Die Dämonen
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:
»Trinken Sie meinetwegen!«
»Früher boten Sie einem von selbst Tee an,« bemerkte Peter Stepanowitsch säuerlich.
»Das ist ganz egal. Liputin kann auch welchen trinken.«
»Nein, ich ... ich kann nicht.«
»Kann nicht oder will nicht?« fragte Peter Stepanowitsch, indem er sich schnell zu ihm umdrehte.
»Ich werde bei Herrn Kirillow nicht trinken,« erwiderte Liputin, nachdrücklich ablehnend.
Peter Stepanowitsch zog die Augenbrauen zusammen.
»Das riecht nach Mystizismus; weiß der Teufel, was für Kerle ihr alle seid!«
Niemand antwortete ihm; das Schweigen dauerte eine ganze Minute.
»Aber das Eine weiß ich,« fuhr er dann in scharfem Tone fort, »daß keine Vorurteile einen von uns davon abhalten können, seine Pflicht zu erfüllen.«
»Ist Stawrogin weggereist?« fragte Kirillow.
»Ja.«
»Daran hat er gut getan.«
Peter Stepanowitschs Augen fingen schon an zu funkeln; aber er beherrschte sich.
»Was Sie denken, ist mir gleichgültig, wenn nur jeder sein Wort hält.«
»Ich werde mein Wort halten.«
»Übrigens bin ich immer überzeugt gewesen, daß Sie als unabhängiger, fortschrittlich denkender Mensch Ihre Pflicht erfüllen werden.«
»Sie aber sind lächerlich.«
»Mag sein; ich freue mich sehr, wenn ich andere zum Lachen bringen kann. Es ist mir immer eine Freude, jemandem einen Dienst zu erweisen.«
»Sie wünschen sehr, daß ich mich erschieße, und fürchten, daß ich es auf einmal nicht tue?«
»Das heißt, sehen Sie wohl, Sie haben selbst Ihren Plan mit unseren Handlungen in Verbindung gesetzt. Da wir auf Ihren Plan rechneten, haben wir bereits ein Unternehmen eingeleitet, so daß Sie jetzt auf keine Weise sich weigern können, da Sie uns dazu gebracht haben.«
»Sie haben keinerlei Recht.«
»Ich verstehe, ich verstehe; Sie haben Ihren freien Willen und wir kein Recht; aber es ist zu wünschen, daß dieser Ihr freier Wille zur Ausführung gelangt.«
»Und ich soll alle Ihre Schändlichkeiten auf meine Kappe nehmen?«
»Hören Sie mal, Kirillow, Sie haben es doch nicht mit der Angst bekommen? Wenn Sie sich weigern wollen, so erklären Sie es sogleich!«
»Ich habe es nicht mit der Angst bekommen.«
»Ich meine, weil Sie anfangen, so viel zu fragen.«
»Werden Sie bald fortgehen?«
»Sie fragen schon wieder?«
Kirillow blickte ihn verächtlich an.
»Sehen Sie,« fuhr Peter Stepanowitsch fort, der sich immer mehr ärgerte und beunruhigte und nicht den richtigen Ton fand, »Sie wollen, daß ich fortgehe, damit Sie allein sind und Ihre Gedanken konzentrieren können; aber all dies sind gefährliche Zeichen, gefährlich für Sie, für Sie in erster Linie. Sie wollen viel nachdenken. Meiner Ansicht nach wäre es besser, nicht nachzudenken, sondern es ohne das zu tun. Sie beunruhigen mich wirklich.«
»Zuwider ist mir dabei nur eins: daß in jenem Augenblicke ein solches Reptil wie Sie bei mir sein soll.«
»Na, das ist ja ganz gleichgültig. Meinetwegen kann ich ja unterdessen hinausgehen und mich vor die Haustür stellen. Wenn Sie sterben wollen und so wenig gleichmütig sind, so ... so ist das doch sehr gefährlich. Ich werde vor die Haustür gehen, und Sie mögen meinetwegen denken, daß ich nichts verstehe und intellektuell unermeßlich tief unter Ihnen stehe.«
»Nein, Sie stehen nicht intellektuell unermeßlich tief unter mir; Sie besitzen Fähigkeiten; aber Sie haben für sehr vieles kein Verständnis, weil Sie ein gemeiner Mensch sind.«
»Freut mich sehr, freut mich sehr! Ich habe schon gesagt, daß es mich sehr freut, wenn ich jemanden amüsiere ... noch dazu in einem solchen Augenblicke.«
»Sie haben kein Verständnis dafür.«
»Das heißt, ich ... jedenfalls höre ich respektvoll an, was Sie sagen.«
»Sie können nichts; Sie können nicht einmal jetzt Ihren kleinlichen Ärger verbergen, obgleich es für Sie unvorteilhaft ist, ihn zu zeigen. Sie werden mich in Wut versetzen, und ich werde es dann auf einmal noch ein halbes Jahr aufschieben.«
Peter Stepanowitsch sah nach der Uhr.
