Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Anne Reynolts Stimme erklang winzig in Naus Ohr. »Herr Hülsenmeister, wir haben einen Notfall.«
»Ja, machen Sie.« Nau sprach leichthin, ohne sich vom See abzuwenden. Innerlich jedoch erstarrte etwas in seinen Eingeweiden zu Eis. Noch nie hatte er gehört, dass Anne einer panischen Schrillheit derart nahe gekommen war.
»Unser Lieblingssaboteur hat das Tempo erhöht. Es wird viel weniger getarnt. Er greift sich alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Noch ein paar tausend Sekunden, und er kann uns Blitzköpfe abschalten… Es ist Trinli, Herr Hülsenmeister, neunzig Prozent Wahrscheinlichkeit.«
Aber Trinli sitzt hier direkt vor meinen Augen! Und ich brauche ihn, um die Lügen nach dem Angriff zu untermauern. »Ich weiß nicht, Anne«, sagte er laut. Vielleicht war Anne im Begriff, wegzurutschen. Es war möglich, obwohl er ihre medizinischen Daten und ihre MRT-Eichung genauer als je zuvor verfolgt hatte.
Anne zuckte die Achseln, antwortete nicht. Es war die typische wegwerfende Geste eines Blitzkopfes. Sie hatte ihr Möglichstes getan, und es lag bei ihm, ihren Rat zu ignorieren und zum Teufel zu gehen.
So eine Ablenkung konnte er nicht gebrauchen, wenn die Arbeit von vierzig Jahren auf dem Spiel stand. Und genau darum könnte ein Feind diesen Augenblick wählen, um endlich zu handeln.
Kal Omo stand direkt hinter Nau und in privater Sprechverbindung mit Reynolt. Von den anderen drei Wachleuten war im Moment nur Rei Ciret im Zimmer. Nau seufzte. »Gut, Anne.« Er gab Omo ein unmerkliches Signal, den Rest seiner Leute ins Zimmer zu holen. Wir werden die beiden auf Eis legen, uns später mit ihnen befassen.
Nau hatte seinen Opfern keine Warnung zukommen lassen, dennoch — am Rande seines Blickfelds sah er Trinlis Hand in einer Wurfbewegung aufblitzen. Kal Omo stieß einen gurgelnden Schrei aus.
Nau duckte sich unter den Tisch. Etwas spießte schwer in das dicke Holz über ihm. Es ertönte das Knattern von Drahtpistolen-Feuer, ein weiterer Schrei.
»Er entkommt!«
Nau glitt über den Fußboden und schnellte auf der anderen Seite des Tisches zur Decke hoch. Rei Ciret befand sich mitten in der Luft und hieb auf Ezr Vinh ein. »Entschuldigung, Herr Hülsenmeister! Der hier hat mich angesprungen.« Er stieß den blutenden Körper weg; Vinh hatte Trinli den Augenblick verschafft, den er zur Flucht brauchte. »Marli und Tung werden ihn erwischen!«
Sie versuchten es tatsächlich. Die beiden bestrichen den Hang zum Walde hin mit Drahtfeuer. Doch Trinli war weit vor ihnen und flog von Baum zu Baum. Dann war er fort, und Tung und Marli waren auf halbem Wege zum Wald hinter ihm her.
»Wartet!« Naus Stimme dröhnte aus den Lautsprechern der Hütte. Lebenslanger Gehorsam ließ die beiden in ihrer überstürzten Verfolgung innehalten. Sie kamen sorgfältig den Hang herab zurück, schauten den ganzen Weg über nach Gefahren aus. Schock und Wut standen überdeutlich auf ihren Gesichtern geschrieben.
Nau fuhr etwas leiser fort: »Geht hinein. Bewacht die Hütte.« Das war die Art grundlegende Anweisungen, wie sie ein Hülsensergeant geben würde, doch Kal Omo war… Nau schwebte zurück zu dem Versammlungstisch, die Etikette der gemeinschaftlichen Schwerkraft war momentan außer Kraft. Etwas Scharfes und Glänzendes war in die Tischkante gespießt, genau in dem Augenblick, als er sich weggeduckt hatte. Eine ähnliche Klinge hatte Omo den Hals aufgeschlitzt; ihr hinteres Ende ragte aus der Luftröhre des Hülsensergeanten heraus. Omo hatte zu zucken aufgehört. Blut hing rings um ihn in der Luft und trieb nur langsam zum Boden hin. Die Drahtpistole des Hülsensergeanten war halb aus der Tasche.
