Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
»Gut. In der Zwischenzeit basteln Sie eine synthetische Stimme zurecht, um die Leute bei Benny in guter Laune zu halten.«
»Ausgeführt«, kam augenblicklich ihre Antwort. Schon ausgeführt.
Nau wandte sich wieder seinen Wachen und Ezr Vinh zu. Er hatte sich eine sehr kleine Atempause verschafft. Lange genug, um neue Befehle an Ritser durchzugeben. Lange genug, um ein wenig darüber herauszufinden, wer wirklich sein Gegner war.
Vinh war wieder zu Bewusstsein gekommen. In seinen Augen stand ein vor Schmerz glasiger Ausdruck — und ein Funkeln von Hass. Nau lächelte in an. Er bedeutete Giret mit einer Handbewegung, Vinh die verletzte Schulter zu verdrehen. »Ich brauche ein paar Antworten, Ezr.«
Der Krämer schrie auf.
Pham stieß sich immer schneller den Diamantkorridor hinauf, geführt von grünen Bildern, die sich verwischten und schwankten… und allmählich zu totaler Finsternis erloschen. Ein paar Sekunden lang schoss er blind dahin, ohne sein Tempo zu verringern. Er klopfte sich an die Schläfen und versuchte, die Orter dort neu zurechtzurücken. Sie waren an Ort und Stelle, und er wusste, dass Tausende von Ortern in diesem Tunnel schwebten. Anne musste die drahtlosen Energieimpulse abgeschaltet haben, zumindest in diesem Tunnel.
Die Frau ist unglaublich! Jahrelang hatte es Pham vermieden, das Blitzkopfsystem direkt zu manipulieren. Und dennoch hatte es Anne irgendwie bemerkt. Die Gehirnwäsche hatte ihren Fortschritt eine Zeit lang verlangsamt, doch im Laufe dieses Jahres hatte sie die Schlinge immer enger gezogen, bis… Wir waren so nahe daran, den Ausschalter für die Energie lahmzulegen, und jetzt haben mir alles verloren. Fast alles. Ezr war gestorben, um ihm noch eine Chance zu geben.
Der Tunnel machte irgendwo gleich vorn eine Biegung. Er griff in die Dunkelheit, berührte die Wände sacht, dann kräftiger, bremste seinen Schwung und brachte die Füße nach vorn. Das Manöver kam den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Füße, Knie, Hände prallten gegen die unsichtbare Oberfläche, etwa wie bei einem unglücklichen Sturz auf einem Planeten — außer dass er zurückprallte und gegen eine andere Oberfläche geschleudert wurde.
Er fing sich und bewegte sich im Fingergang zurück zur Biegung. Er tastete nach den Öffnungen und begann seinen Weg einen zweiten Gang entlang, doch diesmal sehr still. Bis vor ein paarSekunden hatte es Anne nicht sicher gewusst. Der geheime Vorrat, den er in diesem Tunnel angelegt hatte, sollte noch an Ort und Stelle sein.
Nach ein paar Metern berührten seine Hände einen Stoffbeutel, der an der Wand befestigt war. Ha. Den Vorrat anzulegen, war sehr riskant gewesen, doch Endspiel-Manöver sind das für gewöhnlich, und dieses hatte sich gelohnt. Er zog den Beutel auf, fand die Ringlampe darin. Ein gelblicher Schein erschien rings um seine Hand. Pham griff sich den Rest der Ausrüstung, wobei das Licht seinen Händen folgte und um ihn herum Regenbögen und Schatten huschen ließ. In einem der Päckchen befanden sich winzige Bälle. Er warf einen davon in einen Seitentunnel. Eine Sekunde lang flog er lautlos, dann gab es einen dumpfen Aufprall und vielfaches Scheppern — eine Ablenkung für Annes lauschende Blitzköpfe.
Unsere Tarnung ist also hin, gerade ein paar Kilosek zu früh. Aber etwas ging fast immer schief, wenn die Pläne schließlich auf die Wirklichkeit trafen. Wenn alles glatt gegangen wäre, hätte er diesen Beutel nie gebraucht — und ebendarum hatte er ihn vorbereitet. Eins nach dem anderen bedachte Pham den Inhalt des Beutels: das Atemgerät, der Empfangsverstärker, das Medpäckchen, die Pfeilpistole.
Nau und Co. hatten mehrere Möglichkeiten. Sie konnten die Tunnel mit Gas füllen oder sie dem Vakuum aussetzen — letzteres hätte allerdings eine Menge wertvolle Ausrüstung zerstört. Sie konnten versuchen, hier drin auf ihn Jagd zu machen. Das wäre lustig; Naus Schlagetote würden herausfinden, wie gefährlich ihre Tunnel geworden waren… Pham fühlte die alte, alte Begeisterung in sich aufsteigen, die er immer empfand, wenn es zum Knacken kam, wenn aus Planung und Nachdenken Handeln wurde. Er stopfte sich die Ausrüstung in die Taschen, während der augenblickliche Plan sich in seinem Geist schärfer abzeichnete. Ezr, wir werden siegen, ich versprech’s. Wir werden trotz Anne siegen… und um ihretwillen.
