Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.
- Автор: Klausner Uwe
- Серия: Tom Sydow #2
- Год: 2010
- Язык: немецкий
- Жанр: Политические детективы
Электронная книга - «Odessa-Komplott. Tom Sydows zweiter Fall.». Краткое содержание книги:
Triebwerke volle Pulle, gute Sicht und funktionierendes Radar. An Bord der C-54 Skymaster, einem sogenannten Rosinenbomber, lief scheinbar alles nach Plan. Das dachte auch First Lieutenant Jimmy Cummings, der 29-jährige Pilot. Doch er sollte eines Besseren belehrt werden.
»Delta Charlie 1066 to Tempelhof Tower – requesting permission to land«, nuschelte der sommersprossige Farmerssohn aus Nebraska in sein Mikro, während sich der Kopilot, ein Kumpel aus der High School, gelangweilt in seinem Sitz rekelte. Aus dem Lautsprecher dudelte der Chattanooga Choo Choo, die einzige Abwechslung an Bord. Für Cummings war das hier pure Routine, wie auch für den Rest der fünfköpfigen Crew. In Gedanken längst bei der Kantine, einer Lucky Strike und einer Partie Poker, hatte sich eine gewisse Lässigkeit breitgemacht. Kein Wunder, wenn man wie Cummings die Strecke von Frankfurt nach Berlin schon ein paar Dutzend Mal hinter sich gebracht hatte. Bei Nebel spielte wenigstens das Radar verrückt, kam hin und wieder etwas Hektik auf. An so einem schönen Tag wie heute, nur durch ein paar Federwolken getrübt, konnte davon jedoch keine Rede sein.
Mission completed, sollte man meinen.
Doch der Tod, der unterhalb der C-54 Skymaster auf der Lauer lag, hatte den silbern glänzenden Rosinenbomber bereits im Visier. Er kam in Gestalt einer sowjetischen Flugabwehrkanone vom Typ 2M-3, Kaliber 25 mm, doppelläufig und gut getarnt. Aus einer Höhe von 2.500 Metern, als die C-54 in Landeanflug war, nicht auszumachen.
Ein paar Sekunden später, als das Geschütz sowjetischer Bauart mehr als 200 Schuss pro Minute auszuspeien begann, war es mit der Langeweile an Bord der Skymaster jedoch vorbei. »Permission gran…«, funkte der Tower zurück, doch ging der Rest der Nachricht im Gebrüll des Kopiloten unter. »Jesus fucking Christ!«, schrie der passionierte Bodybuilder, als die Geschosse, jedes von ihnen knapp ein Kilo schwer, die C-54 wie einen Papierdrachen durchsiebten, »die da unten schießen auf uns!«
Auf Cummings, der das Steuer fest umklammert hielt, wirkten die Worte des Kopiloten zunächst wie ein Scherz. Doch dann, als ein Triebwerk Feuer gefangen, der Öldruckmesser den Geist aufgegeben und die Maschine binnen Sekunden auf unter 2.000 Meter abgesackt war, hatte er verstanden. »Mayday, Mayday!«, schrie er mit sich überschlagender Stimme, als bis auf eines sämtliche Triebwerke ausgefallen waren und dichte Rauchschwaden daraus hervorquollen. »Tempelhof Tower – can you hear me? Altitude 5.000 feet, sinking rapidly!«
Jetzt nur keinen Volltreffer in den Tank, hämmerte es Cummings durch das Hirn, als die Skymaster ins Trudeln geriet. Vor lauter Rauch konnte er kaum etwas sehen, und der Kerosingestank schnürte ihm die Luft ab. 1.500 Fuß, das heißt, wenn das überhaupt stimmte. Ein Blick aus dem Seitenfenster, und Cummings wurde klar, dass er den Häusern bedrohlich nahe war. »Da!«, keuchte der Kopilot und zog ihm am Arm, den Blick starr geradeaus gerichtet. Jetzt konnte es auch Cummings sehen. Die Landebahn, etwa eine halbe Meile voraus. Und jede Menge Häuser, Wohnblocks und Fabriken. Und natürlich Kinder, für die das Beobachten der Candy-Bomber das Größte war. Cummings krallte sich am Steuer fest, fluchte, was das Zeug hielt und versuchte, die C-54 zu stabilisieren. Ohne Erfolg. Die Maschine stotterte, schlingerte, rauchte wie ein Schlot – und gehorchte ihm nicht mehr. Einem Kometen ähnelnd, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war, raste die brennende Skymaster mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf die Landebahn zu. »Mayday, Mayday!«, brüllte Cummings ins Mikrofon, während er den Schaulustigen, die sich nicht von der Stelle rührten, in die schreckgeweiteten Gesichter starrte. »Ground attack, can you hear me? Mayday!« Warum zum Teufel hauen die nicht ab?, schoss es ihm durch den Kopf. Stehen da und glotzen mich wie die Ölgötzen …
Lieutenant Jimmy Cummings aus Nebraska, 29 Jahre alt und Vater zweier Kinder, kam nicht mehr dazu, den Gedanken zu Ende zu führen. Kaum hatte die C-54 die Landebahn erreicht, wobei sie den Zaun nur um ein paar Meter verfehlte, schoss ein turmhoher Feuerball aus ihr empor, und die Explosion, die daraufhin folgte, war kilometerweit zu hören.