Omo war ein nützlicher Mann. Habe ich die Zeit, um ihn auf Eis zu legen? Nau überdachte noch eine Sekunde lang Taktik und Zeitplanung — und Kal Omo verlor.
Die Wachleute schwebten bei den Fenstern der Hütte, doch ihre Blicke gingen immer wieder zu ihrem Hülsensergeanten zurück. Naus Gedanken jagten Ketten von Konsequenzen entlang. »Ciret, bind Vinh fest. Marli, hol mir Ali Lin.«
Vinh stöhnte schwach, als sie ihn auf einen Stuhl schoben. Nau kam über den Tisch heran, um sich den Mann näher anzuschauen. Er schien aus der Drahtpistole einen Streifschuss an der Schulter abgekriegt zu haben. Sie war blutig, doch es kam nicht viel Blut nach. Vinh würde leben… lange genug.
»Eiter, war dieser Trinli schnell«, sagte Tung, und die nachlassende Anspannung sprudelte aus ihm heraus. »Die ganzen Jahre war er bloß ein alter Scheißer, und dann — rumms — murkst er den Hülsensergeanten ab. Murkst ihn ab und macht sich glatt aus dem Staub.«
»Wäre nicht glatt gegangen, wenn der mir nicht in den Weg gekommen wär.« Ciret stieß Vinh mit der Mündung seiner Drahtpistole gegen den Kopf. »Sie waren beide schnell.«
Zu schnell. Nau zog sich die Datenbrille von den Augen und starrte sie einen Moment lang an. Eine Dschöng-Ho-Datenbrille, gespeist mit Daten aus dem Orternetz. Er zerknüllte die Brille und holte den Fasersprecher heraus, den er, weil Reynolt darauf bestanden hatte, als Reserve dabei hatte. »Anne, hören Sie mich? Haben Sie gesehen, was passiert ist?«
»Ja. Trinli war in Bewegung, sobald Sie Kal Omo das Signal gegeben hatten.«
»Er hat es gewusst. Er konnte Ihre Seite des Gesprächs hören.« Pest! Wie konnte Anne die Sabotage entdecken, ohne zu bemerken, dass Trinli in ihre Sprechverbindung eingedrungen war?
»Ja. Ich habe nur zum Teil erraten, was er vorhatte.« Die Orter waren also Trinlis maßgeschneiderte Waffe. Eine Falle, über Jahrtausende hinweg aufgestellt. Gegen wen kämpfe ich?
»Anne. Ich möchte, dass Sie die drahtlose Energie für alle Orter abschalten.« Aber die Orter waren das Rückgrat von weiß die Seuche wie vielen kritischen Systemen. Orter sicherten die Stabilität des Sees selbst. »Innerhalb von Nordpfote lassen Sie die Stabilisatoren eingeschaltet. Lassen Sie sie von ihren Blitzköpfen direkt steuern, über die Faser.«
»Gemacht. Es wird etwas grob gehen, aber wir schaffen es. Was ist mit den Planetenoperationen?«
»Nehmen Sie Verbindung zu Ritser auf. Die Lage ist zu kompliziert für Feinheiten. Wir müssen den Zeitplan für den Planeten beschleunigen.«
Er hörte, wie Anne Anweisungen an ihre Leute durchgab. Doch sein Bild von den Befehlen und den Abläufen der Blitzkopf-Operationen zu jedem einzelnen Projekt war weg. Es war, als kämpfe er blind. Sie konnten verlieren, während sie noch im Schock umhertappten.
Hundert Sekunden später war Anne wieder da. »Ritser versteht. Meine Leute helfen ihm, einen einfachen Angriff in Gang zu setzen. Die Feinabstimmung der Ergebnisse können wir später machen.« Sie sprach mit ihrer alten, kalten Ungeduld. Anne Reynolt hatte viel härtere Schlachten als diese geschlagen, hundert Mal gegen überwältigende Übermacht gewonnen. Wenn doch alle Feinde so benutzt werden könnten.
»Sehr gut. Haben Sie Trinli gefunden? Ich wette, er ist in den Tunneln.« Wenn er nicht im Kreis zurückkommt, um mich ein zweites Mal zu überfallen.
»Ja, ich glaube. Wir hören Bewegungen von den alten Geophonen.« Aufsteigertechnik.