Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Das ist allerdings eine gute Erklärung; darum scheint es mir aber nicht minder wahr, daß nur Sie… Doch was höre ich?
Morcerf neigte sich nach der Tür, durch welche Töne wie von einer Guitarre drangen.
Meiner Treu, lieber Vicomte, Sie sind heute ein Opfer der Musik; Sie entgehen dem Piano Fräulein Danglars' nur, um in Haydees Guzla zu fallen.
Haydee! welchbewunderungswürdiger Name! Es gibt also wirklich auch außer in LordByrons Gedichten Frauen, die Haydee heißen?
Gewiß; Haydee ist ein in Frankreich sehr seltener, doch in Albanien und Epirus sehr gewöhnlicher Vorname, es ist, wie wenn man zumBeispiel sagte: Keuschheit, Schamhaftigkeit, Unschuld.
Oh! wie reizend! rief Albert; wie gern hörte ich unsere Französinnen sich Fräulein Güte, Fräulein Schweigen, Fräulein Nächstenliebe nennen! Wie wirkungsvoll müßte es sein, wenn esbei einem Heiratsaufgebot, statt Claire Marie Eugenie, Fräulein Keuschheit‑Schamhaftigkeit‑Unschuld Danglars heißen würde!
Sie sind verrückt! sagte der Graf; reden Sie nicht so laut! Haydee könnte es hören.
Und sie würde sich darüber ärgern?
Nein, sagte der Graf kalt.
Sie ist gut?
Es ist nicht Güte, es ist Pflicht; eine Sklavin ärgert sich nicht über ihren Herrn.
Scherzen Sie nicht! Es gibt keine Sklavinnen mehr!
Sicher, da Haydee die meinige ist.
In der Tat, Sie tun nichts und haben nichts, wie andere Menschen. Sklavin des Grafen Monte Christo! Das ist auch eine Stellung. Nach der Art und Weise, wie Sie das Geld inBewegung setzen, muß es ein Platz sein, der hunderttausend Taler jährlich einträgt.
Hunderttausend Taler! Die Arme hat mehr als diesbesessen. Die Schätze ihres Vaters konnten den Vergleich mit denen aus Tausendundeiner Nacht aushalten.
Sie ist also wirklich von Geburt eine Prinzessin?
Gewiß, und zwar eine der reichsten ihres Landes.
Ich vermutete es. Doch wie ist aus der vornehmen Prinzessin eine Sklavin geworden?
Wie ist Dionys, der Tyrann von Syrakus, Schulmeister geworden? Der Zufall des Krieges, lieber Vicomte, die Laune des Schicksals.
Und ihr Name ist ein Geheimnis?
Ja, für alle, aber nicht für Sie, lieber Vicomte, der Sie zu meinen Freunden gehören, und der Sie schweigen, nicht wahr, wenn Sie mir zu schweigen versprechen?
Bei meinem Ehrenwort.
Sie kennen die Geschichte des Paschas von Janina?
Von Ali Tependelini? Ganz gewiß, denn mein Vater hat in seinen Diensten sein Glück gemacht.
Es ist wahr, ich hatte es vergessen.
Nun, in welcherBeziehung steht Haydee zu Ali Tependelini?
Sie ist ganz einfach seine Tochter.
Wie, die Tochter von Ali Pascha?
Ja, von der schönen Wasiliki.
Und sie ist Ihre Sklavin?
Mein Gott, ja!
Wie ist dies zugegangen?
Als ich eines Tages über den Markt von Konstantinopel ging, kaufte ich sie.
Das ist herrlich! Bei Ihnen, lieber Graf, lebt man nicht, sondern träumt. Doch hören Sie, was ich Sie nun fragen werde, ist sehr unbescheiden.
Sprechen Sie immerhin.
Da Sie mit ihr ausgehen, da Sie Haydee in die Oper führen, so kann ich mich wohl erdreisten…
Sie können sich erdreisten, alles von mir zu verlangen.
Wohl, lieber Graf, stellen Sie mich Ihrer Prinzessin vor.
Gern; doch unter zweiBedingungen.
Ich nehme sie zum voraus an.
Einmal dürfen Sie diese Vorstellung niemand mitteilen.
Sehr gut. Ich schwöre.
Und sodann dürfen Sie ihr nicht sagen, Ihr Vater habe dem ihrigen gedient.
Ich schwöre abermals.
Vortrefflich. Vicomte, nicht wahr, Sie werden sich dieserbeiden Schwüre erinnern?
Oh! gewiß.