Doch davon bekamen weder der Pilot noch seine Crew etwas mit. Sie waren längst tot, eins mit den Trümmern, die wie ein Sturmwind über die Landebahn fegten.
18
Berlin-Kreuzberg, Polizeipräsidium in der Friesenstraße, amerikanischer Sektor | 12.20 h
»Sag mal, Süßer – haste vielleicht ne Havanna für mich?«
In einem Anflug von Galgenhumor, der ihn derzeit immer häufiger überkam, atmete Sydow befreit auf. Endlich mal jemand, der ihn nach einer Zigarre fragte. Zur Abwechslung wirklich mal was Neues.
»Tut mir leid, Lola – die sind uns gerade ausgegangen. Aber wir kriegen bestimmt bald wieder welche rein.«
Die rothaarige, mit Netzstrümpfen, hautengem Atlaskleid und Federboa bekleidete Zweizentnerfrau, aus deren grell geschminktem Mund ein Zigarrenstummel ragte, gab ein missmutiges Grunzen von sich. »Ist das etwa der Dank, dass ick meene staatsbürjerlichen Pflichten so prompt erfüllt habe?«
»Wie du bereits sagtest, Lola, es ist deine Pflicht, mir eine Audienz zu gewähren. So ein kleines Plauderstündchen hat doch wohl noch niemandem geschadet, oder?«
»Kommt janz drauf an, Schätzchen, wo dich der Affe jebissen hat«, raunzte Kreuzbergs Bordellkönigin, kratzte sich am Schienbein und kaute auf dem Zigarrenstummel herum. »Müsst es ja verdammt noch mal eilig haben, wenn mir die halbe Portion von der Sitte in aller Herrgottsfrühe aus der Falle jeklingelt hat. Haste wenigstens nen Schnaps für mich?«
»Leider auch nicht«, sülzte Sydow mit Blick auf den Kocher neben ihm. »Aber es gibt gerade Gas, und ich könnte uns zwei Tassen Muckefuck aufsetzen.«
»Willste mir umbringen, oder wat ist hier los, Sydow?«, polterte die Rote Lola indigniert. »Ohne Schnaps läuft hier jar nüscht, merk dir das.«
»Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, Lola«, wehrte Sydow ab und nahm hinter seinem Schreibtisch Platz.
»Vergnügen? Wenn du willst, kannste heut Abend mal auf nen Sprung …«
»Danke, Lola. Kein Bedarf.« Sydow öffnete den Umschlag, den Bechtel ihm gerade rübergebracht hatte, betrachtete die Schwarz-Weiß-Aufnahmen und wählte eine davon aus. »Um deine kostbare Zeit nicht zu vergeuden, hätte ich da einige Fragen.«
»Hört sich verflucht noch mal nach Verhör an, Schätzchen«, brummelte Lola missvergnügt, während sich der Stummel in ihrem Mundwinkel allmählich in Wohlgefallen auflöste. »Weeste – so was mag ick …«
»Nennen wir’s ein Gespräch unter Freunden, Frau Pommerenke«, fiel Sydow seinem Gegenüber, das ebenso gut als Catcherin hätte auftreten können, ins Wort. Dann drückte er ihr ein Foto, auf dem die Gesichtspartie der Toten zu sehen war, in die Hand. »Zumal du mit der Dame hier wohl noch nichts zu tun gehabt hast. Geschäftlich, wollte ich sagen.«
Auf dem Gesicht der Bordellkönigin, trotz oder wegen ihrer 55 Jahre mit reichlich Rouge vollgekleistert, tauchte ein breites Krokodilsgrinsen auf. »Det haste aber schön jesagt, Schätzchen«, antwortete die Rote Lola und ließ den Zigarrenstummel in Sydows Aschenbecher plumpsen. »Und weil ick somit aus dem Schneider bin, will ick dir auch jerne meenen mütterlichen Beistand jewähren.«
»Freut mich zu hören, Lola«, antwortete Sydow zuckersüß, um danach umgehend zur Sache zu kommen: »Auf den Punkt gebracht, Schätzchen – ich darf doch wohl annehmen, dass dir die Dame auf dem Foto bekannt vorkommt, oder nicht?«
»Und wat ist mit der Havanna?«
»Ob sie dir bekannt vorkommt, Lola, wollte ich wissen.«
»Schon jut, schon jut«, lenkte Erna Pommerenke alias die Rote Lola ein. »Bekannt is vielleicht nich das richtije Wort, aber …«
»Was dann?«
»Jesehen hab ick sie schon ein paar Mal.«
»Gesehen?«