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Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
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»Sie haben nichts zu tun; lesen Sie einmal dies hier!« sagte auf einmal Peter Stepanowitsch und warf ihm ein Blatt Papier hin.

Liputin setzte sich näher an die Kerze heran. Das Blatt war mit kleiner, schlechter Schrift bedeckt; in jeder Zeile fanden sich Ausstreichungen. Als Liputin sich hindurchgearbeitet hatte, hatte Peter Stepanowitsch schon bezahlt und ging weg. Auf dem Trottoir reichte Liputin ihm das Blatt wieder hin.

»Behalten Sie es an sich; ich werde gleich darüber reden. Übrigens, was sagen Sie dazu?«

Liputin bebte am ganzen Leibe.

»Meiner Ansicht nach ... ist eine solche Proklamation ... nur eine lächerliche Abgeschmacktheit.«

Sein Ingrimm kam zum Durchbruch; er hatte ein Gefühl, als ob er von einem Sturmwinde gepackt und vorwärts getrieben werde.

»Wenn wir uns entschließen,« fuhr er, über und über leise zitternd, fort, »solche Proklamationen zu verbreiten, so bewirken wir, daß man uns wegen unserer Dummheit und Unkenntnis der Verhältnisse verachtet.«

»Hm! Ich denke darüber anders,« versetzte Peter Stepanowitsch und ging festen Schrittes weiter.

»Ich denke so, wie ich sagte; haben Sie das denn wirklich selbst verfaßt?«

»Das geht Sie nichts an.«

»Ich glaube auch, daß das Gedicht ›Eine glänzende Persönlichkeit‹ das kläglichste Machwerk ist, das es überhaupt nur geben kann, und unmöglich von Herzen herrührt.«

»Sie reden Unsinn; das Gedicht ist gut.«

»Ich wundere mich zum Beispiel auch darüber,« fuhr Liputin fort, während er immer, mühsam atmend, nebenher galoppierte, »daß man uns zu einer Handlungsweise auffordert, bei der alles zusammenstürzt. In Westeuropa ist der Wunsch, daß alles zusammenstürzen möge, ein natürlicher, weil es da ein Proletariat gibt; aber wir hier sind nur Liebhaber und tun meiner Ansicht nach nur groß.«

»Ich meinte, Sie seien ein Anhänger Fouriers.«

»Bei Fourier steht etwas anderes, etwas ganz anderes.«

»Ich weiß, daß da Unsinn steht.«

»Nein, bei Fourier steht kein Unsinn ... Nehmen Sie es mir nicht übel, ich kann aber schlechterdings nicht glauben, daß im Mai ein Aufstand stattfinden wird.«

Liputin knöpfte sich sogar den Rock auf; so heiß war ihm geworden.

»Nun genug davon!« sagte Peter Stepanowitsch, indem er mit der größten Kaltblütigkeit zu einem andern Gegenstande übersprang; »ehe ich es vergesse: dieses Blatt haben Sie eigenhändig zu setzen und zu drucken. Wir werden Schatows Druckerei ausgraben, und Sie werden sie gleich morgen übernehmen. Sie werden die Proklamationen mit möglichster Beschleunigung setzen, möglichst viele Exemplare abziehen und sie dann den ganzen Winter über verbreiten. Über die Mittel und Wege werden Sie belehrt werden. Es sind recht viele Exemplare erforderlich, weil man Ihnen von anderen Orten aus welche abverlangen wird.«

»Nein, entschuldigen Sie; ich kann eine solche... einen solchen Auftrag nicht übernehmen ... Ich weigere mich.«

»Und doch werden Sie ihn übernehmen. Ich handle nach der mir vom Zentralkomitee erteilten Instruktion, und Sie müssen gehorchen.«

»Ich glaube aber, daß unsere ausländischen Zentralen ganz vergessen haben, wie es in Rußland wirklich steht, und jede Fühlung verloren haben und darum nur dummes Zeug reden ... Ich glaube sogar, daß statt vieler Hunderte von Fünferkomitees in Rußland wir das einzige sind, und daß ein Netz überhaupt nicht existiert,« sagte Liputin endlich keuchend und atemlos.