Lautlos wie ein Nebel begann er seinen Weg den Tunnel hinan, die Ringleuchte gerade hell genug, um weiter vorn die Seitentunnel zu sehen. Es war Zeit, Anne einen Besuch abzustatten.
Die Unsichtbare Hand glitt hundertfünfzig Kilometer über der Spinnenwelt dahin. Sie war so tief, dass nur eine begrenzte Anzahl Spinnen an der Oberfläche sie direkt sehen konnte, doch wenn die Zeit heran war, würde sie exakt über die festgelegten Ziele hinwegfliegen. Und was immer sie Rita und den anderen bei L1 für Lügen erzählten, an Bord der Hand wurden die Spinnenorte ›Ziele‹ genannt.
Jau Xin saß im Sessel des Pilotenverwalters — einst, als das Schiff der Dschöng Ho gehört hatte, war es der Sessel des Ersten Offiziers gewesen — und beobachtete die graue Krümmung des Horizonts. Er hatte drei Blitzkopf-Piloten dabei, doch nur einer überwachte tatsächlich den Flug. Die anderen waren in Bil Phuongs Waffenleitsysteme eingeklinkt und planten Operationsvarianten. Jau versuchte die Worte zu ignorieren, die er vom Sessel des Kapitäns neben sich hörte. Ritser Brughel hatte Spaß daran, seinem Chef in Hammerfest einen laufenden Bericht über die Ereignisse auf dem Planeten zu geben.
Brughel hielt in seiner perversen Analyse inne, ein paar Sekunden lang herrschte gnädige Stille. Plötzlich fluchte der Vize-Hülsenmeister. »Herr Hülsenmeister! Was…?« Auf einmal begann er zu rufen: »Phuong! In Nordpfote wird geschossen. Omo ist alle, und… Eiter, ich hab meine Brillen-Verbindung verloren. Phuong!«
Xin wandte sich im Sessel um, sah Brughel auf sein Pult hämmern. Das bleiche Gesicht des Mannes war rot angelaufen. Der Vize-Hülsenmeister hörte einen Augenblick lang auf seinem privaten Kanal. »Aber der Hülsenmeister hat überlebt? Gut, dann gib mir Reynolt. Reynolt her!«
Anscheinend war Anne Reynolt nicht sofort greifbar. Hundert Sekunden vergingen. Zweihundert. Brughel tobte, und sogar seine Gorillas wichen zurück. Jau wandte sich seinen eigenen Bildschirmen zu, doch was sie zeigten, ging bedeutungslos an ihm vorüber. Das war bei Nau nicht vorgesehen.
»Schlampe! Wo warst du? Was…?« Dann schwieg Brughel wieder. Er grunzte gelegentlich, unterbrach aber nicht, was wohl ein Monolog war. Als er wieder sprach, klang er eher nachdenklich als wütend. »Ich verstehe. Sagen Sie dem Hülsenmeister, er kann auf mich zählen.«
Das Ferngespräch dauerte noch einen Wortwechsel lang, und Jau begann zu ahnen, was kommen würde. Jau konnte nicht anders, sein Blick glitt zur Seite, zum Vize-Hülsenmeister hin. Brughel schaute ihn an. »Pilotenverwalter Xin. Unsere gegenwärtige Position?«
»Herr Hülsenmeister, wir fliegen südwärts über den Ozean, ungefähr tausendsechshundert Kilometer von Südende entfernt.«
Brughel schaute über seinen Kopf hinweg, er betrachtete ein genaueres Bild, das in seiner Datenbrille erschien. »Aha, und ich sehe, dass wir die Raketenstellungen des Einklangs überfliegen werden, wenn wir wieder nach Norden kommen.«
In Xins Kehle steckte ein harter Kloß. Dieser Augenblick war unvermeidlich gewesen, aber ich hatte geglaubt, mir bliebe mehr Zeit. »Wir werden ein paar hundert Kilometer östlich von den Stellungen sein, Herr Hülsenmeister.«
Brughel machte eine wegwerfenden Handbewegung. »Das korrigiert ein Schub aus dem Haupttriebwerk… Phuong, sind Sie auf dem Laufenden? Ja, wir beschleunigen die Sache um sieben Kilosek. Ja und? Vielleicht bemerken sie uns, aber es wird zu spät sein, als dass es noch eine Rolle spielte. Lassen Sie Ihre Leute eine neue Operationssequenz erzeugen. Natürlich bedeutet das mehr direktes Eingreifen. Reynolt stellt alle freien Blitzer zu Ihrer Verfügung ab. Synchronisieren Sie sie, so gut es geht… Gut.«