»Ich habe niemals Verständnis für Ihre Theorie gehabt; aber ich weiß, daß Sie sie nicht um unseretwillen ersonnen haben und sie darum auch ohne Rücksicht auf uns zur Ausführung bringen werden. Ich weiß auch, daß Sie nicht diese Idee gefaßt haben, sondern umgekehrt die Idee Sie gepackt hat; also werden Sie es auch nicht aufschieben.«
»Wie? Die Idee hat mich gepackt?«
»Ja.«
»Und ich habe nicht die Idee gefaßt? Das ist gut! Sie haben nur wenig Verstand. Sie wollen mich nur anstacheln; aber ich bin stolz.«
»Wunderschön, wunderschön! Gerade das ist nötig, daß Sie stolz sind.«
»Nun genug; Sie haben ausgetrunken; gehen Sie jetzt fort!«
»Hol's der Teufel, ich muß wohl,« sagte Peter Stepanowitsch und stand auf. »Aber es ist noch zu früh. Hören Sie mal, Kirillow, werde ich den Betreffenden (Sie verstehen?) bei der Frau Mjasnitscha treffen? Oder hat die auch gelogen?«
»Sie werden ihn nicht treffen, weil er hier ist, und nicht dort.«
»Was heißt: hier? Zum Teufel, wo?«
»Er sitzt in der Küche und ißt und trinkt.«
»Wie kann er es wagen!« rief Peter Stepanowitsch, der vor Zorn ganz rot geworden war. »Er war verpflichtet zu warten ... Unsinn! Er hat weder einen Paß noch Geld!«
»Das weiß ich nicht. Er ist hergekommen, um mir Lebewohl zu sagen; er ist im Reiseanzuge und völlig fertig. Er geht weg und kommt nicht wieder. Er hat gesagt, Sie seien ein Schurke, und er wolle nicht auf Ihr Geld warten.«
»Aha! Er fürchtet, daß ich ... nun, ich kann ihn ja auch jetzt, wenn ... Wo ist er? In der Küche?«
Kirillow öffnete eine Seitentür zu einem winzigen, dunklen Zimmer; aus diesem Zimmer führten drei Stufen in die Küche hinab, unmittelbar in das durch einen Verschlag abgetrennte Kämmerchen, in welchem gewöhnlich das Bett der Köchin seinen Platz hatte. Hier saß jetzt in einer Ecke unter den Heiligenbildern Fedka an einem ungedeckten Brettertisch. Auf dem Tische vor ihm befand sich ein halbes Stof Branntwein, ein Teller mit Brot und eine irdene Schüssel mit kaltem Rindfleisch und Kartoffeln. Er aß mit Behagen und war bereits halb betrunken, saß aber im Schafpelz da und war offenbar vollständig reisefertig. Auf der anderen Seite des Verschlages siedete ein Samowar, aber nicht für Fedka; sondern Fedka hatte selbst pflichtgemäß die Glut darin angeblasen und ihn zum Gebrauche bereit gemacht, wie er das schon seit einer Woche oder noch länger jeden Abend getan hatte, »für Alexei Nilytsch, da der Herr sehr gewöhnt sind, nachts Tee zu trinken«. Ich glaube bestimmt, daß in Ermangelung einer Köchin Kirillow selbst das Rindfleisch und die Kartoffeln für Fedka schon am Vormittag gekocht hatte.
»Was fällt dir denn ein?« schrie Peter Stepanowitsch, der eilig die Stufen hinabstieg. »Warum hast du nicht da gewartet, wo ich es dir befohlen hatte?«
Ausholend schlug er mit der Faust auf den Tisch.
Fedka nahm eine würdevolle Haltung an.
»Warte mal, Peter Stepanowitsch, warte mal,« begann er, indem er in stutzerhafter Manier jedes Wort mit besonderer Deutlichkeit aussprach; »deine erste Pflicht ist hier, zu begreifen, daß du auf einem anständigen Besuch bei Herrn Alexei Nilytsch Kirillow bist, dem du immer die Stiefel putzen kannst, weil er ein viel gebildeterer Kopf ist als du; denn du bist nur – pfui!«
Er tat in affektierter Weise, als spucke er seitwärts aus. Sein Benehmen zeigte Hochmut, Entschlossenheit und jene sehr gefährliche, trügerische, ruhige Redeweise, die dem ersten Ausbruche vorherzugehen pflegt. Aber Peter Stepanowitsch nahm sich keine Zeit, die Gefahr zu bemerken, und das vertrug sich auch nicht mit seiner Auffassung der Dinge. Die Vorgänge und Mißerfolge dieses Tages hatten ihn ganz schwindlig gemacht ... Liputin, der oben an den drei Stufen in dem dunklen Zimmer stand, blickte neugierig hinunter.