt war –, kam sie zu mir und setzte sich.

»Aye, Nichte?«, sagte sie, nachdem sie ihre Röcke über ihrem Knie zurechtgestrichen hatte. »Was gibt es denn?«

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