Gut, ich weiß, daß Sie ein Mann von Ehre sind.
Der Graf schlug abermals auf das Glöckchen; Ali erschien.
Melde Haydee, sagte er zu ihm, daß ich den Kaffeebei ihr trinken will, und mache ihrbegreiflich, daß ich sie um Erlaubnisbitte, ihr einen von meinen Freunden vorzustellen.
Ali verbeugte sich und trat ab.
Es ist also abgemacht, wandte er sich wieder an Albert, keine unmittelbare Frage, lieber Vicomte. Wenn Sie etwas wissen wollen, so fragen Sie mich, und ich werde Haydee fragen.
Abgemacht!
Ali erschien zum dritten Male und hielt den Türvorhang aufgehoben, um seinem Herrn und Albert anzudeuten, daß sie kommen könnten.
Treten wir ein! sagte Monte Christo.
Albert fuhr mit der Hand in seine Haare und kräuselte seinen Schnurrbart. Der Graf nahm seinen Hut, zog seine Handschuhe an und ging Albert in die Wohnung voran, die von Ali wie von einem Vorpostenbewacht und von den drei Myrtho untergebenen französischen Kammerfrauen verteidigt wurde.
Haydee wartete im ersten Zimmer, dem Salon, mit großen Augen, in denen sich das Erstaunen deutlich ausprägte, denn es geschah zum erstenmal, daß ein anderer Mann als Monte Christo zu ihr drang. Sie saß mit gekreuztenBeinen in der Ecke eines Sofas wie in einem Nest aus den reichsten gestickten und gestreiften orientalischen Seidenstoffen; neben ihr lag das Instrument, dessen Töne sie verraten hatten. Sie war reizend anzuschauen.
Als sie Monte Christo erblickte, stand sie auf, mit dem doppelten Lächeln der Tochter und der Liebenden, das nur ihr eigen war; Monte Christo ging auf sie zu und reichte ihr seine Hand, auf die sie, wie gewöhnlich, ihre Lippen drückte.
Albert warbeim Anblick dieser seltsamen Schönheit, die er zum erstenmal sah, und von der sich ein Franzose keinenBegriff machen konnte, bei der Tür stehen geblieben.
Wenbringst du? fragte das Mädchen in neugriechischer Sprache, einenBruder, einen Freund, einenBekannten oder einen Feind?
Einen Freund, antwortete Monte Christo in derselben Sprache.
Wie heißt er?
Graf Albert, derselbe, den ich in Rom den Händen derBanditen entrissen habe.
In welcher Sprache soll ich mit ihm reden?
Monte Christo wandte sich zu Albert und fragte den jungen Mann:
Kennen Sie das Neugriechische?
Ach, nicht einmal das Altgriechische, versetzte Albert; Homer und Plato haben einen erbärmlichen Schüler an mir gehabt.
Nun wohl, sagte Haydee undbewies durch ihre Worte, daß sie Monte Christos Frage und Alberts Antwort gehört und verstanden hatte, ich werde Französisch oder Italienisch sprechen, wenn es überhaupt meines Herrn Wille ist, daß ich spreche.
Monte Christo dachte einen Augenblick nach und erwiderte: Du wirst Italienisch sprechen. Dann sagte er zu Albert: Es ist ärgerlich, daß Sie weder das Neugriechische, noch das Altgriechische verstehen, denn Haydee sprichtbeides vortrefflich; die Arme ist genötigt, Italienisch mit Ihnen zu reden, was Ihnen vielleicht einen falschenBegriff von ihr geben wird.
Er machte Haydee ein Zeichen.
Sei willkommen, Freund, der du mit meinem Herrn und Gebieter erscheinst, sagte das Mädchen in vortrefflichem Toskanisch und mit weichem, römischem Akzent. Ali, Kaffee und Pfeifen!
Monte Christo zeigte Albert zwei Stühle, die sie an ein mit natürlichenBlumen, Zeichnungen und Musikalienbedecktes Tischchen rückten.
Ali kehrtebald mit dem Kaffee und den Tschibuks zurück; Baptistin war dasBetreten dieses Teils der Wohnung verboten.
Albert wies die Pfeife zurück, die ihm der Nubierbot.
Oh! nehmen Sie, nehmen Sie, sagte Monte Christo; Haydee istbeinahe ebenso zivilisiert wie eine Pariserin; eine Havanna ist ihr unangenehm, weil sie die schlechten Gerüche nicht liebt, doch der orientalische Tabak gibt einen Wohlgeruch, wie Sie wissen.