»Um so verächtlicher ist Ihre Handlungsweise, wenn Sie, ohne an die Sache zu glauben, ihr doch nachgelaufen sind ... und jetzt mir nachlaufen wie ein gemeiner Köter.«

»Nein, ich laufe Ihnen nicht nach. Wir haben das volle Recht, uns von Ihnen loszusagen und eine neue Gesellschaft zu bilden.«

»Dumm-kopf!« rief Peter Stepanowitsch laut und drohend mit funkelnden Augen.

Beide blieben eine Zeitlang stehen und sahen einander an; dann drehte sich Peter Stepanowitsch um und setzte voll Selbstgefühl seinen früheren Weg fort.

Seinem Begleiter Liputin schoß wie ein Blitz ein Gedanke durch den Kopf:

»Ich werde mich umdrehen und zurückgehen; wenn ich mich jetzt nicht umdrehe, werde ich niemals zurückgehen.«

So dachte er genau zehn Schritte lang; aber beim elften Schritte flammte eine neue, tolle Idee in seinem Kopfe auf, und er drehte sich nicht um und ging nicht zurück.

Sie näherten sich dem Filippowschen Hause; aber noch ehe sie ganz hingelangt waren, schlugen sie ein Seitengäßchen oder, richtiger gesagt, einen kaum bemerkbaren Fußsteig an einem Zaune entlang ein, so daß sie sich eine Zeitlang auf der steilen Böschung eines Grabens fortarbeiten mußten, wo die Füße keinen Halt fanden und sie genötigt waren, sich mit den Händen am Zaune festzuhalten. Im dunkelsten Winkel des schief gewordenen Zaunes nahm Peter Stepanowitsch ein Brett heraus; es entstand eine Öffnung, durch die er sofort hindurchkroch. Liputin war verwundert, kroch aber ebenfalls hindurch; darauf wurde das Brett wieder eingefügt, wie es vorher gewesen war. Dies war jener geheime Zugang, durch welchen Fedka zu Kirillow zu schleichen pflegte.

»Schatow darf nicht wissen, daß wir hier sind,« flüsterte Peter Stepanowitsch dem andern in strengem Tone zu.

III.

Wie immer um diese Stunde saß Kirillow auf seinem Ledersofa beim Tee. Er erhob sich nicht, um die Ankömmlinge zu begrüßen, sondern zuckte mit dem ganzen Körper zusammen und blickte die Eingetretenen unruhig an.

»Sie irren sich nicht,« sagte Peter Stepanowitsch; »ich komme gerade deswegen.«

»Heute?«

»Nein, nein, morgen ... um diese Zeit.«

Er setzte sich eilig an den Tisch und betrachtete mit einiger Unruhe den aufgeregten Kirillow. Dieser beruhigte sich übrigens bereits wieder und sah aus wie immer.

»Sehen Sie, diese Menschen wollen es durchaus nicht glauben. Hoffentlich sind Sie nicht böse darüber, daß ich Liputin mitgebracht habe?«

»Heute habe ich nichts dagegen; aber morgen will ich allein sein.«

»Aber nicht, bevor ich komme, und dann in meiner Gegenwart.«

»Ich möchte es nicht in Ihrer Gegenwart tun.«

»Sie erinnern sich, daß Sie versprochen haben, alles niederzuschreiben und zu unterschreiben, was ich Ihnen diktieren werde.«

»Es ist mir alles ganz egal. Werden Sie jetzt lange hierbleiben?«

»Ich muß mich mit jemand anderswo treffen und bis dahin noch etwa eine halbe Stunde warten; dann werde ich Ihrem Wunsche gemäß fortgehen; aber diese halbe Stunde werde ich noch hier sitzen.«

Kirillow schwieg. Liputin hatte unterdessen seitwärts Platz genommen, unter dem Bilde des Bischofs. Die tolle Idee von vorhin bemächtigte sich seiner immer mehr und mehr. Kirillow bemerkte ihn kaum. Liputin kannte Kirillows Theorie schon von früher her und hatte sich über ihn immer lustig gemacht; aber jetzt schwieg er und blickte finster um sich.

»Ich wäre auch nicht abgeneigt, Tee zu trinken,« sagte Peter Stepanowitsch, sich auf seinem Platze hin und her bewegend. »Ich habe soeben ein Beefsteak gegessen und rechnete darauf, bei Ihnen Tee zu bekommen.«

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